bildpolkrit

23.01.2006 um 20:31 Uhr

Bildung und Arbeitsmarkt

von: soclyt

Dass Bildung (stricto sensu) auf dem Arbeitsmarkt von Bedeutung ist, ist eine Behauptung, die des Beweises bedürfte. Insofern wird auch unterteilt in Qualifikation gegenüber Bildung. Was als Qualifikation gilt, bestimmt der Arbeitsmarkt. Die Funktionalisierung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten für den Arbeitsmarkt hat mit Bildung nichts zu tun (das ist, auch wenn es innerhalb bestimmter Grenzen nötig ist, etwas anderes). Hauptsächliches Orientierungskriterium für Bildung ist nicht der Arbeitsmarkt; mit Elementen wie Erarbeitung eigener Positionen, Unabhängigkeit, Kritik, Skepsis gegenüber eilfertiger Aktualität und gegenüber rascher und geschickter Anpassung an ungeprüfte Verhältnisse ist Bildung nicht einfach arbeitsmarktkonform. Die gegenwärtige Organisation der Arbeit ist für Bildung Gegenstand der Auseienandersetzung (als Teil der Auseinandersetzung mit der Realität).

18.01.2006 um 11:42 Uhr

Nachrichten aus Finnland (Pekka Himanen)

von: soclyt

Aus Finnland, das seit einiger Zeit fast zu einer Art Bildungs-Wunderland stilisiert wird, kommen den hiesigen Gebräuchen in der Bildungspolitik zuwiderlaufende Stellungnahmen. Pekka Himanen, der finnische Sozialphilosoph und Co-Autor von Manuel Castells, zu Linus Torvalds, Linux und den Verhältnissen im finnischen Bilgungswesen:
"Linus Torvalds ist keine Ausnahme. Das Internet Relay Chat wurde von einem Finnen erfunden, der erste grafische Web-Browser (vor Netscape und Mosaic) wurde von Finnen entwickelt - und so weiter. Es liegt am Bildungssystem. Das Studium an finnischen Universitäten ist kostenlos, und man bekommt ein monatliches Studiengeld. Deshalb gibt es keinen unmittelbaren Druck, möglichst schnell einen Abschluss zu machen und eine sichere Laufbahn anzusteuern. Linus Torvalds und andere haben Zeit und Platz, um ihre Ideen auszuprobieren. Das wird als wichtiger Bestandteil des akademischen Lebens in Finnland angesehen. Linus Torvalds hat acht Jahre gebraucht, um an der Universität Helsinki seinen Magister zu machen - aber er hat Linux geschaffen!"
(Himanen, zit. n. Berliner Republik 6/2005, S. 74).
Ja, aber die Finanzierung! (Auch dazu gibt es übrigens Vorschläge, die diskutiert werden könnten). Es soll hier nichts simplifiziert, idealisiert, unkritisch akzeptiert oder unzulässig generalisiert werden; aber zu denken geben könnte diese völlig ausserhalb der gegenwärtigen deutschen bildungspolitischen Diskussion liegende und in eine andere Richtung gehende Position schon - auch deshalb, weil sie durchaus Bestandteil der nicht-gegenwärtigen bildungspolitischen Debatte in Deutschland war.

12.01.2006 um 12:12 Uhr

Zugang zu Bildung - Zugang zum Arbeitsmarkt

von: soclyt

"Der Zugang zu Bildung bedeutet Zugang zum Arbeitsmarkt und damit soziale Sicherheit" (CDU: Mainzer Erklärung vom 7.1.2006, S. 6).
Nein, das bedeutet er nicht. Da ist Differenzierung nötig. Zugang zu Bildung bedeutet Zugang zu den Möglichkeiten, die das Bildungswesen bietet. Was beim Durchlaufen von Bildungsgängen herauskommt, ist eine eigene Frage ( Welche Abschlüsse erreicht werden, mit welchem Erfolg usw.).
Ob damit der Zugang zum Arbeitsmarkt gegeben ist, ist offen. Bildungswesen und Arbeitsmarkt funktionieren nach unterschiedlichen Gesichtspunkten. Der Arbeitsmarkt nimmt nicht einfach die Absolventen von Bildungsgängen auf; es werden Marktfaktoren wirksam. Zwar gibt es eine Korrelation zwischen niedrigen Bildungsabschlüssen und Arbeitslosigkeit, aber alles andere als eine Garantie für die positive Relation von höheren Abschlüssen und Nicht-Arbeitslosigkeit.
Was heißt "Zugang"? "Zugang" beinhaltet wohl nur die Potentialität einer Teilnahme. Dass es bei Bildungsprozessen nicht mit dem Zugang getan ist, haben Bourdieu u.a. ausführlich - und bereits vor längerer Zeit - gezeigt. Es kommt nicht auf den Zugang an, sondern auf die Verläufe und die Ergebnisse. Diese sind nicht nur Sache des einzelnen, der eben den "Zugang" und seine Chancen zu nutzen hat.
Was meint "Zugang zum Arbeitsmarkt"?
Dass jemand einen Arbeitsplatz bekommt? Wohl nicht. Dass jemand die Möglichkeit hat, sich auf dem Arbeitsmarkt zu bewerben? Zugang dazu, seine Arbeitskraft offerieren zu dürfen? Was wäre das Gegenteil: Nicht-Zugang? Das, was denen widerfährt, die von vornherein als für die Verwertung uninteressant ausselegiert werden?
"Zugang" ist Element eines Politikverständnisses, das Leistungen auf die Schaffung sogenannter "Chancen" beschränkt; um die Ergebnisse haben sich die mit diesen Bedingungen Konfrontierten in Anpassung an die Marktregularitäten selbst zu kümmern.

01.01.2006 um 12:34 Uhr

In eigener Sache: Kein Konnex von bildpolkrit mit "bildp...com"

von: soclyt

Der Suchmaschineneintrag  "www.bildp...com" stammt nicht vom Autor des Blogs bildpolkrit; der Eintrag verweist auf eine gegenwärtig nicht existierende domain.
Es besteht kein Konnex zwischen bildpolkrit und "bildpo...com".
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Bildpolkrit lehnt Vorgehensweisen dieser Art ab.
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