bildpolkrit

09.08.2005 um 16:50 Uhr

Hochschulen und Pferdedressur: Extrinsisch motivierte Leistungssteigerung

von: soclyt

"Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, brachte es mit dem Hinweis  auf eine Volksweisheit auf  den Punkt:'Ein Pferd springt nur so hoch, wie es muss'. Wer mehr Leistung wolle, müsse die Hindernisse erhöhen und dürfe nicht vergessen, 'den Pferden mehr zu saufen zu geben'." (Winnacker in: Forschung 2/2005, S.2).
Hinderniserhöhung/Anforderungserhöhung wird als Instrument der Leistungserhöhung propagiert. Abgezielt wird also nicht vordringlich auf  intrinsische Motivation im Sinne von Interesse an Erkenntnisfortschritt  oder gesellschaftspolitischer Verantwortung - vielleicht gibt es bei Wissenschaftlern auch ein paar andere Motivationen für Leistungserhöhung als den Pferde-Gesichtspunkt der Höhe der Barriere -, sondern auf Druck- und Zwangserhöhung. Das mag - obzwar motivationspsychologisch alles andere als eine fulminante Einsicht - schlau und "realistisch" wirken, aber man sollte sich auch über die umfassenden Auswirkungen "künstlich" und intendiert erhöhter Leistungsanforderungen Gedanken machen. Da gibt es nämlich auch Erhöhung an persönlichem Druck, biographische Umbrüche, Krisen - mit der Volksweisheit des Pferde-Vergleichs ist es da nicht getan. Auch nicht mit dem dahinterstehenden "Der Wettbewerb ist nun mal so", nachdem er bewußt installiert und für seine Forcierung gesorgt wurde.

04.08.2005 um 10:12 Uhr

Studiengebühren als Manifestation der Hochschul-Freiheit

von: soclyt

"Die Hochschulen müssen auch die Freiheit haben, Studienentgelte zu erheben, um ihr Lehrangebot zu verbessern." (FDP: Arbeit hat Vorfahrt. Deutschlandprogramm 2005).
Was bei der CDU anklingt, kommt bei der FDP explizit: Die Verbindung von Freiheit der Hochschulen und Studiengebühren. Die Hochschulen manifestieren ihre Freiheit, indem sie Studiengebühren erheben.
Freiheit besteht hier (auch) darin, anderen etwas auferlegen zu können. Die Ausübung der eigenen Freiheit beinhaltet in diesem Verständnis die Restriktion der Freiheit anderer.

03.08.2005 um 09:44 Uhr

CDU: Hochschulfinanzierung: Vom "Müssen" zum "Können"

von: soclyt

"Hochschulen sollen selbst neue Geldmittel erschließen können - entweder aus der Wirtschaft oder durch Studiengebühren" (CDU: Deutschlands Chancen nutzen. Bildung mit Köpfchen).
Sie müssen nicht mehr, sie sollen können - vom Zwang zur Möglichkeit/Chance. Sie bekommen weniger Geld vom Staat, dafür aber werden ihnen großartige Möglichkeiten eröffnet: Geldbettelei oder Geldeintreibung. Diese Chancen darf man ihnen doch nicht vorenthalten - das wäre eine Beschränkung der Freiheit der Hochschulen. Die soll aber programmgemäß gefördert werden :"Freiheit und Wettbewerb für die Hochschulen".

02.08.2005 um 09:42 Uhr

Ganztagesschule - Wem nützt sie?

von: soclyt

Den Schülern nicht; sie müssen mehr Zeit unter Reglementierung, Fremdbestimmung und Zwang verbringen. Das wird auch durch sogenannte "offene Angebote" nicht aufgehoben. Außerdem wird hier auf einen eingeschränkten Lernbegriff rekurriert; Lernen findet nicht nur in der Schule statt. Obwohl an diesem eingeengten Lernbegriff vielfach Kritik geübt wurde, wird er hier wieder zum Bezugspunkt gemacht.
Den Lehrern nicht; jeder weiß, daß nach einem Vormittag mit Schülern an einem Nachmittag das Engagement deutlich absinken würde. Dem ist wohl auch durch die Einstellung von Sozialpädagogen im Sinne einer "Schulsozialarbeit" nicht prinzipiell abzuhelfen.
Den Eltern zum Teil in der Weise, daß sie - z.B. bei Berufstätigkeit - sich von der Sorge um ihre Kinder entlastet fühlen könnten. Hier kommt sofort der Einwand, daß zu einem beträchtlichen Teil beide Elternteile berufstätig sein müssen. Selbst wenn es so ist, wieso ist das ein Argument dafür, die Kinder länger unter Schulzwang zu setzen, statt des Versuchs der Veränderung der Arbeitsbedingungen? Wieso wendet man sich gegen die Kinder statt gegen die Arbeitsbedingungen?
Den Beschäftigern von Arbeitskraft schon, weil sie über ein beide Geschlechter umfassendes Arbeitskräftepotential verfügen, das sich - unbelastet von der Sorge um die Kinder - ganz auf die Arbeit konzentrieren, sich ganz für die Arbeit einsetzen kann.
Von den Verfechtern wird hier von vornherein eine Höherbewertung der Berufstätigkeit - unabhängig von ihrem Inhalt, vor jeder Prüfung des Inhalts - gegenüber der Erziehungstätigkeit vorgenommen.

01.08.2005 um 09:37 Uhr

"Freiheit" in der Bildungspolitik: Die "Verantwortungs"-Restriktion

von: soclyt

Freiheit wird zusammen mit Verantwortung postuliert. Es wird also Freiheit und zugleich ihre Beschränkung institutionalisiert; damit ist ein Widerspruch installiert, der gehandhabt werden muss. Das ist auf vielen Ebenen, auf denen die Restriktion einsichtig ist oder erscheint, relativ unprobelmatisch. Erzeihung zum restringierten Gebrauch der Freiheit ist aber notwendig, weil Restriktionen bestehen; sonst könnte man Freiheit einfach lassen. Der restringierte Gebrauch aber muss erlernt werden. Es soll also in diesem Sinne zu "verantwortlichem" Gebrauch der Freiheit erzogen werden. Der Schüler soll dabei den Gebrauch der Freiheit lernen in Verhältnissen, die vielfältig reglementiert sind.