Aus dem Leben eines Taugegarnichts

30.07.2008 um 21:58 Uhr

Segeltörn 2008 - Von Urk nach Volendam

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Dienstag, 24. Juni 2008 (1/3)

Als ich am nächsten Morgen den Aufenthaltsraum betrete, steht da ein mir fremder Mann herum. Ich verkneife mir mein "MORGEN IHR LUSCHEN!" und grüße stattdessen auf die leise und nette Tour. Der Mann schaut ernst und eine Spur indigniert drein und schweigt. Na schön, er spricht vermutlich meine Sprache nicht, aber erstens ist er hier auf meinem unserem Boot Schiff, und zweitens ist es quasi noch mitten in der Nacht. Ich frage mich kurz, warum man ihn nicht schon längst von Bord geschmissen hat, als mir seine Uniform auffällt. Ah, so ein Hafenaufsichtsdingsbumsmensch. Will den Skipper sprechen, erzählt man mir, und irgendwer würde schon irgendwen Verantwortlichen holen.
Ich drücke mich also freundlich und möglichst unauffällig an dem Urker vorbei, mach mir was zum Frühstück und gehe damit an Deck, wo andere das gleiche tun. Außer Metatron, der frühstückt nur Nikotin und Koffein. Neben uns auf der Promenade ziehen in malerischer Weise Urker vorbei und glotzen blöd. Wir glotzen zurück. Bin froh, dass ich was esse, sonst müsste ich jetzt wieder "My father was my uncle" singen. Irgendwer hat Postkarten von Urk gekauft. Da gab es so auf historisch getrimmte, wo eine dreiköpfige Familie in... rustikalen Trachten drauf zu sehen war. Und wir konnten es nicht in Worte fassen, aber irgendwie sahen die... komisch aus. Besonders die Frau. Irgendwie... bäuerlicher als normale Bäuerinnen. Irgendwie... männlicher... so im Gesicht. Genau genommen hatte sie das Gesicht von Christian Tramitz. Hm...

 

Champagnerdeck

Die Champagnerdeck-Sonnenanbeterfraktion: Sabina, Fox, Lixa und Beri. Niniel fehlt unentschuldigt.


Skeptisch beobachten wir, wie der Bootsmann, der inzwischen geweckt worden ist, mit dem Hafenmenschen in dem Gebäude gegenüber verschwindet. Wenn der in zwanzig Minuten nicht wieder draußen ist, bilden wir ein Sonderkommando und holen ihn da raus. Wir haben schließlich Säbel, Küchenmesser und Regenschirme. Und Foxens Kaffee. Wenn man zu dem "Fass!" sagt, kriegt der bestimmt Beine. Meine Herren, für das Zeug brauchte man auch einen Waffenschein. Ich dachte ja, Stinakaffee wäre nicht mehr steigerungsfähig, ich hatte mich geirrt. Ich sach' mal: In Kombination mit ner gescheiten Feder hätte man den gut als Eisengallustinte verkaufen können.
Aber ich schweife ab. (Was wohl eher dienlich ist, weil ich die Fotos gesichtet habe, die ich gern in diesem Eintrag unterbringen möchte. Und so ein gewisses Verhältnis von Bild und Text möchte man als engagierter Blogger ja doch einhalten.)

 

Milad

Milad in Klamotte am Bug.


Tatsächlich gibt die Hafenaufsicht Liebelein irgendwann wieder frei, und ich weiß bis heute nicht, was sie überhaupt von ihm wollten. Vielleicht fanden sie ja unser Boot Schiff zu dreckig, denn kurz darauf drückt er Nimiel und mir einen Schrubber in die Hand und zu dritt machen wir uns daran, von der Promenade aus den Schiffsrumpf zu putzen. Die Soeverein soll noch mehr strahlen.
Danach wird das Schiff mit der tatkräftigen Unterstützung von Udo losgemacht und der Motor wird gestartet. Worüber wir ganz froh sind. Denn so liebenswert schrullig zumindest mir dieser Ort erschienen ist - ein bisschen suspekt sah der Trupp von einem knappen Dutzend Urkern, der sich in der Nähe formiert hatte, schon aus. Órin freut sich ja über den vermeintlichen Mob, aber ich habe schon in der sechsten Klasse von Daniel Defoe gelernt, dass man sich mit Eingeborenen nicht anlegen sollte.

 

Schrubben

Aktion "Unser Schiff soll schöner werden"


Kaum sind wir aus dem Hafen raus, werden wieder Segel gesetzt. Also Schoten anziehen und rote, blaue und weiße Seile nachlassen. Welche Schoten? Órin denkt an Chili, ich an Erbsen. Es ist ja ein Jammer, aber wir haben's noch nicht ganz gerafft, wann wir welche Seile anziehen müssen und welche nachlassen. Da Liebelein aber irgendwie davon auszugehen scheint, dass wir das wüssten, werden seine Gesten dahingehend leider immer knapper. Letztendlich stellen wir uns mit einer Mischung aus Intuition und Lotteriespiel an eines der Seile und liegen immerhin in den meisten Fällen noch richtig.



Segel gesetzt

Bald darauf segeln wir und können uns so dem herrlich entspannenden Alltag widmen, in dem sich bereits eine gewisse Rollenverteilung herauskristallisiert hat: Sabina, Fox, Lixa, Niniel und Beri liegen beim Zapfhahn neben dem Champagnerdeck. Dort ist die meiste Sonne und die größte Ruhe, Liebelein kommt öfter vorbei, man hat einen guten Überblick über Schiff und Umgebung und die Liegestühle sind einfach bequem. Treofan und Aki fotografieren, Gurthang liest, Milad näht, der Rest betreibt intensives und kreatives Rumhängen. WüRa hat an diesem Tag die Nase von ihrem Mittelaltermarkthemd voll und säbelt die Ärmel ab. Das Ergebnis ist ziemlich cool. Treofan und Eesti stülpen sich die Ärmel über den Kopf. Warum werde ich wohl nie erfahren.

WueRa

Beri schert manchmal aus der Sonnenfraktion aus, steckt sich die Stöpsel ihres MP3-Players ins Ohr und macht dann allein Party.

Beri

 

Und so nach und nach begibt man sich wieder in die Klamotte.

24.07.2008 um 22:25 Uhr

Segeltörn 2008 - Urk - My father was my uncle, my uncle was my father...

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Montag, 23. Juni 2008 (3/3)

 

Hafen von Urk

Im Hafen von Urk, die Soeverein von hinten.


Milad ist wieder nach klettern zumute, also lassen wir den Bootsmann noch einmal die Gurte holen, denn diesmal soll es rauf ins Krähennest gehen, und in diese Höhe möchte man wirklich nicht ungesichert klettern. Allerdings lässt er uns da nicht gemeinsam hoch. Denn, so sein Argument, sollte irgendwas passieren, braucht er ja auch einen Gurt, um uns zu retten, und es gibt an Bord nur zwei. Das leuchtet uns ein.
Dennoch beschließen wir, es nicht darauf anzulegen, von ihm gerettet zu werden, auch wenn das sicher seinen Reiz gehabt hätte. Ich lasse Milad den Vortritt und beobachte sie eine Weile, dann macht sie es sich auf der Plattform gemütlich, während ich unten ein wenig herumschlendere. Als sie wieder herunterkommt, lege ich den Gurt an, soll ihn allerdings noch mal vom Bootsmann überprüfen lassen, ehe ich mich nach oben begebe. Das wiederum dauert eine Weile, denn in der Zwischenzeit hat der begonnen, sich von Nimiel massieren zu lassen, und ich will die beiden wahrlich nicht stören. Heh.

 

Bram wird massiert

Massagesalon Nimiel


Hinterher hab ich mir erzählen lassen, dass einer der lurkenden Urker gefragt hat, wieviel sowas denn kosten würde, woraufhin Liebelein den fiktiven Preis von 70 Euro genannt hat, den der Urker prompt bezahlt hätte, hätte Nimiel nicht empört abgewinkt.
("My father was my uncle...")

Urk - Wellen



Der Weg nach oben zum Krähennest wurde zu dem Zeitpunkt schwer, als das Netz etwa einen Meter unter der Plattform aufhörte. Dann musste man sich durch die Metallverstrebungen zwängen, auf den schrägen und rutschigen Dingern dann irgendwie genügend Halt finden, um sich aufzurichten und oben nach etwas zu greifen, woran man sich hochziehen konnte. Ich muss gestehen, dass meine Arme zu diesem Zeitpunkt gezittert haben, denn es war wirklich beeindruckend hoch, und auch wenn ich gesichert war, hatte ich doch wenig Ambitionen zu testen, wie es sich anfühlt, in dieser Höhe nach einem anderthalben Meter freiem Fall am Sicherheitsgurt etwa zwölf Meter (?) über dem Deck zu baumeln. Oben war es dann jedoch wirklich schön, wenn auch etwas zugig. Man hatte einen herrlichen Überblick über die Strandpromenade und die Dachterrasse des Restaurants gegenüber. Höher zu klettern habe ich mir allerdings doch verkniffen und auch so hatte ich wenig Ruhe, denn ich hatte schon Bammel vor dem Weg nach unten. Hätte ich gewusst, dass der sehr viel einfacher sein würde als der Aufstieg, wäre ich vielleicht doch noch länger oben geblieben, und hätte einen der schönsten und meistfotografierten Sonnenuntergänge des Törns aus dieser Höhe betrachtet.

 

Centi auf Mast


Wenn ich mich recht entsinne, war es der Mehrheit von uns dann auch zu kalt, um uns wieder in die Schlampenklamotten zu werfen, und so blieben wir in Zivil und ließen uns von Foxens Cocktails und Akis Baileys durchwärmen. Obwohl uns eigentlich die Urker Reaktion auf uns interessiert hätte. Einzig Niniel (= Melanie, nicht zu verwechseln mit Nimiel) legte die Klamotte an, aber sie sah man ohnehin selten in etwas anderem als ihren manigfaltigen und recht authentisch wirkenden stylischen Gewandungsdingen. In diesem Aufzug machte dann Fox von ihr Schlampenbilder unter einer Laterne vor dem Sonnenuntergang. Ich hab die Bilder leider noch nicht gesehen, aber das Making Of war schon mal großartig.

Cocktails

Cocktails für alle!
Man beachte auch das Restaurant gegenüber, das an diesem Abend direkte Aussicht auf unser Deck hatte.

Irgendwann geht man dann an solch gemütlichen Abenden die Lieder durch, die man so kennt, und Órin und Eesti kommen auf "Laudate omnis gentis", in dem ich freilich "Laudate omnis Centis" zu verstehen meine, woraufhin man mir ein solches huldvolles, wenn auch grammatisch falsches, Ständchen bringt. Harrr, ich gründe eine Religion!
Gegen Mitternacht wird dann noch Sabines Geburtstag gefeiert, ehe man erst wegen der Kälte von draußen nach drinnen und dann wegen der fortgeschrittenen Stunde in die Kabinen wechselt.

 

Sonnenuntergang


Ich konnte mich nicht für eins der beiden Fotos entscheiden...

 

Sonnenuntergang in Urk

 

24.07.2008 um 21:47 Uhr

Segeltörn 2008 - Urk - Wo Mama und Papa noch Bruder und Schwester sind.

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Montag, 23. Juni 2008 (2/3)

Kurz vor dem Hafen werden in bewährter Manier die Segel eingeholt und Milad und ich schauen uns die Arbeit aus sicherer Entfernung an. Der Motor wird gestartet und Liebelein weist uns an, von der Plattform zu kommen, weil wir bald anlegen. Wir lieben den Bootsmann, wenn er autoritär ist. Fröhlich

Unser Anlegeplatz befindet sich direkt an der Promenade von Urk, quasi der Vlaniermeile (sic.), wo abends anscheinend ganz Urk mit Fahrrad, Auto, Mofa oder zu Fuß vorbeizieht und uns begafft. Enormen Gaff-Faktor hatte auch das Restaurant gleich gegenüber. So gern wir verdrängen, dass es vor uns schon Menschen auf der Soeverein gegeben hat (wie wir auch verdrängen, dass es nach uns welche gibt), so sind wir doch ziemlich sicher, dass wir nicht die ersten Nicht-Urker sind, die diese Menschen, diese wunderbare große Familie (*grins*), zu Gesicht bekommen, und doch fühlen wir uns so begafft, als wäre das so.

Im Hafen von Urk

Im Hafen von Urk, zwischen Promenade und Wasser.


Doch nicht nur von den menschlichen Bewohnern der ehemaligen Insel werden wir begafft, auch die Spatzen finden uns wahnsinnig interessant. Wir sind leicht zu begeistern, und so squeen Hoppi und ich die niedlichen Federkügelchen an:

Wir: "Das Bauchi!" "Und so flauschig!" "Und die X-Beine!"
Órin: "Ihr redet grad hoffentlich nicht von einem Teilnehmer, oder?!"


Die waren aber auch niedlich, wie sie immer näher hüpften, auf den glatten Tischen dann schnell ins Rutschen kamen und dann mit den Flügelchen flatterten, um nicht vom Tisch zu fallen.

 

Spatzen füttern

 

Hoppi beim Füttern der Spatzen.

Skipper und Bootsmann verlassen uns für eine Weile, um Dinge mit der Hafenaufsicht zu klären. Welche auch immer das sein mochten. Nach dem, was sie uns über den Ort erzählt haben... Das war ohnehin nicht ganz produktiv gewesen. Hätten sie uns nicht gesagt, dass das hier mal eine Insel gewesen war und dass hier dementsprechend alle gleich aussehen, hätten wir das vielleicht nie bemerkt. So waren die Anzeichen natürlich offensichtlich, und immer, wenn irgendwie seltsam aussehende Urker an unserem Schiff vorbeischlenderten, hatte ich dieses dumme Lied im Kopf: "My father was my uncle, my uncle was my father..."
Das ist ne Weile ganz witzig. Jedenfalls so lange, wie man bedenkt, dass diese Leute vielleicht auch Englisch sprechen, und womöglich verstehen, was man da unwillkürlich vor sich hin singt, wenn man sie sieht. Naja, ich nehm mal an, ich war leise genug.

Irgendwann waren Schätzeken (Den Namen des Skippers konnten wir uns auch nicht von Anfang an merken.) und Liebelein aber wieder zurück, und letzterer zeigte dann unseren Biertrinkern, wo sie ihre Vorräte auffüllen konnten. Das 50-Liter-Fass, das eigentlich hätte für die ganze Reise reichen sollen, war zu diesem Zeitpunkt nämlich schon leer. Bei wie vielen Biertrinkern? Sechs? Respekt!
Womöglich rührte das von der interessanten Sitte der Anlegebierchen her. Stößchen!


Bier erlegt!

Liebelein, Metatron und Gurthang haben Bier erlegt!


Nach ihrer Rückkehr gehen wir jedenfalls dazu über, die Spatzen zu füttern, in dem Versuch, sie aus der Hand fressen zu lassen. Kartoffelchips. Und Liebelein und Hoppi ist das sogar gelungen, wenn ich mich recht entsinne.

23.07.2008 um 22:49 Uhr

Segeltörn 2008 - von Medemblik nach Urk

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Montag, 23. Juni 2008 (1/3)

Tag drei auf dem schönsten Schiff der Welt. Wir frühstücken so gegen neun wie immer. Die meisten sind zu dem Zeitpunkt da, andere tröpfeln dann später ein, spätestens wenn wir ablegen. Denn auf offener See sollte sich keiner von uns unter Deck aufhalten - sollten wir entgegen allen Wahrscheinlichkeiten nämlich doch sinken, wird es dort unten gefährlich. Aber an Deck war es ja auch eh schöner. Der Strom ist an diesem Morgen ausgefallen. Das sollte an Bord noch öfter passieren, denn der Generator macht's wohl nicht mehr lange. Meistens dauern diese Ausfälle nur ein paar Minuten, bis jemand Skipper oder Bootsmann (Liiiebelein!) Bescheid sagt, aber an diesem Morgen war halt außer uns niemand wach, und so haben wir den Kühlschrank eben mit Hilfe von sehr stylischen Kerzenständern geleert.

 

Medemblik


Wenn ich mich recht entsinne, und den Tag nicht verwechsle, hatte Órin an diesem Morgen die grandiose Idee (*hüstel*), die Forumscrew mit dem allseits beliebten Happy-Morning-Song zu wecken. Groß genug waren unsere Lautsprecherboxen ja. (Vorsicht, Ohrwurmgefahr!)

 

 

Aki - Mast

Aki tut alles für ein gutes Foto. Auch in schwindelerregende Höhen klettern.


An diesem Tag ist es schon merklich kühler, als wir ablegen, deswegen lassen die meisten ihre Gewandungen im Zimmer. Ich muss an dieser Stelle mal anmerken, dass es schon ziemlich praktisch ist, das Zimmer immer dabei zu haben, wenn man herumreist. Ich hatte beispielsweise zwei prall gefüllte Taschen dabei, eine für größtenteils Arbeitsklamotten und eine für Gewandungsteile, und ich hab mich tagsüber öfters umgezogen und kaum etwas unbenutzt zurückgenommen. (Und das waren dann mehrheitlich die praktischen Dinge; Man kann nämlich auch in "Gewandung" arbeiten, nech?) Wir waren auch froh, dass die Dreierkabinen nur mit höchstens zwei Leuten besetzt waren, denn ohne das freie Bett hätten wir beim besten Willen nicht gewusst, wohin wir die Taschen packen sollten, es war in diesen gemütlichen Zimmerchen nämlich überhaupt kein Platz dafür. (Aber 18 Toiletten!)

 

vom Mast aus


Weil's jedenfalls etwas frischer ist, verbringen dann die meisten Forumscrewler die meiste Zeit drinnen im Aufenthaltsraum. Milad näht weiter an ihrem Kleid, ohne Sonnenbrille diesmal, Aki liest Pratchett oder schaut sich Bilder auf seiner Kamera an, Gurthang liest Schiffs-Romane, Eesti macht irgendwas Hausaufgabenähnliches, Metatron wurde beim Rauchen in einer beeindruckend orangenen THW-Jacke gesehen und Fox klettert auf den Mast hoch. Immer mal wieder geht man übers Deck, schaut gen Horizont, begutachtet andere Schiffe, geht zum Bug, aufs Champagnerdeck und zu den Kanonen.

Ich habe den Tag trotz Kälte draußen verbracht und jemanden gesucht und in Nimiel gefunden, dem ich noch ein paar Tanzschritte beibringen konnte - ich bin so eine Tyrannin. Im Anschluss daran hat dann Milad jemanden gesucht und in mir gefunden, mit dem sie sich bei voller Fahrt auf die Plattform vorn am Bug setzen kann, freilich mit einem Sicherheitsgurt versehen. Dick eingepackt sitzen wir also dort vorn und schauen voraus aufs Meer, lassen uns den Wind um die Nase wehen und finden's nur toll. Hin und wieder wetten wir, dass wir eines der kleineren Schiffe rammen werden, aber sie drehen doch noch rechtzeitig ab. Mich friert ein bisschen, aber ich werde den Teufel tun und diese Plattform verlassen, ehe ich nicht muss! Vergnügt stimmen wir ein herzlich gegröltes "I am sailing" an und lassen die Beine baumeln. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, die Plattform wäre knapp fünf Meter über der Wasseroberfläche und war ganz entspannt. In Wirklichkeit waren das wohl aber etwa 12 Meter, die bei einem eventuellen Fall ziemlich weh getan hätten, aber was man nicht weiß...

 

Centi und Milad am Bug


Ursprünglich wollten wir an diesem Tag wohl nach Texel. Für mich sind Namen ja Schall und Rauch, und so war mir das egal. Ich hab mir nur hinterher erzählen lassen, dass man wohl umdisponiert hat...

Skipper:"Texel ist jetzt blöd. Denn da ist eine Flotte *zeig* und dort auch *zeigzeig* und wenn wir dorthin fahren *zeigzeigzeig*..."
Órin "Können wir sie von da angreifen?"
Skipper: *grins*

 

rauben, plündern, brandschatzen

Falathar, Treofan, der Skipper und Órin planen.

Deswegen, und weil der Wind grad günstig war (Ist das nicht toll? Weil der Wind uns gerade in diese Richtung geweht hat!) hat man sich letztendlich für Urk entschieden.

"Der Wind hat gedreht. Wir könnten da nach Urk fahren. Da waren wir lange nicht. Mit Schulklassen fahren wir dort nicht mehr hin. Alles sehr gläubig. 21 Kirchen. Man sieht, dass es mal eine Insel war - sehen alle gleich aus. Aber sind reich. Millionäre. Denen gehört die größte Fischfangflotte der Welt. Und vor 2 Jahren haben die mal nen Türken, der es wagte, mit einer Einheimischen anzubändeln, mit 300 Mann aus dem Dorf getrieben..."
Reaktion des Forums "EIN MOB! Wir wollen auch einen Mob!" "Yeha - Rauben, Plündern, Brandschatzen!"
Skiper: :smirk:

[Zitiert nach Órin]


So segeln wir also gen Urk und folgen dem alten Ruf "Urk - come to where the Inzucht is."

 

[Ich nutze die Gelegenheit und erwähne, dass die Bilder nicht alle von mir sind, sondern größtenteils von Akildare, Wüstenratte, Nimiel und Treofan stammen.]

21.07.2008 um 20:35 Uhr

Segeltörn 2008 - von Enkuizen nach Medemblik

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Sonntag, 22. Juni 2008 (1/1)

Ich weiß wirklich nicht mehr, wohin wir am zweiten Tag segeln wollten. Tatsächlich hab ich mich während des Törns keinen Deut darum geschert, wie der jeweilige Hafen hieß, oft genug wusste ich es auch überhaupt nicht. (Urk ist eine Ausnahme, aber dazu kommen wir ja später.) Und ein (B)Log-Buch hab ich diesmal ja auch nicht geführt. Deswegen bin ich gerade recht froh, dass meine Mitsegler ihre Fotos größtenteils nach Tagen sortiert haben, denn auf diese Weise hab ich ein paar Anhaltspunkte, was an welchem Tag passiert ist und wo zum Geier wir denn überhaupt waren.

 

Segeln


Am zweiten Tag jedenfalls segelten wir letztendlich von Enkhuizen nach Medemblik. Ob wir das so vorgehabt hatten oder ob uns der Wind dann in diese Richtung geweht hat, weiß ich nicht mehr. Für das Frühstück entschieden wir, ein kleines Buffet im Aufenthaltsraum aufzubauen, Geschirr und Besteck aber in der Küche zu lassen. Ein ausgewogenes Verhältnis von Service und Selbstbedienung, wie das so im Allgemeinen an Bord üblich wurde. Das Frühstück selbst war recht reichhaltig und bestand aus Dingen wir Müsli, Cornflakes und Toastbrot mit Erdnussbutter, Nutella und Banane. Jedenfalls für mich; Andere streuten sich diese Schokostreusel aufs Toastbrot, auf deren Geschmack ich für meinen Teil nicht sonderlich gekommen bin.

 

Waschmaschine

Dies ist keine Waschmaschine, sondern das Bullauge in Nimiels und meinem Zimmer.


Kurz nach dem Frühstück wurde dann wieder der Motor angeworfen und wir legten ab, fuhren ein Stück aufs Meer hinaus und setzten dann die Segel. An diesem Tag schon ein bisschen weniger holprig als am Vortag und diesmal auch mit mehr Erfolg, denn der Wind war an diesem Tag wirklich beeindruckend. Beeindruckend schon für uns. Für die kleineren Yachten, vom Bootsmann liebevoll Jogurtbecher genannt, aber auch nicht ganz ohne. Irgendwo mitten auf dem Meer trieb beispielsweise so ein Bötchen, das Mastbruch erlitten hatte.

Windig!

Windig!


Es war dennoch recht viel los auf dem Meer, vermutlich wollten alle den Sonntag, das gute Wetter und den Wind ausnutzen, hätten aber zu einem Großteil besser zuhause bleiben sollen. Eines dieser Pornoboote kreuzte denn auch recht gefährlich unseren Weg, sein Mast hätte uns beinahe erwischt. (Sah zumindest für mich so aus.) Reaktion des Flachwasserseglers war dann, die schöne Soeverein zu beschimpfen, weil wir nicht ausgewichen sind. (WTF!) Der Möchtegernkapitän hat uns mit einem "Wir sehen uns im Hafen" gedroht und eine ich-schneid-dir-die-Kehle-durch-Bewegung gemacht. Als wären wir davon beeindruckt gewesen. Immerhin hatten wir achzehn Toiletten und einen Beamer! Und Attrappen-Kanonen und nicht zu vergessen die Piratenflagge. Wir hatten dann schon geplant, uns im Hafen piratenmäßig auszustaffieren und die Entermesser und Pistolen bereitzuhalten, aber der Depp kreuzte dann natürlich nicht mehr auf. Vielleicht ist er ja letztendlich doch gekentert, was ziemlich ungünstig für die Besatzung gewesen wäre, denn keiner von ihnen hat bei diesem Wind (Windstärke 8 mit 9er Böen) eine Schwimmweste getragen. Darwin lässt grüßen.

Dumpfbacke!

Depp.


Was sonst noch so geschah: Ich habe eine Hummel aus einem Spinnennetz am Bug gerettet, die uns dann den restlichen Tag begleitete, bis wir anlegten. Órin hat obskure Spielsachen ausgepackt und dann hat erst mal die Hälfte der Besatzung versucht, einen Ton aus der Peitsche rauszukriegen. Es ist übrigens keinem so recht gelungen.
Außerdem haben wir uns zum wiederholten Mal den Namen unseres Bootsmannes nicht merken können. Er war nun wirklich nicht kompliziert, aber die Aussprache war seltsam und es mangelte uns wohl an dem geschriebenen Wort, wir haben ihn daher kurzerhand in Liebelein umbenannt. Es sollte sich in Zukunft herausstellen, dass er auf diesen Namen dann auch weitaus besser hörte als auf seinen richtigen. Kähä.

 

An Deck

 

Nach dem Anlegen haben wir dann zur Abwechslung ein bisschen posiert und getanzt, im Gegensatz zu den Tagen, an denen wir getanzt und posiert haben. Nimiel hat mit mir noch mal den Säbeltanz wiederholt, in Ermangelung von tanzgeeigneten Säbeln mit bunten Regenschirmen, was immerhin eine Steigerung zu den Krücken darstellte, mit denen wir das das letzte Mal probiert hatten.
Außerdem hat es an dem Tag unseren Steg verbogen, weil sich das Schiff nach dem Festmachen doch mehr bewegt hat als berechnet. War schon beeindruckend zu sehen, wie es diese metallene Brücke langsam aber unaufhaltsam krummgebogen hat, bis wir sie endlich gerettet haben.

 

Nimiel mit Pistole

Hoppi mit Rum

 

 

 

 

 

 

*posier*

Allgemeines Posieren.

 

 

17.07.2008 um 21:34 Uhr

Segeltörn 2008 - Fahrt nach Enkhuizen

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Samstag, 21. Juni 2008 (2/2)

Der Motor wird also gestartet und wir legen ab. Was mich zunächst ein wenig irritiert hat. Denn ja, ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich naiv genug war, mir gar nicht zu überlegen, dass dieses Segelbootschiff einen Motor haben könnte, auch wenn das bei genauer Betrachtung natürlich völlig logisch ist. Eigentlich sogar zwei, denn der Generator, der das Schiff mit luxuriösem Strom versorgt, läuft ja auch immer.

Wir legen also ab und fangen an, uns einzurichten. Ich helfe, ein paar Einkäufe zu verstauen, viel gab es da aber nicht zu tun. Es gibt an Bord dieses Schiffes, wie sich noch herausstellen wird, immer Leute, die vor einem schon da sind und irgendwas helfen. Ich kann so nicht!) Die Lebensmittel sehen nicht nur lecker sondern auch noch gesund aus. Und die Leute, die das Schiff gerade verlassen haben, haben uns Grillreste dagelassen, die wir nun zwischen Tür und Angel auf ein paar Toastbrotscheiben verzehren. Andere essen probeweise schon mal etwas vom Vla. (Ich werde ja immer mit Steinen beworfen, wenn ich es mit "Tetrapackpudding" umschreibe, aber wenn man so will, könnte man es eigentlich schon so nenn.... binjaschonruhig.)

Was uns ein kleein wenig irritiert ist diese eine Schleuse, bei der relativ plötzlich unter der Wasserstraße eine Straße für Autos verläuft.

Schleuse

Ich krieg bei diesem Bild ja immer einen Knoten ins Hirn...


Dann sind wir auf dem Meer und tun eine Weile das, was wir in den nächsten Tagen immer tun, wenn wir auf See sind, nämlich alles und nichts. Genaueres vielleicht in einem späteren Eintrag. Fröhlich

Auf halber Strecke zwischen Lelystad und Enkhuizen bekommen wir vom Bootsmann - Neben dem Skipper der zweite Mann, den wir zum Schiff dazugemietet haben. Wie das wieder klingt. - eine Einweisung dazu, wie man Seile loszumachen und wieder festzumachen hat. Bald darauf wird dann der Motor abgeschaltet und er weist uns an, diese und jene Seile locker zu machen. Dort hinten will er so und so viele, da so und so viele und die dort möchten bitte ziehen und die hier vorn nachlassen. Wir stellen uns alle noch ein wenig linkisch dabei an, es geht ein wenig schleppend, aber bald darauf sind drei Segel gesetzt.


Seile dingsen!

Ich ergattere mir den entspannten Posten beim Nachlassen. Die Ziehenden sind schon weniger gut dran,
denn mangels Taktik hängen sie ziemlich in den Seilen. Wasn Wortwitz.

 

Wir könnten jetzt segeln.
Wenn Wind ginge.

Doch der Wind, den wir uns die ganze Zeit bisher um die Ohren haben wehen lassen, war ganz allein Fahrtwind. Und so liegen wir eine ganze Weile im Wasser, ohne dass sich etwas tut. Was freilich niemanden von uns stört, denn ob das Schiff fährt oder nicht tut der allgemeinen Entspannung und dem Flair keinen Abbruch.
Aber irgendwann wollen wir ja noch ankommen, also weist uns der Bootsmann an, die Segel wieder einzuholen, oder genauer gesagt schickt er wieder so und so viele zu diesen und jenen Seilen, um sie diesmal anzuziehen, während die anderen Seile losgelassen werden und danach bitte alles wieder festmachen. Der Bord-Alltag geht weiter und irgendwann kommen wir in Enkhuizen an. Wir machen einen kleinen Ausflug in das Städtchen und sind ob dessen Niedlichkeit entzückt und ausgesprochen angetan. Lange hält es uns dort allerdings nicht. Wir wollen zurück zum Boot Schiff, um unser Abendessen einzunehmen und uns dann in die Klamotte zu werfen.
Man läutet damit eine unserer Lieblingsbeschäftigungen ein: Das Posieren.

 

Posieren zu viert

 

Allein, zu zweit, zu mehreren, irgendwo an Deck oder auch gern auf der Plattform am Bug.

 

Posieren - Centi und Milad


Ich finde später sogar noch ein paar willige Mittänzerinnen, dann klingt der Abend gemütlich aus.

17.07.2008 um 19:00 Uhr

Segeltörn 2008 - Ankunft im Hafen von Lelystad

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Samstag, 21. Juni 2008 (1/2)

Meine erste Ankunft fand nach einer echt kurzen Nacht gegen 6:30 in der Tiefgarage statt, wo ich Bilbo anwies, nach Willich zum allgemeinen Treffpunkt zu fahren. Ich hab ihm den Atlas vor die Scheinwerfer gehalten und ihm erklärt, wo er hinmuss, dann hab ich mich dekorativ hinters Steuer gesetzt und gepennt. Ich wachte auf, als wir von der Autobahn runter waren und bin gleich mal am Treffpunkt vorbeigefahren, weil ich mir das alles größer vorgestellt hatte. Also ein Stück weitergefahren, bis sich die nächste Wendemöglichkeit auftat. Dort kam im Moment meines Einbiegens just Nimiel angelaufen, direkt auf meine Beifahrertür zu. "Jo, nur für dich bin ich hier hingefahren, steig ein!" Fröhlich

Zurück zum Treffpunkt, bekannte User geknuddelt, unbekannte begrüßt und darauf hingewiesen, dass ich mir ihre Namen nicht merken werde. Jedenfalls nicht sofort.
[Ich nehme das als Ankunft und als Anlass, in der Zeitform zu springen.]

Bald ist der Bus da und als letztes kommt Órin an, die einen ganzen Kofferraum voller Lebensmittel mitgebracht hat. Beeindruckender Anblick. User, Lebensmittel und Gepäck werden in den Bus geladen und man macht sich auf den Weg nach Lelystad. Wir sind knapp zwanzig Leute im Bus, es ist also mehr Platz als genug. Beri hat nen Laptop dabei und mein rechter Zeigefinger zuckt. Ich nutze die Zeit aber effektiv, um meine Bluse näherisch zu reparieren, was ich bis dahin nicht geschafft hatte. Erster Eindruck der Niederlande (Ich bin hier nur einmal vor Jahren durchgefahren, als ich mit der Schulklasse auf dem Weg nach London war, im Halbschlaf.) war ausgesprochen positiv. Ich mag die Art, wie sie ihre Häuser bauen (nicht die auf Rädern) und die Landschaft... okay, davon haben sie nicht viel, aber was sie davon haben, ist hübsch.

 

Galionsfigur

Die Galionsfigur.


Mit Nähen, Gesprächen und ein wenig Gesinge (Gegröle. Arrogant Worms.) vergeht die Fahrt unheimlich flott und bald sind wir in Lelystad, wo man Werbung für die Batavia macht. Pfft, Batavia. Der Busfahrer schmeißt uns raus und verschwindet, Teile von uns pilgern zum Boot Schiff, Hoppi und ich bewachen zunächst noch das Gepäck und kommen dann, als die Ablösung kommt, nach. Das Gepäck wird erst mal achtlos aufs Deck geschmissen und wir erkunden mit tellergroßen Augen das Schiff. Auf dem oberen Deck gibt es Liegestühle und einen Zapfhahn, auf dem unteren viele Bänke und Tische und Kanonen (auf dem zweiten Blick aus Holz, aber hey), eine Luke, insgesamt viel Holz und viele Seile - wir finden's saucool.

 

Das Deck wird erkundet

Allgemeines Deck-Erkunden.

Der Eindruck verstärkt sich drinnen noch, die Innenräume sind ein Traum. Eine Saloon-mäßige Bar mit Spiegel hinterm Thresen und vielen Kühlschränken drumrum, eine riesige usergerechte Küche mit allem, was man so braucht, ein toller riesiger Aufenthaltsraum mit einem gemütlichen Sofa und Fenstern (wir sind leicht zu begeistern, okay). Fünfzehn Kabinen für zwanzig Forumsuser - ausgezeichnet, so hat man in jedem Fall ein Bett frei, auf dem man Taschen und Sachen lagern kann, viel Platz ist darin nämlich nicht. Aber jede Kabine hat eine Dusche und eine Toilette und eine Luke. Insgesamt hat das Schiff 18 Toiletten. Achzehn! Und einen Beamer. Dieses Schiff ist großartig.

 

Sofa im Aufenthaltsraum

Das Sofa im Aufenthaltsraum. Ort der Begegnung, des Schlafes und der tiefsinngen Gespräche.


Stelle fest, dass ich oben schlafen werde (eine Pritsche, die quer über den beiden anderen Betten hängt) und keine Bettwäsche habe, aber darum kümmere ich mich später. Erst mal wieder hoch, der Skipper will seine Begrüßung und die allgemeinen Hinweise runterrattern. So sitzen denn bald zwanzig mir mehr oder weniger bekannte mehr-oder-weniger-Forumsuser da und lauschen gespannt den Unterweisungen des Skippers, die größtenteils aus hygiensichen Unterweisungen bestehen. Was in die Toilette darf und was nicht und wie lange man duschen darf, um den Wasservorrat nicht unnötig zu strapazieren. Außerdem dass man keine zwei Föhne auf einmal benutzen soll, weil das Stromnetzdings das nicht aushält, und dass Akkuladegeräte aber kein Problem sind und derlei eben.
Er erklärt uns auch, dass das Schiff Deckaufbauten von sieben Metern Höhe hat, während das Ijsselmeer zwei Meter fünfzig tief ist. Sollten wir also sinken, nehmen wir das Bierfass von der Bar unten und schließen es an den Zapfhahn oben an. Und dann machen wir Party, bis wir trockenen Fußes von der Seenotrettung evakuiert werden.

Zapfhahn

Der Zapfhahn auf dem Champagnerdeck.


Danach wird der Motor gestartet und wir legen ab.

17.07.2008 um 18:10 Uhr

Forumssegeltörn 2008

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Legolas Greenleaf long under tree
In joy thou hast lived, beware of the Sea!
If thou hearest the cry of the gull on the shore,
Thy heart shall then rest in the forest no more!
 

Soeverein in Volendam


User des Forums machten sich vom 21. bis 28. Juni in die Niederlande auf. Sie kaperten mieteten das schönste Schiff der Welt und stachen in See.


Und inzwischen fühle ich mich auch "angekommen" genug, um endlich darüber zu bloggen. Tagebuch habe ich diesmal keins geführt, daher sehe ich mal, was ich aus dem Gedächtnis zusammengezimmert bekomme, Konzept hab ich jedenfalls keins. Man lasse sich überraschen.

14.07.2008 um 20:02 Uhr

Schon wieder klempnern

Applaus!
Die Sache mit dem Kreuzsschlitzschraubenzieher neben der Dusche hatte sich kurzzeitig erledigt.
Da ging nämlich gar nichts mehr.

Ich wollte gestern Abend duschen und hatte gerade das Wasser ein bisschen aufgedreht, als sich gar nichts mehr tat. Der Hahn ließ sich nicht mehr zudrehen, aber auch nicht mehr ganz auf. Und die Schraube, mit der man den Griff hätte lockern können, hatte statt des Kreuzschlitzes in der Mitte nur noch ein halbwegs rundes Loch, das dem Schraubenzieher keine Angriffsfläche mehr bot. Waschen war danach also nur noch ganz reanactmentmäßig am Waschbecken. Wobei man vor dem Wassereinlassen immer den Haupthahn aufdrehen musste - währenddessen tröpfelte dann die Dusche - und dann wieder zudrehen. Selbiges galt fürs Wasser in der Küche. Hng, hng, hng. Moderne Technik und so.

Ich war schon kurz davor, zum Baumarkt zu gehen und einfach eine neue Duscharmatur zu besorgen, entschied mich aber gegen Weg und Menschen und fürs Heimwerken. Habe heute also das Werkzeug aus dem Auto geholt, die Wasserpumpenzange mit nem Lappen umwickelt und die Armatur abgebaut. Der Haupthahn war bekanntlich noch zu. Dann mit ein bisschen roher Gewalt und "Hng, das muss doch gehen, komm schon, du Drecksteil!" den Griff abgeschraubt. Danach alles in Essig eingelegt - Schnittverletzung plus Essig ist gleich Aua - und mit einer neuen Schraube wieder zusammengesetzt. Dann ist mir eingefallen, dass ich mir den Schruz mit der Wasserpumpenzange schenken kann, weil ich einen passenden Schraubenschlüssel besitze, habe die Armatur wieder eingesetzt und tadaa - es funktioniert wieder. Leidlich, aber ich kann den Haupthahn offen lassen. Man merkt erst, wenn man so ein umständliches Prozedere auf sich nehmen muss, um Salat zu waschen (Ins Bad gehen, Haupthahn aufdrehen, über die tröpfelnde Dusche die Augen verdrehen, in die Küche gehen, Salat waschen, ins Bad gehen, über die tröpfelnde Dusche die Augen verdrehen, Haupthahn zudrehen, in die Küche gehen.), was man an einem dauerhaft aufgedrehten Haupthahn hat, jawohl!

(Der Kalender hängt immer noch nicht wieder, weil ominöser Weise der Hammer nicht in der Werkzeugtasche war.)

10.07.2008 um 21:57 Uhr

Das Bild hängt schief.

don't panic
Wenn einem langweilig ist, sollte man sich ein tolles neues Spiel besorgen. Weniger, weil das Spielen an sich die Langeweile vertreiben würde, sondern viel mehr, weil drumherum so viel interessante Dinge passieren können.

Beispielsweise dass die Post das Spiel verschlampt, das man sich bei Marketplace bestellt. Die ist in der Zeit ohnehin zu neuen Höhen aufgestellt und hat mir innerhalb von vielleicht zwei Monaten von fünf an mich addressierten Päckchen immerhin zwei Stück ausgeliefert. Trefferquote von 40%. Wie hoch ist sie bei Russisch Roulette?
Der zweite Händler hatte das Spiel dann gar nicht mehr, was ihm aber auch erst zwei Werktage nach der Bestellung auffiel. Nuja.
Danach nahm ich dann doch amazon selbst in Anspruch, auch wenn das Spiel dort 46 Euro kostete, während es bei den Marketplace-Anbietern nur 30 gekostet hatte, aber die gab es ja nun nicht mehr. Wieauchimmer.

Als es dann endlich da war, holte ich es nach dem Volleyball - verschwitzt, fertig und mit schmerzendem Hintern, Knie und Wade - von der Packstation ab, widerstand aber tapfererweise so lange dem Installieren, bis ich geduscht war. :heldin:
Bei der Gelegenheit fiel mir ein, dass ich wieder mal vergessen hatte, Brot zu besorgen. Aber hey, ich hab noch zwei Packungen Bio-Tortelini. Eine mit abgelaufenem Datum von August letzten Jahres, eine von Mai dieses Jahres. Ich beschloss es, mit der weniger abenteuerlichen zu versuchen, stellte einen Topf Wasser auf die Herdplatte und schaltete sie an. Auf der handgreiflichen Suche nach der Schere stieß ich ein Einmachglas vom Tisch, das weich gelandet wäre, wenn nicht unten eine leere Essigflasche gelegen hätte. Ein herzhafter Fluch von mir wurde von einem klangvollen Klirren seitens des Einmachglases begleitet und das Ding zerschellte in eine beachtliche Anzahl winziger Scherben in einem imposanten Radius. Während ich barfuß in der Ecke stand, die ich hin und wieder mit einigem Größenwahn als meine Küche bezeichne. Ich stellte ein paar Dinge vom Boden auf den Küchentisch, und von dort auf den ohnehin schon überfüllten Schreibtisch und begann dann, die gröbsten Scherben aufzulesen, auf allen vieren, was dazu führte, dass meine viel zu lang gewordenen Haare bis auf den Boden fielen. Danach ging ich in die Abstellkammer - und versuchte dabei, nicht über die Kartons zu stolpern, die noch hier rumstanden, weil neulich mein altes Modem den Geist aufgegeben hatte und ich deswegen nach einer Odyssee durch die Hotlines ein neues bekommen hatte - um den Staubsauger zu holen, wobei ich mich erst im Wohnzimmervorhang verhederte und dann mit dem Knöchel gegen den Türrahmen stieß. Kabel entrollen war auch nicht ganz einfach, weil sich das Teil irgendwie intern verheddert hatte. Dann machte ich mich daran, die winzigen und lustig auf dem Küchenboden schimmernden Scherbchen aufzusaugen, was ich mit stummen Gebeten zu St. Staubsaugerbeutel begleitete, weil der nämlich proppevoll war und an sich schon längst hätte ausgewechselt werden müssen. Vor meinem geistigen Auge sah ich ihn schon von einer Scherbe aufgeschlitzt und seinen Inhalt als sanftes Schneetreiben in meiner kompletten unaufgeräumten Wohnung verteilen. Aber davon abgesehen, dass ich über das neu verlegte Telefonkabel stolperte und mit ständig meine nassen Haare ins Gesicht fielen, lief alles bestens.
Was ich damit sagen will: Meine Wohnung ist vollkommen verwüstet, aber verdammt, ich hab ein neues Spiel! Wehe es ist nicht gut.

Ich brauch nen Bugfix für mein Leben.

 

 

(Und da hab ich noch gar nichts von dem Kalender erzählt, der rumliegt, weil der Stahlnagel nach drei Jahren doch seinen Geist aufgegeben hat, und von der Tatsache, dass neben meiner Dusche ein Kreuzschlitzschraubenzieher liegt und ich um das Wasser abzudrehen in letzter Zeit den Haupthahn bedienen muss, weil sich das zu drehende Auf-und-zu-mach-Teil der Duscharmatur ständig verkantet und sich dann keinen Milimeter mehr bewegen lässt, während das Wasser läuft. Dann muss ich es wieder locker schrauben und kann dann den Haupthahn wieder aufdrehen. Duschen als Heimwerkerübung.

This house needs fixing.)