Aus dem Leben eines Taugegarnichts

05.11.2003 um 13:51 Uhr

Klischeedozenten

Ich werde diese Mittagspause nutzen, um mich auf den folgenden Unterricht vorzubereiten. Nein, ich werde nicht den Stapel Papier lesen, den uns unser geehrter Gastdozent Herr K. gegeben hat, damit wir ihn in der Mittagspause lesen (sprach er nicht gar von gemeinsamem Ausarbeiten?). Nein, die Vorbereitung soll eher psychologisch-mentaler Natur sein.
Hassabbau. Yeah.

Zunächst schien es ja noch ganz witzig zu sein. Eine lustige Schote da, eine nette Anekdote hier, er war - im Gegensatz zu fast sämtlichen Vorgängern - locker, man konnte ihm sogar zuhören.

Doch dann....

Dann begann er sich zu entpuppen, aus Dr. Jekyll wurde Mr. Hyde, und aus dem coolen Gastdozenten wurde ein Klischee-Vorzeige-Rheinländer der Extra-Klischee-Vorzeige-Klasse.

Dann begann er, uns vorzuseiern, wie er sich bei Vorgesetzten, Bürgermeister, Politikern und scheinbar auch allen anderen Beamten der Stadt R. eingeschleimt hatte, um zu seinem Posten zu gelangen.
Dann begann er, uns totzulabern, wie er mit unwürdigen, ungebildeten und unkultivierten Arbeitern gestraft wurde. Wie er sich auf das kümmerliche Niveau dieser armen Seelen herabgelassen hatte, mit ihnen geredet (ja, er sprach zu ihnen!) und mit ihnen ein Sixpack Bier geleert hatte, um sie auf diese Weise für ihre niedere Arbeit zu motivieren.
Beifallheischend schwadronierte er die gesamte verbleibende Zeit, welch wichtigen Rang er in der Weltstadt R. einnähme und versuchte, uns Ehrfurcht zu lehren vor seinen Taten.

Ich konnte nicht anders, als jede Minute lächelnd zu verbringen. Dieser Mann war ein Phänomen! Er beflügelte meine Einbildungskraft, holte ungeahnte oder längst verloren geglaubte Fantasien hervor. Fantasien, für die man Gegenstände brauchte, die ich leider nicht bei mir trug (Löffel, Anatomiebuch [*zuChriswink*], Sägeblätter, diveres Schulzubehör von Smith & Wesson, ...). Und auch alte Erinnerungen wurden wach im Angedenken meiner Kindheitstage mit Bugs Bunny, den Tiny Toons oder Tom & Jerry.

Doch auf den rettenden Amboss wartete ich vergeblich. Was mir blieb, war ein anregender Briefwechsel mit Imke ("Als Politiker auf einem Wahlplakat wäre er mir lieber: Tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen...", "Der ist so cool, dass er Eiswürfel pinkeln müsste!").

Nein, ich werde weder meine Mittagspause noch meinen Job dafür opfern, ihm sein von Herrn P. spendiertes Essen mit dem Friedensspender mit 8 Buchstaben (Tipp: vorne "Zy", hinten "ankali") zu würzen. Ebensowenig werde ich mir seinen himmelschreiend genialen Aufsatz reinziehen.

No chance. Ich setz mich jetzt ins Grüne Wohnzimmer, so es denn mal nicht überfüllt ist und werde allenfalls noch einmal googeln, ob es diesen Spezial-Fleurop mit den schwarzen Rosen noch gibt.
05.11.03 13:51



04.11.2003 um 22:30 Uhr

Aaaaaaaaaaarrrrgggghhhhhh!!!!!!!!

Das Leben ist geil.
Ja, ist es wirklich.
Aber diese Woche darf ich es doch mal hassen, oder? Nur diese Woche? Nur ein bisschen? Da macht gleich alles viel mehr Spaß! Ist bestimmt tiefenpsychologisch bedingt, von wegen Opfer- und Täterrolle oder so. Völlig egal.
Diese Woche ist alles doof: Das Wetter (wir hatten heute blauen Himmel - ach sei still!), die Exkursionen, der Stundenplan, das gepaart mit einer allgemeinen Zukunfts- und Prüfungsangst, sowie dem Wissen, dass das in den nächsten 5-12 Monaten nur schlechter werden kann (Pessimismus ist toll!) und wird (Realismus auch)...

Ich hasse es ja nicht wirklich. Würd ich nie tun... denk ich. Aber eine gesunde, im Ansatz aggressive "come out and fight"-Stimmung, ein bisschen mehr "Earl had to die" und etwas weniger "Kilkelly", das schadet mir glaub ich auch mal nicht.

Nein, das Leben IST toll. Da gibt es auch Leute, denen es derzeit schlechter geht als mir *zuImkeschiel* *Imkeknuddel*.
Hey, ich wohne in Marburg, wenn man Blinde lächeln sieht, findet man schwer einen Grund, warum das Leben Schei*e ist.

Aber gerade ist mir danach zumute, Mordgelüste zu verspüren. Chris hat mich da auf interessante Gedanken gebracht, von wegen Anatomiebuch und Löffel - hehe. Es wären auch gar nicht viele. Bei fünf wäre sicherlich schon Schluss. Den Rest würde ich auch am Leben lassen... irgendwie...

Ach, die zwei - hoffentlich - ätzendsten Tage dieser Woche sind überstanden, morgen und übermorgen werd ich auch irgendwie schaffen, und sobald wir wieder bei der Freitagszickentusse haben, ist schon so gut wie Wochenende.
Und immerhin hab ich schon angefangen zu lernen, irgendwas muss es ja bringen.

So denn, ich werde jetzt noch einmal mein Kissen gegen die Wand schleudern und mir noch ein "Earl had to die" geben, dann geh ich ins Bett...
04.11.03 22:30