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10.06.2011 um 09:14 Uhr

Die Sache mit der Blumenerde

von: elfatuo   Kategorie: Gschichten

Pflanzen sind für mich faszinierende Lebewesen – aus dem Grunde, weil sie standorttreu sind – sie sind also im wahrsten Sinne Ihrem Standort auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Und Pflanzen sind bei Ihrem Standort im Prinzip nicht wählerisch… Je nach Art brauchen sie nicht mal etwas was man im klassischen Sinne mit Erde verbindet, so wachsen sie unter Umständen auch auf Watte, Steingranulat, direkt auf nacktem Felsen – oder auf anderen Pflanzen… und trotzdem ist der Klassiker für den Haus und Balkongebrauch nach wie vor die Blumenerde. Und in jedem Baumarkt gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Blumenerde: Grünpflanzen-, Kakteen-, Palmen-, Geranien-, Tomaten-, Anzucht-, usw… usw… -Erde. Und eine Komponente dieser vielen Erden ist immer gleich: Hochmoortorf.

Nun ich mag Moore ebenfalls – und sie werden leider immer weniger… Nicht nur bei uns (kein Wunder nach 3000 Jahren Kultivierungsversuchen) sondern auch im osteuropäischen Ausland – wo es durchaus noch größere Moore geben soll. Klar Torf ist ein nachwachsender Rohstoff – wie Steinkohle, Erdöl und Diamanten… Das paradoxe an der ganzen Sache ist nun: Das niemand Einstreu aus Tropenholz kaufen würde (würde es unverblümt auf dem Etikett stehen), aber jeder Blumenerde aus Torf kauft… Und die eigentliche Frechheit ist, das es Bioblumenerde gibt, die trotzdem zum Großteil aus Torf besteht (da habe ich auch das mit den nachwachsenden Rohstoffen her…)

Und gibt es Alternativen?

Eine Alternative sind Kokosfasern – Sie haben den Vorteil, dass sie als gepresster Block daher kommen, diese Blöcke kann man sehr gut lagern und wirft sie bei Bedarf einfach in einen Eimer Wasser – und so wird daraus passables Pflanzganulat… Nachteile sind, dass wenn das Zeug vollständig durchgetrocknet ist, es erstmal ein dichter hydrophober Klumpen ist; beziehungsweise wenn man es als Grundlage für einen Sumpfplanzenkübel nimmt, man nicht einen Kübel mit unten Erde und oben Wasser hat – wie es der Plan war – sondern sich eine Art Treibsandkübel bildet, in dem Wasser und „Erde“ homogen verteilt sind L

Eine andere Alternative ist torffreie Blumenerde. Ja, ich habe sie tatsächlich in der letzten Baumarktecke gefunden. Nun, ganz Deutschland ist von Biotonnen übersäht – es müsste eigentlich Unmengen von Kompost geben, trotzdem besteht die torffreie Blumenerde zum Großteil aus Holzabfällen. Und so kommt es, dass diese Erde auch mehr die Verarbeitungseigenschaften von Holzkohle, als von BlumenERDE hat. Und der nächste große Nachteil ist, dass die Blumenerde ein Rauschmittel für Amseln enthält… Und die Amseln lieben diese Erde heiß und innig – verteilen sie über die ganze Nachbarschaft und verwandeln auch schon mal ne Balkonpflanze in „verbrannte Erde“…

Am besten ist es bis jetzt gegangen als Pflanzgranulat einfach Kokosfaser und torffreie Blumenerde zu mischen und dann oben noch ne Schicht Kokosfaser drauf zu geben – wegen der Amseln…