Looking for adventure and whatever comes our way...
Ein Quartal der Rekorde, meine sehr verehrten Damen und Herren, und ich freue mich, Sie auch heute zu "Das Centi-Buch der Rekorde" begrüßen zu dürfen.
Nach dem 8:45-Heimfahrt-Rekord folgte irgendwann ein Rekord-Muskelkater, eine Rekord-Freitagabend-Baldur's-Gate-2-Session bis 4:30 Uhr morgens [aus dem Off tönt müdes Gähnen der anwesenden Studenten] und das Entsorgen von seit rekordverdächtigen 8 Monate offenem Orangennsaft (und er war nicht mal verschimmelt
).
Frohen Mutes und noch immer muskelverkatert (am dritten Tag!) fuhr ich Freitag Morgen auf Arbeit, voller Hoffnung, nach der 8:45h- und der 8:30h-Fahrt halbwegs staufrei und in einer Zeit, die nicht wehtut, anzukommen.
Bekam gegen 13:00 Uhr eine SMS von Kollegin K, die an dem Morgen gegen 7 nach Thüringen fahren wollte. Da wären 50 km Stau zwischen Gießen und Eisenach, manche ständen schon seit acht Stunden dort und wenn ich tatsächlich immer noch fahren wollte, würde sie mir alles Gute wünschen. Sie hatte aufgegeben und war kurz vor Gießen umgekehrt.
Ähm. Ja. Ich hatte vorgehabt, in einer halben Stunde loszufahren. 50 km Stau? Kann ja nicht sein, beschloss ich, durchforstete das Internet nach Staumeldern und stieß nur auf 20km stockenden Verkehr und 4 km Stau. Na, wenn's weiter nichts ist!
Abfahrt also 13:45, der Gefahr ins Auge lachend - oder vielmehr mit einer guten "Kann ja gar nicht sein"-Stimmung versehen - und mit Schokoladen-Butterkeksen, Obst, Milchmäusen und genug Musik für drei Tage bewaffnet.
Eine Woche vorher war ich schließlich wie immer um 5:30 aufgestanden und hatte dann von der Arbeit kommend bis 4:30 Baldur's Gate 2 gezockt und nebenbei gechattet, und wenn ich das konnte, so dachte ich mir, dann kann ich auch bis... na so gegen Mitternacht wenn's sein muss Auto fahren.
Der erste Stau - oder DER Stau, denn es war im Großen und Ganzen ja nur einer - erwartete mich irgendwo zwischen dem Reichskirchener Dreieck und Alsfeld West. Das war aber noch ganz angenehm, ich mag es, wenn man mal fünf Minuten steht und in Ruhe sein Buch lesen kann, und danach dann wieder ein Stück richtig fährt. Während die Sonne unterging, näherten wir uns dem Hattenbacher Dreieck, ich musste mal und es ging immer langsamer vorwärts.
Der Radio-Staumelder erzählte Horrorgeschichten von Schneechaos, Eisglätte, katastrophalen Straßenzuständen und erwähnten wir schon das Schneechaos?
Ich lauschte dem ziemlich fasziniert, sah mich auf der knochentrockenen Autobahn nach dem versprochenen Schnee um und überlegte, ob ich im richtigen Hessen war. Also sollte in dieser Nacht irgendein Hesse tatsächlich Schnee gesehen haben, wäre ich für eine kurze Meldung dankbar. Ich würde gern wissen, woher die 20 km Stau kamen, die mir durch das Radio für die Strecke Kirchheimer Dreieck - Friedewald verkündet worden sind. Das Rote Kreuz soll ja auch heiße Getränke ausgeschenkt haben.
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Lust auf Kaffee. Aber so ein schickes WC, das wäre doch jetzt was. In der zweiten von vier Reihen stehend hatte ich keine Lust, mein Auto alleine stehen zu lassen und mich in die Büsche zu schlagen, also musste ich warten, bis sich gegen 21:00 die Gelegenheit auftat und die Abfahrt Kirchheim nehmen.
Dort standen auf der rechten Seite LKW mit heruntergelassenen Jalousien, die es offenbar nicht auf den großen Parkplatz hundert Meter weiter geschafft hatten (Hölle!) und damit schon mal die gesamte rechte Abfahrtseite blockierten. Die linke Seite blockierten die, die tanken wollten und der Rest musste versuchen, sich irgendwie durchzuschlängeln, wollte er da durch. Wurde böse von einem LKW angehupt, als ich mit zwei Centimetern Sicherheitsabstand links an ihm vorbeifuhr, ignorierte ihn aber. "Bilbo passt da schon durch, vertrau mir. Vertrau Bilbo."
Als dann erstmal kein Durchkommen mehr war, auf der rechten Seite vor einem schlafenden LKW eingeparkt, erstmal zwei Groschen auf dem Tankstellen-WC gelassen und meinen Eltern Bescheid gesagt, dass sie nicht auf mich warten sollen und ins Bett gehen können.
Und dann endgültig runter von der Autobahn und rauf auf die Bundesstraße. Und was soll ich sagen, von da an lief's. Anfangs nur mit 20-40km/h, später dann richtig normal. Irgendwann kam ich bei Friedewald an, aber die Autobahn war immer noch recht voll und ich erinnerte mich, zwischen Friedewald und Eisenach schon öfter gestanden zu haben, also bin ich nach einem kurzen Blick in den Atlas der Bundesstraße bis Eisenach gefolgt. Durch niedliche idyllische Dörfer gefahren, die Ländergrenze passiert und nach einer Serie von Serpentinen in einem herbstlichen Laubwald thronte hinter einer Kurve plötzlich die hell erleuchtete Wartburg über mir. Na, wenn das keine Entschädigung war. Kurz darauf war ich in Eisenach und bin da dann gegen 23:20 wieder auf die noch immer knochentrockene Autobahn gelangt.
Der Staumelder hielt an seinem Schnee- und Eisbericht fest, noch immer schenkte das Rote Kreuz den 20 km lang Wartenden heiße Getränke aus und die Polizei versuchte derweil, die Autobahn von der Gegenfahrbahn freizuräumen. Gut, dass wir ausgewichen sind.
Ich fragte mich weiterhin, warum die da standen. Schnee lag allein auf den umliegenden Feldern. Eis hatte ich auf der ganzen Strecke etwa für drei Meter Straße gehabt. Es konnte sich hierbei eigentlich nur um eine Art Massenhypnose handeln. "Radio FFH sagt Schnee an, und die müssens ja wissen. Ich brems besser mal. Ohja, wenn man genau hinfühlt, rutscht das sogar, ich bleib mal besser hier stehen." Oder dies waren tatsächlich die einzigen 20 km Straße zwischen Bonn und dem Erzgebirge, die mit Schnee bedeckt waren. Im Gegensatz zur Bundesstraße zehn Kilometer südlich.
Es folgte eine Fahrt über eine fast völlig freie Autobahn mit zunehmend schwereren Augenlidern. (Pause? Brauch ich nicht...)
Ankunft um 1:25 Uhr, was eine Nettofahrzeit von 11:35h (die Rückfahrt dauerte wieder nur 5:30h) und einen neuen Rekord bedeutet. Ich glaube, ich bin inzwischen dahingehend schmerzfrei, denn die Fahrt im besten Auto der Welt war definitiv toll gewesen.
Auf dem heimischen Weihnachtsmarkt dann ein nettes Mädel aus meinem Abijahrgang getroffen, nett unterhalten, gegenseitig alles Gute gewünscht und gefreut. Ich muss heute Abend unbedingt nachsehen, wer zum Geier das war.
Plan für heute außerdem: Das Heidekraut mit Reißig abdecken und - schluck - in den Keller gehen und die Weihnachtssachen hochholen. Gruslig.
[Ich hab mich selbst in meinen Favoriten. BOBBES!!]

