Aus dem Leben eines Taugegarnichts

28.06.2006 um 18:15 Uhr

Montag, 15.5., 13. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


8:30
Es beginnt zu regnen. Genau jetzt. Kannjawohlnichtwahrsein.

9:35
Aufstehen. Immer noch Regen. Beschließen, trotzdem nicht wieder so lange zu warten. So schlimm isses ja schließlich gar nicht.

11:30
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit den Farmeiern aus Farran [und dem üblichen leckeren Soda Bread *vermiss* mit Erdnussbutter, Nutella und Banane] gehen wir zu Ida und Noel - das Pärchen, dem der Hof hier gehört - um zu bezahlen. Die beiden laden uns nach einem kurzen Gespräch spontan auf einen Kaffee ein. Die sind SO süß! Beide versteht man richtig gut und Noel, der ohnehin wie ein Teddy wirkt, hat einen richtig entzückenden Dialekt. Und dieses Strahlen, als sie von ihren Enkeln erzählt haben und dass sie schon 30 Jahre verheiratet sind und irgendwann in den nächsten 30 Jahren das Haus umbauen wollen [Weniger umbauen, als viel mehr... "rebuild". Komplett abreißen und komplett wieder aufbauen. Viel Vergnügen.]. Zusammen. Whee!
Werden mit Tipps fürs Pferd versorgt, sie versichern uns noch mal, dass Daffie die Steigungen sehr wohl schafft und uns nur herausfordern will. Ha, Daffie, komm du mir nur nach hause!

12:30
Als wir mit dem Geplauder fertig sind, hat's auch schon aufgehört zu regnen.
Vom Pferdaufzäumen haben wir beide inzwischen Ahnung, das könnten wir auch im Schlaf. Nur für das Halfter (das *Halfter*) bin ich zu doof. All die Riemen, Schnallen, das ganze Geschirr - kein Problem. Aber das Halfter krieg ich nicht über den Pferdeschädel. Rätsel.
Es ist so peinlich, mit einem brav wartenden Pferd auf der Weide zu stehen, das aufgelöste Halfter in der Hand und Imke rufen zu müssen. D'oh.

Dubh hat noch ab und an mal angehalten, aber wir haben den Boss raushängen und ihm nichts durchgehen lassen, irgendwann hat er sich dann gefügt. Yay us!
Die Autos waren heute besonders breit. Manche - die "Memmen" - haben ihre Mini-Flitzer zwar für breiter gehalten, als sie tatsächlich waren, und haben ängstlich gewartet, bis wir vorbei waren, aber andere - die "Männer" - sind auch mit LKW oder Riesenanhänger mit einem Abstand von 2 Centimetern [sic!] unbeeindruckt und ungebremst an uns vorbeigerauscht.

Es nieselt hin und wieder, aber nach diesem tollen Tagesstart und einem braven Dubh sind wir versöhnt und relaxt.

16:00
Ankunft am Golfclub, wo wir diese Nacht verbringen werden. Übliches Prozedere, außer, dass sie diesmal im Voraus bezahlt werden wollen, und der Wagen steht diesmal eher auf etwas, das wie ein Hinterhof wirkt, statt auf einer großen saftigen grünen Wiese.
Spaziergang in die nächste Stadt, Castletown, wo wir noch ein paar Vorräte einkaufen.
Auf dem Rückweg werden wir von einem Golden Retriever verfolgt, der (im Gegensatz zu den anderen hundert Hunden, die uns auf unserer Fahrt so angebellt haben) wirklich böse aussieht und uns auch recht nah kommt.

23:00
Gehen ins Bett. Die Hunde des Hofes oder eines Hofes in der Nähe fangen an, das Pferd über die Weide zu jagen, und wir trauen uns kaum zum Waschhaus rüber, weil die Viecher wirklich agressiv wirken.
Schlafe mit Mordgedanken ein.

20.06.2006 um 18:56 Uhr

Sonntag, 14.5., 12. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


8:30
Bin wach, bleibe aber liegen. Es regnet ohnehin.

9:50
Stehe auf, auch wenns immer noch regnet.

10:55
Frühstück beendet. Es regnet. Beschließen, mit dem Anspannen noch zu warten.
Rommé. [Wir haben in dieser Woche sehr viel Rommé gespielt. Und sechsundsechzig. Und Offiziersskat. Und Mau.]

13:30
Haben zu Mittag gegessen, das Pferd angeschirrt und sind losgefahren, nieselt nur leicht.
Daffy ist heute etwas störrischer und bleibt hin und wieder stehen, als könne er die schwere Last nicht schleppen. Mistgriebel. Außerdem liebt er die rechte Straßenseite heiß und innig.
Der Gaul macht mich wahnsinnig!
[Tatsächlich haben wir seinen großen schwarzen Augen geglaubt und sind bei den meisten Steigungen abgestiegen, um ihm seine Last zu erleichtern. Manipulativer Mistgriebel.]
Kommen an weiteren netten Ruinen vorbei und vertreiben uns die Zeit mit Horrorrätseln.

16:00
Ankunft auf dem Gut bei Abbeyleix. Die Leute hier sind besonders nett und bieten uns ständig verlockende Dinge an, die wir wohlerzogener Weise natürlich ständig ablehnen.
Nein, danke, die Nächte sind saukalt und wir ziehen übereinander, was geht, aber wir brauchen keine zusätzliche Decke, wirklich, nein, ist nicht nötig, aber vielen Dank. Gnn.
Erfahren, dass "dubh" das gälische Wort für "schwarz" ist. Kein Deutscher würde sein Pferd "Schwarzer" oder "Schwarz" nennen, aber "Blacky" und "Dubh" - das ist okay.
Hier sind außerdem drei liebe wohlerzogene Hunde, Gizmo ist besonders süß und holt sich später noch mal eine Portion Streicheleinheiten ab.

17:20
Lassen uns in die Stadt fahren. Abbeyleix ist ein Kaff, aber im Vergleich zur letzten Woche ein Muster an Zivilisation. Sie haben eine sehr hübsche Kirche hier und einen sehr romantischen Pub, Morrissey's. Wir stecken kurz die Köpfe rein, schauen uns das Innere an, das erfreulich rauchfrei ist - [an dieser Stelle noch mal die Bitte an Deutschlands Häupter, dieses Rauchverbot auch hier einzuführen. Bitte bitte.] - allerdings ist es hier auch bis zum Bersten voll, daher gehen wir in ein Fastfood-Restaurant [McDoof-Verschnitt] und warten 20 Minuten (!) auf einen Burger. Einen Burger mit gebratenen Zwiebeln. Ürgs. Nehme mir vor, in Deutschland gleich wieder einen Burger King aufzusuchen.

19:30
Kommen wieder am Caravan an, es regnet. Ziehe die ersten sechs Schichten für die Nacht an.

20:10
*aufstoß*
Woah, wie kann man nur gebratene Zwiebeln in einen Burger packen?!
Es wird kontinuierlich kälter, wir küren "Wouldn't it be loverly" ["Wäre det nich wunderscheen" - My Fair Lady] zur Hymne der zweiten Irlandwoche. Wir können es inzwischen auswendig und singen jeden Satz mit Inbrunst.

21:54
Unter meinem linken Schulterblatt juckt's. Unter inzwischen 8 (ACHT!) Schichten Klamotten. AAAaaaaaaahhhh!!!!!!!

18.06.2006 um 15:39 Uhr

Samstag, 13.5., 11. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


9:00
Ich bin seit ner dreiviertel Stunde wach, weigere mich aber, bei der Kälte aufzustehen.

9:30
Aufstehen, Baum, Frühstücken.

11:15
Aufbruch. Haben uns selten so verlottert gefühlt: Meine langen, abgebrochenen Fingernägel enthalten genug Dreck, um damit Häuser bauen zu können, meine Hose ist voll mit Lederfett und stinkt immer noch nach nassem Hund, ich selbst inzwischen wohl auch, mein Pullover ist voll mit Pferdesabber und meine Haare sind fettig (und wurden auch schon angesabbert).

Überall, wo wir an Kühen vorbeikommen, sind wir die ultimative Hauptattraktion. Alle starren uns an und manchmal verfolgt uns die komplette Herde. Kann mal jemand dieses Phänomen kuhpsychologisch erklären?
Zwängen uns an einem LKW vorbei, dessen Fahrer unbedingt an dieser Engestelle halten musste, um mit nem Typen zu schwatzen, und nehmen später einen Umweg über eine Landstraße, um die Aghaboe Abbey zu besuchen. Der angrenzende Parkplatz ist für Fahrzeuge über 1,80 oder so gesperrt, weswegen wir den Wagen in die minikleine Einfahrt stellen, Fotos machen, den Wagen beinahe auf der Stelle drehen und wieder auf die Landstraße fahren. Autofahrer lieben Pferdekarren, die im Schritttempo auf Landstraßen rumschleichen, aber die erwarteten Hasstiraden bleiben glücklicherdings aus.
Könnten theoretisch eher von der Staße runter, aber die Einfahrt in die kleinere Seitenstraße wird von einem Traktor versperrt, der uns anglotzt. Wie das sehr viele heute schon getan haben.

14:15
Biegen in die Einfahrt zum Gehöft in Farren (Traditional Farm Hostel) ein. Riesige Schafweiden, zwei Lämmer (mit Flauschefell und Pummelschwänzchen :Entzücken: ) folgen uns. Halte kurz am Zaun an, um ausgiebig zu betatschen und besqueen.

16:10
Pferd versorgt, Geschirr geputzt, Mittag gegessen. Ich geh jetzt duschen.

17:15
Bin geduscht, manikürt, eingecremt, Haare sind gewaschen, gepflegt und gekämmt und ich habe beinahe saubere Sachen an. Wow!

18:00
Spaziergang. Dutziwutzipuschisüße [Das hab ich wirklich so geschrieben.] Lämmchen noch mal betüdiwüdistreichelt [*Augenbraue*] :Herzchenaugen:

19:00
Abendessen. Wenn man aus dem linken Fenster sieht, sieht man Schafe. Wenn man aus dem rechten Fenster sieht, sieht man Schafe. (Und wenn man Glück hat, auch mal das Horsie, das sie irgendwo auf dem Riesengelände der Weide gegenüber rumtreibt.)
Man fühlt sich irgendwie umzingelt. Wer weiß, was das Mähen tatsächlich zu bedeuten hat. :Paranoia:

22:00
Es wird etwas frischer und fängt - oh Wunder - an zu regnen.
Gehen Zähne putzen. Mit warmem Wasser. Hab ich eigentlich schon von meinen sauberen Fingernägeln und den gewaschenen Haaren geschwärmt?

17.06.2006 um 17:31 Uhr

Freitag, 12.5., 10. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


8:45
Werde geweckt, weil der Caravan wackelt. Entweder Imke tut irgendwas im Vorderbereich des Wagens oder Horsie scheuert sich gerade am Caravan. Irgendwie hat es ja was Gemütliches, dieses Schaukeln.
Diese Nacht war saukalt. Hab irgendwann mal die Nase aus der Decke genommen und wäre fast gestorben. Aber die Decke hielt soweit noch warm.

9:30
Essen die letzten Farmeier zum Frühstück. Daffie hängt seine Schnauze zum Fenster rein und sabbert uns das [unglaublich leckere irische Buttermilch-]Brot voll. (Das zum Glück eingepackt ist.)
Isser nich süß.
Frühstück wird unterbrochen vom Schaukeln des Wagens, Tee schwabbt über, Zeug fällt runter. Daffie juckts. [Erfahren später, dass er gerade sein Winterfell verliert. Sah man ihm nicht an.]

11:15
Fangen das Pferd wieder ein. Was nicht ganz korrekt ist. Eigentlich kommt er auf uns zugelaufen und lässt sich bereitwillig das Halfter anlegen. Daffie Putzen. Mit dem Hufeauskratzen teilen wir uns rein, weil das Vieh etwa soviel wiegen dürfte wie mein Auto. Spannen das Pferd wieder vor den Karren. War der Riemen jetzt so oder... nee, unten rum. Und dann durch den Ring. Und dann noch die Riemen mit der Schnalle und dann...
Schaffen es irgendwie, die tausend Riemen und Schnallen wieder korrekt zusammenzufriemeln, während Daffie engelsgleich stehen bleibt.

12:30
On the road again. Hin und wieder wird wie üblich Fahrzeugen ausgewichen. Ein Lieferwagen ist gezwungen, an einer sehr engen Stelle auf uns zu warten. Die Fahrerin isst gemütlich ein Sandwich und meint dann zu uns, als wir vorbeifahren, etwas in die Richtung, dass wir uns ruhig hätten Zeit lassen können, damit sie ihr lunch finishen könne.
Sind entzückt.

12:45
Old Lady in older Auto hält neben uns an und kurbelt die Scheibe runter. Bei den ersten Worten dachte ich noch, sie will sich beschweren, weil wir mit dem Mistkarren die ganze Straße versperren, aber die Brocken, die wir verstehen sind ein strahlendes "seen it before" und "beautiful!"
Sind vollkommen entzückt.

13:00
Fahren an einem Gehöft vorbei, vor dem ein niedlicher alter Mann steht und übers ganze Gesicht strahlend unseren Wagen anstarrt, die ganze Zeit, bis wir außer Sicht sind.
Pures Entzücken.

13:20
Mini-Straße, die gerade so breit wie der Wagen ist. Hinter einer Kurve: Schulbuss auf 12 Uhr.  Aaahhh!
Der ist dann ein paar Meter zurückgefahren und wir konnten uns an einer Einfahrt vorbeiquetschen.

14:00
Ankunft in Grangebeg. Pferd abschirren, Pferd putzen, Pferd auf die Weide schaffen - diesmal eine, die vom Wagen getrennt ist -, Geschirr putzen. Es fängt an zu regnen. Müssen Nahrung einkaufen (die Erdnussbutter ist alle!!!) und werden von einem der Männer des Hofes in die nächste Stadt gefahren. [Haben sehr viel später erfahren, dass das der hiesige Sargmacher war...]
Der spricht mit einer unglaublich schönen Stimme, aber das ist nicht der Grund, warum ich ihn alles zweimal sagen lasse.

16:15
Haben lecker zu Mittag gegessen und abgewaschen und wollen gerade anfangen, die Tagebücher vollzuschreiben, als sich der Regen in Gewitter verwandelt. Imke meint, Gewitter wären toll, und schaut entzückt aus dem Fenster. Ich habe immer noch ein wenig Schiss vor Gewitter, versuche, es zu ignorieren, und hoffe, dass es uns nicht zu nahe kommt.

Ein Blitz schlägt etwa 50 Meter von hier ein und taucht die Gegend in rotes Licht. Der Donner ertönt zur gleichen Zeit. Imke ist entsetzt, ich fühl mich bestätigt.
Die Tatsache, dass hier im Wagen eine Gasflasche ist und dass wir unter einem ziemlich hohen Baum stehen, beruhigt uns nicht gerade. Wir würden gern ins Haus rennen, aber es hagelt erbsengroß. (Das arme Pferd...)

16:25
Die Dame des Hauses fährt gerade in den Hof ein und weist uns durchs Autofenster an, um Himmels Willen ins Haus zu gehen. Kommen der Bitte nach Ende des Hagels gern und sehr schnell nach, sind aber in 3 Sekunden bis auf die Haut nass.

Bekommen Kaffee, Tee und Gebäck und unterhalten uns eine Weile sehr nett.
Hier ist der Strom ausgefallen und Trish, wie sie heißt, hat telefoniert, aufgelegt und meinte dann, die Frau habe gesagt, sie würde in 20 Minuten zurückrufen, was hieße, in 8 Stunden oder am Montag. Wer "Die Wahrheit über die Iren" gelesen hat, kann sich unseren Lachanfall vorstellen.
Sitzen also gemütlich im hellen freundlichen Wohnzimmer der Familie, außer uns zwei Männer, zwei Frauen und drei Kinder. Und Trish kann man echt gut verstehen. Fühlen uns pudelwohl.

17:45
Kehren in den inzwischen komplett ausgekühlten Caravan zurück, der Regen lässt allmählich nach.

18:45
Habe unserem durchgeweichten Pferd einen Apfel gegeben und dann einen pitschnassen Hund gestreichelt. Habe ein nasses Knie und stinke... nach nassem Hund halt. [Ich muss aufhören, jeden Hund streicheln zu wollen, ich muss aufhören, jeden Hund streicheln zu wollen, ich muss aufhören, jeden Hund streicheln zu wollen...]
Ich muss mal, aber weil die Wasserpumpe im Haus elektrisch läuft, und dieser blöde Blitz in den Trafo der Gegend geschlagen hat, haben die da kein Wasser.
Hnngg.

19:23
Es ist kalt, die Blase drückt, alles ist nass und... die Blase drückt. Hnnngg.

20:14
Wir müssen inzwischen beide. Versuchen, uns mit Singen abzulenken, aber jetzt regnet das wieder. Ich werd wahnsinnig!

20:40
Wir haben soeben 99 Bottles of Beer on the Wall komplett runtergesungen.
Dann bin ich hintern Baum gegangen. Da ging es hin, das letzte  Stück Zivilisiertheit.

21:00
Es klingt, als hätten sie den Generator angeworfen, Vogelgezwitscher , Regengeprassel. Auch diese Idylle ist lauter als man denkt.

21:50
Es ist schweinekalt, weswegen wir beschließen, ins Bett zu gehen. Habe drei Pullover, drei Paar Socken, 2 T-Shirts und 2 Hosen an und ziehe mir die beiden Kapuzen über den Kopf. Ein paar Stunden später sind sogar meine Füße warm.

16.06.2006 um 19:42 Uhr

Donnerstag, 11.5., 9. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006


9:30
Haben die Nacht doch gut überstanden und frühstücken zwischen Zigeunerwagen und Pferdeweide bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Hach, Idylle.
Habe mir den Nacken über Nacht weiter verspannt. Hgmpf.

11:40
Holen gemeinsam mit den fünf Indianaer Jungs die beiden Pferde von der Weide, werden ins Anspannen eingewiesen und bekommen noch ein paar Tipps. Also den Riemen hier oben um die, nein unten um die Stange rum und dann durch den Ring, den Riemen so fest wie möglich, diesen eher locker und bei dem isses egal. Dubh, unser schwarzer Kaltblüter, ist ein Engel und bleibt bei all unseren Bemühungen und bei allen Riemen, die um ihn herum gelegt, über sein Gesicht gestreift und um ihn herumgetragen werden, stehen. Fertig angespannt? Also losfahren! Aaaahhh!
Da ich auch noch nie mit Anhänger Auto gefahren bin, sind Kurven noch ein bisschen Glückssache.
Die Jungs aus Indiana fahren das erste Stück des Weges hinter uns her. Können immer noch nicht glauben, dass die diesen Urlaub machen, weil in Indiana nichts los ist. (Auch wenn wir inzwischen erfahren haben, dass sie gestern Nacht noch in nem Pub in der Nähe waren und wohl ziemlich blau heimkamen.)

13:00
Es ist verdammt warm und der Kutschbock hat den Strandkorbeffekt, dass man sich dort zu Tode brutzelt. Außerdem steigen wir bei jeder größeren (und kleineren) Steigung und an den Hängen ab, um Dubh, den wir fortan "Daffie" nennen, zu entlasten. [Das hat dann von Tag zu Tag nachgelassen, aber am Anfang ist man ja gern etwas überrücksichtsvoll.]
Auf dem Weg nehmen wir wieder eine Kirche mit. Ruinös oder nicht, wir kommen ohnehin nicht rein, zudem wollen wir das Pferd ja nicht allein stehen lassen.
Am Wegesrand Mamma mit Kiddie von irgendwo unter sechs an der Hand, das völlig fasziniert Wagen und Horsie beglotzt. Halten den Wagen an, damit es unseren prächtigen Schwarzen mal anfassen kann, aber es krallt sich in den Nacken des auch noch herbeigelaufenen Pappas fest. Wir unterhalten uns ein paar Sätze lang nett mit den Eltern, sagen dann Tschüß und rollen weiter.

14:00
Biegen in das Gut ein, in dem wir diese Nacht Pferd und Wagen abstellen werden. [Pike of Rushell. Oder auch Rush Hall. Je nach Laune.]
Absteigen, Wagen bugsieren, Hallo, schönen guten Tag, da lang? Danke! Pferd abschirren, Pferd putzen, Pferd Wasser geben, Geschirr putzen.
Dann selbst essen.
Pferd und Wagen stehen übrigens auf der selben Weide. Finde das unglaublich romantisch, wie er uns auf den Wagen guckt und aussieht, als wolle er mit reinkommen. Auf den Weiden gegenüber grasen Stuten mit ihren Fohlen, die Hengste stehen eine Weide weiter. Hach.
Der Besitzer des Anwesens reicht uns sechs Eier rein. Yay! Dann können wir uns ja die Dose rote Bohnen mit Rührei machen. (Im Wagen gibt es einen Gasherd.)

15:05
Der Dosenöffner funktioniert nicht.
Imke bekommt die Dose aber nach einer Weile mit dem Schweizer Taschenmesser auf. Huld!

15:30
Fertig mit Essen, fühlen uns wie erschlagen [vom Essen oder vom Kutschefahren?]. Abwaschen ist anstrengend, weil mit kaltem Wasser aus nem Kanister. [Auch eine Spüle ist im Wagen, aber natürlich kein fließendes Warmwasser...]

16:00
Es fängt an zu schiffen wie nix Gutes. Brettchenweben, Flöte spielen, Daffie anschmachten.

18:10
Regen hat aufgehört, wir beschließen, einen Spaziergang zu machen und ein Stück die Straße langzugehen. Wir sind hier übrigens am AdW. In jede Richtung 10 Kilometer nach nirgendwohin. In Indiana muss es verdammt öde sein. Verdammt öde.

18:25
Kommen an der Bundesstraße N 7 an. Die müssen wir morgen überqueren. Mit Pferd und Wagen. An dieser Stelle.
Tod und Verderben, wir werden alle sterben...
Das hier ist ne 4-spurige Kurve, und da pfeifen Autos mit hundert Sachen an uns vorbei. Weia.
Gehen ein Stück die Bundesstraße rauf. Riesige LKW, die auf zwei Meter Entfernung an uns vorbeirauschen. Kontrastprogramm zur Idylle auf unserer Weide.

18:45
Sind hungrig und stellen fest, dass hier nichts ist. Kehren wieder um.

19:00
Abendessen, Imke kriegt die Dose Ambrosia Tapioca wieder sehr elegant mit dem Taschenmesser auf. Das Zeuch sieht übrigens aus wie Froschlaich, ist allerdings sehr lecker. Note to self: Rausfinden, was Tapioca ist, es steht nicht im Wörterbuch und mit der Beschreibung im Einsprachigen, dass es eine "tropische Frucht" ist, kann ich auch nicht viel anfangen.

20:00
Abgewaschen. Daffie weiß vermutlich nicht, dass er kein Mensch ist, und will mit in den Wohnwagen. Herzchenaugen, wie süß!

22:30
Gehen ins Bett. Vogelgezwitscher, Hundegebell, die N 7 wirkt gerade richtig nah. Verdammt laut, die Idylle hier.

14.06.2006 um 13:47 Uhr

Mittwoch, 20.5., 8. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

7:30
Wecker klingelt. Heute heißt es trennen - Ranwen und Stina fliegen wieder heim, Imke und ich brechen nach Laois auf, um den gemieteten Zigeunerwagen zu beziehen. Vorher noch frühstücken und einpacken.
Schieben kollektiv Panik und stellen fest, dass die Taschen geschrumpft sind.
"Stinaaa? Ist das hier deine Dose?"
"AAaaargh!"
Zucke erschrocken zusammen, lege die Dose vorsichtig auf die Türschwelle und entferne mich rückwärts wieder von ihrem Zimmer.

9:00
Ranwen hat in einem panischen Packmarathon ihre circa 50 Instrumente und 20 Spiele eingepackt, wir gehen noch mal durch das Cottage und dann zu Brian um zu bezahlen.
Er erfährt, dass Imke und ich mit dem Zigeunerwagen umherfahren wollen, wünscht uns viel Spaß und meint, wir wären danach sicher "very relaxed". Ah. Ja. Er betet also für uns, damit wir nicht an Langeweile sterben. Danke.

9:30
Kommen am Bahnhof an und fragen uns zur Bushaltestelle durch, die - oh Wunder - hinter dem Gebäude ist.

9:45
Verabknuddeln Ranwen und Stina, wünschen guten Flug - OMG, irgendwann muss ich auch - und setzen uns in den Bus nach Limerick.
Genießen die Landschaft zur Linken, zur Rechten und wieder zur Linken. Mein Nacken tut vom dauernden Linksstarren bald höllisch weh.

12:10
Zwischenstopp in Limerick. Eine stockhässliche Großstadt (nach irischen Maßstäben). Setzen uns eine anderthalbe Stunde in den sonnigen Park.

13:45
Während der Fahrt des Buses von Killarney nach Limerick gerast ist (Imke und ich haben unabhängig voneinander ganz uncool den Gurt angelegt), schläft dieser hier fast ein. Was auch an diesem fürchterlichen Radiosender liegen könnte. Keine Musik, nur kryptische Diskussionen. Bah.

Die Landschaft verändert sich zusehens. Stellenweise ähnelt sie hier allmählich den flacheren Stellen deutscher Mittelgebirge, nur weniger bewaldet und hier gibts auch mehr Ruinen, vom kleinen Cottage bis hin zum Herrenhaus. Sehr hübsch.

15:30
Bus hält in Mountrath, Imke und Centi steigen aus. Eigentlich sollte da noch jemand sein, der uns abholt, aber wir stehen hier eine ganze Weile blöd an der Straße und lassen uns von Autofahrern beglotzen.
Hmpf.

16:00
Mir wird es zu doof, ich schnappe mir Geld und Telefonnummer und frage im nächstbesten Laden - eine Zoohandlung - ob ich telefonieren darf.
Das Telefon/Faxgerät ist sauleise, aber die Frau am anderen Ende der Leitung entpuppt sich bald als Deutsche. Yay!
Sie hätten uns für Juni eingetragen.
What?!
Auf jeder Buchungsbestätigung, auf meiner Überweisung, auf jeder Korrespondenz stand "MAY". Außer auf der letzten Mail aus Irland, das die letzt Rate an Geld eingegangen ist, da lookten sie forward to meet mich in June. Aber da hab ich sogar zurückgemailt, dass es "MAY" ist. Ich kann so nicht, ich möchte einmal mit Profis, Himmelherrgnah.
Aber kein Thema, sie sind auch auf spontane (...) Gäste eingerichtet.

16:20
Werden abgeholt, auch der Mann ist Deutscher. Und überfährt eine Taube. Schonmal was von Bremsen gehört, Depp?! Hgrmpf. All kinds of hate.

17:30
Werden dem Caravan vorgestellt, in dem wir die nächsten sieben Nächte schlafen werden und bekommen ein Handbuch mit den Dos und Don'ts beim Kutschefahren und eine Karte der Gegend in die Hand gedrückt.

21:00
Unterhalten uns eine Weile mit einer netten Neuseeländerin, die hier arbeitet. Brauchen eine Weile, um den Code zu entschlüsseln, nach dem sie die Vokale auf die Worte verteilt und reden dann über Wetter, Landschaft und Preise von Alkohol und Schokolade, und sie hat zwei Mal "holy shit" gesagt. Aber sie war niedlich, sie durfte das.
Unsere Caravan-Nachbarn für diese Nacht sind fünf Jugendliche aus Indiana, die um diese Uhrzeit Bücher lesen. o_O Sie erzählen uns, dass sie diesen Tripp machen, weil in Indiana nichts los sei. Aha. Deswegen setzt ihr euch stundenlang ins Flugzeug und kurvt dann mit einem Pferdewagen eine Woche lang durch eine der unspektakuläreren Gegenden Irlands. Indiana muss der ödeste Ort der Welt sein.
Verspüren das Bedürfnis, ihnen in die Wange zu kneifen. (Mei, vor fünf Jahren hätten wir sie vielleicht noch angeschmachtet...)

21:15
Nach Sonnenuntergang wird es verdammt kalt und sehr feucht hier. Brr.

23:00
Gehen ins Bett. [Noch] mit [nur] drei [dünnen] Schichten Klamotten.
Imke: "Wir werden so frieren, sieben Tage lang / wir werden so frieren, so ein Scheiß..."

07.06.2006 um 20:40 Uhr

Dienstag, 9.5., 7. Tag in Irland

von: Centaurea   Kategorie: Irland 2006

8:10
Frühstück heute eher, wir wollen den Ring of Kerry bestaunen und das is' ne Ecke zu fahren. Sind dafür auch eine Stunde eher aufgestanden. *blinzel*
Ranwen: "Gib mir mal das Gebräu, das du Kaffee nennst."
Stina: "Du disst meinen Kaffee?!"
Ranwen: "Ich disse deinen Kaffee nicht, ich finde nur, dass er die Hälfte an Wasser enthält, die eigentlich nötig wäre."

9:30
Lady's View. Stina nimmt beim Einparken die steinerne Brüstung mit, aber die Stoßstange unseres Chevys entpuppt sich als Entfaltungswunder. Die Kratzer... die wird heute vielleicht der Schlamm des Ring of Kerry verdecken.
Btw.: Geniale Aussicht.

9:45
Molls Gap. Auf den Straßen hier - eine anderthalbe Autobreite breit, rechts Schlucht, links Felsen, darf man 100 fahren. Heben kollektiv die rechte Augenbraue und fahren 45.

11:00
Kurven auf der Suche nach dem Druid Circle ne Weile durch Kenmare, finden ihn und tatschen eine Weile völlig irrational auf dem mittleren Stein herum. Der weist übrigens seltsame Löcher und Rinnen auf. "Wozu wohl diese Kerben da sind?" "Das waren bestimmt alles die Touris, alle haben da den Finger reingesteckt..."

Verliebe mich in einen schönen Warmblüter auf einer angrenzenden Weide. Er knabbert mir die Haare an, sabbert mir auf den Pullover und will kuscheln. Stina meint, er passe nicht in den Kofferraum. Pf!

Fahren weiter und erreichen den Ring of Kerry. Landschaft, viel Landschaft, enge Straße, Landschaft....

12:00
Staigue Fort bei Caherdaniel. Kreisrunder Steinhaufen, auf dessen Mauern man toll herumspazieren und picknicken kann.
Genieße eine halbe Stunde mit meinen Gefährtinnen die Sonne, steige dann hinunter und entdecke ein großes Schild, das zum Eingang zeigt und das in CAPS LOCK darauf hinweist, dass es hochoffiziel höchst verboten ist, auf den Steinmauern rumzuklettern. Weise die Drei darauf hin, diese brechen nach kurzem Stutzen in schallendes Gelächter aus, weil sie das Schild natürlich - wie es ja auch konzeptioniert ist - gleich im Eingang gesehen haben. Und trotzdem hochgeklettert sind. Alles Verbrecher. Machen dann noch ein Foto von der Tat, das ich eigtenlich bei Bedarf für Erpressungen verwenden könnte, weil ich fotografiert hab. Höhö.

13:30
Waterville. Kurze Pause am Strand, werfen Postkarten in einen Briefkasten (oder Mülleimer, das kann man nicht genau sagen) und unterhalten uns eine Weile über Online-Rollenspiele. Frage mich zum x. Mal, was meine Charas gerade tun. Und habe etwas Heimweh nach Internet.

14:00
Nach Portmagee ins Museum Skellig Experience. Wir wären auch gern auf die Skelligs, aber dafür muss man 1. 9:00 da sein und 2. Heidengeld blechen. Allein für den Tripp zu den Inseln und zurück, ohne Anlegen, wollten sie 25 Euro pro Person. Woah.
Das Museum war zwar ganz nett, hätte aber gern auch irgendwie... größer sein können...
Oh, Souvenirshop, shiny!

14:30
Valentia Island. Fahren zu einer Grotte, die eigentlich ein sehr lauter Steinbruch ist ("IDYLLISCH HIER!" "WAS?!"), mit einer Marienstatue irgendwo weit über dem Eingang und wohl eigentlich nur zur Orientierung für die geniale Aussicht von dem Hang davor taugt. Schmachten eine Weile Küste, Cottages und Leuchtturm an und machen uns dann wieder auf den Ring of Kerry.

Landschaft links, Cottage rechts, OMGWTFREISEBUS!!!

16:00
Entdecken in Glenbeigh die geniale Ruine eines großen Herrenhauses und versuchen, irgendwie hinzukommen (Hl. Wendehammer, steh uns bei), um weitere Loreena McKennit-würdige Fotos zu machen, aber natürlich steht das Teil eingezäunt auf Privatgrund und man kann nicht ran.
Frage mich, was wohl meine Rollenspielcharas... aber wir fahren auch rasch weiter.

17:00
Killorglin. Imke und ich wollen hier die letzten beiden Tage unseres Urlaubs verbringen, und haben noch immer keine Ahnung, wo das B&B ist, dem ich schon 50 Euro vorab in den Rachen geschoben habe. Aber wir wissen auch nicht wirklich, ob die Bus Station Killarney, bei der wir morgen um 10 sein müssen, wirklich da ist, wo der Hl. Faltplan behauptet, bei einem Besuch sah das nämlich nicht so aus. Karthografen ohne Grenzen für Irland!

17:30
Kommen wieder in Killarney an. Imke und ich zweifeln mit jedem Tag mehr an der Sache mit dem Zigeunerwagen. Das wird langweilig, kalt und alles in allem unerquicklich.

19:00
Stellen außerdem fest, dass wir unerschöpfliche Vorräte an Chips, Schokoriegeln und Schokoladentafeln haben. Auf dem Tisch liegen 5 Chipstüten und eine Keksrolle. Und eigentlich müssten wir auch noch Nudeln zum Abendessen machen. Bwääh!
Vermisse meine Rollenspielcharas und versuche meinen Kummer mit 5,3%igem Cider zu ertränken. Ha. Ha.

[Ich habe mir - und ich schäme mich beinahe dafür - an dieser Stelle eine weitere F5-Taste ins Buch gemalt...]

21:00
Ranwen hat guten deutschen Heidelbeerwein mitgebracht und der CD-Player spielt seit einer Stunde das selbe Lied (Kate Rusby) und keiner merkts. Stina ist von vier Gläsern von diesem wässrigen Cider blau. Süß.
Ranwen: "Wie geht denn das?!"
Imke: "Ganz einfach, ein Glas davon und ich sing schweinische Lieder."
Ranwen und Stina reichen wortlos den Alk rüber.

21:20
Gehen zum Auto und machen Symbol-Gruppenfotos mit St. Faltplan.

21:47
Brian, der Besitzer der Cottages, dessen Tochter wir vor 4 Stunden gebeten haben, Brian vorbeizuschicken, kam gerade vorbei. Stürmte zur Tür rein, besah sich die vollgelaufene Spüle und meinte: "Ah ja. Ich komm morgen Früh wieder."
Stürmte wieder raus und ließ uns mit einem WTF?!-Blick zurück.

22:04
Imke und Stina sind ins Bett gegangen, aber Brian kam gerade wieder und unterhält sich jetzt in einer wirklich faszinierenden Sprache mit Ranwen. Imke und ich werden dieser Sprache in den nächsen Tagen allein begegnen müssen.
Wir sind so doomed.