Morgens weckt uns - wie soll es auch anders sein - der blaue Himmel und verspricht Gutes. Nach dem Frühstück sehen wir noch einmal den Adler über den Fjord fliegen und nehmen dann das gefürchteste Wegstück der ganzen Reise in Angriff:
die 608, als öffentlicher Feldweg in der Karte eingetragen.
Böse Erinnerungen an die Querung der Tröllatunguheiði (die 605) ließen schon zu Hause dumpfe Vorahnungen von Schlammlöchern, Schneefeldern, querenden Bachläufen und ähnlichem enstehen und die Lektüre dieser Seite verstärkte das noch so, dass ich mir tatsächlich überlegt hatte, einen 4WD zu mieten oder, wenn es gar zu arg würde, wieder umzudrehen.
Um es vorwegzunehmen: im Vergleich zu anderen Strecken, die wir dieses Jahr gefahren sind, entpuppt es sich als reinste Autobahn. Festgefahrene Schotterstrecke vom Feinsten, die schon fast Teerqualität aufweist, und moderate Steigungen von max. 12% bei prachtvollem Wetter und glasklarer Weitsicht machen die Fahrt zum Vergnügen und kostet nur halb soviel Zeit wie berechnet.



Natürlich kann es da auch anders aussehen, wie das folgende Bild von Annette Arriens aus der Fotocommunity beweist!
Mitten auf der Hochebene zieht dann eine Tafel unseren Blick auf sich:
vor diesem kleinen Stein
Wir werden noch an anderen Stellen in der Strandirregion (Ostküste) auf solche Tafeln stoßen mit Geschichten zu örtlichen Naturdenkmälern.
Unten am Steingrímsfjörður gibt es mehr als Zeit genug und wir überlegen sogar noch nach Djúpavík zu fahren um endlich mal Claus in Island kennenzulernen. Wir entscheiden uns dann aber doch nur für eine Umrundung der Drangsnes.
Bei der Planung dieser Reise habe ich bewusst die Tagesetappen klein gehalten, im Schnitt so bei 120 km! Alles darüber hinaus artet in unbekanntem Gelände in Island schon in Stress aus und wir möchten auch viel Zeit zum Wandern oder auch nur Faulenzen haben.
Die zusätzlichen Kilometer um Drangsnes lohnen sich aber auf jeden Fall, denn neben der bizarren, zerklüfteten Küstenlinie mit von Treibholz übersäten Stränden,
gibt es im Winzdorf mit gleichem Namen ein funkelnagelneues, tolles Schwimmbad mit Blick auf den Fjord, HotPot und Sauna! Und einer Katze zum Streicheln für Hans!
Neben dem Schwimmbad steht ein Intrusionsrest eines Vulkans, wieder mit einer netten Geschichte von versteinerten Trollen, die es mal wieder nicht bei Sonnenaufgang geschafft haben, nach Haus zu kommen. Auf dem Bild wirkt der Fels
irgendwie nicht so, deshalb stelle ich mich mal zum Vergleich daneben.
Nach dem Schwimmen sind wir schon wieder hungrig und gehen ins ebenfalls funkelnagelneue Malarkaffi nebenan. Dort gibt es köstliche Fischsuppe und die Besitzerin erzählt uns, dass sie den Schritt gewagt haben hier ein Cafe und ein Gästehaus zu eröffnen. Alles wirkt recht durchdacht und schön gelegen, vielleicht hilft ja dieser Bericht ein wenig, den sympathischen Besitzern ihre Unterkunft in Zukunft zu füllen! Sie bieten auch eine Fährüberfahrt zur Vogelinsel Drangey (nicht zu verwechseln mit der aus dem Skagafjord) an:
hier gibt es den entsprechenden Link!

Wir haben aber schon woanders gebucht und wollen auf jeden Fall noch ins Hexenmuseum nach Hólmavík. Dort gibt es einen neuen aufsehenerregenden Fund:
eine Opferschale aus der Frühzeit der isländischen Geschichte.
Hier nur die erste von mehreren Tafeln, die den Fund und die Untersuchungen dazu genauer beschreiben:

Das Ganze ist in einem Extraraum sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt. Das Museum hält uns einige Zeit gefangen und unser Geldbeutel ist um einiges leichter.
Außerdem halten wir uns noch einige Zeit an der Bildertafel über die mehr als 2 m lange Suppenschildkröte, die zwei Fischer vor einigen Jahren im Wasser treiben sahen (schon tot) und die sie dann mit ihrem Ruderbötchen nach Drangsnes ruderten, weil ihnen DAS ja sonst doch keiner geglaubt hätte. Auch wir müssen nachfragen, ob die Bilder ein Fake sind, aber die nette Kassiererin bestätigt uns die Geschichte.
Auf dem Weg weiter nach Süden statten wir dem Schafsmuseum noch einen Besuch ab, bevor uns unser Weg dann nach Snartartunga, einem wunderschön gelegenen Hof im Norðurdalur, führt, unsere Unterkunft für diese Nacht. Wieder steht uns ein schönes Appartment zur Verfügung mit allem Drum und Dran.
Nach dem Abendessen lockt das Sofa
aber brechen wir noch zu einer Wanderung Richtung Berge auf. Laut Wanderführer der Region ist hier die schmalste Stelle der Westfjorde und ein alter Postreiterweg verbindet hier die Ostküste mit der Westküste, Luftlinie etwa 10 km, den ich gern ein Stück im Nordtal erwandern möchte. Leider endet der Weg an einer gut eingezäunten Weide, aber wir entdecken wieder die vielen Besonderheiten am Wegesrand, so dass wir erst spät wieder zurück sind.






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