Rabimmel, rabammel, rabumm.
Entzückendes alljährliches Spektakel: Der Martinsumzug.
Bei uns, drüben, gab's das ja nicht.
Da gab's dafür den Lampionumzug am 30.4. Die kleinen Kinder trugen Laternen, die Großen Fackeln und zusammen zog man zu einem der zig Hexenfeuer in der und um die Stadt. Dort wurde dann das Feuer mit der Strohpuppe einer Hexe entzündet.
Ich glaube, oft hab ich gar nicht daran teilgenommen, und so eine tolle Fackel durfte ich nie tragen.
Okay, zu der Veranstaltung zog's mich früher eh nicht, weil ich Todesangst vor Feuer hatte. Hatte schon genug Angst, dass der Funkenflug eines fünfhundert Meter entfernten Hexenfeuers unser sechsstöckiges Neubauhaus in Brand setzen könnte.
Ist übrigens nie passiert.
Dafür haben meine Schwester und ich später ein interessantes Experiment vollführt, in dem eine Pfanne mit brennendem Öl, eine holzverkleidete Küche, ein Linoleumfußboden und eine Schüssel mit Wasser eine nicht unerhebliche Rolle spielten. Ich hab mir auch sagen lassen, dass man schon in einem Teelicht eine 30 cm hohe Stichflamme erzeugen kann.
Wie auch immer.
Der Martinsumzug, der sich jetzt, im Zuge der nachwendigen Rechristianisierung, hmpf, auch bei uns drüben durchsetzt und damit diese schöne Hexenverfolgungs-Gedenkveranstaltung - wobei wir eigentlich den Winter verbrannt haben. Ach, Hauptsache Feuer und Alk halt - verdrängt hat, ist hier jedenfalls immer recht entzückend.
Schon mal weil der Stadtteil hier ein ziemlicher Schmelztiegel verschiedener Nationen und Kulturen ist. Also auf sehr kleiner Flamme, weil die alle eigentlich ziemlich für sich bleiben. Und eben zu diesem Zeitpunkt laufen sie dann alle friedlich nebeneinander her, mit ihren selbstgebastelten Laternen, den Schildern mit der Klassenbezeichnung und den Spielmannszügen.
Aaw.
