19.Tag,
1.8. Samstag
Ich
schlafe wie ein Baby in meinem kleinen Zelt und bin morgens sehr
erstaunt, als sich der sanfte Regen bemerkbar macht. Es ist halb
acht, völlig windstill und ich denke, das wäre eine gute Zeit zum
Angeln. Es gibt eine kleine Katzenwäsche und dann ab zum Bach. Die
Forellen stehen dort immer noch wie eine eins, aber haben ebenso
immer noch keinen Hunger. Ich genieße dennoch Stille und Natur um
mich herum und bin rechtschaffen hungrig, als ich nach neun ins Haus
komme. Dort ist große Aufbruchstimmung, die Schwedinnen werden von
Jóhanna nach Reykjavík gebracht, wo sie die Nacht über bei Magga
bleiben wird. Morgen kommen die Reittourgäste, die sie dann aus der
Hauptstadt mitbringen wird.
Für
mich steht heute ein Gletscherumrundung auf dem Plan.
Zuerst geht es
nach Arnarstapi, um Haddý und Geir guten Tag zu sagen. Geir macht
Heu – irgendwo, und Haddý ist mit ihrem kleinen Shop beschäftigt,
aber sie hat ein wenig Zeit um mit mir über die finanzielle und
sonstige Situation Islands zu reden. Außerdem zeigt sie mir ihren
kleinen Polarfuchs, den sie bekommen hat, nachdem die Mutter
erschossen wurde.
Dann ruft die Pflicht und ich verabschiede mich
nach Hellnar. Es ist viel los, halt Verslunarmannahelgi, und das
kleine Pier ist voll mit Isländern. Einige von ihnen angeln, mit
Erfolg, wie man sieht.
Ich leiste mir Waffeln im kleinen Hafencafe,
bevor es weiter geht.
Das Barðárlaug steht auf meiner Liste, nicht
weit von Hellnar. Der Weg dahin ist nicht so weit und ich bin ganz
allein am Kratersee, außer einem Kormoran, der auf einem Stein sitzt
und sich trocknet. Irgendwann komme ich ihm wohl zu nahe, denn er
stürzt sich wieder in die Fluten und ist irgendwann verschwunden.
Der Krater soll wohl früher warm gewesen sein, was für eine
Vorstellung, dort alleine eine Runde schwimmen gehen zu können.
Danach
möchte ich endlich mal nach Drítvík, nachdem wir schon x-mal in
Djúpalónssandur
waren und es nie den Kilometer dorthin geschafft
haben. Ein Kilometer hört sich wenig an, aber es ist doof zu gehen,
weil es sehr lange über aufggeschüttete Lava bergauf geht. Dort
treffe ich auch die beiden Studenten wieder, die drei Tage Zeit für
Island haben, bevor sie zur Meeresbodenvermessung auf der Polarstern
im Reykjavíker Hafen einschiffen. In Drítvík führt der alte
Seemännerweg weiter und ich folge ihm bis zu einigen Ruinen. Es sind
einige Wanderer unterwegs, vor allem Isländer in kleinen Grüppchen.
Auf dem Rückweg verpasse den Abzweig zum Labyrinth, das ich mir auch
noch unbedingt anschauen wollte. Nun gut, wieder ein Punkt auf der
To-Do-Liste.
Bei
Öndverðarnes sind inzwischen die ersten Kilometer asphaltiert, wie
auch der Weg zu Djúpalónssandur. Aber nach Skarðvík fängt die
Schotterachterbahn wieder an und es sind keine Autos mehr unterwegs.
Am kleinen Leuchtturm steht das Auto eines Pärchen, die ich aber nur
aus der Ferne sehe. Mein Ziel sind die Klippen, dort weht ein
heftiger Nordwind und die Brandung donnert weiß an die Felsen –
mal wieder Zeit zum Schauen und Staunen.
In
Ólafsvík endlich gibt es noch einen Besuch in der Hamburgerbude,
die jetzt:
heißt. Der Hamburger ist immer noch gut und
über die Preise kann man auch nicht meckern.
Leider
ist die Straße über die Fróðárheiði immer noch nicht fertig.
Wieder schlagen scharfkantige große Schottersteine an den
Unterboden, ein Geräusch, dass ich gar nicht gern höre. 4,5 km
dauert das und ich fluche unterwegs mehr als einmal.
Abends
gibt es noch einmal lange Gespräche über deutsche Touristen, die
gern hier in Island die Freiheit auf dem Pferd erleben wollen und
dass es für die Reitguides nicht immer Zuckerschlecken ist. Leider
ist es nochmal nasskalt geworden und ich überlege, ob ich heute
Nacht nicht das freigewordene Zimmer beziehen soll.
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