27.7.
Mittwoch
32.
Tag
Meine
Nacht ist sehr unruhig, immer wieder wird mein Zelt wie von
Riesenfäusten ergriffen und durchgeschüttelt - neben absoluter
Windstille kommen heftige Windboen für Sekunden auf, in
unregelmäßigen Abständen.
Als
ich morgens aus dem Zelt schaue, ist der Himmel immer noch stark
wolkenverhangen und es nieselt leicht.
Es
wird dann immerhin so trocken, dass wir gemütlich frühstücken und
den Plan für den heutigen Tag machen können. Die deutsche Familie
verabschiedet sich, sie gehen im Hotel Edda zum Frühstück. Wir
werden uns wahrscheinlich auf der Fähre wiedersehen.
Bevor
wir einkaufen werden, steht noch ein bisschen Abenteuer an; ich
möchte so gern endlich den Mjóifjörður sehen, der schon bei
meiner ersten Reiseplanung vor 25 Jahren als damals unerreichbares
Ziel abgehakt werden musste, aber durchaus schon ins Bewusstsein
rückte.
Wir
fahren also zurück durch den Tunnel inclusive Schrecksekunde, als
uns im Eingang plötzlich mit ziemlicher Geschwindigkeit ein LKW
entgegenkommt. Aber Jonas reagiert schnell und überlegt und schafft
KaJott rückwarts aus der Gefahrenzone!
Diesmal
sehen wir das Aluminiumwerk von Reyðarfjörður von vorne. Dafür
wurd der Staudamm gebaut und Teile des Hochlands geflutet.
HÄSSLICH!!!!
Wir
schlagen die Straße ins Fagridalur ein, das wirklich ein 'Schönes
Tal' ist mit saftig grünen Hängen und rieselnden Bächen.
9 km
vor Egilsstaðir geht der Weg ab mit einem Hinweisschild: nur
gebremste Anhänger, 18% Gefälle.
Der
erste Teil führt durch eine schneeige Hochplateaulandschaft mit
Seen, auf denen noch das Eis schwimmt, aber dann führt die Straße
in engen Serpentinen mit atemberaubender Aussicht ins Tal. Wir müssen
oft anhalten, um die diversen Wasserfälle oder Felsformationen
festzuhalten.

Unten
in Solbrekka angekommen würden wir uns gern ein Pylsur leiten, aber
das Restaurant hat noch zu und auch das Dutzend anderer Häuser dort
wirkt wir ausgestorben. Kein Mensch zu sehen.
Wir
entschließen uns weiterzufahren zum östlichsten erreichbaren Ende
Islands, zum Leuchtturm Dalatangi.
Eine abenteuerliche Strecke
erwartet uns mit vielen verfallenen alten Häusern, die die Frage
aufkommen lassen, wie man hier am Ende der Welt so lebt. Der Pass ist
im Winter zu und der Ort nur durch Schiffe zu erreichen.

Gesteigert
wird das Gefühl der Abgeschieden- ja sogar Abgeschnittenheit am
Dalatangi. Dort stehen ein alter und ein neuer Leuchtturm und ein
noch bewirtschafteter Hof. Der Wind bläst heftig, es ist kalt und
ich fühle regelrecht die Einsamkeit dieses Ortes. Auf dem Rückweg
kommen Gedanken auf, wie es wohl sein mag, hier mal einen Winter oder
vielleicht besser einen Sommer zu verbringen.
Edit am 18.8.:
Die Möglichkeit eröffnet sich nach meiner Rückkehr, leider für mich nicht durchführbar, mein Arbeitgeber würde mich kaum für einen Winter am äußersten Rand Islands freistellen :-(
Anzeige bei geysir.is:
Marzibil Erlendsdóttir vom Leuchtturm Dalatangi in Ostisland sucht eine Mithilfe für den kommenden Winter.
Sie betreibt dort mit ihrem Mann einen Hof mit Schafen, Pferden und
Hunden; letztere werden fürs Schafehüten trainiert. Daneben betreut sie
den Leuchtturm und eine Wetterstation.
Zur Lage: Dalatangi ist der östlichste bewohnte Punkt Islands, zwischen
den Fjorden Seyðisfjörður und Mjóifjörður gelegen (wer schon mal mit der
Fähre auf Island war, hat vielleicht den orangen Leuchtturm gesehen).
Anbindung besteht an das Dörfchen Brekka im Mjóifjörður (15 km). Nach
weiteren 30 km erreicht man die Straße nach Egilsstaðir (Bergpass jedoch
im Winter meist geschlossen). Von Brekka außerdem Schiffsverbindung
nach Neskaupstaður.
Weitere Informationen sind bei Marzibil per E-Mail erhältlich: dalatangi@hotmail.com
Dagegen
wirkt Egilsstaðir, das wir am frühen Nachmittag erreichen, schon
fast großstädtisch und angesichts des bevorstehenden
Feiertagwochenendes (Verslunarmannahelgi) herrscht ziemlich viel
Betrieb. Die Einkäufe sind schnell erledigt, wir wollen ja noch in
Seyðisfjörður ins Schwimmbad. Der Zeltplatz dort ist schon recht
voll (ich schätze mal so auf 75% Deutsche), aber es gibt noch ein
nettes Plätzchen für uns. Das Schwimmbad entpuppt sich als
Schwimmhalle, die Hotpots sind im Keller, was mir persönlich keinen
Spaß macht, denn draußen ist es inzwischen richtig warm und sonnig.
Am
Abend gibt es nochmal Maggidiät und der KaJott wird neu beladen.
Die
Tagesrucksäcke für die Fährfahrt stehen schon bereit und ich
schlüpfe zum letzten Mal für diesmal in meinen Schlafsack auf
isländischem Boden.
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