Alt und Jung
Musik: Mary and the soldier
Heute mach ich nichts mehr.
Immerhin habe ich gestern endlich einen Papiercontainer gefunden, jetzt kann ich mich zurücklehnen und mich gut fühlen. :-P Warum erinnert mich das jetzt nur an Kyrandia? ("Eine Flöte?! Ich komme, um dich zu holen, Malcolm, und ich habe jetzt eine Flöte!")
Jedenfalls war das gestern auf dem Weg zu meiner Oma, die im Altersheim wohnt. Hin und wieder kann einem in einer solchen Einrichtung ein drückendes, flaues Gefühl überkommen.
Dann wieder: Die Leute da sind zu einem überwiegenden Teil ausgesprochen freundlich (Bewohner wie PflegerInnen) (außer natürlich meiner Oma :-P) und besitzen eine Eigenschaft, die ich wie kaum eine andere an Menschen liebe: Schrulligkeit. Manche von denen sind total cool drauf.
Da wäre zum Beispiel Frau M. (Namen aus erinnerungstechnischen Gründen geändert), die den lieben langen Tag vor sich hinschimpfen kann, dafür muss noch nicht mal einer in der Nähe sein, und einen Grund braucht es dafür auch nicht. Besonders gern streitet sie sich mit Herrn P. Desto überraschter war ich, als sie eines Sommers plötzlich draußen saßen und gemeinsam gesungen haben.
Und das klang gar nicht soo schlecht!Auch zu erwähnen sei die Dame, die an uns mit einem höflichen Lächeln auf den Lippen vorbeistürmte. Als mir meine Mutter erzählte, dass sie bereits 98 war, musste ich ihr erstaunt hinterherstarren.
Des weiteren erzählte sie mir von einer etwas verwirrten Dame, Frau B., die eines Tages zu meiner Oma (in deren Abwesenheit) ins Zimmer kam, sich auszog und eine Orange schälte. Da kam meine Mutter ins Zimmer und grüßte sie freundlich, nachdem sie die erste Verwirrung überwunden hatte. Als sie dann einen strahlenden Gruß von Frau B. zurückbekam, fragte sie sie nach ihrem Namen.
Frau B. :"B. *lächel*"
Meine Mutter strahlt sie daraufhin noch einmal freundlich an, grüßt sie noch einmal mit ihrem Namen und macht sich dann zum Pfleger auf.
"Könnten sie bitte mal Frau B. aus meinem Zimmer holen? *g*"
"*stöhn* Wo ist sie denn jetzt schon wieder?!"
Natürlich ist das nicht der einzige Fall geistiger Verwirrung in diesem Heim, und nicht immer ist es lustig, aber ich finde die Tatsache immer beruhigend, dass die Betroffenen selbst es nicht so mitbekommen. Außer natürlich, sie wissen nicht, wo sie sind und haben das Gefühl, unbedingt nach hause zu müssen, weil sie doch ihren Angehörigen helfen müssen...
Wir haben also meine Oma abgeholt und sind zu meiner Tante gefahren, wo wir Omas Geburtstag gefeiert haben, mit allerhand Verwandten, darunter meine Schwester mit Tochter und meine Cousine mit Töchtern. Letztere kann ich irgendwie nicht mehr leiden, seit sie so arg in kleine Kinder verschossen zu sein scheint. Eine Frau, die nicht der Meinung ist, dass Kinderwickeln, -füttern und -herzen das höchste Glück auf Erden ist, scheint für die irgendwie widernatürlich. Und überhaupt kam an diesem Tag natürlich von allen Seiten die bekannten Phrasen wie "Und wann willst du endlich?", "Und wie fühlt man sich so als Tante?" und blablablubb.
Hat mich irgendwie an einen Witz erinnert, in dem eine Frau sinngemäß erzählte:
"Früher hasste ich es auf Hochzeiten zu gehen. Tanten und großmütterliche Bekannte kamen zu mir, piekten mir in die Seite, lachten und sagten: "Du bist die Nächste."
Sie haben mit dem Mist aufgehört, als ich anfing, auf Beerdigungen das Gleiche zu machen...
Ich hab es vorgezogen zu schweigen und die fette, aber extrem süße und liebe Nachbarshündin zu streicheln. Später wurde ich dann von den Töchtern meiner Cousine entführt und genötigt, Plasteline/Suralina/Knete zu formen. Na, mit denen kann man doch wenigstens noch was anfangen!
) und auch meine (ich kann dieses Wort nicht mehr ersehen!) Mülltonne steht noch immer unbeachtet im Keller (noch immer zugestellt).
(Wir betrachten sie aus der Ferne und behaupten, sie sähe wie eine Kornblume aus...)
- Tag. So lässt sich's leben.
