Klischeedozenten
Ich werde diese Mittagspause nutzen, um mich auf den folgenden Unterricht vorzubereiten.
Nein, ich werde nicht den Stapel Papier lesen, den uns unser geehrter Gastdozent Herr K. gegeben hat, damit wir ihn in der Mittagspause lesen (sprach er nicht gar von gemeinsamem Ausarbeiten?). Nein, die Vorbereitung soll eher psychologisch-mentaler Natur sein.
Hassabbau. Yeah.
Zunächst schien es ja noch ganz witzig zu sein. Eine lustige Schote da, eine nette Anekdote hier, er war - im Gegensatz zu fast sämtlichen Vorgängern - locker, man konnte ihm sogar zuhören.
Doch dann....
Dann begann er sich zu entpuppen, aus Dr. Jekyll wurde Mr. Hyde, und aus dem coolen Gastdozenten wurde ein Klischee-Vorzeige-Rheinländer der Extra-Klischee-Vorzeige-Klasse.
Dann begann er, uns vorzuseiern, wie er sich bei Vorgesetzten, Bürgermeister, Politikern und scheinbar auch allen anderen Beamten der Stadt R. eingeschleimt hatte, um zu seinem Posten zu gelangen.
Dann begann er, uns totzulabern, wie er mit unwürdigen, ungebildeten und unkultivierten Arbeitern gestraft wurde. Wie er sich auf das kümmerliche Niveau dieser armen Seelen herabgelassen hatte, mit ihnen geredet (ja, er sprach zu ihnen!) und mit ihnen ein Sixpack Bier geleert hatte, um sie auf diese Weise für ihre niedere Arbeit zu motivieren.
Beifallheischend schwadronierte er die gesamte verbleibende Zeit, welch wichtigen Rang er in der Weltstadt R. einnähme und versuchte, uns Ehrfurcht zu lehren vor seinen Taten.
Ich konnte nicht anders, als jede Minute lächelnd zu verbringen. Dieser Mann war ein Phänomen! Er beflügelte meine Einbildungskraft, holte ungeahnte oder längst verloren geglaubte Fantasien hervor. Fantasien, für die man Gegenstände brauchte, die ich leider nicht bei mir trug (Löffel, Anatomiebuch [*zuChriswink*], Sägeblätter, diveres Schulzubehör von Smith & Wesson, ...). Und auch alte Erinnerungen wurden wach im Angedenken meiner Kindheitstage mit Bugs Bunny, den Tiny Toons oder Tom & Jerry.
Doch auf den rettenden Amboss wartete ich vergeblich. Was mir blieb, war ein anregender Briefwechsel mit Imke ("Als Politiker auf einem Wahlplakat wäre er mir lieber: Tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen...", "Der ist so cool, dass er Eiswürfel pinkeln müsste!").
Nein, ich werde weder meine Mittagspause noch meinen Job dafür opfern, ihm sein von Herrn P. spendiertes Essen mit dem Friedensspender mit 8 Buchstaben (Tipp: vorne "Zy", hinten "ankali") zu würzen. Ebensowenig werde ich mir seinen himmelschreiend genialen Aufsatz reinziehen.
No chance. Ich setz mich jetzt ins Grüne Wohnzimmer, so es denn mal nicht überfüllt ist und werde allenfalls noch einmal googeln, ob es diesen Spezial-Fleurop mit den schwarzen Rosen noch gibt.
05.11.03 13:51
Hassabbau. Yeah.
Zunächst schien es ja noch ganz witzig zu sein. Eine lustige Schote da, eine nette Anekdote hier, er war - im Gegensatz zu fast sämtlichen Vorgängern - locker, man konnte ihm sogar zuhören.
Doch dann....
Dann begann er sich zu entpuppen, aus Dr. Jekyll wurde Mr. Hyde, und aus dem coolen Gastdozenten wurde ein Klischee-Vorzeige-Rheinländer der Extra-Klischee-Vorzeige-Klasse.
Dann begann er, uns vorzuseiern, wie er sich bei Vorgesetzten, Bürgermeister, Politikern und scheinbar auch allen anderen Beamten der Stadt R. eingeschleimt hatte, um zu seinem Posten zu gelangen.
Dann begann er, uns totzulabern, wie er mit unwürdigen, ungebildeten und unkultivierten Arbeitern gestraft wurde. Wie er sich auf das kümmerliche Niveau dieser armen Seelen herabgelassen hatte, mit ihnen geredet (ja, er sprach zu ihnen!) und mit ihnen ein Sixpack Bier geleert hatte, um sie auf diese Weise für ihre niedere Arbeit zu motivieren.
Beifallheischend schwadronierte er die gesamte verbleibende Zeit, welch wichtigen Rang er in der Weltstadt R. einnähme und versuchte, uns Ehrfurcht zu lehren vor seinen Taten.
Ich konnte nicht anders, als jede Minute lächelnd zu verbringen. Dieser Mann war ein Phänomen! Er beflügelte meine Einbildungskraft, holte ungeahnte oder längst verloren geglaubte Fantasien hervor. Fantasien, für die man Gegenstände brauchte, die ich leider nicht bei mir trug (Löffel, Anatomiebuch [*zuChriswink*], Sägeblätter, diveres Schulzubehör von Smith & Wesson, ...). Und auch alte Erinnerungen wurden wach im Angedenken meiner Kindheitstage mit Bugs Bunny, den Tiny Toons oder Tom & Jerry.
Doch auf den rettenden Amboss wartete ich vergeblich. Was mir blieb, war ein anregender Briefwechsel mit Imke ("Als Politiker auf einem Wahlplakat wäre er mir lieber: Tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen...", "Der ist so cool, dass er Eiswürfel pinkeln müsste!").
Nein, ich werde weder meine Mittagspause noch meinen Job dafür opfern, ihm sein von Herrn P. spendiertes Essen mit dem Friedensspender mit 8 Buchstaben (Tipp: vorne "Zy", hinten "ankali") zu würzen. Ebensowenig werde ich mir seinen himmelschreiend genialen Aufsatz reinziehen.
No chance. Ich setz mich jetzt ins Grüne Wohnzimmer, so es denn mal nicht überfüllt ist und werde allenfalls noch einmal googeln, ob es diesen Spezial-Fleurop mit den schwarzen Rosen noch gibt.
05.11.03 13:51
