YAIMM

31.03.2011 um 22:51 Uhr

Nachtgeschichte

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Zwei Herren, beide ernsthaft erkrankt, belegten dasselbe Krankenzimmer.
Einer der Herren hatte die Erlaubnis, sich jeden Nachmittag für eine Stunde aufzusetzen, damit die Flüssigkeit aus seiner Lunge abfließen konnte. Sein Bett stand am einzigen Fenster des Raumes.
Der andere Herr musste die ganze Zeit flach auf dem Rücken liegen.

Letztendlich unterhielten sich die beiden Männer stundenlang.
Sie sprachen von ihren Frauen und Familien, ihrer Heimat, ihren Jobs,ihrem Militärdienst und wo sie im Urlaub waren.
Jeden Nachmittag, wenn der Herr im Bett am Fenster sich aufrecht hinsetzte, ließ er die Zeit vergehen, indem er seinem Zimmernachbarn all die Dinge beschrieb, die er draußen am Fenster sah.

Der Herr im anderen Bett begann aufzuleben in jeder dieser Stunden, wo seine Welt erweitert und belebt wurde durch all die Geschehnisse und Farben der Welt dort draußen.
Das Fenster überblickte einen Park mit einem schnuckligen See. Enten und Schwäne spielten auf dem Wasser während Kinder ihre Modellboote segeln ließen. Junge Verliebte bummelten Arm in Arm durch die unzählig bunten Blumen und eine schöne Aussicht auf die Silhouette der Stadt lag am Horizont.
Wenn der Herr am Fenster all dies beschrieb mit allen kleinsten Details, schloss der Herr auf der anderen Seite im Raum die Augen und stellte sich die bildhaften Szenen vor
An einem warmen Nachmittag beschrieb der Mann am Fenster eine vorüberziehende Parade. Obwohl der andere Herr die Kapelle nicht hören konnte, konnte er sie vor seinem geistigen Auge sehen, während der Herr am Fenster sie mit anschaulichen Worten beschrieb.

Tage, Wochen und Monate vergingen.

Eines Morgens, die Tagschwester kam um Wasser für das Bad zu bringen, fand sie den leblosen Körper des Herrn am Fenster, der friedvoll in seinem Schlaf verstorben ist.
Sie war traurig und rief die Bediensteten, um den Toten wegbringen zulassen.
Nach einer angemessenen Weile fragte der andere Herr, ob man ihn ans Fenster verlegen könnte. Die Schwester war erfreut über den Tausch und nachdem sie sich vergewisserte, dass er sich wohlfühlt, ließ sie ihn allein.

Langsam, schmerzvoll stützte er sich auf einen Ellenbogen um seinen ersten Blick auf die echte Welt draußen zu richten.
Er strengte sich an, sich langsam zu drehen um aus dem Fenster am Bettzu gucken. Es zeigte auf eine leere Wand..
Der Mann fragte die Schwester, was seinen verstorbenen Zimmernachbarn veranlasst hatte, ihm so wundervolle Dinge von draußen vor dem Fenster zu erzählen.

Die Schwester erwiderte, dass der Herr blind war und nicht einmal die Wand sehen konnte.
Sie sagte "Vielleicht wollte er Sie nur aufmuntern."

Epilogue:
Es ist eine riesige Freude, andere glücklich zu machen, ungeachtet unserer eigenen Situation. Geteiltes Leid ist halbes Leid, doch Freude, wenn geteilt, ist doppelte Freude.
Wenn Du Dich reich fühlen möchtest, zähle all die Dinge, die man für Geld nicht kaufen kann. "Heute" ist ein Geschenk, deshalb nennt man es "the präsent".
Die Herkunft dieser Geschichte ist unbekannt, aber es bringt ein Glücksgefühl für jeden, der sie weitergibt.

31.03.2011 um 16:17 Uhr

Blogigo den Spammern überlassen

von: Yaimm

Die technischen Schwierigkeiten und Spamblogs überreizen meine Geduld mit dieser Seite.
Ich will hier weg.
Einzig schade um die mir liebgewonnenen Blogs, ich werd sie mir wohl im Browser in die Favoriten packen.

28.03.2011 um 11:22 Uhr

Im Zeitalter von Photoshop

von: Yaimm   Kategorie: Mal so am Rande

Was heute alles so möglich ist... perfekte Körper auf Werbeplakaten, das Aussetzen von physikalischen Gesetzen, einfach alles kann man sich auf Bildern zurechtzaubern.

Gestern war ich mit einer befreundeten Band beim Fotoshooting mit ihrem neuen Drummer.
Wir hatten einen Riesenspaß und die Fotos sind so schon unglaublich geworden. Ich bewundere diesen Sinn für Licht, Schatten und Perspektiven.

Heute sah ich die Bilder in bearbeiteter Form auf der Homepage der Fotografin.
Ein paar Klicks hier und da und wow... dieses plastische hat einfach was. Ich hab mal ein paar Detailaufnahmen rausgesucht.

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23.03.2011 um 18:51 Uhr

Gück... Momente des Glücks

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Meine Oma ist 2008 gestorben... ein Teil der Familie raffte sofort ihre Sachen zusammen und stellte den unerwünschten Rest in einen Raum des Hauses von dem anderen Teil der Familie (man muss nicht lange raten, mit welchem Teil ich gut klar komme und von welchem ich mich schon lange distanziert habe).

Vor ein paar Wochen sollten meine Mom und ich schauen, ob wir etwas von diesen Sachen haben wollen, denn man kann sie ja nicht den Rest der Zeit dort liegen und verstauben lassen. Ich hatte mir schon nach ihrem Tod ein Kissen mitgenommen. Ich wollte etwas persönliches, etwas, bei dem ich sofort an sie denke, wenn ich es sehe. Solang ich denken kann, lag es bei ihr auf dem Sofa. Dieses Kissen ist so alt, daß selbst meine Mutter nicht sagen kann, wann sie es eigentlich gehäkelt hat. Es hat 70er-Jahre Farben, orange, braun und weiss.
Jeder Außenstehende würde sagen, ein wirklich grässliches Kissen - aber eben ein ganz besonderes für mich.

Ich konzentrierte mich bei den Sachen auf die Fotos und betrachtete sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie hat oft eigene Sprüche zu den Bildern geschrieben oder ausgeschnittene dazu geklebt. Ein Bild habe ich so gelassen, wie es war und mir hierhin gestellt.
Es zeigt meine Cousine und mich als Kinder.

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Ich habe mir das Bild lange angesehen und den Spruch mehrmals gelesen. Ich habe ihn verstanden. Aber es wäre zu lang, es zu erklären.

Ich war eben einkaufen und als ich an der Kasse mein Zeug auf das Band legte, sah ich hinter mir eine Frau mit einer Flasche in der Hand.
"Möchten Sie vorgehen?" fragte ich sie.
Ihr Gesicht erstrahlte, dann verzog sich die Miene wieder. Sie sah nach hinten zum Zeitungsstand und meinte "Da kommt aber noch eine Bravo dazu."
Ich lachte. "Kein Problem!", und sie strahlte wieder.
"Oh das ist ja toll, ich bin schon den ganzen Nachmittag unterwegs, vielen vielen Dank!"
Sie hat sich so sehr gefreut, daß ich das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam, sie mich in ihrer Freude über diese Kleinigkeit völlig mitgerissen.


Ein echter Glücksmoment.
Den nächsten hatte ich, als ich meiner Kleinen das neue "Haus Anubis" Heft in die Hand drückte, sie mich umarmte und mir ein "DANKE Mama!" entgegen strahlte.

Das wahre Glück, mein Freund...

14.03.2011 um 20:42 Uhr

Auge in Auge mit der Gefahr

von: Yaimm   Kategorie: Geschichten vom Berg

Durch die Diskussion beim Jo fiel mir wieder ein, daß ich zu dem Thema schon mal einen Eintrag hatte. Vor knapp einem Jahr: http://www.blogigo.de/yaimm/Wenn-die-Sonne-schlafen-geht/82/

Bei jedem Blick aus der Haustür schaue ich auf die Rauchsäulen des AKW. Die pure Natur und tickende Zeitbombe des Menschen in einem Bild ergeben einfach einen kuriosen Anblick... man hat die Gefahr immer vor Augen, aber man verdrängt sie gern.
In Gedanken an alle die Opfer in Japan und in Sorge um das, was noch kommen könnte...

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Wie weit seid ihr vom nächsten AKW entfernt?

11.03.2011 um 13:57 Uhr

Innige Liebe

von: Yaimm   Kategorie: Fellnasengeschichten

Ein Leben lang.
In diesem Sinne wünsche ich euch ein kuschliges Wochenende!

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07.03.2011 um 21:37 Uhr

Solange wir uns an Menschen erinnern...

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

... sind sie nicht wirklich tot.
Ich hoffe, daß Mike in seinen letzten Tagen keine schlimmen Schmerzen mehr ertragen musste, daß er loslassen konnte und ich fühle einfach so sehr mit seiner Familie.

Ich kannte ihn nicht mal, bis auf ein paar Blogigo-Beiträgen. Aber diese Einträge zeigten eine harte Lebensgeschichte in den letzten Monaten. Genau diese Blogs zeigen, daß echte Menschen hinter diesen Beiträgen stecken, deren Geschichten einen manchmal den Atem anhalten lassen.

Und dennoch... obwohl man hier so machen tiefen Einblick bekommt, Menschen uns an ihrem Leben und ihren geheimsten Gedanken und Wünschen teilhaben lassen, haben manche nichts Besseres im Sinn, als daraus Hetzerei, Lügen und Verleumdung zu machen und sich virtuell zu bekämpfen. Ich habe hier angefangen zu bloggen, weil ich einige Blogs gelesen habe, die mir sehr nahe gingen, deren Autoren mir sehr sympathisch waren. Das sind sie immer noch, aber der Rest drumherum bringt mich doch immer mehr zum Überlegen, ob das hier der richtige Platz für meine Gedanken ist.

Die sind heute allerdings bei Mike... ich hoffe, er hat seinen Frieden gefunden und ich wünsche seiner Familie alle Kraft dieser Welt.