Ein Feinkosthersteller aus dem Allgäu klebte jahrelang Etiketten vom Bogen auf seine Gläser. Zwei Mitarbeiter, ein Nachmittag pro Woche, 400 Gläser. Dann kam der Wechsel auf Etiketten auf Rolle. Jetzt schafft eine Person die gleiche Menge in zwei Stunden.
Lange waren Rollenetiketten nur was für Großbetriebe mit teuren Etikettiermaschinen. Inzwischen bestellen auch Imker, Winzer und kleine Manufakturen ihre Etiketten auf Rolle. Wer Etiketten auf Rolle drucken lassen will, bekommt sie mittlerweile ab einem Stück.
Inhaltsverzeichnis
Rolle oder Bogen: Wo liegt der Unterschied?
Bogenetiketten kennen die meisten vom Bürodrucker. Mehrere Etiketten sitzen auf einem DIN-A4-Träger, Sie lösen jedes einzeln ab und kleben es auf.
Bei Rollenetiketten läuft alles auf einem durchgehenden Trägerband. Etikett abziehen, aufkleben, das nächste liegt schon bereit. Kein Suchen, kein Sortieren, kein Papierstapel auf dem Tisch.
Klingt nach einem kleinen Unterschied. In der Praxis spart er Stunden.
Drei Gründe, warum Betriebe wechseln
Tempo beim Etikettieren
Bei Bogenetiketten brauchen Sie fünf Handgriffe: Bogen nehmen, richtiges Etikett suchen, ablösen, aufkleben, Bogen weglegen. Bei der Rolle sind es zwei: abziehen, draufkleben.
Eine Craft-Brauerei aus Bayern hat nachgemessen. Mit Bogenetiketten schafften zwei Leute 120 Flaschen pro Stunde. Nach dem Umstieg auf Rollenetiketten mit einem simplen Handspender klebt jetzt einer allein 400 Flaschen in der gleichen Zeit.
Weniger Chaos im Lager
500 Bogenetiketten verteilen sich auf etwa 25 DIN-A4-Bögen. Die müssen flach liegen, dürfen nicht knicken und fressen Regalfläche. 500 Rollenetiketten? Eine kompakte Rolle, die sich stapeln lässt.
Bei zehn Produktsorten macht das einen echten Unterschied. Zehn Bogenstapel gegen ein Regalfach voller Rollen.
Druckqualität wie vom Profi
Bogenetiketten aus dem Bürodrucker sehen auch so aus. Blasse Farben, fransige Ränder, bei Feuchtigkeit verschmiert alles.
Rollenetiketten kommen aus dem professionellen Digitaldruck. Satte Farben, scharfe Kanten, wisch- und wasserfest. Der Unterschied fällt jedem Kunden auf.

Für wen lohnt sich der Wechsel?
Rollenetiketten sind nicht für jeden die beste Wahl. Mal ehrlich:
Die Rolle macht Sinn, wenn Sie regelmäßig mehr als 50 Etiketten pro Monat verkleben. Oder wenn Sie mit Spender oder Etikettiermaschine arbeiten. Auch wenn Sie Etiketten nachträglich mit Chargennummer oder MHD bedrucken, fahren Sie mit Rollen besser.
Beim Bogen bleiben sollten Sie, wenn nur ab und zu ein paar Etiketten anfallen. Oder wenn Sie im Büro selbst drucken wollen und häufig wechselnde Texte brauchen.
Was sich auf dem Markt getan hat
Noch vor zehn Jahren hieß es bei den meisten Druckereien: Mindestbestellmenge 1.000 Stück. Die Kosten für Stanzwerkzeuge machten alles darunter unrentabel.
Heute sieht das anders aus. Laserschnitt statt Stanzwerkzeug, Digitaldruck statt Druckplatte. Spezialisierte Anbieter liefern Etiketten auf Rolle ab einem einzigen Stück.
Auch bei den Lieferzeiten hat sich viel getan. Früher zwei bis drei Wochen Wartezeit, heute geht es bei manchen Anbietern in 24 oder 48 Stunden. Das ändert die komplette Planung. Kein Horten auf Vorrat mehr nötig.
Und die Materialauswahl ist gewachsen: Transparente Folien für den No-Label-Look, metallisierte Oberflächen, Recyclingpapier, sogar bio-basierte Folien. Veredelungen wie Soft-Touch oder Heißfolienprägung gibt es auch bei kleinen Mengen.
Zwei Fehler, die Erstbesteller machen
Falsche Wickelrichtung bestellt
Die Wickelrichtung legt fest, wie das Etikett von der Rolle läuft. Wer von Hand etikettiert, kann das ignorieren. Bei Maschinen und Spendern muss es passen. Es gibt acht verschiedene Varianten, die richtige steht im Handbuch oder auf dem Typenschild der Maschine.
Stimmt die Richtung nicht, zieht die Maschine das Etikett verkehrt ab. Dann sitzen die Etiketten schief oder die Maschine bleibt stehen.
Falscher Kerndurchmesser gewählt
Der Kern ist die Papphülse in der Mitte. Handspender und kleine Tischgeräte brauchen meist 40 mm. Industriemaschinen arbeiten mit 76 mm. Falscher Kern heißt: Die Rolle passt nicht auf die Aufnahme.
Beide Fehler lassen sich leicht vermeiden. Einfach vor der Bestellung kurz die Spezifikationen vom Gerät checken.
Was kostet der Umstieg?
Pauschale Antwort? Gibt es nicht. Aber ein paar Anhaltspunkte:
Pro Stück sind Rollenetiketten meist günstiger als gute Bogenetiketten aus dem Copyshop. Je höher die Menge, desto größer der Unterschied.
Ein einfacher Handspender kostet zwischen 30 und 150 Euro. Halbautomatische Tischgeräte liegen bei 200 bis 800 Euro. Die meisten kleinen Betriebe kommen mit dem Handspender gut zurecht.
Die gesparte Zeit rechnet sich schnell. Wer vorher zwei Stunden pro Woche etikettiert hat und jetzt nur noch 30 Minuten braucht, gewinnt sechs Stunden im Monat zurück.
Welche Branchen auf die Rolle setzen
Bei Lebensmitteln und Getränken ist die Rolle längst Standard: Winzer, Brauer, Imker, Ölmühlen, Marmeladenhersteller. Überall, wo Gläser und Flaschen in Serie beklebt werden.
In der Kosmetik genauso: Cremes, Seifen, Shampoos, Öle. Die Etiketten müssen wasserfest sein und gut aussehen.
Auch im Handwerk: Kerzenmacher, Seifensieder, Gewürzhändler, Teehändler. Kleine Auflagen, viele Sorten, hoher Anspruch ans Aussehen.
Gastronomie und Hotels etikettieren ihre Eigenprodukte auf der Rolle: Hauswein, Frühstücksmarmelade, Kräuteröl aus dem Garten. Das Etikett trägt die Marke nach außen.
Und in Industrie und Logistik zählt vor allem Tempo: Typenschilder, Prüfetiketten, Versandaufkleber. Da muss es schnell gehen.
Wohin die Entwicklung geht
Die Nachfrage nach Rollenetiketten in kleinen Auflagen steigt weiter. Ein paar Gründe dafür:
Kunden kaufen gern bei kleinen Herstellern. Die brauchen professionelle Verpackungen, können aber keine Riesenmengen abnehmen.
Produkte wechseln schneller. Saisonale Editionen, Kooperationen, Trendprodukte. Wer flexibel produzieren will, kann nicht monatelang auf Etiketten warten.
Und Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. Wer nur bestellt, was er wirklich braucht, produziert keinen Überschuss für die Tonne.
Wer noch mit Bogenetiketten arbeitet, sollte sich die Alternativen mal anschauen. Der Einstieg ist leichter als früher, und die Vorteile merken Sie schnell im Alltag.

