YAIMM

23.03.2011 um 18:51 Uhr

Gück... Momente des Glücks

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Meine Oma ist 2008 gestorben... ein Teil der Familie raffte sofort ihre Sachen zusammen und stellte den unerwünschten Rest in einen Raum des Hauses von dem anderen Teil der Familie (man muss nicht lange raten, mit welchem Teil ich gut klar komme und von welchem ich mich schon lange distanziert habe).

Vor ein paar Wochen sollten meine Mom und ich schauen, ob wir etwas von diesen Sachen haben wollen, denn man kann sie ja nicht den Rest der Zeit dort liegen und verstauben lassen. Ich hatte mir schon nach ihrem Tod ein Kissen mitgenommen. Ich wollte etwas persönliches, etwas, bei dem ich sofort an sie denke, wenn ich es sehe. Solang ich denken kann, lag es bei ihr auf dem Sofa. Dieses Kissen ist so alt, daß selbst meine Mutter nicht sagen kann, wann sie es eigentlich gehäkelt hat. Es hat 70er-Jahre Farben, orange, braun und weiss.
Jeder Außenstehende würde sagen, ein wirklich grässliches Kissen - aber eben ein ganz besonderes für mich.

Ich konzentrierte mich bei den Sachen auf die Fotos und betrachtete sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie hat oft eigene Sprüche zu den Bildern geschrieben oder ausgeschnittene dazu geklebt. Ein Bild habe ich so gelassen, wie es war und mir hierhin gestellt.
Es zeigt meine Cousine und mich als Kinder.

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Ich habe mir das Bild lange angesehen und den Spruch mehrmals gelesen. Ich habe ihn verstanden. Aber es wäre zu lang, es zu erklären.

Ich war eben einkaufen und als ich an der Kasse mein Zeug auf das Band legte, sah ich hinter mir eine Frau mit einer Flasche in der Hand.
"Möchten Sie vorgehen?" fragte ich sie.
Ihr Gesicht erstrahlte, dann verzog sich die Miene wieder. Sie sah nach hinten zum Zeitungsstand und meinte "Da kommt aber noch eine Bravo dazu."
Ich lachte. "Kein Problem!", und sie strahlte wieder.
"Oh das ist ja toll, ich bin schon den ganzen Nachmittag unterwegs, vielen vielen Dank!"
Sie hat sich so sehr gefreut, daß ich das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam, sie mich in ihrer Freude über diese Kleinigkeit völlig mitgerissen.


Ein echter Glücksmoment.
Den nächsten hatte ich, als ich meiner Kleinen das neue "Haus Anubis" Heft in die Hand drückte, sie mich umarmte und mir ein "DANKE Mama!" entgegen strahlte.

Das wahre Glück, mein Freund...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenaenne schreibt am 23.03.2011 um 19:02 Uhr:Ich liebe auch die Dinge, die Erinnerungen in mir wach halten, die Spuren in meinem Leben hinterlassen haben.
    Es ist nicht entscheidend, ob es anderen gefällt, für uns selbst, sollte es bedeutsam sein. Und darin liegt auch der Grund, warum wir bestimmte "Stücke" aufbewahren und eben nicht entsorgen.
  2. zitierenVomFeuerkind schreibt am 23.03.2011 um 19:27 Uhr:Deine Oma war eine weise Frau. Und meist sind es die Kleinigkeiten, die andere so glücklich machen, dass es einen einfach nur anstecken kann.
  3. zitierenNouli schreibt am 23.03.2011 um 20:33 Uhr:Irgendwie scheinen ganz besondere Omi's einen Faible für weise Sprüche und Zettelchen zu haben.
    Meine war auch so eine gaaaaanz besondere Zettelomi.
    Noch vor Monaten, 1.5 Jahre nach ihrem Tod, habe ich solche Schätze - ganz unerwartet - gefunden.
    Für viele sicherlich nichtssagend, für mich die Welt!!!
  4. zitierenYaimm schreibt am 23.03.2011 um 20:56 Uhr:
    Nouli:
    Meine war auch so eine gaaaaanz besondere Zettelomi.

    Schööön :))
    Meine hatte auch an den Wänden Sprüche, die in Holztafeln geschnitzt waren oder auf Metallplatten. Und ich hab noch jede Karte von ihr, zu Geburtstagen etc., in jeder steht einer.
    Wunderschöne Erinnerungen, die aber auch manchmal schmerzhaft sind.
  5. zitierenNouli schreibt am 23.03.2011 um 21:20 Uhr:Omis ganzer Stolz war ihre riesige Fotowand von uns Kindern.
    Nach ihrem viel zu frühen Tod vor knapp 2 Jahren (Ich habe mit immer gewünscht sie könnte 500 Jahre alt werden!!!) bin ich in ihre Wohnung gezogen. Es wurde zwar renoviert (zu viel (schmerzhafte) Erinnerung ertrage ich nicht), aber ihre Bilder hängen wieder in der Gallerie!!! ;-)
    Für mich ist das ganz wichtig und ich bin mir sicher sie würde sich wirklich darüber freuen wenn sie das sehen könnte.
    Genauso wie die ganzen Briefe, die sie mir dann und wann geschrieben hat, ihre vielen Zettelchen mit Sprüchen.
    Aber das Größte für mich war und bleibt ihr Tagebuch, welches ich beim Umzug gefunden habe.

    ..und manchmal muss das richtig weh tun. Finde ich ..
  6. zitierenYaimm schreibt am 23.03.2011 um 21:51 Uhr:Eine Kollegin sagte vor kurzem, als ich wieder mal einen Satz meiner Oma zitierte:
    "Ich glaube, für Dich ist sie viel zu früh gestorben".
    Ja... sie hätte noch so... 50 Jahre leben dürfen, sollen, weil da eben ein Teil aus dem Lebenspuzzle rausgerissen wird, was nicht ersetzbar ist und in den ersten Monaten puzzelt man wie verrückt hin und her und versucht es neu auszurichten. Aber das Teil fehlt eben.
    Ganz plötzlich war es weg.

    Das mit den Bildern ist toll, in der Wohnung zu leben ist wundervoll, es bleibt immer ein bisschen Nähe.
    Das Tagebuch... das ist ja ein wahrer Schatz an Gedanken, die sie hinterlassen hat.

    Unserereins schreibt heutzutage Blogs... ;)
  7. zitierenNouli schreibt am 23.03.2011 um 22:18 Uhr:Kurz vor ihrem Tod hat sie mich gefragt ob ich ("ihr Kind") nicht in ihre Wohnung (über meine Mum) ziehen mag. Das war ihr wichtig. Oder besser gesagt, einer ihrer letzten sehnlichsten Wünsche. In ihrer Wohnung weiter zu leben, hier und dort etwas zu verändern, sie nicht leer stehen zu lassen und auch nicht an Fremde zu vermieten (!!!) und ganz nah bei meiner Mama zu sein.

    Für mich war es sonnenklar, ich hab keine Minute mit mir gehardert.
    Und ehrlich?! Ich wäre sogar ohne meinen Partner umgezogen.

    Ich habe die Funktionen der Räume beibehalten. Wohnzimmer ist Wohnzimmer geblieben, Küche Küche, Schlafzimmer Schlafzimmer.

    Ich habe, für einen kurzen Moment, gedacht, dass ich vielleicht ein Problem damit haben könnte, so viel "Nähe" und so viel "Nicht-Veränderung" zuzulassen, in einem Schlafzimmer zu schlafen, welches das letzte Jahr ihr Krankenlager war. Viele Tränen sind dort geflossen, unzählige Stunden habe ich an ihrem Krankenbett gesessen, mit ihr geredet, ihre Hand gehalten, ihr vorgelesen.

    Die erste Nacht in meiner "neuen" Wohnung war komisch. Ich habe die ganze Nacht wach gelegen.
    Heute, fast 2 Jahre später, will ich hier eigentlich nie wieder weg!!!

    Und oft, unsagbar oft, habe ich das Gefühl, meine Oma kommt gleich um die Ecke.
    Wird wohl immer ein Stück weit ihre Wohnung sein, der ich einen frischen Touch verpasst habe und die ich hege und pflege, wie sie zu Lebzeiten...

    Ich freue mich immer, leise, wenn es noch Menschen gibt, die ihre Omis genauso gern haben wie ich meine.
  8. zitierenYaimm schreibt am 24.03.2011 um 19:19 Uhr:Ja schön zu sehen, daß es mehr Menschen gibt, die nicht nach ein, zwei Monaten sagen "Das Leben geht weiter", sondern die Gefühle und Erinnerungen aufrecht halten.
    Man vermeidet so oft, den Namen zu sagen oder Geschichten über sie zu erzählen, weil man beim Gegenüber das "Nicht schon wieder..." quasi auf der Stirn lesen kann.
  9. zitierenPelegrina schreibt am 25.03.2011 um 15:08 Uhr:Meine Güte, ist das schön. Ich habe letzten Sonntag Bilder von meiner Mutter geerbt, die unter anderem meinen Ur-Ur-Großvater zeigen. Das ist der absolute Hammer. Die Kleidung und die ernsten Blicke. Mein Urahn, der vor hundert Jahren lebte. Bin immer noch völlig aus dem Häuschen. Die bekommen bei uns absolute Ehrenplätze.
  10. zitierenYaimm schreibt am 25.03.2011 um 15:36 Uhr:Bei den Bildern waren zwei Familienbilder, eine riesige Gruppe, dabei mein Opa als kleiner Bengel. Uralte Bilder, original. Diese Kleidung, diese große Familie... ich war ganz hingerissen von den Bildern.
    Ich muss sie unbedingt rahmen!
  11. zitierenPelegrina schreibt am 28.03.2011 um 14:22 Uhr:Bei meinen Bildern waren auch große Hochzeiten von anno dazumal dabei. So schön.... Die möchte ich auch rahmen, hätte aber gerne schöne alte Rahmen, vom Flohmarkt. Wird Zeit, dass die Saison wieder beginnt.
  12. zitierenYaimm schreibt am 28.03.2011 um 14:23 Uhr:Flohmarkt ist eine gute Idee!
  13. zitierenPelegrina schreibt am 28.03.2011 um 14:25 Uhr:Japp! :-)

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