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01.03.2006 um 11:37 Uhr

Aspirin - Medizin Deines Lebens?

Nun, ich wollte sowieso noch was zum Thema Werbung schreiben, nun hatte Solus mich noch eine andere Idee gebracht. Ich lasse mich noch etwas über die Werbebotschaften aus, das ganze geschieht an einem Beispiel:

ASPIRIN

Nun zur Info das ist Aspirin (Was würde ich ohne Hyperlinks machen)

Und nun Klartext:

Bayer ist ein weltweit erfolgreiches Pharmaunternehmen und seine Forschung brachte und bringt so manchen Segen für die Menschheit – soviel steht fest. Ein Segen vergangener Tage war ASS (Aspirin). Nun mittlerweile kann jedes gutbestücktes Schul-Chemie-Labor und darf jedes Pharmaunternehmen ASS herstellen. ASS gibt es für Centbeträge in jeder Apotheke. Nun könnte man annehmen, Bayer würde jetzt sagen: „Komm laß gut sein, wir produzieren Aspirin zwar noch (für die Leute, die lieber Arzneimittel von Bayer, als von XY-Pharma kaufen, weil sie glauben, das die besser seien), machen aber lieber Werbung für tollere Sachen“ Die Taktik von Bayer ist aber eine andere. Stellen wir uns vor wir würden ein Produkt produzieren, dass überall angeboten würde, und wir würden nicht auf die Dumpingschiene abrutschen wollen. Nun, wir könnten irgendwas einbauen, was es von den anderen unterscheidet und allen Leuten erzählen, dadurch würde das Produkt besser.

Nun, genau dies ist gesehn -> ASPIRIN Plus C. Beworben wir dies mit dem Slogan „Schneller in der Blutbahn. Schneller am Kopfschmerz.“ Nun die Erklärung soll sein: „Vitamin C aktiviert die Auflösung des ASPIRIN®-Wirkstoffes schon im Glas.“ Wie bitte? Die Aktivierung des Wirkstoffes Salicylsäue? War es nicht so: „Seit 1874 wurde Salicylsäure großtechnisch hergestellt und als Medikament eingesetzt, jedoch schränkten der bittere Geschmack und Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden die Einsatzmöglichkeiten ein.“ Nun, der Durchbruch war damals eigentlich die Acetylisierung der Salicylsäue zu Acetetylsalicylsäure, damit wurde der Wirkstoff so verpackt, das er weniger unerwünschte Wirkungen hatte – wenn das Vitamin C den Wirkstoff nun wieder auspackt und das schon vor dem Einnehmen – wo liegt da der Sinn? Nun ich bezweifle, das Vitamin C selbst das macht (jedenfalls in den im Präparat enthaltenen Konzentrationen). Der Sinn des Vitamin C´s ist vor allem zweierlei: Es schmeckt nicht ganz so scheußlich und es sogestiert Gesundheit – nicht umsonst wird Vitamin C allen möglichen Produkten (Kakao, Joghurt, Süßigkeiten etc.) beigemengt.

Nun erschreckend finde ich auch die Art und Weise der (Fernseh-)Werbung für Aspirin: „Aspirin – Medizin Deines Lebens“ – Hu gaaanz böse. Nun für Menschen mit erhöhter Blutgerinnungsneigung (die potentiell lebensbedrohlich ist) stimmt der Slogan für eine Dosierung von 100 mg (diese Dosierung hat KEINEN schmerzlindernden Effekt). Für alle anderen Menschen und für höhere Dosierungen gilt: „Aspirin kann unter anderem Asthma, Magenbluten, Magengeschwüre, Nierenschäden und Gehörschäden auslösen. Nebenwirkungen der nicht opiathaltigen Schmerzmittel (Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen u. a.) gehören zu den 16 häufigsten Todesursachen in den USA. Da aber die Zahl der Schmerzmittel-Opfer in Statistiken nicht einzeln aufgeführt wird, nimmt die Öffentlichkeit die Gefahren kaum wahr. Auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft weist darauf hin, dass Acetylsalicylsäure aufgrund ihrer Reizwirkung bei regelmäßiger Einnahme Schleimhautreizungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magengeschwüre verursachen kann.“ Und „Bei Asthmatikern kann Acetylsalicylsäure Ursache schwerer Anfälle sein, da Bronchien erweiternde Prostaglandine, die ebenfalls über Cyclooxygenase gebildet werden, durch Hemmung des Enzyms in geringerer Konzentration vorliegen; die hierdurch verengten Bronchien können einen Asthmaanfall auslösen. Eine Kreuzreaktion zu anderen Schmerzmitteln wie beispielsweise Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen ist häufig.

Bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen sollte Acetylsalicylsäure nicht eingesetzt werden, da es (möglicherweise) das Reye-Syndrom auslösen kann; es sollte auf alternative Substanzen – wie Paracetamol und Ibuprofen – ausgewichen werden. (In Großbritannien ist die rezeptfreie Abgabe von Acetylsalicylsäure an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre aus diesem Grund verboten)

Hohe Dosen, beispielsweise 10 g ASS beim Erwachsenen, wirken giftig. Hier wird die gerinnungshemmende Wirkung so stark, dass lebensgefährliche Blutungen auftreten können. Außerdem kann das Innenohr geschädigt werden, was sich in einem Hörverlust oder Tinnitus äußert.

Als Schmerzmittel bei Unfällen ist Acetylsalicylsäure ungeeignet, da die gerinnungshemmende Wirkung bis etwa 7 Tage nach der letzten Einnahme von Acetylsalicylsäure anhält. Wegen der endgültigen Zerstörung der Cyclooxygenase der Thrombozyten ist auch eine Gabe einer "Anti-Acetylsalicylsäure" zur sofortigen Aufhebung der Gerinnungshemmung nicht möglich. Es muss vielmehr abgewartet werden, bis neue, funktionsfähige Thrombozyten vom Körper gebildet werden. Auf diese Weise kann eingenommene Acetylsalicylsäure eine dringende medizinische Operation (oder ihren Termin) vereiteln, denn mangelnde Gerinnung führt zu Komplikationen wie zu großem Blutverlust.“

Da die Nebenwirkungen bei anderen Schmerzmitteln deutlich geringer sind, würde ich bei den in der Werbung dargestellten Schmerzen „Muskelkater, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen bei Erkältung“ eher was anderes unternehmen. Immerhin erkauft man sich die Linderung des Muskelkaters mit einer Erhöhten Blutungsneigung von 7 Tagen.