Aus dem Leben eines Taugegarnichts

08.12.2005 um 14:43 Uhr

Ohrwürmer

Ohrwürmer sind von der Hölle.
Es ist eben auch von Nachteil, sich vom Radiowecker wecken zu lassen, wenn man mit Radiomusik eigentlich nicht viel anfangen kann.
"Die absolute Wahhnsinnsshow
im Fernsehen und im Radio..."
Paarreime sind natürlich Level 2 im Spiel des Nerventodes.

Dann liegt man um 5:30 im Bett, gerade aus einem wunderbaren Traum gerissen in die kalte Wirklichkeit. Oder besser gesagt in die flauschig-flummelige Wirklichkeit des mit warmer Biberbettwäsche bezogenen Schlafgemachs. Und dann hat man die Wahl. Entweder man verlässt das flauschig-flummelige weiche Bett mit dem Lieblingsteddy neben dem perfekt zurechtgeschobenen Kissen, um im dunklen kalten Zimmer die kalten unbequemen Klamotten des Tages zusammenzusuchen und sich der rauen Wirklichkeit zu stellen, oder man hängt dem Traum, aus dem man gerade auf fieseste Weise gerissen wurde, noch ein Stück nach und genießt noch ein wenig das wohlig-weiche Bettgefühl, muss sich dafür aber vom Radio berieseln lassen.

"Die absolute Wahnsinnsshow
im Fernsehen und im Radio..."

Die Faulheit siegt und man erträgt das unsägliche Gedudel noch fünf Minuten, bis es vorbei ist und irgendeine halbbekiffte Lichtbirne beschließt, *schaurige Musik* "Das Wort zum Tage" unter die müde Bevölkerung zu bringen.
Schau mal an, man kann ja doch relativ schnell aufstehen.
Das Radio ist nun aus, doch der böse Samen ist gesäht und welches vermaledeite Lied auch immer heute die persönlichen Nervcharts anführt - es ist, als wäre das Radio noch an.

"Die absolute Wahnsinnsshow..."
Frühstück.
"...im Fernsehen und im Radio..."
Zur Bahn rennen.
"Die Sonne scheint ganz schadenfroh..."
Auf Arbeit.
"...an Tagen wie diesem..."

Menschheit. Vernichten. Muss. Menschheit. Vernichten. Muss Menschheit. Vernichten.



Meine Büromitinsassin ist die Frage schon gewohnt.
"Willst du wissen, welchen Ohrwurm ich heute habe?"
"Nein."
"Doch, bestimmt, so schlecht ist das Lied gar nicht..."
"Nein!"
Sie hält sich die Ohren zu und fängt an zu summen und hospitalistisch vor- und zurückzuschaukeln.
Ich bin heute in gnädiger Stimmung und ertrage das Leid allein für mich. Wie ein Centi.
Den ganzen Vormittag lang.
"Die absolute Wahninnsshow..."
Wenn ich den Texter in die Hände kriege...
"im Fernsehen und im Radio..."
...den werd ich... aber sowas von... ich kann euch sagen...
"die Sonne scheint ganz schadenfroh..."
Boah, hab ich einen Hass.

Am frühen Nachmittag versuche ich es mit dem Gegenangriff. "Jajaja, Weihnachten, Weihnachten steht vor der Tür... lalalalalala.... Weihnachten, Weihnachten..."
Und für eine kurze Weile gewinnt es tatsächlich die Oberhand.
Bis...
"Ist das dein Ohrwurm?"
"Nein, das ist *sing* "Die absolute Wahnsinnsshow..."
Beide: "Argh!"

06.12.2005 um 08:51 Uhr

Vorwort

Essensreiche und aktive vier Tage liegen hinter mir. Freitag Abend zu viel gegessen, dafür länger aufgeblieben und das Frühstück am nächsten Mittag in Form von lecker fettig Plätzchen eingenommen. BG2 gespielt.
Und dann Burg Satzvey. Viertelstunde zu spät gekommen, der wartenden S. einen Met ausgegeben und geschämt. Zuspätkommen käme immer viel besser, wenn ich eine gute Ausrede hätte. Oder überhaupt eine. Hab ich selten. Ist halt so. Mir gefällt's ja auch nicht. Aber mit ner Viertelstunde, damit kann man doch leben. Findsch.

Im Moment sollte ich übrigens gar nicht hier sein, sondern ein Vorwort schreiben. Ich hasse Vorworte. Vorworte sind genauso schlimm wie ->Protokolle.

"Das vorliegende *rausch* ist gedacht als *pfeif* für *piep*. Es enthält *pfffff* und *zisch* und die dumme Idee dazu hatte *sssst*. Danke an die Mitwirkenden und für den Kaffee."
Ha, das Gerüst steht ja schon mal fast.

Dann das Krippenspiel angesehen. Zwei Mal. Und das, obwohl ich vorher schon wusste, wie es ausgeht. (Nein, ich hab das Buch nicht gelesen, vom Film nur den ersten Teil gesehen, aber irgendwo gabs dazu mal ne Zusammenfassung.)
"Und morgen? Wie abgemacht?"
"Hm.. weiß nicht... kalt... und bestimmt nichts Neues... machen wirs vom Wetter abhängig."
"Ok, ich ruf morgen früh an."
Glücklicherdings haben wir für "früh" die gleiche Definition.
Bis gegen 3:00 BG2 gespielt.

Aufgewacht. Auf den Wecker gestarrt. War's erst kurz nach zehn. Angesichts aber einer sicher bald anrufenden S. und der noch immer fehlenden Geschenke unruhig gewesen und beschlossen, aufzustehen.
Aufgestanden. Laptop gesehen. Laptop auf den deckenbelegten Boden mitgenommen und im Schlafanzug noch ein Stück BG2 gespielt.
Einige Zeit später auf die Uhr gesehen. 9:45. Der verräterische Wecker zeigt das selbe.
WTF?!

[An alle Einsatzkräfte: Ein Teil des vor einem knappen Jahr verschwundenen Wochentages wieder aufgetaucht. Fahndung nach den restlichen Teilen wird fortgesetzt.]

Gegen zwölf dann Anruf von S. "Also sie haben für heute ja Regen gemeldet, also wenn du nicht kommen willst..."
Hier scheint draußen die Sonne und ich fühle mich an die Abmachung ja dann doch gebunden.
"Nee, der Wetterbericht hat keine Ahnung... blabla... tolles Wetter blabla... ich komme. Ähm. Ich brauch ne Stunde zu dir, da bin ich in etwa 90 Minuten bei dir."
Anblick Centi: Schlafanzug und verfitzte Haare.
90 Minuten später endlich losgefahren.
So viel Met gibt's gar nicht, wie ich S. schulde...

Eine Stunde später durch die Stadt gekämpft. Autobahnausfahrt zu ihrer alten Wohnung genommen. Kein Problem, von da wusste ich ja, wie es zur Neuen geht. Einmal links und dann nach rechts und.. oh, Einbahnstraße. Also nach links und dann nach... ah, Einbahnstraße... ähm... weiter geradeaus, rechts. Die Ladenstraße kenn ich, die ist ganz woanders. Rechts und links und Einbahnstraße. Schon wieder die Ladenstraße. Zwei rechts, zwei links, zwei fallenlassen, eine Sackgasse, die Ladenstraße. Herrgotthimmelarschnochmal.
Eine rechts. Das sieht so nach Parkhaus aus, wo bin ich?!
Einmal links, einmal rechts und ich stehe vor S.' Wohnung und schaue verdattert aus der Wäsche.

Es fängt an zu regnen. In Strömen.
"Hey, sieh's positiv, wenn es regnet, werden wir auf Schloss Dyck die einzigen sein."
Dachten sich Centi und S. und etwa 10000 weitere Besucher. Parkplatz 1 ist voll, von Parkplatz 2 geht die Schlange bis auf die Straße. Kämpfen uns durch die nächste Ortschaft, ein weiteres Dorf und über einen Feldweg (Behauptet, Bilbo sei ein landwirtschaftliches Fahrzeug.), zweimal links und wir stehen wieder vor Parkplatz 1.

Auf Parkplatz 2 dann doch fündig geworden, Schloss Dyck und sämtlichen Tinneffstände begutachtet und das Krippenspiel noch mal gesehen. Zwei Tage Fegefeuer weniger, das summiert sich ja auf Dauer.
BG2 gespielt, zu spät ins Bett, zu früh aufgestanden, bis Mitternacht den letzten Kurstag gefeiert, zu viel gegessen, kein BG2, zu spät ins Bett, zu früh aufgestanden.

Aber mir geht's gut. Da ist zwar noch ein Vorwort mit meinem Namen drunter, das noch geschrieben werden muss, und die Anzahl der besorgten Weihnachtsgeschenke tendiert immer noch gen Null. Aber sonst ist alles bestens.

01.12.2005 um 11:55 Uhr

Weihnachtsfreude wird verkündet...


Weihnachtsgeschenkestatus:
Zu Beschenkende: 4-6
Geschenkideen: 1,5
Besorgte Geschenke: 0
Verbleibende Zeit: -1d

Ok, ok, man könnte jetzt behaupten, es sähe ein wenig düster aus. Könnte man. Die Wahrheit ist aber, ich lechze voll hoffnungsloser Verzweiflung in meiner elenden Trostlosigkeit nach jedweder Anregung, um dieses heillose Leid in der Dunkelheit meiner tiefsten Unwissenheit zu lindern.
Hilfe.

Dafür steht meine Weihnachtsausstattung - Raachermannl, Peremett, Schibbogen und derlei - und der Matratze im Keller gehts gut. Tolles Klima da unten.


Ich habe übrigens noch immer das genialste Büro des Hauses. Zumindest wenn die Sonne scheint. Dann sind hier in nullkommanix >20°C drin. Wegen der tollen beiden Fensterfronten nach Süden und Westen.
Wenn die Sonne nicht scheint, hab ich hier dank der beiden Fensterfronten in nullkommanix nullkommakein Grad drin. Heizung - klar, vorhanden. Gut gegen das Zimmer abgeschirmt, damit die Außenwand möglichst verlustfrei beheizt werden kann. Meistens wird sie aber zentral auf lauwarm runtergestellt.

Und: Er tuts noch immer. Kollege E kommt mit seinem Kaffee rein und fängt eine spannende Diskussion darüber an, ob sein Koffeinbehälter jetzt eine Tasse oder ein Becher ist.
"Bei uns hatte ein Becher keinen Henkel."
"Dann vielleicht ein Krug? Aber der hätte ja einen Ausgießer."
"Bierkrüge haben doch keine Ausgießer."
"Stimmt, aber das sind ja auch Seidel."
"?!"
"Ach nee, die haben ja Deckel."
Man dreht nur schnell den Kopf und plötzlich steht er auf und geht.
Ich fühle mich so benutzt.

Und wieder hab ich nicht daran gedacht, dass ich größere Druckaufträge über den Zentraldrucker und nicht über den in meinem Büro laufen lassen sollte. Zum einen wegen der Feinstaubbelastung (das Thema kennt hier auch keiner...), zum anderen wegen der Geräuschbelastung durch das bei jedem einzelnen Blatt elend quietschende Teil. Viertelnote, Viertelpause, drei Viertelnoten, drei Viertelpausen und dann wieder von vorn. Grob geschätzt. Ekliges Geräusch.

Anruf gekriegt. (Für mich?!) Ich hätte damals eine Anfrage von ihm beantwortet (Wat? Wer sin Sie denn?) zu Thema X (Aso, ja, richtig. Hm?) Es sei schön, dass ich mich daran erinnere (Ja, ich habe deswegen Stunden im Keller verbracht. Ziemlich umsonst. Tolle Zeit.) Und da hätte er jetzt noch neue Informationen zu gekriegt (Is mir schlecht.) und ob da nicht noch was zu machen sei. (Ich war für das Thema damals schon nicht zuständig und weiß noch immer nicht, warum ich das gekriegt hab, aber die Zusatzinformation katapultiert das Thema ja jetzt kilometerweit von mir weg.)
Stimmt dem Weiterverbinden (Isch abe gar keine Ahnung.) dankend zu. Die dann Angerufenen sind natürlich alle nicht da. (Ich kann so nicht arbeiten!)
Hab ihm dann erzählt, er soll ne Mail an die Zentrale-Frage-Beantwortungs-Stelle schicken. Wenn die Mail jetzt wieder auf meinem unqualifizierten Schreibtisch landet, lauf ich Amok, deinstalliere vorher BG2 und lade mir Bilder von Florian Silbereisen runter.
Oh Oghma, das Bild werd ich jetzt nicht los.


Und aus der Reihe Lieblingsgooglehits:
wie zum geier mache ich eine steuererklärung