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<title>Die Leiden des jungen Werther</title>
<link>http://www.blogigo.de/werther</link>
<description>Die Leiden des jungen Werther, erschienen 1774, ist ein Briefroman, indem fast die gesamte Handlung in Briefen geschildert wird, die die Hauptfigur Werther an ihren Freund Wilhelm richtet. Der Roman war ein großer Publikumserfolg und zugleich auch ein Skandalroman. Von der Kirche wegen der angeblichen Verherrlichung des Selbstmordes verurteilt, von der Jugend geliebt.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;

In diesem Weblog erscheint der Text des Buches in regelmäßigen Eintragungen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Weblogs des blogigo Literatur-Specials erfolgen die Veröffentlichungen nicht in &quot;Echt-Zeit&quot;, da zwischen den Briefen im Roman zum Teil größere Pausen entstehen.</description>
<language>de</language>
<dc:creator>jw_goethe</dc:creator>
<dc:publisher>jw_goethe</dc:publisher>
<pubDate>Sat, 26 Jun 2004 23:00:52 +0200</pubDate>
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<title>Am 16. Julius</title>
<description> Ach wie mir das durch alle Adern läuft, wenn mein Finger unversehens den ihrigen berührt, wenn unsere Füße sich unter dem Tische begegnen! Ich ziehe zurück wie vom Feuer, und eine geheime Kraft zieht mich wieder vorwärts - mir wird&#039;s so schwindelig vor allen Sinnen. - O! Und ihre Unschuld, ihre unbefangene Seele fühlt nicht, wie sehr mich die kleinen Vertraulichkeiten peinigen. Wenn sie gar im Gespräch ihre Hand auf die meinige legt und im Interesse der Unterredung näher zu mir rückt, daß der himmlische Atem ihres Mundes meine Lippen erreichen kann: - ich glaube zu versinken, wie vom Wetter gerührt. - und, Wilhelm! Wenn ich mich jemals unterstehe, diesen Himmel, dieses Vertrauen -! Du verstehst mich. Nein, mein Herz ist so verderbt nicht! Schwach! Schwach genug! - und ist das nicht Verderben?
  
- sie ist mir heilig. Alle Begier schweigt in ihrer Gegenwart. Ich weiß nie, wie mir ist, wenn ich bei ihr bin; es ist, als wenn die Seele sich mir in allen Nerven umkehrte. - sie hat eine Melodie,...</description>
<pubDate>Sat, 26 Jun 2004 23:00:52 +0200</pubDate>
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<title>Am 13. Julius</title>
<description> Nein, ich betrüge mich nicht! Ich lese in ihren schwarzen Augen wahre Teilnehmung an mir und meinem Schicksal. Ja ich fühle, und darin darf ich meinem Herzen trauen, daß sie - o darf ich, kann ich den Himmel in diesen Worten aussprechen? - daß sie mich liebt!
  
Mich liebt! - und wie wert ich mir selbst werde, wie ich - dir darf ich&#039;s wohl sagen, du hast Sinn für so etwas - wie ich mich selbst anbete, seitdem sie mich liebt!
  
Ob das Vermessenheit ist oder Gefühl des wahren Verhältnisses? - ich kenne den Menschen nicht, von dem ich etwas in Lottens Herzen fürchtete. Und doch - wenn sie von ihrem Bräutigam spricht, mit solcher Wärme, solcher Liebe von ihm spricht - da ist mir&#039;s wie einem, der aller seiner Ehren und Würden entsetzt und dem der Degen genommen wird.  </description>
<pubDate>Wed, 23 Jun 2004 18:43:35 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-13.-Julius/20/</link>
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<title>Am 11. Julius</title>
<description> Frau M. ist sehr schlecht; ich bete für ihr Leben, weil ich mit Lotten dulde. Ich sehe sie selten bei einer Freundin, und heute hat sie mir einen wunderbaren Vorfall erzählt. - der alte M. ist ein geiziger, rangiger Filz, der seine Frau im Leben was Rechts geplagt und eingeschränkt hat; doch hat sich die Frau immer durchzuhelfen gewußt. Vor wenigen Tagen, als der Arzt ihr das Leben abgesprochen hatte, ließ sie ihren Mann kommen (Lotte war im Zimmer) und redete ihn also an:&quot;ich muß dir eine Sache gestehen, die nach meinem Tode Verwirrung und Verdruß machen könnte. Ich habe bisher die Haushaltung geführt, so ordentlich und sparsam als möglich; allein du wirst mir verzeihen, daß ich dich diese dreißig Jahre her hintergangen habe. Du bestimmtest im Anfange unserer Heirat ein Geringes für die Bestreitung der Küche und anderer häuslichen Ausgaben. Als unsere Haushaltung stärker wurde, unser Gewerbe größer, warst du nicht zu bewegen, mein Wochengeld nach dem Verhältnisse zu vermehren; kurz, du...</description>
<pubDate>Sun, 20 Jun 2004 19:07:46 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-11.-Julius/19/</link>
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<title>Am 10. Julius</title>
<description> Die alberne Figur, die ich mache, wenn in Gesellschaft von ihr gesprochen wird, solltest du sehen! Wenn man mich nun gar fragt, wie sie mir gefällt? - gefällt! Das Wort hasse ich auf den Tod. Was muß das für ein Mensch sein, dem Lotte gefällt, dem sie nicht alle Sinne, alle Empfindungen ausfüllt! Gefällt! {das Wort hasse ich auf den Tod. Was muß das für ein Mensch sein, dem Lotte gefällt, dem sie nicht alle Sinne, alle Empfindungen ausfüllt!} Gefällt! Neulich fragte mich einer, wie mir Ossian gefiele! </description>
<pubDate>Sat, 19 Jun 2004 19:58:52 +0200</pubDate>
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</item><item>
<title>Am 8. Julius</title>
<description> Was man ein Kind ist! Was man nach so einem Blicke geizt! Was man ein Kind ist! - Wir waren nach Wahlheim gegangen. Die Frauenzimmer fuhren hinaus, und während unserer Spaziergänge glaubte ich in Lottens schwarzen Augen - ich bin ein Tor, verzeih mir&#039;s! Du solltest sie sehen, diese Augen. - Daß ich kurz bin (denn die Augen fallen mir zu vor Schlaf): siehe, die Frauenzimmer stiegen ein, da standen um die Kutsche der junge W., Selstadt und Audran und ich. Da ward aus dem Schlage geplaudert mit den Kerlchen, die freilich leicht und lüftig genug waren. - ich suchte Lottens Augen: ach, sie gingen von einem zum andern! Aber auf mich! Mich! Mich! Der ganz allein auf sie resigniert dastand, fielen sie nicht! - Mein Herz sagte ihr tausend Adieu! Und sie sah mich nicht! Die Kutsche fuhr vorbei, und eine Träne stand mir im Auge. Ich sah ihr nach und sah Lottens Kopfputz sich zum Schlage herauslehnen, und sie wandte sich um zu sehen, ach! Nach mir? - Lieber! In dieser Ungewißheit schwebe ich; das ist mein...</description>
<pubDate>Thu, 17 Jun 2004 21:42:10 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-8.-Julius/17/</link>
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<title>Am 6. Julius</title>
<description> Sie ist immer um ihre sterbende Freundin, und ist immer dieselbe, immer das gegenwärtige, holde Geschöpf, das, wo sie hinsieht, Schmerzen lindert und Glückliche macht. Sie ging gestern abend mit Marianen und dem kleinen Malchen spazieren, ich wußte es und traf sie an, und wir gingen zusammen. Nach einem Wege von anderthalb Stunden kamen wir gegen die Stadt zurück, an den Brunnen, der mir so wert und nun tausendmal werter ist. Lotte setzte sich aufs Mäuerchen, wir standen vor ihr. Ich sah umher, ach, und die Zeit, da mein Herz so allein war, lebte wieder vor mir auf. -&quot;Lieber Brunnen&quot;, sagte ich, &quot;seither hab&#039; ich nicht mehr an deiner Kühle geruht, hab&#039; in eilendem Vorübergehn dich manchmal nicht angesehn&quot;. - Ich blickte hinab und sah, daß Malchen mit einem Glase Wasser sehr beschäftigt heraufstieg. - Ich sah Lotten an und fühlte alles, was ich an ihr habe. Indem kommt Malchen mit einem Glase. Mariane wollt&#039; es ihr abnehmen: &quot;nein!&quot; rief das Kind mit dem süßesten Ausdrucke,&quot;nein, Lottchen, du...</description>
<pubDate>Sun, 06 Jun 2004 23:39:49 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-6.-Julius/16/</link>
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<title>Am 1. Julius</title>
<description> Was Lotte einem Kranken sein muß, fühl&#039; ich an meinem eigenen Herzen, das übler dran ist als manches, das auf dem Siechbette verschmachtet. Sie wird einige Tage in der Stadt bei einer rechtschaffnen Frau zubringen, die sich nach der Aussage der Ärzte ihrem Ende naht und in diesen letzten Augenblicken Lotten um sich haben will. Ich war vorige Woche mir ihr, den Pfarrer von St. zu besuchen; ein Örtchen, das eine Stunde seitwärts im Gebirge liegt. Wir kamen gegen vier dahin. Lotte hatte ihre zweite Schwester mitgenommen. Als wir in den mit zwei hohen Nußbäumen überschatteten Pfarrhof traten, saß der gute alte Mann auf einer Bank vor der Haustür, und da er Lotten sah, ward er wie neu belebt, vergaß seinen Knotenstock und wagte sich auf, ihr entgegen. Sie lief hin zu ihm, nötigte ihn sich niederzulassen, indem sie sich zu ihm setzte, brachte viele Grüße von ihrem Vater, herzte seinen garstigen, schmutzigen jüngsten Buben, das Quakelchen seines Alters. Du hättest sie sehen sollen, wie sie den...</description>
<pubDate>Tue, 01 Jun 2004 18:05:07 +0200</pubDate>
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<title>Am 29. Junius</title>
<description>Vorgestern kam der Medikus hier aus der Stadt hinaus zum Amtmann und
fand mich auf der Erde unter Lottens Kindern, wie einige auf mir
herumkrabbelten, andere mich neckten, und wie ich sie kitzelte und ein
großes Geschrei mit ihnen erregte. Der Doktor, der eine sehr
dogmatische Drahtpuppe ist, unterm Reden seine Manschetten in Falten
legt und einen Kräusel ohne Ende herauszupft, fand dieses unter der
Würde eines gescheiten Menschen; das merkte ich an seiner Nase. Ich
ließ mich aber in nichts stören, ließ ihn sehr vernünftige Sachen
abhandeln und baute den Kindern ihre Kartenhäuser wieder, die sie
zerschlagen hatten. Auch ging er darauf in der Stadt herum und
beklagte, des Amtmanns Kinder wären so schon ungezogen genug, der
Werther verderbe sie nun völlig. 
 
Ja, lieber Wilhelm, meinem Herzen sind die Kinder am nächsten auf der
Erde. Wenn ich ihnen zusehe und in dem kleinen Dinge die Keime aller
Tugenden, aller Kräfte sehe, die sie einmal so nötig brauchen werden;
wenn ich in dem...</description>
<pubDate>Thu, 27 May 2004 12:23:45 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-29.-Junius/14/</link>
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<title>Am 21. Junius</title>
<description> 
Ich lebe so glückliche Tage, wie sie Gott seinen Heiligen ausspart; und mit mir mag werden was will, so darf ich nicht sagen, daß ich die Freuden, die reinsten Freuden des Lebens nicht genossen habe. - du kennst mein Wahlheim; dort bin ich völlig etabliert, von da habe ich nur eine halbe Stunde zu Lotten, dort fühl&#039; ich mich selbst und alles Glück, das dem Menschen gegeben ist.
  
Hätt&#039; ich gedacht, als ich mir Wahlheim zum Zwecke meiner Spaziergänge wählte, daß es so nahe am Himmel läge! Wie oft habe ich das Jagdhaus, das nun alle meine Wünsche einschließt, auf meinen weiten Wanderungen, bald vom Berge, bald von der Ebne über den Fluß gesehn!
  
Lieber Wilhelm, ich habe allerlei nachgedacht, über die Begier im Menschen, sich auszubreiten, neue Entdeckungen zu machen, herumzuschweifen; und dann wieder über den inneren Trieb, sich der Einschränkung willig zu ergeben, in dem Gleise der Gewohnheit so hinzufahren und sich weder um Rechts noch um Links zu bekümmern.
  
Es ist...</description>
<pubDate>Sun, 09 May 2004 23:19:44 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-21.-Junius/13/</link>
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<title>Am 19. Junius</title>
<description> Wo ich neulich mit meiner Erzählung geblieben bin, weiß ich nicht mehr; das weiß ich, daß es zwei Uhr des Nachts war, als ich zu Bette kam, und daß, wenn ich dir hätte vorschwatzen können, statt zu schreiben, ich dich vielleicht bis an den Morgen aufgehalten hätte.
  
Was auf unserer Hereinfahrt vom Balle geschehen ist, habe ich noch nicht erzählt, habe auch heute keinen Tag dazu.
  
Es war der herrlichste Sonnenaufgang. Der tröpfelnde Wald und das erfrischte Feld umher! Unsere Gesellschafterinnen nickten ein. Sie fragte mich, ob ich nicht auch von der Partie sein wollte; ihretwegen sollt&#039; ich unbekümmert sein. -&quot;So lange ich diese Augen offen sehe&quot;, sagte ich und sah sie fest an,&quot;so lange hat&#039;s keine Gefahr&quot;. - Und wir haben beide ausgehalten bis an ihr Tor, da ihr die Magd leise aufmachte und auf ihr Fragen versicherte, daß Vater und Kleine wohl seien und alle noch schliefen. Da verließ ich sie mit der Bitte, sie selbigen Tags noch sehen zu dürfen; sie gestand mir&#039;s zu, und ich bin...</description>
<pubDate>Thu, 06 May 2004 00:20:29 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-19.-Junius/12/</link>
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</item><item>
<title>Am 16. Junius</title>
<description> Warum ich dir nicht schreibe? - Fragst du das und bist doch auch der Gelehrten einer. Du solltest raten, daß ich mich wohl befinde, und zwar - kurz und gut, ich habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht. Ich habe - ich weiß nicht.
  
Dir in der Ordnung zu erzählen, wie&#039;s zugegangen ist, daß ich eins der liebenswürdigsten Geschöpfe habe kennen lernen, wird schwer halten. Ich bin vergnügt und glücklich, und also kein guter Historienschreiber.
  
Einen Engel! - pfui! Das sagt jeder von der Seinigen, nicht wahr? Und doch bin ich nicht imstande, dir zu sagen, wie sie vollkommen ist, warum sie vollkommen ist; genug, sie hat allen meinen Sinn gefangengenommen.
  
So viel Einfalt bei so viel Verstand, so viel Güte bei so viel Festigkeit, und die Ruhe der Seele bei dem wahren Leben und der Tätigkeit.
  
- Das ist alles garstiges Gewäsch, was ich da von ihr sage, leidige Abstraktionen, die nicht einen Zug ihres Selbst ausdrücken. Ein andermal - nein, nicht ein andermal, jetzt...</description>
<pubDate>Fri, 30 Apr 2004 22:34:17 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-16.-Junius/11/</link>
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</item><item>
<title>Am 30. Mai</title>
<description> Was ich dir neulich von der Malerei sagte, gilt gewiß auch von der Dichtkunst; es ist nur, daß man das Vortreffliche erkenne und es auszusprechen wage, und das ist freilich mit wenigem viel gesagt. Ich habe heute eine Szene gehabt, die, rein abgeschrieben, die schönste Idylle von der Welt gäbe; doch was soll Dichtung, Szene und Idylle? Muß es denn immer gebosselt sein, wenn wir teil an einer Naturerscheinung nehmen sollen?
  
Wenn du auf diesen Eingang viel Hohes und Vornehmes erwartest, so bist du wieder übel betrogen; es ist nichts als ein Bauerbursch, der mich zu dieser lebhaften Teilnehmung hingerissen hat. Ich werde, wie gewöhnlich, schlecht erzählen, und du wirst mich, wie gewöhnlich, denk&#039; ich, übertrieben finden; es ist wieder Wahlheim, und immer Wahlheim, das diese Seltenheiten hervorbringt.
  
Es war eine Gesellschaft draußen unter den Linden, Kaffee zu trinken. Weil sie mir nicht ganz anstand, so blieb ich unter einem Vorwande zurück.
  
Ein Bauerbursch kam aus einem...</description>
<pubDate>Tue, 27 Apr 2004 22:46:17 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-30.-Mai/10/</link>
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</item><item>
<title>Am 27. Mai</title>
<description> 
Ich bin, wie ich sehe, in Verzückung, Gleichnisse und Deklamation verfallen und habe darüber vergessen, dir auszuerzählen, was mit den Kindern weiter geworden ist. Ich saß, ganz in malerische Empfindung vertieft, die dir mein gestriges Blatt sehr zerstückt darlegt, auf meinem Pfluge wohl zwei Stunden. Da kommt gegen Abend eine junge Frau auf die Kinder los, die sich indes nicht gerührt hatten, mit einem Körbchen am Arm und ruft von weitem: &quot;Philipps, du bist recht brav&quot;. - Sie grüßte mich, ich dankte ihr, stand auf, trat näher hin und fragte sie, ob sie Mutter von den Kindern wäre? Sie bejahte es, und indem sie dem ältesten einen halben Weck gab, nahm sie das kleine auf und küßte es mit aller mütterlichen Liebe. -&quot;ich habe&quot;, sagte sie, &quot;meinem Philipps das Kleine zu halten gegeben und bin mit meinem Ältesten in die Stadt gegangen, um weiß Brot zu holen und Zucker und ein irden Breipfännchen&quot;. - Ich sah das alles in dem Korbe, dessen Deckel abgefallen war. -&quot;Ich will meinem Hans (das...</description>
<pubDate>Fri, 23 Apr 2004 23:47:59 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-27.-Mai/9/</link>
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</item><item>
<title>Am 26. Mai</title>
<description> Du kennst von alters her meine Art, mich anzubauen, mir irgend an einem vertraulichen Orte ein Hüttchen aufzuschlagen und da mit aller Einschränkung zu herbergen. Auch hier habe ich wieder ein Plätzchen angetroffen, das mich angezogen hat.
  
Ungefähr eine Stunde von der Stadt liegt ein Ort, den sie Wahlheim nennen. Die Lage an einem Hügel ist sehr interessant, und wenn man oben auf dem Fußpfade zum Dorf herausgeht, übersieht man auf einmal das ganze Tal. Eine gute Wirtin, die gefällig und munter in ihrem Alter ist, schenkt Wein, Bier, Kaffee; und was über alles geht, sind zwei Linden, die mit ihren ausgebreiteten [sten den kleinen Platz vor der Kirche bedecken, der ringsum mit Bauerhäusern, Scheunen und Höfen eingeschlossen ist. So vertraulich, so heimlich hab&#039; ich nicht leicht ein Plätzchen gefunden, und dahin lass&#039; ich mein Tischchen aus dem Wirtshause bringen und meinen Stuhl, trinke meinen Kaffee da und lese meinen Homer. Das erstenmal, als ich durch einen Zufall an einem schönen...</description>
<pubDate>Mon, 19 Apr 2004 23:00:36 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-26.-Mai/8/</link>
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</item><item>
<title>Am 22. Mai</title>
<description> 
Daß das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen, und auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum. Wenn ich die Einschränkung ansehe, in welcher die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt sind; wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit dahinaus läuft, sich die Befriedigung von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere arme Existenz zu verlängern, und dann, daß alle Beruhigung über gewisse Punkte des Nachforschens nur eine träumende Regignation ist, da man sich die Wände, zwischen denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten bemalt - das alles, Wilhelm, macht mich stumm. Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt! Wieder mehr in Ahnung und dunkler Begier als in Darstellung und lebendiger Kraft. Und da schwimmt alles vor meinen Sinnen, und ich lächle dann so träumend weiter in die Welt.
  
Daß die Kinder nicht wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelahrten Schul- und...</description>
<pubDate>Fri, 16 Apr 2004 19:50:05 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-22.-Mai/7/</link>
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</item><item>
<title>Den 17. Mai</title>
<description> Ich habe allerlei Bekanntschaft gemacht, Gesellschaft habe ich noch
keine gefunden. Ich weiß nicht, was ich Anzügliches für die Menschen
haben muß; es mögen mich ihrer so viele und hängen sich an mich, und da
tut mir&#039;s weh, wenn unser Weg nur eine kleine Strecke miteinander geht.
Wenn du fragst, wie die Leute hier sind, muß ich dir sagen: wie
überall! Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht. Die
meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das
bißchen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, daß sie
alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden. O Bestimmung des Menschen!
  Aber eine recht gute Art Volks! Wenn ich mich manchmal
vergesse, manchmal mit ihnen die Freuden genieße, die den Menschen noch
gewährt sind, an einem artig besetzten Tisch mit aller Offen- und
Treuherzigkeit sich herumzuspaßen, eine Spazierfahrt, einen Tanz zur
rechten Zeit anzuordnen, und dergleichen, das tut eine ganz gute
Wirkung auf mich; nur muß mir nicht...</description>
<pubDate>Tue, 13 Apr 2004 18:56:15 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Den-17.-Mai/6/</link>
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</item><item>
<title>Am 15. Mai</title>
<description> 
Die geringen Leute des Ortes kennen mich schon und lieben mich, besonders die Kinder. Eine traurige Bemerkung hab&#039; ich gemacht. Wie ich im Anfange mich zu ihnen gesellte, sie freundschaftlich fragte über dies und das, glaubten einige, ich wollte ihrer spotten, und fertigten mich wohl gar grob ab. Ich ließ mich das nicht verdrießen; nur fühlte ich, was ich schon oft bemerkt habe, auf das lebhafteste : Leute von einigem Stande werden sich immer in kalter Entfernung vom gemeinen Volke halten, als glaubten sie durch Annäherung zu verlieren; und dann gibt&#039;s Flüchtlinge und üble Spaßvögel, die sich herabzulassen scheinen, um ihren Übermut dem armen Volke desto empfindlicher zu machen.
  
Ich weiß wohl, daß wir nicht gleich sind, noch sein können; aber ich halte dafür, daß der, der nötig zu haben glaubt, vom so genannten Pöbel sich zu entfernen, um den Respekt zu erhalten, ebenso tadelhaft ist als ein Feiger, der sich vor seinem Feinde verbirgt, weil er zu unterliegen fürchtet....</description>
<pubDate>Sun, 11 Apr 2004 21:22:35 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-15.-Mai/5/</link>
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</item><item>
<title>Am 13. Mai</title>
<description> 
 Du fragst, ob du mir meine Bücher schicken sollst? - lieber, ich bitte dich um Gottes willen, laß mir sie vom Halse! Ich will nicht mehr geleitet, ermuntert, angefeuert sein, braust dieses Herz doch genug aus sich selbst; ich brauche Wiegengesang, und den habe ich in seiner Fülle gefunden in meinem Homer. Wie oft lull&#039; ich mein empörtes Blut zur Ruhe, denn so ungleich, so unstet hast du nichts gesehn als dieses Herz. Lieber! Brauch&#039; ich dir das zu sagen, der du so oft die Last getragen hast, mich vom Kummer zur Ausschweifung und von süßer Melancholie zur verderblichen Leidenschaft übergehen zu sehn? Auch halte ich mein Herzchen wie ein krankes Kind; jeder Wille wird ihm gestattet. Sage das nicht weiter; es gibt Leute, die mir es verübeln würden.
 </description>
<pubDate>Fri, 09 Apr 2004 18:03:29 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-13.-Mai/4/</link>
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</item><item>
<title>Am 10. Mai</title>
<description> Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen,  
gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße.  
Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend,  
die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine.  
Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle   
von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet.  
Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und   
bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken.  
Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der   
Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur   
einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen   
Grase am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend   
mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden; wenn ich das Wimmeln der   
kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen, unergründlichen Gestalten   
der Würmchen, der Mückchen näher an meinem Herzen...</description>
<pubDate>Tue, 06 Apr 2004 20:51:36 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-10.-Mai/3/</link>
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</item><item>
<title>Am 4. Mai 1771</title>
<description> 
Wie froh bin ich, daß ich weg bin!  
Bester Freund, was ist das Herz des Menschen!  
Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich   
unzertrennlich war, und froh zu sein!  
Ich weiß, du verzeihst mir&#039;s.  
Waren nicht meine übrigen Verbindungen recht ausgesucht vom   
Schicksal, um ein Herz wie das meine zu ängstigen?  
Die arme Leonore!  
Und doch war ich unschuldig.  
Konnt&#039; ich dafür, daß, während die eigensinnigen Reize   
ihrer Schwester mir eine angenehme Unterhaltung verschafften, daß eine   
Leidenschaft in dem armen Herzen sich bildete?  
Und doch - bin ich ganz unschuldig?  
Hab&#039; ich nicht ihre Empfindungen genährt?  
Hab&#039; ich mich nicht an den ganz wahren Ausdrücken der Natur,   
die uns so oft zu lachen machten, so wenig lächerlich sie waren, selbst   
ergetzt?  
Hab&#039; ich nicht - o was ist der Mensch, daß er über sich   
klagen darf!  
Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir&#039;s, ich will   
mich bessern, will nicht mehr ein bißchen Übel, das uns das...</description>
<pubDate>Sat, 03 Apr 2004 19:34:12 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/werther/Am-4.-Mai-1771/2/</link>
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