Ängste gehören heute für viele Menschen zum Alltag. Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit, wirtschaftliche Unsicherheiten und globale Krisen erzeugen ein Grundrauschen aus Sorgen, das sich bei manchen zu behandlungsbedürftigen Angststörungen verdichtet.

Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse an alternativen Therapieansätzen. Cannabis bekommt dabei seit der Teillegalisierung sowohl in der Medizin als auch in der öffentlichen Debatte immer mehr Aufmerksamkeit.

Wie Cannabis physiologisch auf Ängste wirkt

Der menschliche Körper verfügt über ein sogenanntes Endocannabinoid-System. Dieses System spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Stress, Emotionen, Schlaf und Schmerzempfinden. Cannabinoide aus der Cannabispflanze, vor allem THC und CBD, docken an die entsprechenden Rezeptoren an und beeinflussen die Signalverarbeitung im Gehirn.

THC kann in niedriger Dosierung entspannend wirken und die Stressreaktion dämpfen. CBD gilt als nicht berauschend und zeigt in Studien angstlösende Effekte, ohne das Bewusstsein deutlich zu verändern.

Wichtig ist dabei immer die Balance, denn zu hohe THC-Mengen können Ängste auch verstärken. Die Wirkung hängt von der Dosis, der individuellen Veranlagung und der jeweiligen Sorte ab.

Cannabis in Deutschland seit der Teillegalisierung

In Deutschland hat sich der rechtliche Rahmen für Cannabis zuletzt deutlich verändert. Seit der Teillegalisierung dürfen Erwachsene unter bestimmten Bedingungen Cannabis besitzen und anbauen.

Dabei haben sich sogenannte Cannabis-Clubs etabliert, in denen die Mitglieder Pflanzen anbauen und die Ernte untereinander teilen dürfen. Der Verkauf über den freien Markt bleibt eingeschränkt.

Für medizinisches Cannabis gelten eigene Regeln. Patienten erhalten es nur auf Rezept, wenn ein Arzt es für nötig hält und eine entsprechende Indikation vorliegt. Angststörungen gehören nicht automatisch zu den anerkannten Gründen, doch im Rahmen individueller Therapiekonzepte kann medizinisches Cannabis eine wichtige Rolle spielen.

Wer Cannabis außerhalb medizinischer Zwecke nutzen möchte, sollte sich genau über die geltenden Regeln informieren.

Warum Cannabis-Sorten so unterschiedlich wirken

Ein zentrales Thema beim Einsatz von Cannabis gegen Ängste sind die unterschiedlichen Sorten. Cannabis ist eine Pflanze mit einer enormen genetischen Vielfalt. Die Sorten unterscheiden sich im Verhältnis von THC zu CBD, in ihrem Terpenprofil und damit auch in ihren Wirkungen und Nebenwirkungen.

Terpene sind aromatische Verbindungen, die nicht nur den Geruch und Geschmack prägen, sondern auch die Wirkung beeinflussen. Manche Terpene fördern Entspannung, andere wirken anregend oder stimmungsaufhellend. Für Menschen mit Ängsten eignen sich Sorten mit moderatem THC-Gehalt, einem spürbaren CBD-Anteil und einem beruhigenden Terpenprofil.

Bewährte Sorten bei Angst und innerer Unruhe

Eine häufig empfohlene Sorte im Kontext von Angst und innerer Unruhe ist Harlequin. Sie weist ein ausgewogenes Verhältnis von THC und CBD auf und erzeugt meist eine klare, ruhige Entspannung ohne starke psychoaktive Effekte. Viele Nutzer berichten von einer leichten Aufhellung der Stimmung und einer Reduktion körperlicher Spannungen.

Auch Cannatonic gilt als sanfte Sorte, die sich für sensible Menschen eignet. Ihr hoher CBD-Anteil kann angstlösend wirken, während das THC nur dezent in Erscheinung tritt. Die Wirkung bleibt meist funktional und erlaubt es, den Alltag weiterhin zu bewältigen.

Jack Herer wird ebenfalls im Zusammenhang mit Ängsten genannt, allerdings mit Einschränkungen. Diese Sorte hat einen höheren THC-Gehalt und wirkt eher geistig aktivierend. In niedriger Dosierung kann sie das Grübeln reduzieren und die Stimmung stabilisieren. Bei höherer Dosierung kann sie jedoch Unruhe auslösen.

Apple Fritter besitzt einen eher höheren THC-Gehalt und ein komplexes Terpenprofil, das süßliche und erdige Noten verbindet. Trotz ihrer Potenz berichten viele Nutzer von einer ausgleichenden Wirkung. Die Gedanken verlieren zunächst an Dringlichkeit, ohne dass der Geist völlig benebelt wird. Im weiteren Verlauf setzt eine angenehme körperliche Lockerung ein, die Stresssymptome wie Muskelanspannung oder innere Unruhe lindert.

Ängste erfordern eine professionelle Behandlung

Cannabis kann bei Ängsten helfen, es ersetzt jedoch keine Ursachenforschung und keine professionelle Behandlung, die auch die Psyche miteinbezieht.

Fachleute betonen, dass Angststörungen ernst genommen und professionell behandelt werden müssen. Eine Psychotherapie, Anpassungen des Lebensstils und gegebenenfalls Medikamente bilden die Basis jeder nachhaltigen Behandlung. Medikamente schließen dabei auch medizinisches Cannabis ein.

Cannabis als Helfer bei der Behandlung von Ängsten

Am Ende steht die Erkenntnis, dass Ängste viele Gesichter haben und ebenso vielfältige Behandlungsansätze erfordern. Cannabis kann Teil eines solchen Ansatzes sein, besonders wenn die Auswahl der Sorte, die Dosierung und der rechtliche Rahmen stimmen. Die Entscheidung für seinen gezielten Einsatz sollte immer informiert, reflektiert und im Austausch mit Fachleuten erfolgen.

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