YAIMM

31.03.2011 um 22:51 Uhr

Nachtgeschichte

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Zwei Herren, beide ernsthaft erkrankt, belegten dasselbe Krankenzimmer.
Einer der Herren hatte die Erlaubnis, sich jeden Nachmittag für eine Stunde aufzusetzen, damit die Flüssigkeit aus seiner Lunge abfließen konnte. Sein Bett stand am einzigen Fenster des Raumes.
Der andere Herr musste die ganze Zeit flach auf dem Rücken liegen.

Letztendlich unterhielten sich die beiden Männer stundenlang.
Sie sprachen von ihren Frauen und Familien, ihrer Heimat, ihren Jobs,ihrem Militärdienst und wo sie im Urlaub waren.
Jeden Nachmittag, wenn der Herr im Bett am Fenster sich aufrecht hinsetzte, ließ er die Zeit vergehen, indem er seinem Zimmernachbarn all die Dinge beschrieb, die er draußen am Fenster sah.

Der Herr im anderen Bett begann aufzuleben in jeder dieser Stunden, wo seine Welt erweitert und belebt wurde durch all die Geschehnisse und Farben der Welt dort draußen.
Das Fenster überblickte einen Park mit einem schnuckligen See. Enten und Schwäne spielten auf dem Wasser während Kinder ihre Modellboote segeln ließen. Junge Verliebte bummelten Arm in Arm durch die unzählig bunten Blumen und eine schöne Aussicht auf die Silhouette der Stadt lag am Horizont.
Wenn der Herr am Fenster all dies beschrieb mit allen kleinsten Details, schloss der Herr auf der anderen Seite im Raum die Augen und stellte sich die bildhaften Szenen vor
An einem warmen Nachmittag beschrieb der Mann am Fenster eine vorüberziehende Parade. Obwohl der andere Herr die Kapelle nicht hören konnte, konnte er sie vor seinem geistigen Auge sehen, während der Herr am Fenster sie mit anschaulichen Worten beschrieb.

Tage, Wochen und Monate vergingen.

Eines Morgens, die Tagschwester kam um Wasser für das Bad zu bringen, fand sie den leblosen Körper des Herrn am Fenster, der friedvoll in seinem Schlaf verstorben ist.
Sie war traurig und rief die Bediensteten, um den Toten wegbringen zulassen.
Nach einer angemessenen Weile fragte der andere Herr, ob man ihn ans Fenster verlegen könnte. Die Schwester war erfreut über den Tausch und nachdem sie sich vergewisserte, dass er sich wohlfühlt, ließ sie ihn allein.

Langsam, schmerzvoll stützte er sich auf einen Ellenbogen um seinen ersten Blick auf die echte Welt draußen zu richten.
Er strengte sich an, sich langsam zu drehen um aus dem Fenster am Bettzu gucken. Es zeigte auf eine leere Wand..
Der Mann fragte die Schwester, was seinen verstorbenen Zimmernachbarn veranlasst hatte, ihm so wundervolle Dinge von draußen vor dem Fenster zu erzählen.

Die Schwester erwiderte, dass der Herr blind war und nicht einmal die Wand sehen konnte.
Sie sagte "Vielleicht wollte er Sie nur aufmuntern."

Epilogue:
Es ist eine riesige Freude, andere glücklich zu machen, ungeachtet unserer eigenen Situation. Geteiltes Leid ist halbes Leid, doch Freude, wenn geteilt, ist doppelte Freude.
Wenn Du Dich reich fühlen möchtest, zähle all die Dinge, die man für Geld nicht kaufen kann. "Heute" ist ein Geschenk, deshalb nennt man es "the präsent".
Die Herkunft dieser Geschichte ist unbekannt, aber es bringt ein Glücksgefühl für jeden, der sie weitergibt.

23.03.2011 um 18:51 Uhr

Gück... Momente des Glücks

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Meine Oma ist 2008 gestorben... ein Teil der Familie raffte sofort ihre Sachen zusammen und stellte den unerwünschten Rest in einen Raum des Hauses von dem anderen Teil der Familie (man muss nicht lange raten, mit welchem Teil ich gut klar komme und von welchem ich mich schon lange distanziert habe).

Vor ein paar Wochen sollten meine Mom und ich schauen, ob wir etwas von diesen Sachen haben wollen, denn man kann sie ja nicht den Rest der Zeit dort liegen und verstauben lassen. Ich hatte mir schon nach ihrem Tod ein Kissen mitgenommen. Ich wollte etwas persönliches, etwas, bei dem ich sofort an sie denke, wenn ich es sehe. Solang ich denken kann, lag es bei ihr auf dem Sofa. Dieses Kissen ist so alt, daß selbst meine Mutter nicht sagen kann, wann sie es eigentlich gehäkelt hat. Es hat 70er-Jahre Farben, orange, braun und weiss.
Jeder Außenstehende würde sagen, ein wirklich grässliches Kissen - aber eben ein ganz besonderes für mich.

Ich konzentrierte mich bei den Sachen auf die Fotos und betrachtete sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie hat oft eigene Sprüche zu den Bildern geschrieben oder ausgeschnittene dazu geklebt. Ein Bild habe ich so gelassen, wie es war und mir hierhin gestellt.
Es zeigt meine Cousine und mich als Kinder.

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Ich habe mir das Bild lange angesehen und den Spruch mehrmals gelesen. Ich habe ihn verstanden. Aber es wäre zu lang, es zu erklären.

Ich war eben einkaufen und als ich an der Kasse mein Zeug auf das Band legte, sah ich hinter mir eine Frau mit einer Flasche in der Hand.
"Möchten Sie vorgehen?" fragte ich sie.
Ihr Gesicht erstrahlte, dann verzog sich die Miene wieder. Sie sah nach hinten zum Zeitungsstand und meinte "Da kommt aber noch eine Bravo dazu."
Ich lachte. "Kein Problem!", und sie strahlte wieder.
"Oh das ist ja toll, ich bin schon den ganzen Nachmittag unterwegs, vielen vielen Dank!"
Sie hat sich so sehr gefreut, daß ich das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam, sie mich in ihrer Freude über diese Kleinigkeit völlig mitgerissen.


Ein echter Glücksmoment.
Den nächsten hatte ich, als ich meiner Kleinen das neue "Haus Anubis" Heft in die Hand drückte, sie mich umarmte und mir ein "DANKE Mama!" entgegen strahlte.

Das wahre Glück, mein Freund...

07.03.2011 um 21:37 Uhr

Solange wir uns an Menschen erinnern...

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

... sind sie nicht wirklich tot.
Ich hoffe, daß Mike in seinen letzten Tagen keine schlimmen Schmerzen mehr ertragen musste, daß er loslassen konnte und ich fühle einfach so sehr mit seiner Familie.

Ich kannte ihn nicht mal, bis auf ein paar Blogigo-Beiträgen. Aber diese Einträge zeigten eine harte Lebensgeschichte in den letzten Monaten. Genau diese Blogs zeigen, daß echte Menschen hinter diesen Beiträgen stecken, deren Geschichten einen manchmal den Atem anhalten lassen.

Und dennoch... obwohl man hier so machen tiefen Einblick bekommt, Menschen uns an ihrem Leben und ihren geheimsten Gedanken und Wünschen teilhaben lassen, haben manche nichts Besseres im Sinn, als daraus Hetzerei, Lügen und Verleumdung zu machen und sich virtuell zu bekämpfen. Ich habe hier angefangen zu bloggen, weil ich einige Blogs gelesen habe, die mir sehr nahe gingen, deren Autoren mir sehr sympathisch waren. Das sind sie immer noch, aber der Rest drumherum bringt mich doch immer mehr zum Überlegen, ob das hier der richtige Platz für meine Gedanken ist.

Die sind heute allerdings bei Mike... ich hoffe, er hat seinen Frieden gefunden und ich wünsche seiner Familie alle Kraft dieser Welt.

26.02.2011 um 17:11 Uhr

"Seit wann bist Du so esoterisch drauf?...

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

... oder ist mir das früher nur nicht aufgefallen?"

Hömm. Was soll man darauf antworten?
Wie definiert man denn überhaupt "esoterisch drauf sein"?

31.01.2011 um 17:36 Uhr

Henry Miller

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Wenn es einen Menschen gäbe, der wagte, alles zu sagen, was er von dieser Welt gedacht hat, bliebe ihm kein Quadratmeter mehr, um sich darauf zu behaupten.
Wenn ein Mensch erscheint, stürzt sich die Welt auf ihn und bricht ihm das Rückgrat.
Immer sind zuviele morsche Säulen stehengeblieben, zuviel verfaulte Menschheit, als dass ein Mensch aufblühen könnte. Der Überbau ist eine Lüge und das Fundament eine riesige zitternde Angst.<

Wenn in Abständen von Jahrhunderten ein Mensch mit einem verzweifelten, hungrigen Blick in den Augen Auftritt, ein Mensch, der die ganze Welt umwälzen würde, um ein neues Geschlecht zu schaffen, wird die Liebe, die er in die Welt mitbringt, in Bitterkeit verwandelt und er wird zur Geisel.
Wenn wir dann und wann auf Seiten stossen die explodieren, Seiten, die verwunden und schmerzen, die einem Seufzer und Flüche abringen, dann sollt ihr wissen, dass sie von einem aufrechten Menschen stammen, einem Menschen, dem keine andere Verteidigung übrig bleibt als seine Worte.
Und seine Worte sind immer stärker als das verlogene, erdrückende Gewicht der Welt, stärker als all die Folter und Räder, die die Feigen erfinden, um das Wunder der Persönlichkeit zu vernichten.

Wenn je ein Mensch wagen würde, alles was er auf dem Herzen hat, auszusprechen, sein wirkliches Erlebnis, alles, was wirklich seine Wahrheit ist, niederzuschreiben, dann, glaube ich, ginge die Welt in Trümmer, würde in Stück zersprengt, und kein Gott, kein Zufall, kein Wille könnte je wieder die Stücke, die Atome, die unzerstörbaren Elemente zusammensetzen, aus denen die Welt bestand.


26.01.2011 um 15:57 Uhr

Es ist schon traurig

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Respekt und Toleranz

Verantwortung und Disziplin

Glück und Ehrgeiz

Liebe und Herz

Stärke und Ausdauer

Stolz und Familie

Hoffnung und Glaube

Courage und Loyalität

Liebe und Treue

Fast jeder will das haben, am Besten alles auf einmal.
Fast jeder will es haben, aber kaum einer ist auch bereit, es zu geben.

Nicht bei dem verbreiteten Egoismus, nicht bei einer Gesellschaft, wo der Weg des geringsten Widerstandes bevorzugt wird. Wo jeder ach so anders sein will und doch trotzdem ein roter Faden von Scheinheiligkeit, Heuchlerei und Falschheit durch alle Schichten, alle Szenen, alle Gruppen, einfach überall erkennbar ist.

Nicht bei dieser Schnelllebigkeit, nicht zu einer Zeit, wo alles höher, schneller, weiter gehen muss, immer auf der Suche nach der Perfektion, nichts ist gut genug, die Ansprüche werden immer größer.

Alles haben wollen, aber nichts dafür tun.

Ich freue mich, ein paar ganz wenige zu kennen, die diese Werte wirklich leben und nicht nur Phrasen dreschen.

Die, die nichts verlangen, was sie nicht selbst bereit sind zu tun.
Aber es ist schon traurig, daß das nicht mal eine Hand voll Menschen ist.

15.01.2011 um 10:46 Uhr

Was Du nicht willst, daß man Dir tu...

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Ich kam gerade drauf, als ich den Eintrag von Nasoetwas über Narzismus las.
Vor ein paar Tagen sah ich im Fernsehen einen neuen Spot und mir blieb der Mund offen stehen. Lustig soll das sein... ich kann überhaupt nicht drüber lachen.
Ganz im Gegenteil.
Es ist normal, einen Menschen wegen seines Aussehens einen blöden Spruch zu verpassen... sogar lustig soll das sein.
Ich bin laut den Kommentaren bei Youtube eine Spießerin oder sehe selber so aus wie der Typ, wenn ich darüber nicht lachen kann.
Nein, ich lache nicht. Ich mache mir Gedanken über den fortschreitenden Verfall von Werten, ich frage, wie unser Miteinander in 10 Jahren sein wird.
Vielleicht eine überzogene Reaktion, aber ganz ehrlich... ich kann kein bisschen drüber lachen.

04.01.2011 um 22:52 Uhr

Diese verrückte Welt

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

... hat mich schon zu Anfang diesen Jahres wieder sehr erstaunt und verschreckt.
Nicht die Welt... das, was die Menschen aus ihr machen, das wischenmenschliche oder sollte ich sagen das allzu Menschliche...?

Ich habe in einem Kommentar einen Buchtip gelesen: Lieben, was ist. Und ich forschte im Netz und las einen Ausschnitt aus diesem Buch.
Anfangs musste ich schmunzeln und nicken, ein sehr simpler Vergleich; "Wenn Du möchtest, daß die Wirklichkeit anders ist, als sie ist, kannst Du genau so gut versuchen, einer Katze das Bellen beizubringen."

Grundtenor: Jeder Stress, den wir fühlen, beruht darauf, daß wir uns mit der Wirklichkeit anlegen.
Bis dahin gefiel es mir ganz gut, allerdings empfand ich die "Lösung" für all den Streß und die negativen Gedanken dann jedoch als... tja, wie soll ich sagen. Das Konzept der angeblichen Lösung aller Probleme sind vier Stufen:
- Ist es wahr?
- Kannst Du mit absoluter Sicherheit wissen, daß es wahr ist?
- Wie reagierst Du, was passiert, wenn Du diesen Gedanken glaubst?
- Wer wärst Du ohne diesen Gedanken UND Kehre den Gedanken um.

Ich habe es an einem Beispiel versucht, aber es gelingt mir nicht. Ich hadere schon an Punkt eins und zwei, denn ich bin gezwungen, an meiner Wahrnehmung zu zweifeln. Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, daß nichts, was an negativen Gedanken aufkommt, richtig ist.
Ich bescheiss mich selber und rede mir die Welt schön. Das ist mein persönliches Fazit zu diesem Programm.
Nette Idee, doch für mich einfach nicht geeignet.

Ich habe andere Methoden, nenne man es meinetwegen Verdrängung. Denn ich habe bereits eingesehen, daß ich die Wirklichkeit nicht ändern kann. Also ignoriere ich sie, wenn es mir möglich ist.
Sobald ich in meinem Haus auf dem Berg bin, lasse ich die Welt da draussen auch da draussen. Ich werde von zwei Wesen begrüsst, die sofort bei ihrem Anblick zu einer Veränderung meiner Stimmung führen.
Und auch wenn sie sich die letzte Zeit oft furchtbar prügeln (Pimo hat etliche tiefe Wunden an Kopf), finden sie doch immer wieder zueinander.
Und allein der Anblick lässt mich alles Negative für eine Weile vergessen.
Sie sind einfach liebenswert, bedingungslos.

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Ich wünsche euch, daß ihr euch selbst nicht verliert in der Verrücktheit dieser Welt und ihrer menschlichen Bewohner.
Weiter mag ich da gerade nicht drauf eingehen. Ich wünsche euch einfach... Zufriedenheit. Eine Zufriedenheit, wie meine zwei Fellnasen sie ausstrahlen.

16.12.2010 um 21:15 Uhr

Dieser Winter saugt allen die Liebe aus

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

So kommt es mir vor... wie viele Beiträge habe ich in der letzten Zeit über zerbrochene Beziehungen verfasst und wie viele Gedanken habe ich mir schon über die weit verbreitete Aggression und Streitlust in diesem Winter gemacht...
Der Winter muss einfach Schuld sein, mir fällt nichts anderes ein.

Heute kam eine SMS von der wichtigsten Frau im meinem Leben. Sie möchte Heiligabend zu mir/uns kommen, denn ihr Partner möchte Abstand.
Abstand an Weihnachten...? Jeder feiert mit seinen eigenen Kindern?

Die Vorweihnachtszeit habe ich noch nie so traurig erlebt, obwohl ich mir in meiner kleinen Welt wirklich viel Mühe gebe, es so schön wie möglich zu gestalten.
Und hier fühle ich mich auch wohl. Solange ich nichts von außen an reinlasse. Denn da draußen gehen gerade viele seltsame Dinge vor sich.

16.12.2010 um 15:06 Uhr

Streit/Versöhnung

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Darin ging es gestern in dem Minimusical "Der Weihnachtsgast", was von der Klasse meiner Kleinen zur Weihnachtsfeier gespielt und gesungen wurde.

Den Text fand ich so klasse, leider muss ich es abtippern, weil ich ihn im Netz nirgends gefunden habe, aber er ist es wert:

Keiner nimmt Rücksicht,
keiner gibt Acht!
Jeder denkt doch nur an sich,
das bei Tag und Nacht!

Jeder lässt hier alles liegen,
jeder gibt dem andern Schuld!
Jeder präsentiert hier Lügen,
überall, ja überall, da fehlt die Geduld!

Du willst immer wieder streiten,
Du fängst jdes Mal doch an!
Du machst immer Schwierigkeiten,
schau auf Dich, ja schau auf Dich und fang mal bei Dir an!

Ich hab hier nicht angefangen,
ich weiß gar nicht, worum´s geht!
Ich werde Dir gleich eine langen,
alles ist, ja alles ist mit euch doch zu spät!

Es ist so leicht, ein böse Wort zu sagen.
Es ist so leicht, dem andern weh zu tun.
Doch es ist schön, wirklich wunderschön,
bei dem andern in den Armen zu ruh´n.

Es ist so schwer, Entschuldigung zu sagen.
Es ist so schwer, ein Stück zurück zu gehen.
Doch es ist schön, wirklich wunderschön,
dem andern in die Augen zu sehen.

Es ist leicht, den andern wegzustoßen.
Es ist so schwer, dem andern nah zu sein.
Und es ist schön, wirklich wunderschön,
dem andern seine Fehler zu verzeihn.

Später am Abend merkte ich, daß Linchen etwas beschäftigt und wie jedesmal musste ich sehr lange bohren, bis sie mit der Sprache raus rückte. Sie meinte, es gäbe so gemeine Kinder in der Schule, die sie immer ärgern würden.
Da konnte ich mich auf dieses Lied beziehen, das ich ein paar Stunden vorher aus ihrem Mund gehört hatte und sie dran erinnern, daß es leicht ist, ein böses Wort zu sagen und anderen weh zu tun.
Und ich sagte ihr, daß ich sehr stolz auf sie bin, weil sie es sich nicht so leicht macht wie andere Kinder, weil sie sich nicht von ihnen mitziehen lässt und andere Kinder ärgert. Ich sagte ihr, daß sie eine ganz tolle Persönlichkeit hat und sich die von keinem nehmen lassen soll, so gemein er auch zu ihr sein mag.

Ich bin wirklich stolz darauf, so eine liebe Seele zur Tochter zu haben, aber es tut auch ungemein weh zu sehen, wie verletzend Gemeinheiten anderer Kinder für sie sind.
Ich kann ihr nicht mal sagen, daß das vergeht, denn solche Menschen werden ihr ihr ganzen Leben lang begegnen.

14.12.2010 um 15:39 Uhr

Interview mit einer Sterbenden

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Ich habe mir gestern die Doku bei Youtube angesehen, wo sie in sechs Filme geteilt ist.
Keine Ahnung, wie ich da gelandet bin, ursprünglich hatte ich mit Linchen was Lustiges geschaut. Und ich weiß immer noch nicht...
Bin ich beeindruckt, fasziniert, erschrocken, erstaunt...?
Hmmm.

Teil 1

03.12.2010 um 15:49 Uhr

Alles wird gut

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

... bestimmt.
Irgendwann.
Aber heute überrennen mich die Ereignisse der letzten Zeit und ich werde den Rest des Tages damit verbringen, aus meiner Höhle heraus die Welt böse anzugucken.

Manchmal bin ich mit Verständnis für die Charaktere und Verhaltensweisen so mancher Mitmenschen schlichtweg überfordert.

24.11.2010 um 18:21 Uhr

IF...

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

IF you can keep your head when all about you
Are losing theirs and blaming it on you,
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;
If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don't deal in lies,
Or being hated, don't give way to hating,
And yet don't look too good, nor talk too wise:
If you can dream - and not make dreams your master;
If you can think - and not make thoughts your aim;
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same;
If you can bear to hear the truth you've spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build 'em up with worn-out tools:

If you can make one heap of all your winnings

And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;
If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: 'Hold on!'

If you can talk with crowds and keep your virtue,

' Or walk with Kings - nor lose the common touch,
if neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;
If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds' worth of distance run,
Yours is the Earth and everything that's in it,
And - which is more - you are right!

 (Rudyard Kipling)

01.11.2010 um 17:42 Uhr

Schwurbeliger Gedankennebel

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

... wie das Wetter draußen, man kann keine 5 Meter weit sehen.
Schon wieder eine Beziehung im Freundeskreis kaputt, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.
Sie hat es beendet, ihr war die Entfernung zu weit. Man würde sich ja nur am Wochenende sehen und nicht mal jedes, so die Begründung. Aber wusste sie das nicht vorher?

Mir fällt auf.. oder nein, ich sag mal: Ich habe das Gefühl, daß Beziehungen schwieriger werden, je älter man wird. Also nicht zwangsweise die Beziehungen (die irgendwie auch), sondern schon der Weg dahin.
Man hat seine Vergangenheit und daraus resultierend seine Erfahrungen.
Man weiss nicht unbedingt, was man will, aber ziemlich genau, was man nicht will.
Und so scheitern Anbandelungen schon an den unterschiedlichen Ansprüchen.

Je länger man alleine war, umso schwerer tut man sich mit Kompromissen, damit, sich auf einen anderen einzustellen, sagte meine Mittvierziger-Kollegin einmal.
Da stimme ich ihr nicht unbedingt zu, eher glaube ich, daß man umso weniger von seinem Weg abweicht, je besser man ihn kennt.

Meine Gedanken sind da irgendwie.. wie im Nebel, ich finde keine richtige Antwort auf meine eigene Frage, ob wir mit dem Älterwerden kompromissloser werden.
Ob wir mit dem Älterwerden unsere Ansprüche höher schrauben.
Und ob wir uns, je älter wir werden, selbst im Wege stehen.
Oder ob es an dem Auseinandersetzen mit dem Ego zu tun hat, wie sehr sich jemand mit sich und seinen Wünschen und Ansichten beschäftigt.

Ob das eine Sache des Alters/der Erfahrungen oder des Charakters ist.

10.10.2010 um 11:34 Uhr

Die Kunst vom Leben zu nehmen

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Bemerke, wie die Tiere das Gras abrupfen.
So groß ihre Mäuler auch sein mögen, sie tun der Pflanze selbst nie etwas zuleide, entwurzeln sie niemals.
So handle auch der starke Mensch gegen alles, was Natur heißt, sein eigenes Geschlecht voran.
Er verstehe die Kunst: vom Leben zu nehmen, ohne ihm zu schaden.

(c) Christian Morgenstern

04.10.2010 um 20:42 Uhr

Liebesschlösser

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Sie fielen mir wieder ein, als mein Kollege sagte, er wolle am Wochenende nach Köln.
Ich hatte mal davon gehört oder gelesen. 2008 hat jemand damit angefangen. Verliebte hängen ein Schloss an die Hohenzollernbrücke und schmeißen den Schlüssel in den Rhein, um ihre ewige Liebe zu besiegeln. Oft werden die Schlösser vorher mit den Namen graviert.
Was wäre diese Welt ohne ein bisschen romantischen Kitsch... ich finds gut.
Ich bat ihn, mir ein Bild davon zu schicken, wenn er da sei und... auf ihn ist Verlass.

Am Samstag kam die MMS mit lieben Grüßen aus Köln (er und seine Frau haben übrigens ein Schloss gravieren lassen und es rangehängt), beneidenswerte Handykamera mal nur so am Rande:

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Diese Tradition gibt es nicht nur bei uns, sie ist auch in Russland und Ungarn bekannt:

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Ein schöner Brauch!

Mehr Bilder: http://www.koelnerbildagentur.de/neueseiten/schloesser/index.html

03.10.2010 um 10:49 Uhr

Wie weit geht Akzeptanz?

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Zu dem Thema Ehrlichkeit und Akzeptanz gegenüber seinen Freunden hatte ich gestern Nacht ein Gespräch, bei dem die Frage aufkam:
Wie weit geht die Akzeptanz, wie weit sollte die gehen?

 

Der „Brockhaus“ definiert ‚Akzeptanz‘ als „zunächst bejahende oder tolerierende Einstellung von Personen oder Gruppen gegenüber normativen Prinzipien oder Regelungen, auf materiellem Bereich gegenüber der Entwicklung und Verbreitung neuer Techniken oder Konsumprodukte; dann auch das Verhalten und Handeln, in dem sich diese Haltung ausdrückt.“ In dieser Definition wird ‚Akzeptanz‘ (zunächst) als (positive) Einstellung beschrieben, allerdings erfolgt dann eine vom psychologischen Standpunkt aus zweifelhafte Gleichsetzung mit Verhalten. Unklar bleibt auch, welches Verhalten gemeint ist bzw. wie ein entsprechendes Verhalten aussehen würde. (Quelle: Wiki)

 

- Ein Freund hat eine neue Partnerin. Der gesamte Freundeskreis stellt fest, daß diese Frau ihm nicht gut tut. Er sieht schlecht aus, ist nicht mehr gut drauf, hat sich in finanzelle Probleme gebracht.
- Jemand aus dem Freundeskreis ist Alkoholiker. Nach vielen Jahren vergeblicher Bekämpfung der Sucht beschließt derjenige, aufzugeben und irgendwann am Alkohol zu sterben.
- Die beste Freundin schließt sich einer Sekte/Partei an, deren Überzeugungen Dir die Nackenhaare aufstellen.
- Es gibt ein Paar im Freundeskreis, vom dem ein Teil eine Affäre hat, von der jeder Bescheid weiß, außer der Partner.

Wie verhält sich nun ein Freund korrekt: Akzeptanz oder Einmischung?
Akzeptanz könnte in manchen Fällen auch Hilflosigkeit sein, weil man nicht weiß, was man tun könnte.
Akzeptanz kann an ihre Grenzen stoßen, wenn wir dafür persönliche Prinzipien brechen müssen.
Ist es anmaßend, sich in das Leben eines Freundes einzumischen bzw. würde man selbst es wollen, wenn man in einer dieser Situationen wäre?

02.10.2010 um 17:21 Uhr

Ups

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Nun hab ich aus Versehen die Geschichte gelöscht.
Hmmm.... nein ich tipper das nicht nochmal.

Aquarius sein Eintrag hat mich selbst die Frage stellen lassen, warum ich momentan so wenig blogge. Ich bin momentan etwas nachdenklich. Muss am Herbstwetter liegen, grau, trüb, blöd. Oder daran, daß mir so vieles durch den Kopf geht, bei dem ich nicht weiß, wie ich es in Worte packen soll.

Nichts ist schwerer, als einen Gedanken so in Worte zu fassen, daß jeder ihn verstehen kann. 

Leider fällt mir gerade nicht ein, wer diesen schlauen Satz mal von sich gegeben hat. 

Ich stellte schon vor einer Weile fest, daß ich die interessantesten Menschen über das Internet kennen gelernt habe und Freunde in meinem Umkreis sehr rar geworden sind, was an meinen "hohen Ansprüchen" liegt... Dazu später.
Versteht man sich mit denen, die weiter weg wohnen, so gut, weil man so wenig von ihnen mitbekommt? Oder hat man einfach das Glück, in einem Zeitalter zu leben, in dem man durch die Technik Gleichgesinnte kennenlernen kann, denen man sonst nie begegnet wäre?

Gleichgesinnte... definiert man das über die gleichen Interessen oder über dieselben Werte und der Weltanschauung?
Man findet über sicher beides zueinander, man kann jemanden aufgrund des Musikgeschmacks kennenlernen und dann feststellen, daß derjenige die Welt mit anderen Augen sieht als man selbst. Man kann wiederum mit jemandem stundenlang über alle möglichen Themen philosophieren, obwohl man seine (Frei)Zeit vollkommen unterschiedlich verbringt. Woher rührt also Sympathie? Daß man sich verstanden fühlt? Daß man sich akzeptiert fühlt? Daß man sich anerkannt fühlt?

Wir haben alle Ansprüche. Ich kriege ständig zu hören, meine seien hoch. Im Job, im Privatleben. Im Job regt es mich auf, wenn jemand nicht das ist, was die Verpackung verspricht. Soll heißen, wenn sich jemand Techniker oder Ingenieur schimpft, erwarte ich einfach, daß er was drauf hat und nicht die Schultern zuckt, wenn ich ihm eine simple Frage stelle. Wenn ich einen Handwerker ins Haus hole, erwarte ich, daß er seine Arbeit korrekt durchführt und nicht rumpfuscht, so daß ich es selber auch so hinbekommen hätte.

Nun wird es kompliziert in einer Kompliziertheit, die ich nicht verstehe. Weil etwas kompliziert wird, was für mich sehr einfach ist. Zwischenmenschlicher Umgang im Privatleben.
Von Menschen in meinem Umfeld, insbesonderen Freunden, erwarte ich nur zwei Dinge:
Ehrlichkeit und Akzeptanz.
Für mich ist das nicht mal ein Anspruch, ich finde es selbstverständlich, meine Freunde so zu nehmen wie sie sind. Sie mögen sich anders kleiden, eine von mir verabscheute Automarke fahren, ihre Freizeit mit Dingen verbringen, die mich in keinster Weise interessieren... egal. So sind sie, das akzeptiere ich einfach.
Ergo verbringe ich meine Zeit gerne mit Menschen, die mir aufgrund ihrer Ansichten und Werte gleichgesinnt sind (wie doof das hintereinander klingt), insbesondere, was den Umgang miteinander angeht. Wobei wir wieder bei den zwei Dingen wären, Akzeptanz und Ehrlichkeit. Ich verbringe meine Zeit gerne mit Menschen, die zwar über so manches den Kopf schütteln, es aber als einen Teil von mir akzeptieren. Die mir dennoch sagen, daß und warum sie bestimmte Eigenschaften oder Handlungen nicht gut finden. Vielleicht mache ich Fehler und merke es nicht, wie soll ich etwas ändern, wenn es mir keiner sagt?

Gestern kam ein Bericht darüber, daß wir durchschnittlich 200 Mal am Tag lügen. 200 Mal?!? Soviele Sätze spreche ich an manchen Tagen gar nicht...
Wir lügen im Job - hmmm ja nachvollziehbar, weil sich dort die Ehrlichkeit manches Mal als geschäftsschädigend erweisen würde.
Und wir lügen im zwischenmenschlichen Bereich. Als Beispiel hatten sie da einen Mann, der den Frauen erzählt, er sei Mediengestalter, weil Erzieher so langweilig klingt.
Bsss... bitte was? Er steht nicht zu dem, was er tut? Verurteile ich. Unsympathisch.
Frauen lügen am häufigsten, wenn ihre Freundin sie nach ihren neuen Klamotten oder Frisur fragt. Sie wollen ja nicht verletzen...

Ich weiß, das es so ist und ich finde es... HUMBUG, BULLSHIT! Ich erwarte bitteschön, daß man (frau) mir ehrlich sagt, daß ich mit der Frisur älter aussehe oder weissdergeier was nicht dran gefällt. Es ist doch nur die subjektive Meinung eines Einzelnen. Frag fünf Leute und Du bekommst mindestens 3 verschiedene Antworten.
Theoretisch. In der Praxis will ja niemand "verletzen".

Das ist eine Art von Lüge, die gesellschaftlich vollkommen anerkannt ist, weil sie zum besseren Miteinander führt. Ich find es zum Kotzen.

Nun beende ich Freundschaften nicht, weil mir jemand sagt, der neue Pulli sei schön - ganz davon abgesehen, daß ich solche Gespräche gar nicht führe - sondern weil ich in grundlegenden Dingen belogen werde, weil jemand mich, wie ich bin, nicht akzeptieren kann.
Und wer das nicht kann, ist kein Freund.

Für mich eine simple nachvollziehbare Sache, für einen Großteil zu hohe Ansprüche.
Übrigens schockt mich diese Aussage mit den 200 Lügen immer noch.

15.09.2010 um 15:28 Uhr

Warum...

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

...kaufen sich Leute von dem Geld, was sie nicht haben, Dinge, die sie nicht brauchen, um Leuten zu gefallen, die sie nicht mögen?


03.09.2010 um 08:09 Uhr

Und schon wieder...

von: Yaimm   Kategorie: Gedankenschwurbel

Er fuhr mit den Kindern an die Diemel. Dann ging er mit seiner Tochter in den Fluss, drückte sie unter Wasser, bis sie ertrank. Sein Sohn überlebte mit schweren Unterkühlungen.

Danach legte der Vater die Kinder in den Kofferraum des dunkelgrünen Ford Escort Kombi, setzte sich ans Steuer – und zündete einen Sprengsatz.

Am Morgen fand ein Schäfer das zerstörte Auto. Das Mädchen war tot, der Junge hatte den Sprengsatz überlebt. Er wurde ins Krankenhaus geflogen.

Die Mutter wird von Seelsorgern betreut. Ob ihr Sohn überleben wird, ist nicht sicher. Er ist in Lebensgefahr.

Warum nur hat er seine Kinder mitgerissen?!?

Tagtäglich Schauernachrichten... ein paar Kilometer von hier hat ein Mann seine Frau erwürgt und dann seinen besten Kumpel angerufen. Sie saßen stundenlang neben der Leiche und überlegten, was zu tun ist. Zum Glück konnte der Freund ihn überreden, sich zu stellen.

Was ist nur los in dieser Welt?