bildpolkrit

20.07.2005 um 11:35 Uhr

Autonomie von Hochschulen

von: soclyt

Autonomie ist selbstgesteuerte Unterwerfung aufgrund von Einsicht in an höherer Stelle propagierte und vorgegebene "Notwendigkeiten".
Autonomie wird diktiert.
Der Staat ist für mehr Autonomie der Hochschulen, weil er weniger zahlen will.
Mehr Autonomie heißt weniger Geld.
Autonomie bedeutet Rückzug des Staates aus Finanzgründen, Überantwortung an die Wirtschaft, die dafür mehr Einflussmöglichkeiten bekommt. Es entstehen Abhängigkeiten von Drittmittelgebern. Wie ist das Verhältnis von "sponsoring" und Autonomie? Effekt ist: Mehr Autonomie vom Staat, weniger Autonomie von der Wirtschaft.
Autonomie heißt also:
Auskommen mit weniger (staatlichem) Geld
selbständige und eigenverantwortliche Durchführung von Kürzungen nach dem Motto:"Wir dürfen selbst sagen, wo gestrichen werden soll"
Selbst-Instrumentalisierung: Selbst einzusehen und dafür zu sorgen, dass man für von außen gesetzte Zwecke besser zu funktionieren hat
selbstbestimmte Anerkennung, Umsetzung, Durchführung fremdgesetzter Restriktionen.

17.07.2005 um 11:49 Uhr

Thesen zur Bildungspolitik

von: soclyt

Bildungspolitik leistet Beiträge zur Instrumentalisierung und Funktionalisierung.
Bildungspolitik ist Anpassungs- und Verfügbarmachungspolitik für unbefragt hingenommene, aber interessengeleitet durchgesetzte Verhältnisse.
Bildungspolitik stellt in einen Rahmen, ohne den Rahmen in Frage zu stellen.
Bildungspolitik animiert zum Sich-Verkaufen, Sich-Akkomodieren, zu geschickter Benutzung statt Veränderung.
Die Marktorientierung führt zu einer Verengung von Bildung. Auch sinnvolle Inhalte fallen weg, werden ausgeschieden.
Wettbewerb absorbiert Energie für die Durchsetzung im Wettbwerb (das müssen nicht immer wünschenswerte Bereiche oder Gegenstände sein).
Bildungspolitik versucht Verschlechterungen als Verbesserungen zu definieren, Nachteile als Vorteile auszugeben.
Bildungspolitik folgt häufig undistanziert und kritiklos den allgemeinpolitischen und z.T. den ökonomischen Vorgaben, verzichtet weitgehend auf Widerständigkeit, Eigenständigkeit, Erhaltung von Anteilen der Unzeitgemäßheit.
Bildunspolitik befasst sich zu einem nicht unbeträchtlichen Prozentsatz mit marginalen Inhalten statt mit grundlegenden Fragen: Wozu soll ein Mensch sich machen? Wie soll eine Gesellschaft aussehen? Wie kann und soll die Zukunft sein? Wie kann die nächste Generation sinnvoll darauf vorbereitet werden?
Bildungspolitik ist immer mehr Qualifizierungs- bzw. "Kompetenz"-Politik.

14.07.2005 um 10:43 Uhr

Wettbewerb im Bildungswesen - Vom Anbieterwettbewerb zum Anbiederwettbewerb

von: soclyt

Der Anbieterwettbewerb wird in einigen Punkten zum Anbiederwettbewerb; so wird in US-Colleges mit "aviation studies" oder mit "Pferde-Studien" geworben - es kommt also zu einer Formierung der Leistungen mit dem Ziel der Durchsetzung im Wettbewerb unter - vorgebllcher oder tatsächlicher? - Anpassung an Nachfragewünsche. Dies ist aber zum Teil nur Anschein - in Wirklichkeit bleiben - trotz Anreizangeboten - viele Institutionen des Bildungswesen auf ihrer Position bestehen; Bildungskarrieren müssen von den "Nachfragern" trotzdem in der festgelegten Weise durchlaufen werden. Insofern ist das ein eigenartiger Umgang mit dem Bildungsnachfrager.
Man kann einwenden, hinter den Anmerkungen stehe ein bestimmter Bildungsbegriff. Warum sollen nicht auch die angeführten Angebote zur Bildung beitragen? Warum soll nicht "Beliebigkeit" zu einerForm von Bildung führen?Ausserdem muss der Nachfrager nicht das wählen, er hat auch andere Möglichkeiten.
Nun ist allerdings die Frage, zu welcher Form von Bildung Beliebigkeit führt und ob sie erstrebenswert ist. Auswahlmöglichkeiten sind zwar gegeben, aber sie sind in diesem Bereich sehr begrenzt.
Mit dem dargestellten Vorgehen wird nicht die Zahl der Wahlmöglichkeiten erhöht, sondern die der (trotz eventueller persönlicher Vorlieben) im Sinne von Bildung weitgehend unbrauchbaren Angebote. Der Bildungsnachfrager wird als Bildungssubjekt nicht mehr ernst genommen. Das wird zum sprunghaften, allzeit veränderbaren Häppchenprobieren ohne nennenswerte Konsequenzen.

13.07.2005 um 10:47 Uhr

Profilbildung bei Pflichtschulen - Beihilfe zur Erzeugung unnötiger Konkurrenz?

von: soclyt

Immer mehr Pflichtschulen, die - jedenfalls noch - nicht in Konkurrenz zueinander stehen, da ihnen die Schüler aufgrund des Wohnsitzes zugewiesen werden, bilden Profile.
Was ist das?
Vorauseilender Gehorsam, Spielerei, Imitation, Wichtigtun, Schein-Konkurrenz, Fortbildungseffekt, Anbiederung bei vorgesetzten Stellen?
Profilbildung ist ein Instrument in der Konkurrenz um Studenten/Schüler oder um Finanzmittel. Es wird ein Konurrenzinstrument in einer Nicht-Konkurrenz-Situation angewandt. Oder geht es um andere Formen der Konkurrenz - in bezug auf Selbstdarstellung, Aussenwirkung, Darstellung gegenüber der Schulbehörde?
Aber: Falls es sich darum handeln sollte - sind diese Konkurrenzformen nötig, sind sie unabdingbar?
Folge ist: Die Übernahme eines Konkurrenzinstruments durch die Pflichtschulen führt zur Erzeugung einer - an sich unnötigen - Schein-Konkurrenz, bei der dann andere mitmachen müssen.

12.07.2005 um 10:47 Uhr

"Aussuchen" in der grünen Bildungspolitik - Aussuchende und Ausgesuchte

von: soclyt

"Die Hochschulen sollen sich ihre Studierenden aussuchen und Studierende sollen sich ihre Hochschulen aussuchen - beide auf gleicher Augenhöhe." (Grüne: Wahlprogramm 2005). Die Hochschulfinanzierung soll dabei an die Nachfrage gekoppelt werden; auf der anderen Seite sind für eine funktionierende Auswahl durch die Studierenden Voraussetzungen nötig: "Damit auch die Studierenden sich ihre Hochschulen aussuchen können, bedarf es besserer Studienbedingungen und ausreichend vieler Studienplätze." (a.a.O.). Wer sucht aus und wer wird ausgesucht - wer kann letztendlich wen aussuchen? Ein Studierender sucht sich eine Hochschule aus, die sucht aber ihn nicht aus, was macht er? Sucht er sich unter den restlichen Hochschulen weitere aus, bis er eine findet, die auch ihn aussucht? Und die Hochschulen, die nicht von soviel Studierenden ausgesucht werden - was machen die? Nachfrageerhöhung durch Verbesserung der Attraktivität? "Leuchtturm"-Bau ? Sie bekommen aber dann weniger Geld. Wie machen sie das ? Ergibt das eine abnehmende Selektion? Die gesuchtesten Hochschulen können sich die "besten" - wobei es um die Kriterien geht - Studierenden aussuchen; die weniger gesuchten müssen dann ihre Kriterien anpassen und die weniger besten Studierenden sich aussuchen. Folge: Zweiteilung des Hochschulwesens?

08.07.2005 um 10:45 Uhr

Wettbewerb im Bildungswesen: Nutzen für den Nachfrager?

von: soclyt

Ein Argument für den Wettbwerb ist, dass er dem Nachfrager nützen soll. Behauptet wird, dass Markt und Wettbwerb (z,B. im Hochschulwesen) zu einer besseren Entsprechung von Bildungsangeboten und Nachfrage führen. Die Behauptung lässt ausser acht, dass der "Bildungsmarkt" weit stärker begrenzt ist als andere Märkte; die Zahl der Gymnasien, Realschulen oder Hochschulen an einem Ort ist weit geringer als die von "Anbietern" in anderen Märkten, damit bleibt auch die Auswahlmöglichkeit begrenzter. In Anbetracht dessen ist der Vorteil für den "Nachfrager" nur sehr eingeschränkt und relativ. Der Nachfrager verfügt darüberhinaus nur über limitierte Bestimmungsmöglichkeiten; er kann evtl. eine andere Bildungsinstitution wählen, aber sonst nicht viel tun.

08.07.2005 um 10:25 Uhr

Wettbwerb im Bildungswesen: Leistungssteigernd - leistungsformierend - leistungsabsorbierend?

von: soclyt

Die verbreitete Behauptung ist, Wettbewerb wirke leistungssteigernd und sei deshalb auch im Bildungswesen ein geeignetes Mittel. Gegenthese ist, dass Wettbewerb leistungsformierend ist in dem Sinne, dass vor allem Leistungen, die der Durchsetzung im Wettbewerb dienen, erbracht und prämiert werden, also eine sehr spezifische Form von Leistungen. In einem Versuch am MIT wurde gezeigt, dass bei der Lösung eines technischen Problems unter Konkurrenzbedingungen nicht die technisch ausgereiftesten Lösungen die erfolgreichsten waren, sondern die, die den gegnerischen Apparat behindert oder zerstört haben. Die ursprüngliche Erwartung war, dass dieser Wettbwerb die technisch beste Lösung hervorbringt. Die Kontrahenten konzentrierten sich aber nichr darauf, sondern im Sinne der Durchsetzng im Wettbwerb auf Vorteilserreichung über die Schädigung des Gegners. Wettbewerb ist nicht generell leistungsfördernd oder leistungssteigernd, sondern steigert nur spezifische Leistungen; Wettbewerb absorbiert zugleich Leistungsenergie für den Zweck der Durchsetzung - eine Energie, die sonst eventuell anders genutzt werden könnte. Dagegen kann man einwenden, es komme eben darauf an, wie man die Kriterien für den Wettbewerb festlegt. Es lässt sich aber zeigen - z.B. an Programmen zur Förderung von Wettbewerb im Hochschulwesen -, dass eindeutige qualitative Kriterien nicht vorliegen und infolgedessen Wettbewerb hauptsächlich über formale Merkmale abläuft. Ob so erzielte Leistungen und Fähigkeiten wünschenswert sind bzw. ob so wünschenswerte Leistungen gefördert werden, ist eine eigene Frage. Es sei denn, man entscheidet zynisch, hier handle es sich genau um die Fähigkeiten, die in dieser Realität gebraucht werden.

07.07.2005 um 10:47 Uhr

Aus dem Wörterbuch der Bildungspolitik: "Leuchttürme der Wissenschaft"

von: soclyt

Leuchtturm: Uni nach Teilnahme an der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder; die Unis durchlaufen dabei eine Metamorphose:
"Mit der Förderung von Strategien universitärer Spitzenforschung im Rahmen der Exzellenzinitiative sollen Leuchttürme der Wissenschaft in Deutschland entstehen, die auch international strahlen können "(BMBF 23.6.2005: Wettbewerb Spitzenuniversitäten für Deutschland). Welches Problem soll damit gelöst werden? Das der "Sichtbarkeit" - dafür sind Leuchttürme allerdings eine exzellente Lösung.

05.07.2005 um 11:23 Uhr

Profil und Universität

von: soclyt

Profilbildung ist eine - an sich überflüssige - Folgenotwendigkeit aus der Installierung von Wettbewerb. Profilbildung bedeutet Abschneidung; es werden Bereiche fallengelassen, ausgeklammert, nicht mehr oder nicht mehr ausreichend finanziert. Das Profil wird wettbewerbsgerecht geschnitten. Wettbewerbsinadäquates wird eingespart. Die Kriterien sind unklar; sie können willkürlich für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden(Mittelkürzung - Mittelzuweisung, Stellenstreichung - Stellenausbau). Profilbildung ist eine Verbrämung von und Legitimation für Einsparungen. Profilbildung ist ein Instrument zur Funktionalisierung der Hochschulen. Die Marktkonformität wird erhöht.Einfluss- und Zugriffsmöglichkeiten der Wirtschaft werden verstärkt. Marktrationalität verläuft nach anderen Gesichtspunkten als eine vernünftige Entwicklung von Wissenschaft unf Gesellschaft. Erkenntnis braucht Unabhängigkeit. Marktkonformität zerstört Wissenschaft. Profilbildung ist Element der internen Expansion der Marktwirtschaft, der Einführung marktwirtschaftlicher Prinzipien und damit Teil des Sich-Verkaufens. Eine Universität - und intellektuelle Tätigkeit überhaupt - soll aber nicht dem Markterfolg, sondern der Wahrheit verpflichtet sein - auch wenn sie nicht konform und unpopulär ist.