Fragt man sich gelegentlich, „Was wäre, wenn…“ dies oder das nicht passiert wäre, ist diese Frage müßig, denn es IST passiert und daher nicht mehr veränderbar.
Meist stellt man sich diese Frage im Zusammenhang mit etwas Misslungenem und Unangenehmem, seltener aus einem Glücksgefühl heraus. Da wird eher gefragt: „Wäre es heute auch so…“ wenn dies oder jenes anders verlaufen wäre?
Ich finde schon allein die unterschiedlichen Fragestellungen interessant.
Manchmal lasse ich diesen Gedanken „was wäre, wenn…“ zu und wandere in die Vergangenheit, um dort eher spielerisch zu sichten, was denn tatsächlich heute anders wäre. Anders - in meinem Leben, und im Leben anderer.
Ich war hin und her gerissen bei dem Gedanken, ob mein Weg z.B. hierher nun wie eine gerade Linie verlief oder doch im Zickzack, durchbrochen mit Kreisen, Abzweigungen oder Labyrinthen. Wahrscheinlich liegt es nur an der Sichtweise, jedenfalls bin ich der Meinung, es trifft beides zu: ich kam auf direktem Weg mit Umleitungen hierher.
Wäre nun auf diesem Weg irgendetwas nicht geschehn, wäre ich z.B. irgendeinem Menschen nicht begegnet, hätten zwar dieser Mensch und ich uns nicht kennengelernt, an sich für den Rest der Welt nicht von großer Bedeutung, aber allein durch diese eine fehlende Begegnung, hätte ich auch Person B oder C oder D nicht getroffen, die mich wiederum zu diesem oder jenem Menschen geführt hätten.
Es ist ja nicht nur diese gerade Verbindung, also diese eine Linie von A nach B, es hängen ganz im Gegenteil unzählige Verbindungen daran, Linien, die sich verlängern, neu hinzukommen, die Richtung verändern oder parallel verlaufen. Es sind Vernetzungen, die sich ausbreiten, überschneiden und vermischen, wie die Ringe im Wasser, nachdem man einen Stein hineingeworfen hat.
Wenn ich nun hin und wieder dem Gedanken nachhänge, was wäre denn heute anders, wenn ich z.B. Mensch A nicht kennengelernt hätte und das rückverfolge, wird mir wieder bewusst, nicht nur er würde fehlen, sondern auch einige andere, da der persönliche Kontakt nie zustande gekommen wäre. Oder aber durch die fehlende Inspiration oder einen entsprechenden Impuls, hätte ich dies oder jenes nicht getan, Erfahrungen nicht machen können, manche Schritte nicht getan und dadurch wären mir liebenswerte Menschen „entgangen“, oder ein Job, oder ein Wohnortwechsel, oder eine Reise oder, oder, oder… Und jedes Ereignis für sich ist wieder gespickt mit Menschen und Erlebnissen, auf dem Weg – hierher. MEINEM Weg hierher.
Und auch die Menschen, denen ich auf meinem Weg (unserem Weg?) begegnet bin, hätten heute eine anders geschriebene Geschichte. Sie würden mich nicht kennen, auch andere nicht, ja, sie würden nicht mal dies hier lesen können, weil hier nichts geschrieben stünde.
So gesehn, ist das Was-Wäre-Wenn-oder-auch-Anders?–Gedankenspiel immer wieder spannend und aufschlussreich.
Ein Beispiel? Kein Kind – kein Internet – kein Blogigo. ;o)