Aus dem Leben eines Taugegarnichts

28.09.2005 um 18:36 Uhr

Centi for chancelor!

Meine unglaublich geniale Idee, die Menschheit zu vernichten die Weltherrschaft an mich zu reißen Kanzlerschaft zu erlangen, um Deutschland zu dienen und ins Licht zu führen, habe ich natürlich auch meinen Kollegen vorgestellt. Nachdem allerdings die ersten beiden nach Erwähnung meiner Fettsteuer verkündet haben, dass sie die Gegenpartei wählen würden - welche auch immer das wäre -, habe ich beschlossen, dort nicht mehr zu werben. Dieser Betrieb wird als erstes vom blauen Geist überrannt werden und auch sie werden alle noch feststellen, dass ich die einzige bin, die erfolgreich die Menschheit vernichten die Arbeitslosigkeit abschaffen kann.

Immerhin hat mir der zweite Kollege bei der Frage geholfen, was wir mit den überschüssigen Ressourcen machen, die durch das Eingehen der fettverarbeitenden Gewerbe freigeworden sind:
Es gibt doch bereits heute Autos, die mit Fettantrieb fahren! Also warum wandeln wir die Fette und Öle nicht in Krafstoff um? Natürlich müsste außerdem noch die Autos umgerüstet werden und sämtliche neue Autos mit neuem Antrieb konzipiert werden. Dafür müsste man die Fettarbeiter umlernen und die Fettfabriken ummontieren.
Da entsteht eine komplett neue Industrie, und Deutschland würde dabei die Vorreiterrolle übernehmen! Sämtliche Ingenieure würden aus dem Ausland zurückkehren, die amerikanische Wirtschaft würde eingehen und die Arbeitslosigkeit wäre dann bald ganz sicher beseitigt.
Und alle wären schlank, glücklich und reich. Klasse!

Eins fehlte dann noch, den Rauchern müsste noch das Rauchen abgewöhnt werden. Zum einen werde ich die Tabaksteuer etwa verdoppeln und zum anderen das Rauchen an allen öffentlichen Orten, Pubs und fast überall sonst verbieten, ganz nach irischem Vorbild.
Ja, ich weiß, ihr würdet mich dafür hassen, aber es geschieht nur zu eurem Besten, das tut mir mehr weh als euch und irgendwann werdet ihr mir dafür dankbar sein.

13.09.2005 um 18:31 Uhr

Alles Verbrecher II.

Passend zur letzten Überschrift fiel mir auf, dass wir demnächst ja auch wieder mal unsere Regierung (ja schön, eigentlich unsere Legislative, aber egal) wählen - übrigens nicht Deutschlands besten Redner und Mister bzw. Miss Deutschland, auch wenn das einige zu glauben scheinen, was man ihnen dank der Medien auch nicht wirklich verdenken kann.
Und da man mit so einem Blog ja auch einen gewissen politschen Anspruch und natürlich auch einen Bildungsauftrag besitzt, muss ich natürlich ebenfalls dazu Stellung nehmen.

Dazu sei zunächst gesagt, dass Wahlkampf doof ist. Erstens verschlingt er unnütz viel Geld, obwohl er im Verhältnis kaum noch wen überzeugt und zweitens erschrickt man einfach ungeheuer, wenn man des nächtens aus dem Fenster sieht und in der Nähe seines Autos ein riesiger breit grinsender Monsterschädel auftaucht. Immerhin suchen wir ja auch nicht Mister oder Miss "Gesundes Zahnfleisch".

Zur Wahl selbst kann man dann so viel eigentlich auch wieder nicht sagen, immerhin muss man mit so einem Bildungsauftrag ja auch irgendwo ansatzweise neutral bleiben. Mit Ausnahmen versteht sich. Immerhin verbieten sich Parteien mit religiösen Titeln schon von selbst, zumindest hieß es in meinem Geschichtsunterricht immer, die Trennung von Staat und Kirche sei ein enormer Fortschritt gewesen. Aber vielleicht galt das ja nur bis 1900.
Egal.
Alles, was rechts davon ist, ist sowieso indiskutabel und was links davon ist, ist - oder wird spätestens bei Regierungsbeteiligung - ein ziemlicher Einheitsbrei.

Tja, so bei schwarz, rot, gelb und grün kann ja auch nichts rauskommen. Die essenziellste, die schöneste, wahrhaftigste und glaubhafteste Farbe fehlt nämlich dabei: Kornblumenblau.

Wenn ich mit der noch zu gründenden kornblumenblauen Partei erstmal Königin von Deutschland wäre, würde ich alles anders machen. Ich würde nämlich die Arbeitslosigkeit senken oder ganz abschaffen. Und umweltfreundlich wäre ich. Und familien- und singlefreundlich. Tier- und kinderfreundlich. Und so.
Und ich würde die männliche und die weibliche Emanzipation verwirklichen soweit dies staatlicherseits möglich ist.
Zum Beispiel gäbe es eine staatliche Zahlung an Unternehmen, deren Mitarbeiterinnen schwanger werden und/oder in Mutterschaftsurlaub gehen, so dass sämtliche Ausgaben durch werfende Mitarbeiterinnen vollständig und mit Entschädigung ausgeglichen werden (Gilt natürlich auch für Elternzeit beantragende Männer!) und die Einstellung von Doppel-X-Chromosomenträgern kein Investitionsrisiko mehr darstellt.

Nicht, dass mir der Kinderanteil in Deutschland  nicht völlig egal wäre, aber mir schwillt einfach die Haarbürste, wenn qualifizierte Frauen (also ich zum Beispiel) keinen Job kriegen, weil sie in den nächsten dreißig Jahren niederkommen könnten. Oder den gleichen Job nur kriegen, wenn sie fünf Mal so qualifiziert sind und sieben Mal so viele Überstunden schieben wie ihre männlichen Substitute.

Woher ich das Geld nehme?

Ich führe eine neue Steuer ein. Und zwar eine, von der ich selbst total begeistert bin: Die Fettsteuer.
Auf jedes Nahrungsmittel wird je nach Anteil der ungesättigten oder gesättigten Fettsäuren eine Sondersteuer erhoben. Eine Tafel Schogetten kostet also nicht mehr 65 Cent(i), sondern zukünftig mindestens vier Euro. Fakt ist doch, wer Genuss daran findet, wird sie sich des Genusses wegen noch immer kaufen. Aber wer sie nur neben dem Fernseher oder PC liegen hat und unterbewusst mal eben 35 Gramm Fett nebenbei reinschlingt, wird sich das in Zukunft überlegen. An einer Tafel Schokolade pro Woche findet man dann auch viel mehr Vergnügen als wenn man jeden Tag eine in sich hineinstopft.

Lebenswichtige und gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse, fettarmes Fleisch und Backwaren blieben davon nahezu unberührt und das ganze hätte den positiven Nebenaspekt, dass Diät halten um einiges erleichert, zunehmen wiederum erschwert würde.
Das wiederum würde natürlich zu einer Reduktion der Fettleibigkeit in Deutschland allgemein führen, wodurch Risiken für Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Gelenkschäden eklatant gesenkt würde.

Das würde natürlich zu einer enormen Entlastung der Krankenkassen führen.
Diese wiederum könnten nun ihre Beiträge senken, was sich direkt auf die Lohnnebenkosten auswirken würde. Das wäre dann ein Anreiz für Arbeitgeber, mehr Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (die ja nun auch kein Geschäfts- und Investitionsrisiko mehr darstellen) einzustellen.


Bleibt nur noch zu klären, wie wir die bald ehemaligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der dann bald darniederliegende Schokoladenindustrie vor dem finanziellen Ruin schützen. Aber ich bin sicher, da fallen dem Staat ein paar Stellen ein, die man noch besetzen könnte. Habe gehört, Archive, Bibliotheken und Schulen suchen dringend Personal.
Wie man das wieder bezahlt?
Ganz einfach.
Jeder Politiker im Wahlkampf wird verpflichtet, nach seiner Amtsperiode unbezahlte Arbeit zu leisten. Und zwar als Werbeträger für Zahnpastafirmen. Das Geld, das sie damit verdienen würden, flöße direkt in die die ehemaligen Schokoladenfabrikarbeiter bezahlenden Kassen.

Die Kornblumenpartei. Wir würden Deutschland schon zu was machen.
Na schön, vielleicht gibt es da noch immer ein paar logische Löcher, aber dafür, dass meine Partei noch nicht mal gegründet ist, finde ich uns schon ziemlich gut.

06.09.2005 um 16:44 Uhr

Alles Verbrecher.

Bekannterweise ist ja die Welt voller Verbrecher, die Menschheit geht den Bach runter und jeder ist ein Dieb und so. Ganz besonders im Westen.
Dementsprechend schließe ich auch beim Verlassen meiner Wohnung stets die Balkontür - egal wie warm es ist! - und die Wohnungstür zwei mal ab. Die Flurtür lasse ich dann auf, zum einen wegen des besseren Luftaustauschs, zum anderen weil ich zu faul bin, sie zu schließen.
Als ich letzten Sonntag von einem Brunch wiederkam, war die Flurtür zu und die Balkontür auf. 'Nanu?', dachte ich, und mir schwante schon Böses.
Beim ersten Blick in die Wohnung, war ich mir schon fast sicher, dass jemand drinnen gewesen sein musste, denn sie sah ganz anders aus als gewöhnlich. Sie war aufgeräumt und gesaugt.
Allerdings fiel mir ein, dass ich mich am Vortag selbst dazu aufgerafft hatte. Aber kein Wunder, dass mich das überrascht hatte, normalerweise verlasse ich die Wohnung in einem wüsten Chaos, allein wegen der Einbrecher. Berechnung. Sollte ein Einbrecher die Wohnung betreten und sie im üblichen Zustand vorfinden, wäre doch sein erster Gedanke: "Oh, da war schon ein Kollege vor mir da gewesen, da geh ich gleich wieder weg."


Jedenfalls war ich überrascht ob der seltsamen Türenkonstellation und da man meine Wohnung bei Bedarf wohl recht einfach über den Balkon betreten und verlassen könnte, überprüfte ich schnell, ob alle wichtigen Sachen noch da waren - Laptop, Modem, Fernseher, Autopapiere und -schlüssel. Check. Hier drinnen hatte sich anscheinend nichts bewegt. Gut. Dann hatte ich die Balkontür vielleicht doch aufgelassen. Wenn man in Eile ist, passiert sowas schon mal. Ich war zwar nicht in Eile gewesen, aber egal. Wird schon ok sein.

Ich habe also davon abgesehen, wegen der offenen Balkontür und der geschlossenen Flurtür (und der gesaugten Wohnung) Polizei und Bundeswehr zu alarmieren und ging wieder zum Tagesgeschäft über.

Bis Freitag.
Da bekam ich einen Brief von meinem Vermieter. Er wolle die Wohnung verkaufen und ob ich nicht Zeit hätte, sie einer Besichtigung durch Vermieter und Interessenten zu öffnen. Verschiedene Denkansätze und weiterführende Gedanken, die sich so etwa mit "Bö?!" zusammenfassen lassen, gingen mir durch den Kopf. Wohnung verkaufen? Wollte er mich raushaben? Würden sich meine Mietkonditionen verschlechtern (Wäre das überhaupt möglich?!)? Oder, um es mit den unsterblichen Worten zu sagen, die dem großen Sachsenkönig Friedrich August III. im November 1918 in den Mund gelegt worden sind:
"Därf'n die d'nn das?!"

Ich kramte also den Karton mit sämtlichen Miet-, Versicherungs-, Rechnungs- und Steuererklärungsheftern hervor, um den Hefter mit den Mietverträgen herauszuholen.

Er war nicht da.

Aufkeimende Panik.
Weiteres Durchsuchen des Kartons. Und der Hefter darin. Und des Bücherregals. Der Küche, des Schreibtischs, der Abstellkammer, der Essecke, aller Taschen und Beutel.
Nichts.
Nur mit der Ruhe, wir werden doch jetzt die Panik nicht verlieren. Ich hatte ihn vor zwei Wochen noch gehabt. Seitdem hab ich ihn... nicht mehr gesehen. Weil ich ihn dann ja in den Karton hätte legen müssen.
Na schön, vielleicht habe ich ihn ins Büro genommen. Ich bin mir zwar hochprozentig sicher, dass ich ihn nicht mit dahin geschleppt habe (diverse Briefe, die ich aus dem Büro nachhause genommen habe, um sie eben hier in den Hefter einzuheften, sprachen dagegen. Wäre der Hefter im Büro, hätte ich sie ja da eingeheftet.) und wenn ich das hätte, hätte ich ihn sofort wieder in die Tasche gesteckt und wieder mit nach hause genommen. Aber es wäre ja möglich.

Also das Büro angerufen, sämtliche Telefone heiß klingeln lassen, bis ich endlich einen Mitarbeiter dran hatte, der tatsächlich noch Freitag Abend da war und dankenswerter Weise die einzige Stelle in meinem Büro untersuchte, wo er hätte sein können, nämlich rechts auf meinem Schreibtisch.
Nichts.
...und ich geriet unverzüglich in heillose Panik.

Jetzt ergab nämlich alles einen Sinn.

Mein Vermieter hatte offenbar einen Schlüssel zu meiner Wohnung. Er war am Sonntag drinnen gewesen, und hatte die Balkontür geöffnet weil es dank Südbalkon schrecklich warm gewesen sein musste und er aufgrund seiner kriminellen Tat zu schwitzen begonnen hatte. Dann hatte er den Karton gesehen, aus dem meine Hefter deutlich hervorlugten und sie so lange untersucht, bis er den mit dem Mietvertrag gefunden hatte. Den hatte er herausgenommen, alles wieder an seinen Ort getan, die Flurtür hinter sich geschlossen und zugeschlossen.
Und jetzt kam er mir an mit einem Käufer, meinem neuen Vermieter, und da ich die alten Mietkonditionen nicht nachweisen konnte, weil ich keinen Mietvertrag mehr besaß, war ich in seiner Hand.

Na schön, mir war schon klar, dass es sich ein wenig abenteuerlich anhören musste, aber es passte alles zusammen. Ich überlegte ernsthaft, die Polizei zu verständigen und schlug im Internet nach, welche Stellen noch offen waren. Zum Freitag Abend? Keine.
Die 110 wollte ich dann doch nicht wählen. Also stellte ich meine Wohnung noch einmal auf den Kopf, packte meine Sachen für den geplanten Wochenendausflug und machte nebenbei das halbe Internetforum mobil, das mir bereitwillig Tipps gab und virtuell Händchen hielt. Meine telefonisch verständigte Mutter war mindestens so fertig wie ich und glücklicherweise war im Haus keiner außer mir da, sonst hätte ich die wohl auch noch zugetextet.

Am nächsten Morgen präparierte ich alles für einen eventuellen weiteren Einbruch. Wäre ja möglich, dass der Schurke wiederkommen wollte. Ich versteckte meine Unterlagen und stellte eine leere Plastikflasche so auf, dass sie umfallen musste, wenn jemand den Raum betrat.
Die stand natürlich noch da, als ich aus einem schönen Wochenende wiederkam und auch sonst wirkte nichts verändert. Gut.

Ich kam am Montag dann in mein Büro, lief ohne zu grüßen an meiner Kollegin vorbei und öffnete den Schrank.
Lustiges Ratespiel für ausdauernde Blogleser: Was lag da wohl?
Der Hefter mit den Mietverträgen.

Davon abgesehen, dass ich noch immer nicht wusste, wann und warum ich den dahin gelegt hatte, dass ich ein Internetforum, meine Eltern, einen Kollegen, und beinahe auch noch das Haus und die Polizei mit meiner Paranoia auf Trab gehalten hatte, was mir nun natürlich endlos peinlich war und mich die Vorzüge einer Umbennenung und eines Umzugs mit Hilfe des Zeugenschutzprogramms überdenken ließ, war ich natürlich erleichtert.
Mein Vater witzelte dann, dass es dafür nur eine Erklärung gäbe, denn nur der Vermieter konnte ihn schließlich dahin gelegt haben. Hmpf.

Zumindest die einzige bin ich mit meiner Paranoia nicht, meine Kollegin erzählte mir daraufhin, sie habe den Vater ihrer Freundin schon einmal verdächtigt, ihre Sonnenbrille gestohlen zu haben.

So, ich muss weg, da sind ein paar sonnenbebrillte Krokodile auf dem Baum vor meinem Fenster, die Fotos von mir machen, um sie an die Stasi zu verschachern, die muss ich verscheuchen gehen.