Island

30.09.2007 um 21:08 Uhr

3. Tag

Ich schlafe gut und werde erst wach, als die Raben krächzend um das Haus fliegen. Nach dem Frühstück möchte Ásdís mir noch unbedingt ihre Nerzzucht zeigen. Ich bin nicht unbedingt scharf darauf, aber natürlich gehe ich mit. Die Haltung ist okay, die Käfige groß genug mit einer extra abgedeckten und mit Stroh ausgepolsterten Rückzugsmöglichkeit, die Tiere sehen gesund und vital aus und das Futter wird lokal in Sauðárkrókur auf Fisch- und Fleischabfällen gemacht. Es geht mir aber eigentlich ums Prinzip. Ich bin nicht gegen die Farmer, die sich hier ihr Brot verdienen, sondern um die, die sowas erst möglich machen; Menschen, die glauben, erst im Nerz ihren Wert beweisen zu können. Natürlich kann jetzt hier eine Diskussion losgetreten werden über Fleischkonsum und Haltung von Nutztieren im allgemeinen, aber jeder scheint da seine persönliche Grenze zu haben und ich würde mir den Nerz erst erlauben, nachdem ich eine Saison selbst in einer Nerzfarm gearbeitet hätte. Und das würde glaube ich, nicht nur mir schwerfallen: 5000 lebendige wunderschöne kleine Raubtiere iab dem Frühjahr großziehen mit dem einzigen Ziel, ihnen im Herbst das Fell über die Ohren zu ziehen!

 

Der Geruch nach Raubtier und dem Futter hängt mir jedenfalls noch lange nach dem Abschied an. Ich fahre zuerst noch ein wenig am Skagafjörður entlang auf der Suche nach dem Grettislaug, die Gegend wird immer einsamer, die Straßen schlechter, die Aussichten grandioser!

 

Die Fahrt wird immer beschwerlicher, die Gegend unheimlicher und so wende ich, bevor ich mein eigentliches Ziel, das Grettislaug, erreicht habe.

Ich benutze noch einmal die neue Verbindungsstraße, schon allein um das Gespensterhaus, das mit schon auf der Hinfahrt aufgefallen war, zu fotografieren. Das Wetter ist diesmal nebliger, windstill und irgendwie wirkt das Haus diesmal noch einsamer und gruseliger.

Auf der langen Strecke entlang der Lagunen und Sunde im Norden entdecke ich auf den Howeiden viele Wildgänse, die sich dort das nachgewachsene Gras schmecken lassen - und auf den Hochebenen immer wieder die Singschwanfamilien,

die ihre fast erwachsenen Junge führen. Solange die Schwäne und Gänse noch nicht auf dem Weg in den Süden sind, ist der Sommer noch nicht ganz vorbei!

 

Auf der Südseite der Holtavörðuheiði heitert es dann ein wenig auf

und da noch viel Zeit ist, entschließe ich mich wieder für den Weg um den Walfjord herum. In der Nähe des 'Skorradalsvatn mache ich eine kleine Pause um die wunderbare Vegetation und die kleinen Faszinationen zu fotografieren

Leider wird mein gemähliches Dahinfahren dann jäh von einer Horde Superjeeps mit Anhängern gestört. Auf den Anhängern befinden sich ATVs (auch Quads genannt), die sich wie eine Seuche in Island auszubreiten scheinen. Leider ist es einigen Isländern anscheinend egal, wie sich das Fahren dieser Dinger querfeldein auf die sehr empfindliche Natur auswirkt. Ich habe jedenfalls an den unmöglichsten Stellen Spuren der Räder tief eingegraben gefunden.

Aber man findet auch überall andere Zeugnisse menschlicher "Kultur" zum Nachdenken anregend, wenn man weiß, dass die Isländer nur 20 % ihrer erzeugten Energie selbst verbrauchen können!

Aber der nächste Anblick bei der Abfahrt zum Walfjord reißt mich dann schnell wieder aus meiner grüblerischen Stimmung Leider gibt das Bild nur wenige Prozent dessen wieder, was ich tatsächlich sah und erfühlte, ihr müsst euch schon ein wenig eindenken.

Natürlich mache ich auch wieder Pause am Foss , diemal mit einer Aufnahme aus einer anderen Perspektive wie auch beim Haus auf der Hochebene vor Þingvellir , nehme mir aber auch Zeit für neuebeeindruckende Szenerien wie diesem unbewkannten Wasserfall, der im Sommer noch deutlich weniger Wasser führte.

Irgendwann in der Dämmerung, die hier noch viel länger dauert als bei uns, erreiche ich das Alex, und fahre nach dem Einchecken nocmal nach Garður zu meinem Leuchtturm

 

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30.09.2007 um 20:20 Uhr

Ein Lebenszeichen von mir

Da ich hier ausnahmsweise Zugang zum Internet habe, muss ic h doch schnell berichten, wie es mir geht.

Also> Island ist im Herbst nochmal ganz anders und wunderbarer als im Sommer / vor allem ist es eins> leer. Keine Touristen und nur noch wenige Voegel. Wenn man unterwegs die Autotuer aufmacht, faellt diese ausdrucksvolle Stille auf *ich weiss, das hoert sich bloed an, beschreibt es aber ganz gut*. Allerdings ist es auch sehr einsam und ich wuensche mir meinen Mann her, der ja leider erst am Freitag kommt.

Nun ja, morgen faengt ja das Meeting an, da wird es mir schon nicht langweilig werden.

Vielleicht melde ich mich nochmal von der Schule in Varmahlid.

 

29.09.2007 um 20:50 Uhr

2. Tag

Am nächsten Tag nach einem frugalen Frühstück aus der Styroporbox (zwei Tiefkühlbrötchen, ein O-saft, eine Scheibe Käse, Butterpäckchen, Marmeladepäckchen, 2 Tütchen Pulverkaffee mit Zucker und Milchpulver und, man lese und staune: eine Tüte Knorr Pilzsuppe) mit Sergej und Tom verließen wir Keflavik in Richtung Norden.

Außer dem Frühstück gabs am Motel nix zu bemängeln. Die Zimmer waren groß und hell,

 

die Lobby bequem, die Küche gut ausgestattet und die Gemeinschaftsbäder sehr sauber.Das kärgliche Frühstück ist für isländische Verhältnisse absolut ungewöhnlich, allerdings sind wohl sehr viele Gäste nur vor dem (bei fast allen Fluggesellschaften) frühen Morgenflug hier und wer um 5 Uhr aufsteht, kann sich mit dieser Art von Verpflegung halt selbst versorgen, dafür braucht es keinen großen Personalaufwand. Ansonsten war der Preis (4900 ISK für das Einzel- und 5900 ISK für das Doppelzimmer) inklusive freiem Internetzugang und Transfer zum Flughafen, den man zur Not auch zu Fuß erreichen würde, sehr moderat.

Der Himmel war bei unserer Abfahrt immer noch bedeckt, aber es taten sich mehr und mehr Wolkenlöcher auf, je weiter wir in den Norden kamen. Da das Budget der beiden Studenten eher begrenzt war, hatten sie mein Angebot angenommen, sie zumindestens mal ein Stück mit in den Norden zu nehmen. In Borgarnes gab es die obligatorische Pause, aber leider gab es keine Pylsur með öllu, die freundliche Bedienung erklärte mir, dass das Pylsubrauð nicht bei der Lieferung aus Reykjavik warTraurig.

So gab es dann nur einen Kaffee und ein paar Fotos vom Sund.

Diesmal wollte ich, da mein Tagesziel ja das Laufskálarétt in der Nähe von Hólar war, die neue Straße über die Skagi ausprobieren, die Hjördís mir empfohlen hatte. So bogen wir denn vor Blönduós ab und kamen in eine sehr abgelegene und menschenverlassene Gegend. Da die Sonne nur ab und zu zwischen den Wolken hervorblinzelte, leuchteten die Hänge um so mehr in den Herbstfarben! Es gab mehrere Fotostopps!

Beim Laufskálarétt war die Hölle los, Milljunen von Menschen (wie der Trierer zu sagen pflegt) und obwohl ich hinterher erfahren habe, dass sich viele meine isländischen Bekannten auch dort befanden, habe ich niemanden gesehen. Die Stimmung war entspannt, die Flaschen kreisten, viele schöne und weniger schöne Kehlen ließen diverse Gesänge erschallen und ich wäre gern noch was geblieben, wollte aber meiner Gastgeberin Ásdís mal Guten Tag sagen und bei Hjördís vorbeischauen.

Das Laufskálarétt findet traditionell immer am letzten Septemberwochenende statt. Über fast drei Monate im Sommer leben die Jungpferde und Stuten mit Fohlen völlig frei und ohne Zäune auf den Hochweiden des Berglandes und werden dann Ende September durch Reitergruppen zusammengetrieben und in die Täler geführt. Dort gibt es sogenannte Réttir, das sind Kreise oder Rechtecke aus Steinmauern oder Holz, die eine zentrale Mitte und mehrere Abteile drumherum haben. Die Herde wird in die Mitte getrieben und dann wird nach Höfen sortiert und auf die einzelnen Abteile verteilt. Der Hofname steht meist außen dran, wie ihr unten im Bild gut erkennen könnt. In der verschiedenen Landesteilen gibt es viele solche Schafs- oder Pferdeabtriebe, aber keins ist so bekannt und so groß wie das Laufskálarétt im Skagafjörður!

 

Auch Syðra-Skörðugil

war beim Pferdeabtrieb dabei, nur Ásdís und ihre Mann Einar waren zu Hause mit den Enkelkindern. Ich fuhr also rasch dort vorbei, nachdem ich Tom und Sergej an der Tankstelle in Varmahlið abgesetzt hatte. Sie wollten weiter in Richtung Akureyri und ich hoffe, es hat sie schnell jemand mitgenommen, denn später am Nachmittag fing es wieder an zu regnen. Danach schaute ich in Hjarðarhaga

bei Hjördís vorbei, die noch völlig allein auf ihre Gäste wartete und Suppe vorbereitete. Es wurde dann auch rasch voll im Haus mit Gästen, die beim Pferdeabtrieb dabei gewesen waren und irgendwann, nachdem ich das dritte Glas Wein ablehnen musste, bin ich dann zurück nach Syðra-Skörðugili. Dort gab es noch ein leckeres Grilllachsessen und danach wurde ich sehr rasch müde!

 

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28.09.2007 um 23:59 Uhr

Lange Traumschatten

1. Tag

bestand nur aus dem Flug von Luxemburg und einem sehr nassen, windigen Empfang in Keflavik. Nachdem ich mein Auto mit einigen Schwierigkeiten dann schlussendlich bekam (der Budgetschalter war nicht besetzt, aber die Nachtwache von Avis rief dann freundlicherweise dort an und bekam telefonische Anweisungen, wie der Vertrag auszufüllen sei) und ich noch zwei Studenten aus Hamburg aufgelesen und mit ins Motel Alex genommen hatte, war dieser Tag schon vorbei. Die zwei Brüder hatten sich kurz vorher entschlossen eine gemeinsame Rucksacktour auf Island zu verbringen und waren vom Wetter nicht gerade begeistert.

Da ich (mal wieder) ein paar Probleme mit der Automatik meines Mietwagens hatte (peinlich, aber anscheinend lern ichs nieFröhlich), konnten die zwei mir gleich Hilfestellung gebe. Die zwei bekamen dann gleich auch ein Zimmer im Motel, das um diese Zeit nicht mehr ausgebucht ist.

 

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28.09.2007 um 17:06 Uhr

Kreisch!!!!!!!!!!

Habe grad den Schock meines Lebens! Ich schaue ganz friedlich auf die Seite des Flughafens Luxemburg, um zu erfahren ob der Flug nach Keflavik pünktlich ist und was seh ich:     gar nichts.

Keine Ankunft , keinen Abflug, nicht die leiseste Spur auch nur des Wortes Island, nirgendwo, riente. Ich natürlich direkt dort angerufen: die freundliche Dame bestätigte mir, dass es KEINEN Flug nach Island gibt!

Sofort rufe ich ziemlich sauer in Island bei Icelandexpress an um dort zu erfahren, dass es doch einen Flug gibt. Nächster Anruf Luxemburg-Findel : Nein, es gibt keinen Flug. Nach langem Hin und Her, Durchgabe der Flugnummer und ähnlichem gibt die luxemburger Auskunft zu meiner großen Erleichterung zu: Ja, es gibt doch einen Flug. Als ich nach dem Gate frage, meint sie, dass kriege ich dann beim Check-in um 17.30 schon gesagt. Ich: Wie? Der Flug geht doch erst um 21.50 Uhr! Sie: Nein, der Flug geht um 19.50 Uhr! Weil ich so erleichtert war, dass überhaupt was geht, habe ich sie dann ganz freundlich gebeten nocheinmal nachzuschauen, ob es sich vielleicht um 19.50 Uhr isländischer Zeit handele=21.50 MEZ und siehe da, nach einem Rückruf bei ihrem Supervisor hatte sich dann auch das Missverständnis aufgeklärt, es ist alles so, wie es sein soll!

Habt ihr den Stein gehört, der von meinem Herzen gefallen ist? 

01.09.2007 um 20:25 Uhr

Tag 12

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01.09.2007 um 10:48 Uhr

Verfilmung

Hier

ein nächster Versuch Sagas zu verfilmen. Den Versprechungen der Filmemacher so von wegen 'authentisch' und so kann ich nicht so ganz glauben, ich denke, das würde eh deren Budget bei weitem sprengen. Trotzdem hoffe ich auf eine schöne Zusammenfassung und werde über ungereimtheiten großzügig hinwegsehenFröhlich

01.09.2007 um 08:08 Uhr

Tag 11