Aus dem Leben eines Taugegarnichts

24.10.2005 um 15:32 Uhr

Trau dich nicht.

Na schön, soo schlimm war es ja dann doch nicht.
Es war schlimmer.

Die Trauung sollte gegen 11:00 beginnen. Nachdem wir uns also freigenommen hatten und die halbe Stadt in Richtung des Rathauses durchquert hatten, standen meine etwa ebenso begeisterten Kollegen und ich vorm Rathaus und kamen trotz meisterhafter Versuche nicht um eine feierliche Begrüßung herum. Was sagt man denn um Himmels Willen vor einer Trauung zu einem beinahe unbekannten Paar?!
"Ähm.. hallo... danke für.. ähm"
Und an der Stelle wurde ich auch schon von den nachfolgenden Gästen weitergedrängt.
Nun gut.
Es wurde 11 und wir standen noch immer in dem erschreckend hässlichen Eingangsbereich des 20er-Jahre-Krankenhaus-Charme versprühenden Rathauses in dieser altehrwürdigen Stadt.
Weitere Begrüßungen. Küsschen hier, Küsschen da, schön, dass ihr da seid, blablabla. Einerseits schon erfrischend, wie sich das Paar gefreut hat. Andererseits - so what?
Weitere Gäste. "Ihr seid aber ein schönes Paar *Fotoapparatzück*" Und fotoreif küsst man sich mit einem hallenden SCHMATZZZZ.
Igitt.
11:05
Hach, und hättet ihr damals nicht xy, dann hätten wir uns nicht kennengelernt.
Mein Rücken tut weh, ich beschließe, auf der Bank, die gern ein Kunstwerk sein will, aber wie ein Plumpsklo aussieht, Platz zu nehmen.
11:10
Man erbarmt sich unserer und lädt uns herein. 'Endlich sitzen', denke ich. Irrtum. Bonn muss sparen und fängt bei den Stühlen im Trauungssaal an. Schätzungsweise 40 von 50 Gästen durften stehen. Yay, da kommt Freude auf, vor allem wenn man in vorderster Reihe steht und garantiert mit jedem Foto erwischt wird.
Die Trauung ist eine Farce und eine wirklich, wirklich schlechte Rede wird unterbrochen von wirklich, wirklich schlechten Poesiealbumsprüchen, die die Schmerzgrenze um fünf Zeilen überschritten haben. Ich bin noch ganz traumatisiert, als ein Baby, dem man vergessen hat, seinen Schalldämpfer mitzubringen, losheult und damit in etwa ausdrückt, wie ich mich gerade fühle: Mein Rücken tut weh, ich habe Schuhe mit mindestens 1,5 Centimeter großem Absatz an, werde mit Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Schmalz-Sprüchen gefoltert und alle paar Sekunden fotografiert.
Eines der drei in schicke Weste-Hose-Kombinationen gehüllte Orgelpfeifen-Kinder beginnt mit Dehnungsübungen und ich bin kurz davor, mich auf den hässlichen und fleckigen Teppich zu setzen.

Doch jede Pein hat einmal ein Ende und so müssen wir denn auch schon ohne Sektempfang wieder los, um bei Cheffes Geburtstagsfeiervorbereitungen zu helfen.

Zumindest mein Wochenende hab ich sinnvoll genutzt, Sarevok den Garaus gemacht und die Welt gerettet.

Den heutigen Montag (kann ja nicht gutgehen) verbringe ich zu zehn Stunden auf Arbeit und zu drei Stunden bei nem Kurs. Ich habe heute morgen meine Wäsche auf dem Balkon hängen lassen und es goss heute in Strömen. Zu allem Überfluss habe ich gerade eben erfahren, dass man "gesamt" tatsächlich nur mit einem M schreibt. Seit wann das denn?! Also die nächste Rechtschreibreform werde ich selbst kreieren, wenn ich erstmal Kanzlerin bin.
Was für ein Tag.

Aber ich habe Sarevok getötet.