Aus dem Leben eines Taugegarnichts

29.11.2005 um 15:30 Uhr

Looking for adventure and whatever comes our way...

Ein Quartal der Rekorde, meine sehr verehrten Damen und Herren, und ich freue mich, Sie auch heute zu "Das Centi-Buch der Rekorde" begrüßen zu dürfen.
Nach dem 8:45-Heimfahrt-Rekord folgte irgendwann ein Rekord-Muskelkater, eine Rekord-Freitagabend-Baldur's-Gate-2-Session bis 4:30 Uhr morgens [aus dem Off tönt müdes Gähnen der anwesenden Studenten] und das Entsorgen von seit rekordverdächtigen 8 Monate offenem Orangennsaft (und er war nicht mal verschimmelt  ).


Frohen Mutes und noch immer muskelverkatert (am dritten Tag!) fuhr ich Freitag Morgen auf Arbeit, voller Hoffnung, nach der 8:45h- und der 8:30h-Fahrt halbwegs staufrei und in einer Zeit, die nicht wehtut, anzukommen.

Bekam gegen 13:00 Uhr eine SMS von Kollegin K, die an dem Morgen gegen 7 nach Thüringen fahren wollte. Da wären 50 km Stau zwischen Gießen und Eisenach, manche ständen schon seit acht Stunden dort und wenn ich tatsächlich immer noch fahren wollte, würde sie mir alles Gute wünschen. Sie hatte aufgegeben und war kurz vor Gießen umgekehrt.
Ähm. Ja. Ich hatte vorgehabt, in einer halben Stunde loszufahren. 50 km Stau? Kann ja nicht sein, beschloss ich, durchforstete das Internet nach Staumeldern und stieß nur auf 20km stockenden Verkehr und 4 km Stau. Na, wenn's weiter nichts ist!

Abfahrt also 13:45, der Gefahr ins Auge lachend - oder vielmehr mit einer guten "Kann ja gar nicht sein"-Stimmung versehen - und mit Schokoladen-Butterkeksen, Obst, Milchmäusen und genug Musik für drei Tage bewaffnet.

Eine Woche vorher war ich schließlich wie immer um 5:30 aufgestanden und hatte dann  von der Arbeit kommend bis 4:30 Baldur's Gate 2 gezockt und nebenbei gechattet, und wenn ich das konnte, so dachte ich mir, dann kann ich auch bis... na so gegen Mitternacht wenn's sein muss Auto fahren.

Der erste Stau - oder DER Stau, denn es war im Großen und Ganzen ja nur einer - erwartete mich irgendwo zwischen dem Reichskirchener Dreieck und Alsfeld West. Das war aber noch ganz angenehm, ich mag es, wenn man mal fünf Minuten steht und in Ruhe sein Buch lesen kann, und danach dann wieder ein Stück richtig fährt. Während die Sonne unterging, näherten wir uns dem Hattenbacher Dreieck, ich musste mal und es ging immer langsamer vorwärts.

Der Radio-Staumelder erzählte Horrorgeschichten von Schneechaos, Eisglätte, katastrophalen Straßenzuständen und erwähnten wir schon das Schneechaos?
Ich lauschte dem ziemlich fasziniert, sah mich auf der knochentrockenen Autobahn nach dem versprochenen Schnee um und überlegte, ob ich im richtigen Hessen war. Also sollte in dieser Nacht irgendein Hesse tatsächlich Schnee gesehen haben, wäre ich für eine kurze Meldung dankbar. Ich würde gern wissen, woher die 20 km Stau kamen, die mir durch das Radio für die Strecke Kirchheimer Dreieck - Friedewald verkündet worden sind. Das Rote Kreuz soll ja auch heiße Getränke ausgeschenkt haben.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Lust auf Kaffee. Aber so ein schickes WC, das wäre doch jetzt was. In der zweiten von vier Reihen stehend hatte ich keine Lust, mein Auto alleine stehen zu lassen und mich in die Büsche zu schlagen, also musste ich warten, bis sich gegen 21:00 die Gelegenheit auftat und die Abfahrt Kirchheim nehmen.
Dort standen auf der rechten Seite LKW mit heruntergelassenen Jalousien, die es offenbar nicht auf den großen Parkplatz hundert Meter weiter geschafft hatten (Hölle!) und damit schon mal die gesamte rechte Abfahrtseite blockierten. Die linke Seite blockierten die, die tanken wollten und der Rest musste versuchen, sich irgendwie durchzuschlängeln, wollte er da durch. Wurde böse von einem LKW angehupt, als ich mit zwei Centimetern Sicherheitsabstand links an ihm vorbeifuhr, ignorierte ihn aber. "Bilbo passt da schon durch, vertrau mir. Vertrau Bilbo."
Als dann erstmal kein Durchkommen mehr war, auf der rechten Seite vor einem schlafenden LKW eingeparkt, erstmal zwei Groschen auf dem Tankstellen-WC gelassen und meinen Eltern Bescheid gesagt, dass sie nicht auf mich warten sollen und ins Bett gehen können.

Und dann endgültig runter von der Autobahn und rauf auf die Bundesstraße. Und was soll ich sagen, von da an lief's. Anfangs nur mit 20-40km/h, später dann richtig normal. Irgendwann kam ich bei Friedewald an, aber die Autobahn war immer noch recht voll und ich erinnerte mich, zwischen Friedewald und Eisenach schon öfter gestanden zu haben, also bin ich nach einem kurzen Blick in den Atlas der Bundesstraße bis Eisenach gefolgt. Durch niedliche idyllische Dörfer gefahren, die Ländergrenze passiert und nach einer Serie von Serpentinen in einem herbstlichen Laubwald thronte hinter einer Kurve plötzlich die hell erleuchtete Wartburg über mir. Na, wenn das keine Entschädigung war. Kurz darauf war ich in Eisenach und bin da dann gegen 23:20 wieder auf die noch immer knochentrockene Autobahn gelangt.

Der Staumelder hielt an seinem Schnee- und Eisbericht fest, noch immer schenkte das Rote Kreuz den 20 km lang Wartenden heiße Getränke aus und die Polizei versuchte derweil, die Autobahn von der Gegenfahrbahn freizuräumen. Gut, dass wir ausgewichen sind.

Ich fragte mich weiterhin, warum die da standen. Schnee lag allein auf den umliegenden Feldern. Eis hatte ich auf der ganzen Strecke etwa für drei Meter Straße gehabt. Es konnte sich hierbei eigentlich nur um eine Art Massenhypnose handeln. "Radio FFH sagt Schnee an, und die müssens ja wissen. Ich brems besser mal. Ohja, wenn man genau hinfühlt, rutscht das sogar, ich bleib mal besser hier stehen." Oder dies waren tatsächlich die einzigen 20 km Straße zwischen Bonn und dem Erzgebirge, die mit Schnee bedeckt waren. Im Gegensatz zur Bundesstraße zehn Kilometer südlich.

Es folgte eine Fahrt über eine fast völlig freie Autobahn mit zunehmend schwereren Augenlidern. (Pause? Brauch ich nicht...)
Ankunft um 1:25 Uhr, was eine Nettofahrzeit von 11:35h (die Rückfahrt dauerte wieder nur 5:30h) und einen neuen Rekord bedeutet. Ich glaube, ich bin inzwischen dahingehend schmerzfrei, denn die Fahrt im besten Auto der Welt war definitiv toll gewesen.


Auf dem heimischen Weihnachtsmarkt dann ein nettes Mädel aus meinem Abijahrgang getroffen, nett unterhalten, gegenseitig alles Gute gewünscht und gefreut. Ich muss heute Abend unbedingt nachsehen, wer zum Geier das war.
Plan für heute außerdem: Das Heidekraut mit Reißig abdecken und - schluck - in den Keller gehen und die Weihnachtssachen hochholen. Gruslig.

 

[Ich hab mich selbst in meinen Favoriten. BOBBES!!]

24.11.2005 um 17:41 Uhr

Zeit für Helden

Anstrengenden Wochenanfang hinter mir.
Am Montag als adrenalinischen Höhepunkt des Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurses, den ich gerade bei der Polizei absolviere (und jeder wärmstens empfehlen kann), einen fiesen Außenparcour bewältigt. Sollte ich nachts mal überfallen und zu Boden gerissen werden, möchte ich darum bitten, dass das nicht bei derart arktischen Temperaturen passiert, nicht durch einen derart muskelbepackten Kleiderschrank, und keinen, der eine Michelin-Anorak-Rüstung +1 (+2 gegen Zwick-Angriffe) trägt. Mit Schlamm im Gesicht kann ich leben.
Die drei Kerle, die mich da planmäßig im dunklen Park erwartet haben, müssen wirklich schmerzfrei gewesen sein. Auch an den Stellen, an denen sie nicht gepolstert waren. Und nachdem die bei der Kälte so ewig herumstanden und auf die zwanzig Frauen gewartet haben, von denen sie sich zusammenschlagen lassen mussten, haben die bestimmt ein paar Scrolls of Cold Resistence gehabt.
Da das - auch durch die ausführliche Auswertung, nach der ich sehr zufrieden sein konnte und aufgrund derer ich mir einfach mal 3000XP gutgeschrieben habe -  etwas länger in die Nacht hineinging, waren das etwa 5 Stunden Schlaf - wo doch jeder weiß, dass unter 8 Stunden keine Regeneration stattfinden kann -, nach denen ich zombieartig und leicht muskelverkatert am nächsten Morgen im Büro erschien.

Die erste Kollegin, mit der ich sonst recht wenig zu tun habe, gratuliert mir, horcht mich ausführlich aus und drückt mir eine Flasche Met in die Hand. Woah. ["Die Gruppe hat einen Gegenstand gewonnen"]
Freund!
Die zweite Kollegin gratuliert mir, horcht mich ausführlich aus und bietet mir für diesen Tag einen Ausritt mit ihren Isländern an. Bin zwar halbtot, beschließe aber, dass ich mit der Hälfte meiner Trefferpunkte immer noch genug Kraft besitzen müsste, das zu überstehen, und sage spontan und hoch erfreut zu.

Isländer mit Winterfell sind toll. Nicht, wenn sie sich vorher im Schlamm gewälzt haben, aber ich habe so lange kein Pferd mehr geputzt, dass das die reinste Wohltat war (allerdings hat da noch drei Stunden später Dreck zwischen den Zähnen geknirscht). Es folgte ein langer Ritt durch den Wald (Laubwald. Sonnenuntergang.), bei dem ich mich auf dem Gentle-Pferd zwar recht wohlfühlte, das meine relative Unerfahrenheit beim Reiten keine Spur ausgenutzt hat, bei dem ich aber auch nicht recht wusste, ob es jetzt dies und jenes wirklich aufgrund meiner Hilfen gemacht hat, oder ob es einfach wusste, was es tun sollte, und sich unsere Interessen zufällig überschnitten haben. Hab an dieser Stelle gewünscht, ich hätte den Ring der Tierfreundschaft dabeigehabt.
Nach zwei Stunden und in Ermangelung von Infravisionsfähigkeiten sind wir dann wieder im Hof angekommen und haben die Teddytiere auf die Weide zurückgeschickt.
Seitdem laufe ich nun John-Wayne-mäßig durch die Gegend und bin froh, dass ich immerhin schon wieder problemlos sitzen kann.

Übrigens spiele ich zur Zeit Baldur's Gate 2. Das ist ein tolles Spiel, und Gerüchte, dass das irgendwie suchtauslösend sein könnte und Folgeschäden hinterlassen würde, sind vollkommen aus der Luft gegriffen!
So, genug für heute, ich muss erstmal wieder Ordnung schaffen, und mein Teppich sieht aus...
*summon greater Staubsauger*

17.11.2005 um 07:55 Uhr

Dr Sommer is alle, de Kirmes vorbei...

Kollegin: "Ich muss mal aufs Klo."
Centi: "Is doof, ne?"
Kollegin: "Ich hab keinen Bock!"
Centi: "Ich war auch erst heute morgen, so oft muss das eigentlich echt nicht sein."
Kollegin: "Ja, das wird völlig überbewertet."

Heute ist sie krank und daher hab ich das große Büro ganz für mich alleine. Neun Stunden lang.

Naja, nicht ganz allein. Da wäre noch Angus. Angus ist ein netter kleiner Kerl mit roten Haaren und nem Vollbart, grüner Kleidung und braunen Stiefelchen. Zumindest stelle ich ihn mir so vor. Denn irgendwer muss doch dafür verantwortlich sein, dass der Bleistift ständig weg ist und ich ihn dann nach einer halben Stunde genau da finde, wo ich ihn hingelegt habe. Und dass der Fahrstuhlschlüssel immer in meiner Hosentasche bleibt und ich ihn dann Wochenendes manchmal unter dem heimischen Sessel finde. Und dass mein Schreibtisch so unaufgeräumt ist, dass mir Sachen runterfallen und dass meine Brille schon wieder dreckig ist! Angus!

Ein Blick auf den Kalender sagt mir übrigens, dass kommenden Sonntag Totensonntag ist. Das bedeutet zweierlei:

1. Es ist bald Weihnachten. Letztes Jahr hat sich eine Bekannte den 1.12. als Stichtag für die Besorgung aller Geschenke gesetzt, um die Vorweihnachtszeit entspannt genießen zu können. Ich halte das für eine ausgezeichnete Strategie und werde ihr dieses Jahr nacheifern.
Status:
Zu Beschenkende: 3-5 Leute
Geschenke besorgt: 0
Geschenkideen: 1,5
Ist noch ausbaufähig, aber ich hab ja auch noch zwei Wochen Zeit.

2. Ab nächster Woche darf ich die Weihnachtssachen hinräumen. Was die Frage aufwerfen würde, wohin. Aber selbst wenn ich das geklärt habe, weil ich endlich mal meinen Wohnzimmertisch freigeräumt habe, bleibt immer noch ein Problem:
Meine Weihnachtssachen sind im Keller. Dort war ich allerdings seit kurz nach meinem Einzug nicht mehr, also Februar. Das hat einen bestimmten Grund. Denn außer der üblichen Unordnung in meinem Keller hab ich da auch noch eine Matratze gelagert. Und meine Möbelpacker haben die an die Wand gelehnt. Sowas tut man nicht mit Matratzen im Keller. Das weiß ich, weil mir voriges Jahr eine auf die Weise verschimmelt ist. Innerhalb von 2-3 Wochen.  Ich hab mir ja auch immer vorgenommen, runterzugehen und sie da weg zu stellen. Aber je weiter die Zeit voranschritt, desto größer war die Angst, das zu tun. Und so verging der Sommer.
Aber nun ja, spätestens nach dem ersten Advent wird mir nichts mehr weiter übrig bleiben.
Ich hab da ein ganz mieses Gefühl.

 

Und aus meiner neu zu startenden Reihe Lieblingsgooglehits:

"plane amoklauf brauche hilfe"

Aber immer. Fragt mich nur.

08.11.2005 um 21:44 Uhr

Get your motor running - Head out on the highway...

Neulich auf dem Weg von Bonn ins Erzgebirge, wie dieses Jahr schon einige Mal. Die Strecke ist bei freier Fahrt in weniger als fünfeinhalb Stunden zu schaffen. Mein Rekord liegt bei 8:45 (15-minütige Pause nicht mitgerechnet. Diese 15 Minuten stand ich beim McDoof an, um mir nen Milchshake zu bestellen, den sie dann nicht hatten), mal sehen, ob sich das nicht überbieten lässt.

13:20
Letzter Rundgang bevor ich um 13:30 losfahre. Kollegin erzählt mir, dass die Staumeldungen im Radio gerade zwei Minuten gebraucht haben und der Sprecher diesen Roman mit "Zum Beispiel" eingeläutet hat.
Dann gibt sie mir noch den Link zu einem SPON-Artikel über die anstehenden Staus. Ferienende in den Gebieten, in die ich will und Ferienbeginn in den Gebieten, aus denen ich komme. Verlängertes Wochenende dank Feiertag.

Schluck.

"Warum hast du nicht noch einen Tag mehr Urlaub genommen?"
"*knurr*"

Aber das kann mich ja nicht schocken, ein Nachmittag und Abend mit Bilbo und guter Musik wartet auf mich und ich habe sogar Weintrauben und Schokolade dabei.

Ehe alles aufgeräumt ist, ich umgezogen bin und im Auto sitze, ist es 13:40 und ich fahre los.

A3 - frei

15:00
B49 - frei

15:45
Reichskirchener Dreieck. Letztes Mal (die 8:45-Rekordfahrt) war hier schon Stau. Großes Verkehrsaufkommen, aber keine Behinderungen.
A5, Ausfahrt Grünberg - leichte Stauungen, aber auch nichts ernstes.

16:45
Abfahrt Alsfeld West. Es beginnt zu stauen und im Radio werden böse Staus für Kirchheim und Hattenbach gemeldet, ich fahre hier runter auf die B62. Die Straße liegt parallel zur Autobahn und ich bin sie letztes Mal schon gefahren. Es war damals toll gewesen, mal vierzig Minuten richtig fahren zu können und dabei die an dieser Stelle wirklich hübsche Landschaft zu beobachten.
Heute ebenso, man kann hier wirklich 100 fahren, die Landschaft ist toll und das Leben ist geil.

16.55
Vollbremsung nach einer Kurve. Man steht.

17:10
Man steht. Hin und wieder färt man auch, aber die meiste Zeit steht man. Seltsam. Ich könnte jetzt umkehren, aber es geht bestimmt gleich weiter.
Hach, toll, die Landschaft sieht wunderschön aus im Licht der untergehenden Sonne.

17:55
10 Kilometer weiter.
Ok, es geht nicht gleich weiter.
Woran könnte es liegen? Da war letztes Mal eine Baustellenampel, an der ich zehn Minuten  stand, aber die ist noch gut 15 Kilometer weiter. Das kann's ja nicht sein.
Vor mir steigt immer mal wieder ein junger Kerl aus, der mit seinem unendlichen Charme *würg* meint, die kichernden Hühner vor mir bezaubern zu müssen. Suche nach Dingen im Auto, mit denen ich ihn bewerfen kann.
Es ist stockfinster und ich muss mal. Ich gehe aber prinizpiell nicht ins Gebüsch, schon gar nicht im Stau.
Ich hätte umkehren sollen, aber jetzt stehe ich schon so lange hier, da geht's aber *bestimmt* gleich weiter.

18:55
10 Kilometer weiter.
Ich hätte wirklich umkehren sollen. Aber jetzt hat das ja auch keinen Sinn mehr. Gute Musik (CD natürlich, das Radio beruhigt mich aber immerhin, dass nebenan auf der Autobahn auch Stauungen sind.) und leckere süße Weinbeeren.

19:10
5 Kilometer weiter. Die Ampel, an der ich letztes Mal 10 Minuten stand. Na danke. "Wir bauen für Sie." Also für mich ja wohl nicht. "Bis Dezember 2005" Und um ein Haar hätte ich das Bauende auch noch miterlebt.

19:15
Bad Hersfeld, ich könnte jetzt wieder auf die Autobahn fahren. Aber ich muss mal, wenn dort Stau ist, bin ich verloren.
Ein Blick auf die Autobahn verrät mir: Es ist Stau und ein Polizeiwagen fährt an den Stehenden vorbei.
Beschließe, bis zur nächsten Autobahnauffahrt weiter Bundesstraße zu fahren. Es fährt sich toll. Es ist stockfinster, ich muss immer noch und bis zur Auffahrt kommt kein McDoof oder ähnliches mehr. Suche mir einen einsamen Waldweg, sehe im Dunkeln lauter Geister und finde es doof.

19:20
Die Autobahn hat mich wieder.
A4 - freie Fahrt
Jena - kleiner Stau, aber da wieder komplett freie Fahrt, sogar am Hermsdorfer Kreuz. Irgend etwas sagt mir, ich hätte die B62 nicht nehmen sollen. Egal.
Schokolade und Musik im Auto. Das sind die Anzeichen für Zivilisation, schon an der Grenze zur Dekadenz. So wie fünflagiges Klopapier und DSL Flat.

22:15
Komme an.
Nettozeit etwa 8:30 Stunden, Rekord trotz aller Versuche nicht gebrochen. Aber heute ist ja nicht aller Tage.

Bilbo heute übrigens - leicht verspätet - zum TÜV gebracht und auch gleich wieder abholen dürfen. Augenstern hat nun neun Jahre auf dem Buckel und keinerlei erkennbare Mängel aufgewiesen. Hab ich nicht so in etwa das allertollste Auto der Welt? Ich glaube schon.
Nachdem ich ihm vorletztes Wochenende neue Schuhe gekauft habe, werd ich ihn dann zu seinem Geburtstag mal ordentlich waschen lassen. Mit Unterboden und Wachs und so. Hat er sich verdient.

03.11.2005 um 18:16 Uhr

Donnerstage...

Erlebnis der dritten Art heute in der Straßenbahn:  Gerade auf meinen Platz gesetzt fällt mein Blick auf den Fahrgast mir gegenüber:
Ein Skelet.
Auch beim zweiten Hinsehen entpuppt sich meine erste Diagnose nicht als falsch. Es ist und bleibt ein Skelet. Sitzt am Fenster, warum auch immer, sieht doch eh nichts.
Und was denkt ein Centi natürlich als erstes? "Ich wusste ja, dass die Straßenbahn hin und wieder Verspätung hat - aber SO?!"
Ja, witzig, Schenkelklopfer, nie vorher gehört und innovativ, aber wenn man da nach einem viel zu langen Arbeitstag sitzt (vor allem Donnerstage, die zählen doppelt!) und da sitzt wirklich eines, findet man das lustig. Ich musste mich wirklich anstrengen, nicht laut loszulachen, kramte ein Buch hervor und tat so, als sei das unendlich humorvoll.
Das war eine schlimme und sehr anstrengende Fahrt.

Zuhause angekommen fiel mir erstmal der Inhalt meines Briefkastens - der übrigens kein echtes Schloss besitzt, aber das ist eine andere Geschichte - entgegen, weil da neben dem Versandhauskatalog, den ich eh nicht brauche, weil ich online bestelle, eine schweizer Verbandszeitschrift drin war. Und das obwohl ich weder Schweizerin bin noch Verbandsmitglied.
Ein bisschen witzig sind die ja schon. Mich mit Hinz und Kunz gleichzusetzen (obwohl in Marburg beide tatsächlich in meinem Haus gewohnt haben) und mit achtundzwanzig Leserchen am Tag "beliebt" zu nennen. [Und ich behaupte, ich habe das Wort "anderswie" im Leben noch nie benutzt!]
Aber eine nette Geste war's ja doch.

Im Moment ziehen in der Nachbarstraße Kinder mit Lampions durch die Gegend, eine Blasmusikgruppe spielt das Niklaus-Lied und etwas, das sich nach "Wenn alle Brünnlein fließen" anhört. Frage mich, wohin ich eigentlich gezogen bin.
Habe gerade meine Eltern angerufen, wir haben Theorie gewälzt von Verschiebung der Zeitzonen bis hin zu Löchern im Raum-Zeit-Kontinuum, letztendlich war es aber wohl nur das Ende des Ramadan. Mit Blasmusik und Niklaus-Lied. Seltsame Kultur.
Und jetzt werde ich hin und wieder von Sendestörungen angerufen, so klingt's jedenfalls.
Ich sag's ja immer, Donnerstage.