Ich war noch nie ein großer Teetrinker.
Vor allem mit Kräutertees konnte man mich schon immer jagen. Die hat mir meine Mutter immer gegeben, wenn ich als Kind krank war. Kamillentee und Zwieback. Wenn ich außerdem noch im elterlichen Ehebett schlafen sollte anstatt in meinem geliebten Doppelstockbett, war auch dem letzten Winkel meines Unterbewusstseins klar: Ich bin krank.
Das funktioniert noch heute. Eine Nase voll aufgebrütem Kräutertee - die für mich dann alle nach Kamille/Fenchel/Anis riechen - und ich fühl mich sofort krank. Trinken kann ich das Zeug sowieso gar nicht. Wenn ich krank bin, so wie jetzt (Immerhin das erste Mal seit 16 Monaten. Wer mich kennt, weiß, dass ich es hasse, wenn das keiner weiß! Und ich find mich grad eigentlich ganz subtil.) dann kann ich mich bestenfalls für ordentlich aromatisierten und natürlich gesüßten Früchtetee erwärmen. Ansonsten gern mal einen Schwarztee, süß und weiß.
Jetzt bin ich leider höllisch vergesslich. Höllisch. Eigentlich wollte ich nachfolgende Anekdote für mich behalten, um der unweigerlich folgenden Häme meiner Kommentatoren (die Innen sind gewöhnlich mitgefühlvoller) zu entgehen. Aber ich halte sie für nötig, um mein ganzes Dilemma zu offenbaren.
Neulich wollte mein Chef in Urlaub gehen. Vorher wollte er mir aber noch etwas im 1. Stock zeigen. Auf dem Weg dahin zückte er sein Handy und meinte:
Chef: Ich geb dir noch für den Notfall meine Handynr. Kannst du deine Nr. auswendig?
Centi: Klar! 0123/456789
Chef: *tippt*
Centi: Ah, dann rufst du jetzt mein Handy an, damit ich deine Nummer auf dem Display habe und sie speichern kann?
Chef: Ja, ich rufe jetzt dein Handy an, damit du meine Nummer auf dem Display hast und sie speichern kannst!
Centi: Das ist ja kluk, dann hab ich deine Nummer ja direkt auf dem Display und kann sie speichern!
Er zeigte mir dann, was zu zeigen war und ich ging etwa zehn Minuten später zurück in mein Büro, fand mein Handy mit zwei fremden Nummern darauf. Eine vom Festnetz, eine vom Handy. Ich recherchierte kurz nach der Festnetznummer, fand raus, wer das war, und löschte dann die Handynummer.
Und der D'oh-Moment kam ganze vier Tage später. Die Nummer hatte ich übrigens lange Zeit vorher mal notiert, das war nicht die Tragik.
Ich bange also um meine letztverbliebenen Gehirnzellen.
Dies trug ich einer Mittänzerin an, die eine Ausbildung zur... Homöo... Ergo... Heil....irgendwas macht, und wohl grade Kräuterkunde hatte. Sie empfahl mir
Jiaogulan . Wie man einem Kraut, das angeblich Leuten mit schlechtem Gedächtnis helfen soll, einen so zungenbrecherischen Namen geben kann, bleibt mir auch ein Rätsel, aber zum Glück schrob sie es mir auf. Das Zeug nennt man auch Kraut der Hundertjährigen, und es hilft natürlich auch gegen Menstruationsbeschwerden, Bluthochdruck, Schlaganfall und Krebs.
Jetzt bin ich kein großer Medikamentenmensch, und nachdem ich mich kundig gemacht hatte, kaufte ich das Zeug direkt als Pflanze im Baumarkt. Weil das kann man auch so essen. Oder als - es schließt sich der Kreis - Tee trinken.
DAS ZEUG SCHMECKT WIDERLICH!!!!
Wobei ich es ganz klar lieber pur esse, da ist es in wenigen Sekunden unten. Aber überm Winter stirbt die Pflanze überirdisch aus, deswegen soll man sie früh trocknen und als *schluck* Tee lagern. Buäh.
Überlege, lieber dumm zu bleiben.
Darüber fiel mir jedenfalls China-Tee ein. Eine fiktive Marke, die ich ganz kreativ erfand, als wir in der Schule mal eine Werbekampagne schreiben sollten. Meine ist mir einfach nachhaltig im Gedächtnis geblieben (ich war ja mal jung) und sie passt wie die Faust aufs Auge:
Die Zunge klagt "Oh weh!"
Der Magen schreit "Juchhee!"
Das kann nur eins sein - China-Tee!
An mir ist eine große Werbetexterin verloren gegangen.
China-Tee - denn was so schlecht schmeckt, kann nur gesund sein!