Wenn man das Radio zum Schweigen gebracht hat
Wir schreiben also den frühen Nachmittag des 24.8. und ich beende die Arbeitswoche. In der Tiefgarage bei Bilbo angekommen, dreh ich die Sicherung raus, weil Vater-von-Centi der Meinung war, dass der Stromschlag aus einer Autobatterie (wegen des losen Kabelchens hinter dem Radio, wir erinnern uns an den Funken) nicht für einen Menschen tödlich sein kann, wohl aber für ein Auto. 'Nein! Nehmt mich, aber verschont mein Auto!'. Laut Handbuch gibt es drei Sicherungen für das Autoradio, nehme die eine raus, an der nicht nebenbei der Blinker oder der Scheibenwischer hängt, und hoffe, es funktioniert. Auch wenn mir nicht ganz in den Sinn will, wie ich links unten im Auto ein kleines Steckerchen rausnehme und plötzlich was Großes in der Mitte keinen Strom mehr hat, aber da könnte ich auch die Funktionsweise eines Lichtschalters anzweifeln.
Fahre aus dem Betrieb raus und überlege an der roten Ampel, ich könnte ja mal die Klappe vom Sicherungskasten wieder schließen. Versuche selbiges. Sicherungskastenklappe vereitelt Versuch, sie fällt spontan wieder in den Autoinnenraum. Versuche es noch ein paar Mal vergeblich, dann wird die Ampel grün und ich überlege, ich könnte ja die Klappe vom Sicherungskasten auch einfach im Auto liegen lassen.
Fahre los, gen Frankfurt. Ohne Radio. Die Sicherung ist ja draußen.
Der wohl größte Nachteil, wenn man ohne Radio fährt, ist, dass es verdammt langweilig werden kann. Wenn nicht gerade ein riesiger LKW kurz vor einem ausschert. Man kommt ins Grübeln. Ich philosophiere eine Weile darüber, wie toll ich es finde, dass an meinem Auto noch nicht so viel technischer Schnickschnack ist - elektrische Fensterheber, beheizbare Außenspiegel, beleuchtbarer Schminkspiegel, integrierte Sitzheizung, etc. blahblah. Lauter Dinge also, die ich nie bräuchte, die aber garantiert ständig kaputt wären. Noch cooler waren natürlich noch die Zeiten, als man den Keilriemen noch durch eine Nylonstrumpfhose ersetzen konnte. Aber das hätte mir ohnehin nichts genutzt. Erstens weil ich nicht weiß, wo der Keilriemen ist, was er tut, was passiert, wenn er kaputt ist oder gar wie man ihn auswechselt. Und zweitens weil ich nie Nylons trage und die Sache mit Jeans wohl etwas komplizierter gewesen wäre.
Der zweitgrößte Nachteil ist, dass man alle Geräusche des Autos stärker wahrnimmt als vorher. Vor allem das Motorgeräusch. Hat der Motor schon immer so gefiept, wenn ich bergauf gefahren bin? Ich kenne das Geräusch von den Turbinen der RyanAir-Maschine neulich, aber abheben werd ich so schnell mit Bilbo wohl nicht. Ist da was am Motor verkehrt? Wär scheiße, auf den Auspuff bin ich ja eingestellt. (Laut meinen Berechnungen rostet der im September durch, hört meine Worte!) Aber der Motor... oder der Kühler, den hab ich auch lange nicht mehr auswechseln lassen.
Stelle müßige Überlegungen ein und langweile mich weiter. Aus Frust greife ich in die Tupperdose mit der Schokolade. Die ist dank der Hitze so flüssig, dass ich sie nicht essen kann. Die Welt ist heute echt ein Arsch.
