Über Fenster, Sonne und Regen...
Realität ist, wenn ich aus dem Fenster sehe und sehe es regnen. Oder es scheint die Sonne - aber ich sehe es trotzdem regnen.
Im normalen Leben würde ich mich dann aller Wahrscheinlichkeit nach in ärztliche Behandlung begeben. Wg. Wahnvorstellungen. Oder wg Demenz. Nicht jedoch, wenn ich Politiker, Wirtschaftsforscher o.ä. wäre.
Im Jahr 2008 sind Politiker, Banker und Co emsig herumgerannt und verkündeten ihre Form von Realität: "Wir bekommen keine Krise! Die Krise in den USA wird uns nicht treffen. Unsere Märkte sind viel zu stabil. Ihr müsst nur weiter auf uns vertrauen -und uns euer Geld geben." und pipapo... (A)
Im Jahr 2009, genauer bis zum 27.09.2009, plötzlich einsetzendes Heulen. "Oh Gott. Wir sind in der Krise. Die Wirtschaftsleistung ist plötzlich / über Nacht / unerwartet ( absolut unvorhersehbar eingebrochen. Die Arbeitslosenzahlen werden steigen. Wir müssten dringend was tun...." (B)
Kurz nach dem Wahltag: "Die Krise scheint überwunden. Dsa zarte Pflänzen Aufschwung ist am wachsen. Wenn es weiter schön gehegt und gepflegt wird, werden wir in nicht allzuferner Zeit gut da stehen..." (C)
Was soll mir das sagen? Ändern sich die Bedingungen wirklich so sprunghaft - oder hat es was mit der veränderten Wahrnehmng von Realitäten zu tun? Man könnten auch sagen:
A. Das System war 2008 schon kollabiert. Von Aufschwung keine Spur. Aber man sollte den Bürgern vielleicht nicht gerade sagen, das massive Steuererhöhungen, fanatischer Lobbyismus und Co die falschen Weichenstellungen waren. Also lieber gesundbeten und hoffen, dass der dumme Michel nicht selbst aus dem Fenster sieht.
B. In 2009 Teil I wollte man die bisherige Regierung nicht mehr fortsetzen. Also massive Regenwolken herbeireden - in der Hoffnung, dass der Bürger dem jeweils anderen Regierungspartner die Schuld zuweist. Mit etwas Glück springt der andere über die Klinge - und man kann selbst in einer neuen Koalition weiter regieren.
C. In 2009 Teil II muss man jetzt zeigen: Bürger - ihr habt richtig gewähnt. Wir werden das Kind schon schaukeln. Ihr müsste gar nicht selbst aus dem Fenster sehen - wir haben es im Griff - und in Kürze wird es wieder blühende Landschaften geben...
Was heisst das jetzt für den Bürger? Na ziemlich simpel:
1. Wer nicht selbst aus dem Fenster schaut ist selber schuld.
2. Wer den Politprofis glaubt und ohne Regenschirm aus dem Haus geht - na ja, der könnte wohl ziemlich nass werden...
Aber letztlich - und da fliegt diese kleine Geschichte vollends aus der Kurve: haben die Bürger ihr Wetter und die Wetterfrösche ja selbst gewählt. Ohne vorher zu fragen, ob die Wetterfrösche überhaupt Ahnung von den Dingen haben, die sie so predigen...

Falls du hingegen Alternativen hinsichtlich der Wetterfrösche suchst, die sich der Bürger selbst auswählt: na ja - der Wahlzettel letzte Woche war lang genug. Wer sich die Regierungsarbeit der letzten 11 Jahre angesehen hat... Krisen, Krieg und Katastrofen.... da fehlt doch irgendwie die schlussendliche Erklärung, warum SPD und CDU überhaupt so viele Stimmen bekommen haben. Ebenso schwant einem doch der böse Verdacht, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Menschen es weder mit 1 noch mit 2 hat. Und das - das ist wirklich absolut fatal in einer Demokratie*1.
*1 Demokratie = Regierungsform, die vom Mitmachen** lebt. ***
** Mitmachen - Aktivität, die Engagement und Meinungsbildung voraussetzt.
*** Unvergessen natürlich das Zitat, das ein Hr. John Maddox Roberts dem Julius Cäsär in den Mund legt als er mit / über einem germanischen Volksstamm verhandelt: "Demokratie? Wie soll das funktionieren? Das ist doch eine Regierungsform in der Idioten einen anderen Idioten aus ihrer Mitte wählen. Und hinterher fragen sich alle, wie dieser Idiot die Wahl gewinnen konnte..." (SPQR Romane)
LG xy12
Und was das Selber Denken und Bilden einer eigenen Meinung betrifft - Wem nützt es in dieser Gesellschaft zu wissen wo es hakt? Was nicht heißen soll, dass man die Augen verschließen soll. Am Ende kochen die "an der Macht" ja doch ihr eigenes Süppchen. Und wehe einer funkt dazwischen. Der ist schneller weg als er piep sagen kann.
So ein Wahlzettel kann meintetwegen so lang sein wie eine Rolle Toilettenpapier, und meintetwegen doppelseitig pro Blatt eng beschrieben sein, es ändert nichts an der Tatsache, dass egal wer drankommt es hinterher genau so macht wie die die jetzt dran sind.
Bestes Beispiel sind die Grünen. Wie schnell waren all Ihre versprechen Geschichte nachdem Sie 1983 zum erstem Mal in den Bundestag gewählt wurden ? Ich erinnere nur zu gut an das Versprechen "Rotationsprinzip". Kein Abgeordenter der Grünen sollte länger als 2 Jahre im Parlament sitzen. Als 1985 die ersten Abgedorneten ihren Platz räumen sollten wollten Sie plötzlich nichts mehr vom Rotationsprinzip wissen. Das Rotaionsprinzip wurde einfach abgeschafft.
Und die Grünen - ... die Grünen als Beispiel für Auswahl auf einen Wahlzettel anzuführen, ja entschuldigung, aber das ist nahezu vermessen. Die Grünen - waren die das nicht mit dem Afghanistankrieg, mit Hartz IV, mit den Scheinselbständigengesetzen und mit den Atomtransporten? Wer heute noch über Grün spricht - zumindest über diese Grünen, lebt doch irgendwie im Gestern. Zusammen mit den SPD Genossen - die Sozial predigen und selbst das Gegenteil saufen.
Da stellt sich die Frage: was erwartet man von "seinen" Abgeordneten? Das die sich wie Jesus ans Kreuz nageln lassen - wenn einen Raum weiter Wein, Weib, Gesang warten? Wohl eher unwahrscheinlich.
... na die Politiker mit ihren verheuchelten Machenschaften jedenfalls nicht. Ich habe schon immer selbst gern gekocht. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.
Guten Appetit! ;-)