"Alle Religionen sind gleich und wenn nur die Leute, die sich bekennen, ehrliche Leute sind, auch wenn es Türken und Heiden sind, die kämen und das Land besiedeln wollten, so bauen wir ihnen Moscheen und Kirchen." - Berlin 15.Juni 1740 / Friedrich II
Ja, ich lese mal wieder Friedrich II, Wilhelmine und Voltaire. Und ich bin ja so verliebt. Kann man sich über Briefe verlieben? In Personen, die um die 250 Jahre tot sind?
Das eine Büchlein habe ich gestern vorm Schlafen so durchgelesen. Besser als jeder Roman. Alleine die Wortwahl und Art und Weise :schmelz:
Eher belustigend war folgender Auszug aus einem Brief:
"Der Bayer, den ich in einem meiner Briefe an Sie zu erwähnen die Ehre hatte, ist immer noch uns aller Belustigung. Gestern hatten wir eine unbezahlbare Szene mit ihm: er kam zu einem sehr fähigen Arzt, der seit kurzem hier ist, um sich darüber zu beklagen, dass er seit einiger Zeit schwer krank sei. Ich habe ihm sogleich das Wort erteilt und der herzensgute Doktro versicherte ihm, dass er von der Pest befallen sei und ihm nichts anderes übrig blibe, als sein Bündel fürs Jenseits zu schnüren. Darauf gab der arme Mann, der sich schon kurz vor dem Exitus wähnte, sämtliche Ave Marias und Stoßgebete von sich, die er kannte oder auch nicht kannte; denn er bildete sich ein, dass der Tod ihm schon im Nacken säße. Wir aber baten ihn dringlichst, die Güte zu haben, die Versammlung zu verlassen, aus der Frucht, dass er uns anstecken könnte. Er tat es ganz brav und kehrte zu sich nach Hasue zurück, wo er den ganzen Tag das Bett nicht verließ und beim Paspt, den Heiligen und allen Teufeln schwor, dass er die Pest habe und sterben werde. Ich würde mir kein großes GEwissen daraus machen, wenn er über diesem Streich den Kopf verlöre, denn ich glaube, dass er schon seit langem im Reich der Chimären gefangen ist.
Ich vergesse jedoch, dass Sie viel Wichtigeres zu tun haben, als mein wirres Gefasel zu lesen, und so schließe ich, in dem ich Ihnen meine Zuneigung und vollkommene Hochachtung versichere, mit der ich für immer,
mein liebster Bruder,
Ihre ergebenste , utnertänigste und treuste Schwester und Dienerin Wilhelmine verbleibe."
Es ist so böse. Aber so witzig dabei. Kopfkino!
Auch geil sind die ganzen Spitznamen für irgendwelche Adelige und Bekannte. Ohne Anmerkungen wäre ich da aufgeschmissen. So aber ganz amüsant. "Der Papagei" :P Ebenso muss man sich schon a weng in der griechischen Mythologie auskennen. Ich dachte, ich bin da nicht ganz unfirm. Aber Wilhelmine belehrt mich eines besseren. Auch hier wäre ich ohne Anmerkungen bei 3/4 der Anspielungen verloren.
Zu den philosophischeren Ausformungen komme ich ein anderes Mal.
Nur schon mal ein paar Friedrich Zitate.
Ich bin mit der Zeit ein gutes Postpferd geworden, lege meine Station zurück und bekümmere mich nicht um die Kläffer, die auf der Landstraße bellen.
Eine Regierung muß sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, daß jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, daß er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muß.
Es heißt, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht.
Ein jeder kann bei mir glauben, was er will, wenn er nur ehrlich ist. Was die Gesangsbücher angeht, so steht einem jeden frei zu singen: 'Nun ruhen alle Wälder' oder dergleichen dummes oder törichtes Zeug mehr. Aber die Priester müssen die Toleranz nicht vergessen, denn ihnen wird keine Verfolgung gestattet werden.
Gestatten Sie mir, Ihnen zu sagen, daß unsere heutigen Religionen der Religion Christi so wenig gleichen wie der der Irokesen. Jesus war ein Jude, und wir verbrennen Juden. Jesus predigte Duldung, und wir verfolgen. Jesus predigte eine gute Sittenlehre, und wir üben sie nicht aus. Jesus hat keine Dogmen aufgestellt, die Konzile aber haben reichlich dafür gesorgt. Kurz, ein Christ des 3. Jahrhunderts ist einem Christen des 1. gar nicht mehr ähnlich.
Wer sähe nicht, wenn er die Geschichte der Kirche durchläuft, daß sie Menschenwerk ist! Welch eine erbärmliche Rolle läßt man Gott darin spielen!