Stimmung: Medium
Musik: Stromae - Alors on danse
Es folgt ein viel zu lang ausgearteter Seelen-Striptease...
Ich habe zwei sehr große Probleme, die zusammenhängen, und mein Leben im Moment sehr belasten.
Ich wirke unheimlich selbstbewusst auf neue Menschen, dieses Bild hält sich wohl auch meist ziemlich lange, einzig meine besten Freunde wissen, dass ich sehr oft riesige Selbstzweifel habe, andere für besser halte (witziger, talentierter, liebenswerter) und in vielen Situationen deswegen aufgebe, bevor ich etwas versucht habe (habe mich an Schauspielschulen beworben und die Vorsprechen dann am Ende doch nicht wahrgenommen, aus Angst, schlecht zu sein, dasselbe bei der Bewerbung für ein Kunststudium mit der Mappe). Mein ganzes Selbstbewusstsein und meine gute Ausstrahlung kommen einzig von (zumeist männlicher) Bestätigung, Komplimenten etc.
Mir wird sehr oft gesagt dass ich sehr hübsch bin und ein tolles Mädchen, ich finde beim feiern gehen sehr schnell Männer, die mir Drinks spendieren und mit denen ich rumknutsche, und mit meinem Aussehen bin ich meistens auch zufrieden, aber was meinen Charakter angeht, bin ich sehr unglücklich und hoffe ständig, dass niemand merkt, dass ich eigentlich ein völlig unangenehmer Mensch bin.
Ich hatte Anfang des Jahres einen One-Night-Stand, in den ich mich verliebte, er hat jedoch eine Freundin und am Ende wurde nichts aus uns. Um mich darüber hinwegzutrösten, fing ich eine Affäre mit einem Arbeitskollegen an, mit dem es einen Monat lang auch sehr schön war, dummerweise war es so schön, dass ich mich in ihn verknallte. Ich bin ein sehr gutgläubiger Mensch und habe ihm mehr oder weniger vertraut, am Ende ging er mir jedoch nur noch aus dem Weg, ignorierte meine Gesprächsversuche und später erfuhr ich, dass er die ganze Zeit noch mit seine Exfreundin geschlafen und uns beide belogen hatte.
Vor allem bei meinem Arbeitskollegen hatte ich unglaubliche Verlustängste und war ich 2-3 Wochn lang nur am heulen, konnte weder meinen Abiball noch das Hurricane Festival mit meiner besten Freundin genießen und fühlte mich hundeelend und allein.
Inzwischen bin ich über ihn hinweg, da ich mehr oder weniger durch Zufall jemanden kennen gelernt habe. Ich wollte eigentlich meine Ruhe haben, doch dann haben wir ein paar sehr lustige Abende verbracht, rumgeknutscht und ich fange an, ihn sehr zu mögen. Er wusste von Anfang an, dass ich gerade sehr verletzt wurde, er hatte bislang noch keine Beziehung und ist auch kein unkomplizierter Mensch. Wir sind beide gerade an dem Punkt angelangt, wo wir uns eine feste Beziehung wünschen.
Er hat vorgeschlagen, mit dem Sex zu warten, was ich angesichts meiner letzten 2 Erfahrungen liebend gerne tue, und ich wünsche mir sehr, ihn kennen zu lernen. Ich habe schon häufiger bei ihm geschlafen, jedoch ohne große sexuelle Kontakte (einmal ging es etwas weiter als kuscheln, aber nicht viel), wir sind nur nebeneinander eingeschlafen und ich fühle mich bei ihm extrem wohl.
Da kommt jedoch mein anderes Problem hinzu. Ich vermute, weil mein Selbstbewusstsein nur über Oberflächlichkeiten herrührt, habe ich so große Verlustängste wie kaum zuvor.
Obwohl ich weiß, dass er mich sehr gern hat (er hat einer Freundin erzählt, dass ich immer die einzige in der Agentur war, die er wollte, sein bester Freund hat mir versichert, dass er mich mögen muss, da er sonst nie Beziehungen hat/will und auch wegen der Art, wie er mit mir spricht etc) und unheimlich lieb zu mir ist, wenn wir uns sehen, könnte ich schon wieder durchdrehen vor lauter Angst, dass ich ihn verlieren könnte. Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, habe ich betrunken einer Bekannten ausgeplaudert, dass wir noch keinen Sex hatten und wie weit es ging, was er mitbekam. Daraufhin meinte er - ebenfalls ziemlich betrunken - dass er nicht wisse, ob er mir das verzeihen könne und dass er es absolut hasst, wenn Leute derart intimes weitererzählen. Ich habe an dem Abend sehr angefangen zu weinen und auf dem Nachhauseweg zu ihm sind wir nur schweigend nebeneinander hergegangen, bis er irgendwann anhielt, mich küsste und im Arm hielt. Kurz vorm einschlafen fragte ich ihn, ob wir uns denn noch lieb hätten, worauf ich ein bejahendes Murmeln bekam und beruhigt einschlafen konnte. Am nächsten Tag war alles wieder einigermaßen in Butter. Jetzt ist er aber für eine Woche weggefahren, seine Großmutter besuchen, bis zum nächsten Wochenende, und wir haben nur sporadisch Kontakt. Ich habe vorgestern bei seinem besten Freund übernachtet und am nächsten Morgen rief er ihn an und wollte mich dann sprechen und wir haben eine Weile telefoniert, ansonsten schreiben wir am Tag vielleicht eine SMS und schnacken bei Facebook, wo ich jedoch schon wieder was Dummes gemacht hab, ich hab ihm erzählt, dass ich völlig blau mit hilflos-Masche 5 Euro auf der Straße erschnorrt habe, worauf er mit "Aha, find ich jetzt nicht soooo lustig, mach das mal nicht in meiner Gegenwart" reagierte. Danach war das Gespräch ziemlich erlahmt und ich hatte schon wieder das Gefühl, mich drauf einstellen zu können, dass er mich nicht mehr will. Ich versuche, mir zu sagen, dass das Schwachsinn ist, aber die letzten Male, wo ich solche Ängste hatte, wurden sie eben bestätigt, und vor allem das letzte Mal war ein derart großer Vertrauensbruch für mich, dass ich mein Misstrauen und die Angst nur schwer zügeln kann. Dummerweise steigere ich mich durch die Angst, ihn zu verlieren, auch noch weiter in meine Gefühle für ihn hinein, die eigentlich bislang nur eine große Schwärmerei sind, aber ich habe eben diese dumme Macke, dass ich auf Ablehnung nur mit noch mehr Zuneigung reagiere. Andererseits will ich auch nicht klammern und versuche, ihm den Freiraum zu lassen, dass er sich von selbst meldet. Aber es fällt mir so unheimlich schwer.
Ich möchte einfach nicht mehr allein sein, und von unserer Art her passen wir großartig zusammen, sein bester Freund (der ihm sehr ähnlich ist) und mit dem ich mich sehr gut verstehe und ab und zu abends weggehe, kam aus der Begeisterung über mich kaum noch heraus ("Derbe geil, dass K. endlich so eine korrekte Freundin hat" etc.) und er hat mir versichert, dass K. mich sicher mag, aber ich weiß einfach nicht, wie schnell diese Zuneigung verfliegen kann, wenn wir uns nicht sehen, und nicht viel reden, und wenn ich ihm dann auch noch so dumme Gründe gebe, mich nicht zu mögen...
Und ich will einfach nicht wieder alleine da stehen.
Ganz lesen wird das sicherlich zwar niemand, aber es tut gut, es sich von der Seele zu schreiben... :)