Aus dem Leben eines Taugegarnichts

31.05.2006 um 18:47 Uhr

Montag, 8.5., 6. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


11:45
Lassen das Auto auf einem Parkplatz oberhalb des Torc Waterfall und laufen zu selbigem nach unten. Es geht steil hinab. Sehr steil Aber man hat von hier aus eine tolle Aussicht. Den Wasserfall schon im Blick werden wir von einer jungen deutschen (Hachja.) Familie (Kind kann gerade laufen), die vom Parkplatz unterhalb des Wasserfalls kommen, gefragt, ob es sich lohnt, den Weg nach oben zu steigen. Die Slytherpushingfraktion überlegt wohl einen Augenblick, fies zu sein, aber letztendlich erzählen wir ihnen dann doch, dass sich das nicht lohnt.
Bewundern den Wasserfall und lassen unbescholtene Passanten Gruppenfotos von uns schießen.

12:10
It's a long way to the Parkplaaatz... Und steil. Keuch. Hechel. Luftschnapp.

12:20
Also es kam einem schon länger vor, egal, was die Uhr behauptet.
Parkplatz erreicht. Mei, was ist das denn für ein toller Chevy. Den nehmen wir doch!

13:00
Kommen am Parkplatz zum Gap of Dumbledore an. Mieten uns wieder eine Pferdekutsche und lassen uns durch die flachalpin anmutende Landschaft karren. Es mangelt der Kutsche übrigens an einem Kutschbock, weswegen der Kutscher zunächst nebenher läuft und dann auf den flacheren Abschnitten zwischen die Sitze klettert.
Saukälte. Und der Kutscher fragt uns, ob wir noch zur Schule gehen. Hm. Ranwen wird außerdem das ypsilonste Mal in diesem Urlaub gefragt, ob sie Yankee ist. (Tjaja, ein Jahr in Amiland...) Höhö. Schafe, Ruinen, Kälte, Wasserfälle, Seen, mehr Schafe.
Cause we've got rocks and sheep, and sheep and rocks,
and rocks and sheep, and sheep and rocks,
and rocks and sheep, and sheep and rocks,
and rocks and sheep, and sheep and rocks,
and WATER.

14:30
Mieten uns vom Ross Castle am Lough Lea ein Motorboot nach Innisfallen Island. Dort am Südufer angekommen gibt uns der Fährmann eine halbe Stunde, um die verfallenen Klostermauern ausm Mittelalter zu begutachten.

14:55
Begutachten verfallene Klostermauern ausm Mittelalter. Haus, zwei kleine Häuser, Kirche mit knapp tausend Jahre altem Kreuz darin.
Gehe ein Stück über eine Wiese und durch ein Stück Wald zum Ostufer.
Wie die Wellen des Sees gegen die Baumwurzeln schlagen und die Sonne durch das Blätterdach scheint. Hach.
Kehre wieder um.

15:10
Langweilig. Gehe mit Ranwen ein Stück das Westufer entlang. Mei, was ne Idylle.
Kommen an einer bildschönen Lichtung an - eine große altehrwürdige Buche, bemooste umgefallene Baumstämme, Orchideen und diese hübschen blauen Blumen.
Versuche eine Weile, die Atmosphäre per DigiCam einzufangen und schaue dann nach, ob das Bild geworden ist. [Es wird der Atmosphäre natürlich nicht gerecht.]
Oh, Fotos ansehen. Shiny! =)

15:25
Bin bei den Bildern von Freitag angekommen und stelle erschrocken fest, dass der Fährmann eigentlich genau jetzt wieder zurückfahren wollte. Sollte also umkehren. Aber der Weg am Ufer entlang hat ja einen ganz schönen Bogen geschlagen. Ich könnte also abkürzen. Jaa, es hat schon Tradition in meiner Familie, dass Abkürzungen doppelt so lange dauern wie der normale Weg, aber ich weiß ganz genau, dass ich nur über diesen kleinen idyllischen Hügel südlich von hier muss, um gleich direkt auf die Klosterruinen zu stoßen.
Kämpfe mich durch eine einen Meter breite Mauer aus Stechpalmen und Brombeersträuchern. Stehe plötzlich in einem Ring, der von 2 Metern Dornensträuchern umgeben ist. Fluche und kehre wieder um.
Kämpfe mich durch mehr Gestrüpp unter Umgehen von Spinnennetzen und komme gegen
15:30 am [vermeintlichen] Ostufer an. Yay! Schöner Uferweg mit blauen Blümchen auf einem Teppich aus hellem Moos. Hach, was für eine wunderschöne Insel!
So, und da vorne nach rechts, dann bin ich bestimmt gleich wieder bei den Klosterruinen.

15:35
An dieser Stelle sieht das Ufer wirklich so aus, wie als ich da vorhin mal hin bin.
Der Pfad macht eine seltsame Wendung und ich bin plötzlich in völlig unbekanntem Gebiet. Ich sollte vielleicht umkehren, aber ich bin die letzten 10 Minuten gerannt und außerdem bin ich sicher eh gleich da. (Und so groß war die Insel von außen ja gar nicht.)
Da vorn seh ich ein Südufer hinter einer kleinen Anhöhe, yay!

Die Anhöhe entpuppt sich als Landzunge. Ich muss 100 Meter zurück, um mich wieder Richtung Osten in die Büsche schlagen und einen neuen Pfad suchen zu können. Und überall die frischen Spuren eines Rehes. Hoffentlichen wirklich Reh...

Werde paranoid. Dies hier ist eine Mönchsinsel und ich bin lästernder Atheist. Wääähh...
Sehe mich bestätigt, als ich gezwungen bin, über einen umgefallenen Baum in Brusthöhe zu klettern. Der Boden ringsum ist übersäht mit kopfgroßen Steinen. Losen Steinen. Wenn ich mir hier den Knöchel breche, finden sie mich nie! Laufe vorsichtiger.
Wieder eine Landzunge. Muss wieder umkehren. Sachmal, so groß war die Insel doch gar nicht!
Weitere Dornensträucher. Glaube inzwischen an Fairys.
Wie macht man eigentlich ohne Streichhölzer Feuer?

15:45
Die Stelle sieht hier zum zehnten Mal so aus, wie das Ostufer, das ich vor einer dreiviertel Stunde mal erkundet habe. Der Weg macht einen Rechtsknick und tatsächlich - die Klosterruinen!
Selten froher über verfallene Mauern gewesen.
Werde von einem Touristen, der mir begegnet (Mensch! Freude!), gefragt, ob ich das "deer" sei, dessen Spuren auf dem Weg seien. Certainly not (Idiot.), aber ich war da, wo es war.
Treffe meine Gefährtinnen wieder, die irgendwie ruhig froher sein könnten, mich zu sehen.
Stina bezichtigt mich, ein Changeling der Fairys zu sein. Lächle und werde sie diese Nacht töten. Wenn die Fairys mich nicht vorher holen, weil ich ihnen auf Innisfallen Island entkommen bin.
:paranoid:

17:00
Kommen in Aghadoe aufm Friedhof an. Mehr Kreuze, eine weitere verfallene Kirche ausm Mittelalter. Gähn. [SAKRILEG!!]
Zu unserer und der Unterhaltung aller Anwesenden (wobei die Lebenden stark in der Unterzahl sind) erzählen wir fiese Christenwitze. 10 Points to the house of Slytherpushing.

18:00
Mir ist kalt und ich hab nasse Füße. Beschließe zu duschen. Unten, weil da das Wasser einen besseren Druck haben soll.
Das Wasser wird leicht handwarm und kühlt dann bis unter die Schmerzgrenze ab. Warte eine Weile mit einem Bein unter der Dusche ob es besser wird, dann gebe ich auf, wickle mich in ein Handtuch und versuche (unter dem fiesen Gekicher meiner Gefährtinnen, mögen euch die Fairys holen!) die Dusche oben.
Habe dort die Wahl zwischen eiskalt und kochend. Hass!
Bespritze mich mit Wasser, werfe die Seife meiner Gefährtinnen zwei Mal runter und erkläre das Duschen für beendet. Trockne mich ab, wickle mich in Handtuch und Bettdecke und gehe wieder nach unten um mich umzuziehen. (Höre ich da Gelächter?!)
[War das eigentlich der selbe Tag, an dem ich auf meine Brille getreten bin? Würde ja passen...]

19:00
Bringe das Feuer zum Brennen und beginne nach dem Essen, mir einen Wolf zu schreiben. (Blog und Postkarten)
Der Abend endet wieder brettchenwebend zu Kate Rusby.

30.05.2006 um 22:35 Uhr

7.5., 5. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

Fetthaltiges halbtraditionelles (es fehlen die gebratenen Tomaten) irisches Frühstück. Weiße Bohnen in Tomatensoße, Rührei und gebratener Schinken. Leckerst.

12:30
Nach einer halben Stunde Fußweg durch urige Laubwälder mit einem Teppich aus blauen Blumen, Farnen, Rododendron und Orchideen in Muckross Abbey angekommen. Singen das Gebäude zusammen. Es mangelt nur hier und da ein wenig an passenden Liedern, vor allem an atheistischen Liedern, die für verfallene Abteimauern geeignet wären. [Ranwens isländischer Grabgesang war so ziemlich das einzige, das da gepasst hat...]

14:00
Verlassen die Mauern und gehen runter zum Lough Lea. Es fängt an zu regnen. Aber das Ufer ist wunderschön, mit Elanor und Niphredil und diesen blauen Blumen bewachsen und bietet einen wundervollen Blick über den See [Wer hätte das gedacht...] mit seinen Inseln. Wir verweilen eine Weile und gehen dann ein Stück den Weg entlang.

14:20
Wieder in der Abbey angekommen halten wir Mittagspause. Meine Hand ist steifgefroren. Lässt sich scheiße schreiben so. Imke hat kalte Füße und Ranwen packt die Flöte wieder aus.
Hachja.

15:00
Gehen zurück zum Cottage. Regenschauer.
Beschließen, erst zu shoppen (=Unwichtiges), dann einzukaufen (=Wichtiges) und dann mit Brettchenweben den Tag zu beenden.

17:00
Ergebnis einer Shoppingtour in Killarney: Wir haben alle zu viel Geld ausgegeben. [So viel nun auch wieder nicht und es sind ja nur sinnvolle Sachen...] Imke und Stina je fast 20 Euro für drei 36er-Filme, Ranwen fast 40 Euro für ein Bodhran und ich knapp 20 Euro für eine CD mit 12 Liedern von Kate Rusby. Persönlicher Wucherrekord, aber hey, Kate Rusby!

18:00
Einkauf beendet. Wir fahren noch an eine Tankstelle (mit Spar-Markt. Von denen gibts [Ich erwähnte es...] in jeder Stadt in Kerry einen), um Brennzeugs zu besorgen.

18:30
Haben uns durch den durch das Ende der Killarney Races sehr dichten Verkehr gekämpft und fangen im Cottage an, Dinge fürs Brettchenweben vorzubereiten. Ich krieg nach einer Weile [Stunde.] das steinharte Torf-Zeugs zum Brennen [Torffeuer hat einen unverwechselbar schönen Geruch. Ich liebe Lagerfeuer ja ohnehin, aber Torf - hach!], trällere und flöte ein paar Lieder, Imke ist Naturtalent im Brettchenweben und schrubbt vorm Kamin Meter, während Stina und Ranwen Fäden in Brettchen fädeln.
Boah, was sind wir freakig.

23:00
Stina und Imke sind so müde, als wären wir heute nach Dingle gelaufen. Gebe das Singen zugunsten von Kate Rusby auf und unterstütze Ranwen mehr moralisch beim Fädeln meiner Fäden. Bin Nadelarbeits-technisch anfangs immer etwas langsamer [was ich aber später durch völliges Fehlen von Talent wettmache] und ungeschickter, aber das, was Imke da produziert, sieht echt gut aus. Der Kamin [Das Feuer darin. Danke, Ninú.] brennt zu Kate Rusby nieder.

29.05.2006 um 19:22 Uhr

6.5., 4. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


Ich könnte ja schreiben, während ich im Auto auf dem Weg nach Dingle sitze, aber ich bin vollauf damit beschäftigt, die Häuser, Bäume, Wiesen, Strände, Hügel, Schafe, Ruinen und alles, was sonst noch so da ist, anzuschmachten.

12:45
Auf der Dingle Halbinsel angekommen machen wir zwischen grünen Hügeln Halt, das Meer blitzt schon dahinter auf. Ranwen spielt das Rohan-Thema auf der Tin Whistle und mir fehlen die Worte. Das hier ist genau das, was ich mir unter Irland vorgestellt habe und mehr. Wow. Und den Regen empfindet man tatsächlich eher als flüssigen Sonnenschein. Wund-der-schön.
Eine Herde Schafe wird auf die Weide unterhalb der Straße getrieben. Mit Lämmchen. Hach, Idylle.

14:15
Haben eine dreiviertel Stunde in Dingle verbracht. Wäre authentischer rübergekommen, wenn nicht die Hälfte der Passanten deutsch gesprochen hätte.
(Die andere französisch. Nüscht wie weg hier.)

14:40
Dumbledore Dunbeg Fort. Von den 2,50 Euro Eintritt war das Fort 50 Cent wert [Eigentlich Blasphemie, was ich da geschrieben habe. Es war schon hübsch.], den Rest zahlt man gern doppelt [Blasphemie. Zehnfach.] für die Aussicht. Woah. Ziemlich starker Wind.
[Das war alles?! Hallo?! Der Ort war Wahnsinn! Die Klippen, das Meer, die grünen Hügel, der Wasserfall, der zwar nicht sonderlich breit war, dafür aber einige Meter (ich bin schlecht im Schätzen. Zwanzig?) über die Klippen unterwegs war. Die Primelchen, die auf ihrer grünen Terrasse das Meer überblickten und nach allen Seiten dieser irre Kontrast zwischen den sanft-welligen grünen Hügeln und den schroffen Klippen. Und die ständig wechselnden Lichtverhältnisse. Einfach ein Hammer, kann keine Postkarte beschreiben.]

15:00
Slea Head, westlichster Punkt des "Festlandes" Irland (Irland ist ja auch ne Insel...) und damit einer der westlichsten Europas. Unbedeutende Randinformation.
Beeindruckend. Grüne Landzungen mit schroffen Felsklippen bei ständig wechselnden Lichtverhältnissen. [Ah, ich habs doch noch mal erwähnt.] Der Wind bläst einem die Ohren weg. Eine Gruppe Jugendlicher [Darunter einer nur in Badehose. Gung, zieh dir was über, du holst dir was weg!] spielt Fußball (oder sowas) auf einem Stück Sandstrand zwischen den Felsen. Der Weg dorthin [nach Slea Head] eine anderthalbe Autobreite, ein Fluss quert die Straße [seit mindestens 1920 wie ein Bild in einem meiner Liederbücher verrät], Felsen, Heiligenfiguren und immer wieder geniale Aussichtsplätze.
[Wir wären gern Stunden geblieben, aber der Wind war wirklich nicht feierlich.]

16:20
Nehmen rückzu ab Dingle die Straße über den Conor [oder Connar, und alle Schreibungen dazwischen und darüber hinaus wurden aber auch schon gesichtet.] Pass. Eine ebenso enge Straße, die durch relativ schroffe Berge führt. "Wenn wir hier nicht durchkommen, versuchen wir es durch die Minen von... Dingle..."
Passieren seltsame Schilder auf gälisch. Stina: "Ab jetzt seid ihr auf euch allein gestellt, wie gut, dass ihr kein Gälisch könnt."
So wirklich beeindruckt scheint sie aber nicht zu sein, die Schlangenlinien, die sie fährt, kommentiert sie jedenfalls in jeder Kurve. Links "Whee!", rechts "Whee!", links "Whee!". Stina? "Wasn?! =) "

16:45
Oben angekommen. Wahnsinns-Aussicht [Zur Abwechslung.] auf das Meer zu beiden [!] Seiten der Insel, aber Mordswind auch hier. Über dem Meer auf der Nordseite zeigt sich ein Regenbogen.
Stina wird auf der Fahrt nach unten mutig und überholt andere Touristen. Legen den Soundtrack der Zwei Türme ein. [Rohan-Thema auf Dingle. Höchste Inkarnationsstufe, die ein Musikstück erreichen kann. Also nach Kate Rusby.]

17:00
Nehmen ab Camp die "Scenic Road [Route?] to Inch" über die Berge. Was bei uns lose befestigter Feldweg wäre, ist hier offizielle Straße. Das Fahren um Kurven und über Kuppen hat - meint Stina und wir geben ihr Recht - immer eher was von Weihnachtsgeschenke auspacken. Na? Auto, Schafherde, Ziegelmauer? Was wird wohl dahinter sein?
Kollektives "...ooooooOOOOOOOooooo....." beim Fahren um Kurven. Ergehen uns in geselligem Gekreische, wenn dahinter tatsächlich breite Lieferwagen lauern.
Ziemliches Erschlagenseingefühl von den schroffen [das Wort hab ich heute echt überstrapaziert] Hügelhängen zur Linken und zur Rechten, der HdR2-Soundtrack tut sein Übriges. Woah.

17:30
Haben die reguläre Bundesstraße wieder. War die heute Morgen nicht noch etwas schmaler? Stina entwickelt sich zum autofahrerischen Iren.

18:30
Wieder in den Killarney Lakeland Cottages angekommen. Ded from teh Reizüberflutung. Ranwen stimmt vor dem leider nicht brennenden Kamin die Mini-Akustik-Gitarre (sehr melodiös), Imke schmökert in "Die Wahrheit über die Iren" [Dieses Buch sei an dieser Stelle wärmstens empfohlen. Jedem.] und Stina sucht ne Route für morgen. Oh, Ranwen singt isländische Weisen. Hach.

0:00
Wir haben gut gegessen, etwas gesungen und wurden in die Grundlagen des Brettchenwebens eingeweiht - whee! Retro, Hippie und Farm of Love! =)
Man amüsiert ich über Doppeldeutigkeiten, Insider und Filmzitate und schickt sich anschließend gegenseitig ohne Nachtisch ins Bett.
"Und wag' es ja nicht, die Tür zu knallen!"

23.05.2006 um 20:12 Uhr

5.5., 3. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


8:40
Die anderen Drei sind schon unten und warten mit dem Frühstück auf mich. Ich bin seit ner halben Stunde wach und habe ein schlechtes Gewissen, aber ich hab meine Augen einfach nicht aufgekriegt. Heute noch mehr Sauerstoff erwartet, meine Füße tun noch vom Vortag weh.
Irgendwie doch aus dem Bett geschält und frühstücken gegangen. Erdnussbutter, Nutella und Centi. Eine neuentdeckte Liebe.

11:00
Tourist Information Center. Ich weiß gar nicht, wie oft wir diesen Urlaub da drin waren, für die Beschaffung von Informationen oder dümmlichen, weniger dümmlichen, praktischen oder verwandtentauglichen Souvenirs. Diesmal erhalten wir die Information, dass dieser verdammte Steinkreis, nach dem wir gestern gesucht haben, auf Privatgrund steht und dass es dem Besitzer aus versicherungstechnischer Sicht zu gefährlich war, da weiter Leute hin zu lassen, daher hat er alles abgesperrt. Gnn.

Kaufe Postkarten für die Verwandten und Bekannten und ein Fensterbild für Bilbo.

12:00
Auf dem Weg nach Castleisland nen Friedhof mitgenommen. Die Kreuze sind ja allseits bekannt und sehen irre romantisch aus und sind ja - auch wenn das irgendwie morbid ist - beliebtes Fotomotiv.
Aber der Grabschmuck. Fußnagel. Plastikblumen, Plastikblumen in Sträußen und in Gestecken, Plastikblumen in Gestecken, die Schriftzüge wie "Mum" oder "Dad" ergeben - in die originale Plastikfolie eingepackt, damit sie nicht nass werden -, Plastikblumen in Gestecken mit Priesterfiguren, Plastikblumen in Gestecken mit Priesterfiguren in Glaskugeln, teilweise mit Wasser gefüllt. Dagegen waren die vollkommen leeren Gräber, die nur mit Kieseln oder Dekosteinen bestreut waren, geradezu Lichtblicke an Geschmack.
Loite, nur weil die tot sind, muss man doch sowas nicht tun!

13:05
Crag Cave irgendwo bei Castleisland (dem hübschen Kaff mit dem Laden "All kinds of everything"). Eine Tropfsteinhöhle halt, wie wir sie hier in Deutschland auch zu dutzenden haben. In solchen Höhlen fällt mir meistens das Springhill Mine Disaster ein, ich schlage Stina vor, ihr den Text vorzutragen, aber sie wirft mir irgendwas von "Not helping!" entgegen und ich sehe davon ab. Vielleicht liegt es ja an den Millionen Tonnen von Gestein über uns. Nur Fliegen ist schlimmer.
Kommen an kleinen Tümpeln vorbei und müssen natürlich sofort "Auf den Tisch kommt heut' ein Fisch - so saftig süüß!" intonieren.
Unser - wie nennt man das? - Höhlenführer(?) erklärt uns diverse Dinge, von denen wir zumindest mitnehmen, dass die ersten Höhlenbegeher eine bestechende Fantasie an den Tag gelegt haben. "Der Stalagmit da, der sieht aus wie Diarmuid, dann muss das da Grania sein... und die kleinen Dinger da, das sind die Kinder. Und da hinten, das war dann Fionn..." Da fragt man sich doch, was die hier unten gesoffen haben. "Das da, das ist eine Weinflasche, da ist eine Pizza, mit zerlaufenem Käse..." Ja, is klar.

Ein Souvenirshop am Eingang zur Höhle, wer hätte das gedacht. Kaufe ein Platzdeckchen, das ich unter meinen Laptop legen kann und ernte dafür (und möglicherweise auch für die Fensterbilder für Bilbo...) ein "Nerd." von Stina. Pf.

14:00
Trallee. Hier herrscht Rush Hour. Immer. Werden in eine etwa 1,50m breite Gasse abgedrängt, mit rechts und links noch jeweils 2cm Platz. Waaahhh....
Wandeln dann mit ein paar Sandwiches durch den Rosengarten, der zu der Jahreszeiten natürlich noch nicht blüht, aber wir haben ja fast so viel Fantasie wie Castleislandische Höhlenbegeher.
St. John war dann eine der vielen Kirchen, deren Türen uns aus dem ein oder anderen Grund verschlossen blieben (haja, vier gottlose Mädels in einem katholischen Land...), hier gab es gerade eine Kommunionsprobe. Zu der Musik von Greensleaves.
Kulturimperialismus.

Zahlen letztendlich für die Information, dass der Eintritt in eine Vorstellung im Siamsa Theatre 22 Euro kostet, 3 Euro Parkgebüren und kehren der Stadt frustriert den Rücken.

16:12
Fenit. Stina wollte hier hin, um Fotos von dem Ort machen zu können, aus dem ihr Rollenspielcharakter kommt. Und nennt mich Nerd, haha.
Sie malt in den nassen Sandstrand ein "SQEEE!", ich folge dem mit einer F5-Taste. Den Wind gab es in der Großpackung günstiger.
Auf einer nach Fisch stinkenden idyllisch gelegenen Halbinsel hat man für den heiligen Sankt (sic!) Brandon ein Denkmal errichtet. Wir klettern auf den Felsen dahinter herum und fotografieren auf die rund um diese Halbinsel versammelten Strände - über das Meer blickend hat man nach allen Seiten hin grüne Ufer. Hach.
Genießen die Szenerie eine Weile, und gehen dann, ehe wir weggeweht werden, wieder zurück zum Chevy und machen uns auf den Weg nach Ardfert.
Auf dem Weg dorthin finden wir einen Friedhof, wer hätte das gedacht, allerdings mit einer sehr hübschen verfallenen - es ist ja schon morbid, aber verfallen und ruinös sind sie einfach schöner... - Kirche, die ganz romantisch von Efeu bewuchert wird. Hach!

17:00
Ardfert Abby. Ebenfalls alt, verfallen und wahnsinnig romantisch. Finden einen LARP-fähigen Altar, eine Opferung fällt aber in Ermangelung einer willigen Jungfrau aus. Eine Amerikanerin stellt eine Harfe in eines der Fenster und wir lauschen andächtig der unwirklichen Musik, die der durch die Saiten streifende Wind erklingen lässt.
Als die Leute weg waren, haben wir uns nebenan auf eine Wiese in die Sonne gelegt und versaute Lieder gesungen. So für's kosmische Gleichgewicht.
Oh, noch ein Friedhof, shiny.

18:30
Einkauf. Im Lidl bei Killarney. Hab ich schon erwähnt, dass jedes Kaff in Irland einen Spar hat und in größeren Städten oftmals ein Lidl oder Aldi steht? Das Süffelzeug ist allerdings auch hier sauteuer - Ich kann so nicht saufen! -, aber immerhin gibt es hier die Schokolade zu humaneren Preisen. Whee! =)

19:30
Kochen lecker, essen gesunden Salat. Gemütliches Beisammensein.

0:26
Bett. Traue mich heute Abend nicht, mir die Haare zu kämmen, weil sie verfitzt sind, als wären wir den ganzen Tag durch Sturm gelaufen. Nein, halt...

Gedanken zum Tag, weil ich sonst nicht zum Schreiben kam:
Irland ist wunderschön. Es hat auch karge Berge, aber wenn ich die wollte, könnte ich auch in die Alpen (da müsste ich dann auch nicht fliegen...). Aber diese herrlichen grünen Hügel, dieses unwirkliche Licht, in das die Landschaft dank dieser unmöglichen Wetterverhältnisse getaucht wird, die Cottages, neu und hübsch oder alt, verfallen und überwuchert, die Menschen, die wirklich aus den Bildbänden entsprungen zu sein scheinen [Vermutlich wird die Einwohnerschaft von Killarney gecastet.]. Irland ist ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe, ich hätte nämlich nicht gedacht, dass es so schön ist wie auf den Postkarten und Kalenderbildern. In Wirklichkeit ist das alles noch viel schöner.
Es ist nur leider schweineteuer (bis auf das Benzin, immerhin) und man muss fliegen, um herzukommen. Herre, irgendwann muss ich auch wieder zurück. Paddelboot? Wäähh...

0:51
Wah, ich muss ins Bett, Imke und Stina haben einen grausamen Schlafrhythmus. Nacht, Welt, Nacht, Bilbo.

21.05.2006 um 01:16 Uhr

4.5., 2. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


Drehen vormittags eine Runde durch Killarney, Stina braucht ne neue Fleecejacke. Hat das gleiche Problem wie wir wohl alle. Es ist ja Mai. Da kann man gut sieben verschiedene T-Shirts gebrauchen, aber bloß keinen Pullover zu viel einstecken... Gnah.
Schauen uns die Sparklypoo-rosa Sachen im Dumbledore Dunnes Store an, ihre Jacke findet Stina dann in nem netten kleinen Outdoorgeschäft.

11:47
Mieten ganz dekadent eine Pferdekutsche zum Muckross House. Die Verhandlungen überlassen Imke und ich den anderen beiden und sind immer noch völlig fasziniert von der überaus interessant klingenden Sprache, die sie hier sprechen. Klingt echt schön. Ich hab nur keine Ahnung, was er da redet...
Die Fahrt dahin durch den Killarney National Park war übrigens einfach nur schön, vorbei an den Lakes of Killarney, mit Inseln drauf, Berglein im Hintergrund und ganz alten, efeuüberwuchterten Bäumen und Stechpalmen im Vordergrund.

Bei Muckross House angekommen meint unser Fahrer, wir sollten uns ruhig Zeit lassen, er rechne mit zwei Stunden und werde warten.
Okayyy...

Machen die Schlossführung durch Muckross House mit. Nich übel, der Schuppen. Viele Schlafzimmer, alles sehr dekadent und so. Queen Viktoria hat hier mal gastiert. Zwei Tage lang. Mit Madamme hatten die Besitzer von Muckross House so viel Auftrieb, dass sie sechs Jahre lang verzweifelt versucht haben, die Schulden wieder loszuwerden, bevor sie das Haus komplett aufgegeben haben... Beehren Sie uns doch bald wieder...
Aber trotz allem fand ich, dass das Haus von außen einfach beeindruckender war, Schlösser haben wir in Deutschland und Österreich ja genug von innen gesehen.

An das Haus angeschlossen, war ein großer blühender und zurechtgestutzter Park und das Freilichtmuseum Traditional Farms. Viele süße Cottages, scheinbewohnt, wir kriegen leckeres Brot und mit guter Butter und unterhalten uns nett mit einer Frau, die der Meinung ist, als Mutter müsse man gefälligst daheim bei den Kinderlein bleiben. Waah! Heiliger Zorn! Tausende von Frauenrechtlerinnen haben hart gekämpft, und dann kamst Du!
Aber für eine Emanzipationsdiskussion auf Englisch fühl ich mich dann weder in der Lage noch in Stimmung. Lächeln, nicken, rückwärts gehen.

Auf dem Weg zu einem Bauerngehöft stellt sich uns ein beeindruckender hüfthoher irischer Wolfshund mit bernsteinfarbenen - Stina meinte was von OMGdieglühenja!!eleventy - Augen in den Weg. Sind beinahe starr vor Schreck, denn ganz offensichtlich ist der Hund nicht gewillt, uns vorbeizulassen. Bevor wir ihn nicht ausgiebig gestreichelt haben. Nettes Tierchen, liebes Tierchen....

Das Wetter macht uns wahnsinnig. Es stürmt und weht, dass man glaubt, die Welt müsse untergehen, und wenn man sich dann richtig dick eingepackt hat, öffnen sich die Wolken und die Sonne röstet einem bei völliger Flaute das Hirn weg. Aber wehe man zieht auch nur eine Jacke aus! Zack, wälzt sich wieder eine schwarze Wolkenmasse über die Berge und verkündet den Guss des Jahres. Der sich dann wieder als 2-Minuten-Nieselregen entpuppt. Und so geht das den ganzen Tag!
Ich kann so nicht arbeiten!

Nach dem Bauerngut folgt ein Gatter, an dem - squee! - ein wuschliger Flauscheesel steht. Der mag gern an der Mähne gekrault ausgiebig geknuddelt und geflauscht werden. Komme dieser Bitte gern nach. Pures Entzücken.

15:30
Böses Erwachen. Unser Fahrer wartet nun schon seit drei Stunden und wir sind noch nicht da. Uups.
Trauen uns fast nicht zurück und machen noch einen Abstecher in den Touristenmitbringsel-Shop, bevor wir reumütig und mit 1/6 (!) Trinkgeld in der Tasche zurückkehren. Fürchten während der Rückfahrt etwas um unser Leben...

17:00
Ausflug zum Ross Castle. Das ist zwar ganz nett, aber der Lower Lake, an dem es stand, mit diesen Inselchen drauf und den Bergen im Hintergrund, war viel cooler. Und das sage ich nicht nur, weil wir nicht in das Castle reindurften.

Was machen wir als nächstes?
Da ist ein Steinkreis in der Nähe, behauptet die Karte (behaupten 2-3 Karten). Da bei der Straße ist ein Schriftzug auf der Karte, aber auf welcher Seite jetzt der Steinkreis ist? Die zweite Karte hat den Steinkreis wieder ganz woanders eingezeichnet. Leute! In Zeiten von Google Earth muss es doch irgendwie möglich sein, eine halbwegs eindeutige Karte hinzumalen, Himmelarschundzwirn.
Ah, wir werden ihn schon finden. Wir haben Hilfe von zwei Schriften des Schutzpatrons deutscher Touristen, des heiligen Sankt (sic!) Faltplan.

18:30
Drei Straßen lang haben wir wie die Blöden nach links oder rechts gestarrt auf der Suche nach dem dummen Steinkreis. Wahrscheinlich haben ihn Bauern und Anwohner kürzlich entfernt, um das Bebauen der Felder zu erleichtern und die Vorgärten zu verschönern.
Überlegen, im Stau der Rush hour des Jahrhunderts anzuhalten, mehrere Leute, die uns mit verächtlichen "Touristen."-Blicken ansehen werden, im Platzregen nach dem Weg zu fragen, um letztendlich patschnass am Steinkreis auszusteigen, die wahrscheinlich kniehohen Kiesel zu beglotzen, Fotos zu schießen und durchnässt und unterühlt nach hause zu fahren, oder das ganze Prozedere abzukürzen und gleich zurück zum Cottage zu fahren.

19:15
Fahren heim.
Bestellen uns ganz dekadent eine Pizza in Killarney. Also eigentlich schicken wir Stina los, sie aus Killarney zu holen, weil unser Telefon doch nicht funktioniert. Die Teigscheiben kosten da übrigens 10 Euro für ne normale Größe und sind ihr Geld nicht wirklich wert. Tut es nicht.

20:45
Da warnt die ganze Welt vor den Folgen des Alkohols, aber von Alk hab ich im Leben noch keine Kopfschmerzen gekriegt. Aber diese irren 8 Stunden an der frischen Luft, die haben mich heute geschafft. Scheiß-Sauerstoff. Könnte mal wer das Geschirr leister stellen? Ranwen, Stina und Imke waren auch nie lauter. Überlege, sie um die Ecke zu bringen. Leise. Scheitere bereits an der Planung und versuche Koffein. Bringt nix. Alk? Wir haben nur den 6fach drehenden Cider da. Dafür 2 Liter, aber dann verbringe ich die Nacht aufm Klo.

Ranwen erzählt irgendwas von Grammatik. "Praeservativ Imperfekt - ich hätte nie geboren werden dürfen."

21:25
Austausch von Geschichten über aktive und passive Sufferfahrungen. Selbst an Aktiven reicher zu werden, wir uns in diesem Urlaub verwehrt bleiben, weil ne Flasche Wein 5 Euro aufwärts kostet.

23:15
Stina, die als einzige ein Schlafzimmer im Erdgeschoss hat, geht ins Bett. Offenbar war sie heute morgen von der ungeahnten Hellhörigkeit des Cottages aus dem Schlaf gerissen worden.
"Und wenn sie [Imke] wieder um sieben die Dusche anmacht, dann komm ich hoch und... und geh wieder runter... und das habt ihr dann davon!"

Scheiß Sauerstoff. Bähätt!

23:30
Erfahre gerade von Ranwen, die den Inhalt ihres Rucksackes vor jedem Zubettgehen vom Bett räumen muss, dass ihr Mann auch das Problem mit den analogen Uhren hat. Also falls er hier mal wieder reinklickt: Ich kann die Dinger auch nicht lesen!! Ich hab sogar eine analoge Uhr direkt hinter meinem Lenkrad und lese doch immer meine digitale Armbanduhr, wenn ich Auto fahre.
Erzähle Ranwen, dass ich ihm eine Mail schicken werde (das Forum ist eine große glückliche Familie, in der jeder alles über jeden weiß), woraufhin sie Bilder von einem wütenden Tod malt. Schluck.

20.05.2006 um 16:11 Uhr

3.5., 1. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

7:18
War eigentlich seit einer dreiviertel Stunde wach, habe meinen eigenen Wecker trotzdem überhört und werd von Imkes Wecker wach. Hmpf.

9:30
Haben Stina und Ranwen gefunden und begrüßt und sind dann zum Check-in gezogen.
Lege den großen Rucksack vorsichtig auf das Band und bekomme einen halben Herzinfarkt, als die Wage 31,0kg anzeigt, wo doch die Begrenzung für beide Gepäckstücke - Gepäck und Handgepäck - insgesamt bei 30kg liegt.
Die Angestellte tut so, als sähe sie es nicht und ich auch. Sie holt eine Apfelsinenkiste und legt den Rucksack rein, der plötzlich nur noch 18kg wiegt.
Ich: "Bö?"
Sie: "Ja, da muss man noch 2,5kg abziehen."
Ich: "Bö?!"

9:50
Wartehalle. Heute ist ein Flugzeug überm Schwarzen Meer abgestürzt, erfahren wir von Ranwen und Stina. Der Blitz schlägt niemals zwei Mal an der selben Stelle ein, nicht? Demnach müsste Fliegen eigentlich heute ganz ungefährlich sein... warum bekomme ich eigentlich gerade so feuchte Hände?!
Lasse mir von Stina ein paar Forumsneuigkeiten erzählen, vermisse Internet, Bilbo und die CD, die die Post mir verschlampt hat und muss heute fliegen. Hmpf.
Und Kuli-Schreiben suckt!!

11:00
Betreten das Flugzeug.
Stina: "Centi, willst du ans Fenst-" "Nein."

11:23
Wir haben abgehoben, zwischen uns und dem Erdboden ist bedrohlich viel Luft.
Stinas Visualisierungstechnik, bei der sie sich vorstellt, ein Baum zu sein und Wurzeln in die Erde zu schlagen, versagt so natürlich jämmerlich. Wir blättern in der ausgegebenen RyanAir-Zeitschrift und fühlen uns kein bisschen abgelenkt. Waaaah, Kurve!!
Nein, Fliegen ist <b>nicht</b> schön.
Nur nicht raussehen.
Der Akku meines MP3-Players gibt den Geist auf.
Stina: "Kannst du mir mal meinen Rucksack aus dem Fach geben?" "Was?! Abschnallen?! Aufstehen?!"

11:32
Wir fliegen, aber das erwähnte ich wohl schon. Eigentlich erscheint mir das mehr als widernatürlich, immerhin wiegt dieses Blechteil hier so einiges. Stina, was sagen denn die Gesetze der Physik dazu?
Stina: "Die Gesetze der Physik liegen gerade wimmernd in der Ecke..."
Ranwen döst, Imke löst unbeeindruck Sudoku-Rätsel. Nerven wie Drahtseile.

11:38
Ich weigere mich, aus dem Fenster zu sehen und habe in den Momenten, in denen ich es doch tue, eine Scheißangst. Und in denen dazwischen.
Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal solche Angst hatte. Bei meiner Fahrprüfung? Bei meine Abi-Prüfung? Diplom? Oder vorhin an der Gepäckkontrolle? Nein, kein Vergleich.
Wage kaum, mich zu bewegen, es könnte ja das Gleichgewicht des Flugzeuges durcheinanderbringen.

11:48
Stina zeigt entzückt auf das Fenster.
"Ich will's nicht sehen."
"Aber da ist Meer!"
"Oh mein Gott."
"Da hinten ist Strand!"
"Das heißt, wir sind jetzt....?"
"...über der Nordsee."
"Oh mein Goooott!"

12:23
Annähernd so viel Angst hatte ich auch am Gavia-Pass. Relativ unbefestigter Waldweg irgendwo in den Alpen, rechts 100m in die Tiefe und die Straße war gerade breit genug für unser Auto. Meine Schwester und ich haben die Augen geschlossen und uns auf dem Rücksitz hingelegt und uns in unser Schicksal ergeben.

Allmählich setzen wir zum Sinkflug an. Visualisierungstechnik die Zweite:
"Flauschewiesen, weiche Bäume, Felsen-" "KEINE FELSEN!!" "Oh ja, keine Felsen, keine Felsen, Flauschewiesen..."

13:00
OMGWTFLANDUNG!!!

Stina und ich krallen uns am Sitz fest, zupfen an unserer Kleidung herum und hibbeln.
Centi: "Mann, sag mal, wie alt sind wir eigentlich?!"
Stina: "Zu jung zum Sterben!"

Doch so sehr wir auch tausend Tode gestorben sind, wir landen sicher. Und stehen bald darauf lebend auf irischem Grund. Wow.
Die Uhr wird eine Stunde zurückgestellt und Ranwen und Stina ziehen los, um den bestellten Mietwagen zu holen.
Imke und ich werden von einem Taxifahrer angesprochen, in einer Sprache, die wohl englisch sein soll. Biddewas? Nein, is schon ok, wir warten auf ne Freundin. Wiebidde? Ja, danke, ihnen auch. Wasauchimmer.
Auweia.

13:50
Stina kämpft sich durch den Linksverkehr, findet sich mit unserem stylischen Chevy aber ganz gut zurecht. Auch im Roundabout (zu deutsch "Kreischverkehr"). Die ersten Eindrücke von Irland und Killarney. Hübsch!

15:00
Kommen im gemieteten Cottage bei Killarney an und machen uns erstmal was zum Mittag. Freue mich meines Lebens, Tomatensuppe hat nie so gut geschmeckt.
Das Cottage ist toll, groß, hat drei Schlafzimmer mit sechs Betten, einen Kamin eine tolle Küche mit Geschirrspüler, nen Fernseher und zwei Badezimmer. Yay!
Und wir sind in Irland. Wow.

20:00
Waren einkaufen und haben noch einen ausgiebigen Spaziergang durch Killarney gemacht. Hab mich etwa 7 bis 8 Mal verliebt, mei, was waren die alle fesch! =)
Aber anlachen möchte ich mir hier keinen, Fernbeziehungen sind ja an sich schon mies, aber wenn man die Strecke dann noch *fliegen* muss - nee!

Gehen an einem Internetcafé vorbei, das 2,95 pro Stunde verlangt. Bleibe stark.

Drehen noch eine Runde durch einen Ausläufer des Killarney National Park. Wunderschön. Hat wirklich was von Hobbingen und wir können Imke dazu bewegen, ihren Wuschelkopf auf einen tiefhängenden Ast zu schwingen und sich als Frodo ablichten zu lassen.
Das Wetter hier ist sehr seltsam. Man hat es mir ja gesagt, aber ich habs nicht geglaubt. Regen - Wind - Schatten - Sonne, das wechselt hier alles innerhalb von fünf Minuten und treibt einen klamottenmäßig in den Wahnsinn. Aber es sieht einfach verdammt genial aus, wenn ein Berg von der Sonne beschienen wird, während hinter ihm die Welt untergeht.

20:49
Wieder im Cottage, Abendessen. Wir hören ein paar Lieder der Arrogant Worms. Sehr geil. Böse antiamerikanistische Lieder und die inoffizielle Kanadahymne.
Cause we've got rocks and trees, and trees and rocks,
and rocks and trees, and trees and rocks,
and rocks and trees, and trees and rocks,
and rocks and trees, and trees and rocks,
and WATER.
Das sollte die Hymne der ersten Woche Irland werden.

Imke packt ne CD aus, auf der die komplette Version von "99 Bottles of Beer on the Wall" drauf ist. 20 Minuten. Jessas. Aber witzig.
Ja, das wird wohl die Einstimmung auf einen sehr... ähm... kulturellen Abend... 36 bottles of beer on the wall...

21:07
Wir haben 99 Bottles of Beer on the Wall überlebt und den Flug, morgen machen wir bungee jumping.

22:47
Ranwen hatte als Goodie noch die Musik zur HdR-Trilogie als Musical da (aufgeführt auf der RingCon 2005, glaubsch). Den Auftritt des Hexenkönigs mit "Mr. Boombastic" und den des Legolas mit "I'm too sexy" zu untermalen ist schon eine geniale Idee. Werden 45 Minuten lang von Lachkrämpfen geschüttelt.

23:00
Packe noch mal den MP3-Player aus und teste alle Akkus. Die waren alle vollständig geladen und haben alle jetzt null Leistung?! Kann das mal irgendein Elektriker/Physiker/Intellektüller erklären?

23:21
Gehen ins Bett. Kann mir vorstellen, wovon ich diese Nacht träumen werde. Flugzeugabsturz.
Nein, ich habe keine Flugangst, hatte ich im Leben noch nie (und ich bin schon weitaus schlimmer geflogen). Ich hab nur eine Scheißpanik vorm Fliegen.
So mit dem Leben abgeschlossen hab ich - jetzt fällts mir wieder ein - in diesen Großraumskilifte, wo 100m unter einem Felsen klaffen, während man über Masten fährt und fest überzeugt ist, dass die Kabine jetzt runterfällt.
Ah, ich sollte mir vor dem Schlafen noch ein paar rosa-flauschige Szenarien vorstellen. Was wohl meine Rollenspielcharas jetzt tun...


20.05.2006 um 14:22 Uhr

2.5. Irlandreise, Tag -1

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


Los gehts. In eckigen Klammern aktuelle Kommentare.

Heute gehts erst mal zum Hauptbahnhof, um Imke (aka Nimiel, aka unbedeutender Kleingeist) abzuholen und anschließend nach Hahn, wo wir für die Nacht ein Hotelzimmer gemietet haben, auf dessen Parkplatz ich Bilbo zweieinhalb Wochen lang allein und unbewacht stehen lassen werde und von wo aus wir zum Flughafen geshuttelt werden.

12:00
Die Wohnung ist geputzt wie lange nicht und rumstehender Müll wurde in irgendwelche Schränke gestopft weggeräumt. Schaffe noch schnell Papier und Glas weg. Was früher aus nem dutzend Weinflaschen bestanden hätte, setzt sich heute aus nem dutzend Möhrensaftflaschen zusammen.
Man wird halt älter.

16:00
Imke und ich kommen im Hotel an. Ich setze mich aufs Bett, woraufhin die Nachtlampe, die neben dem Bett an der Wand angeschraubt ist, in einem sehr eleganten Bogen zur Seite kippt und dabei den Lichtschalter umlegt.
Wird an diesem Tag noch häufiger vorkommen. Imke schießt amüsiert Fotos von der Lampe und mir. Hmpf.

16:40
Sind ein Stück mit dem Auto gefahren und liegen nun in der Sonne auf einer saftig grünen Wiese irgendwo hinter Rhaunen, umgeben von blühenden Bäumen. Ein Specht klopft, Vögel singen, der Weg hierher führte durch einen wunderschönen Laubwald. Wer will schon nach Irland?

18:10
Schon sechs Stunden ohne Internet. Zweieinhalb Wochen?! Auweia. Was jetzt wohl meine Rollenspielcharaktere machen? Wieso fliegen wir morgen nach Irland?!

21:00
Haben gut gegessen und fahren nun durch die Pampa auf der Suche nach einem Ort, von dem aus man den Sonnenuntergang schön sehen kann. Werden zwei Mal fündig und schmachten die Landschaft an. Schööön.

22:10
Zähne geputzt, Haare gewaschen. Jetzt könnte ich noch mal ins Forum schauen. Oder nachsehen, ob ich Mails habe. Vermisse das Internet und habe das dringende Bedürfnis, die F5-Taste zu drücken. Keine F5-Taste. Für zweieinhalb Wochen. OMG.
Das geht so nicht. Ich mal mir jetzt eine F5-Taste:
[Ich hab mir an dieser Stelle eine F5-Taste ins Büchlein gemalt. Ähm. Die ersten Stunden eines Entzugs sind wohl die schlimmsten...]
10 Stunden kein Internet. Ich will wieder nach hause. Irland. Pah.
Mathom-Haus, Gauklerstube - ist auch alles grün!

22:15
Zehn Stunden fünf Minuten kein Internet [und langweilig war mir ganz offensichtlich auch]. Ich geh jetzt ins Bett. Schnöde Welt.
Oh, und morgen muss ich Bilbo auf einem fremden Parkplatz stehen lassen. Hoch... Gehe frustriert ins Bett, der Lärm vom Flughafen nebenan hält sich aber in Grenzen.

19.05.2006 um 22:58 Uhr

Poor old Erin's Isle...

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

Die schöne Grüne Insel hat ja, wie mancher sicher in des Weibsbildes Blog nachliest, für eine Weile ausgesuchten (*hüstel*) Besuch bekommen. Das Weibsbild, Ranwen, Imke und der Taugegarnichts machten sich auf, sie heimzusuchen und ich bin heute Abend erst wieder in unserer Bundesstadt angekommen. Die Sachen sind noch nicht mal ausgepackt (auch nicht die, die eigentlich in den Kühlschrank müssten [in dem übrigens ein halber Eisbergsalat zweieinhalb Wochen lang überlebt hat, im Gegensatz zu einigen meiner Kornblumen]), aber ich hänge schon wieder im Internet herum.

Ich habe mir während dieser Tage ein kleines analoges Blog angelegt (so mit Kuli und Papier) und habe vor, selbiges in den nächsten Tagen nach und nach online zu stellen, sprich abzutippen, größtenteils unverändert, um die Magie des Augenblickes einzufangen (und weil ich zu faul bin, all die Seiten neu zu formulieren), teils aber sicher redaktionell leicht überarbeitet.

Dabei wird es sicher einige Überschneidungen mit Stinas Blog geben, aber das liegt eben in der Natur der Sache, schließlich haben wir auch größtenteils das Gleiche erlebt. [Hier dann das Du-musst-es-ja-nicht-lesen-Totschlag-Argument einfügen.]

Ah ja, Fotos. Gibt es. Werden, wenn ich gut bin, später vielleicht auch ins Blog eingebunden, vermutlich aber erst, wenn die Texte online sind, man wird sehen.

Für heute soll es mir genügen zu wissen, dass ich den Flug überlebt habe, dass ich wieder zu hause bin und dass alles in Ordnung ist. Dass ich in Irland war, muss ich noch verarbeiten und ich sollte wohl wenigstens noch ein paar Sachen in den Kühlschrank räumen, bevor ich ins Bett gehe, wenn ich meine Taschen heute schon nicht mehr ausgepackt kriege.