bildpolkrit

26.02.2006 um 12:49 Uhr

Gefährliche Effekte "lebenslangen Lernens"

von: soclyt

"Ohne lebenslanges Lernen kein lebenslanges Arbeiten" (EU-Bildungskommissar Jan Figel bei der "didacta"-Eröffnung, zit. n. Frankfurter  Rundschau, 21.2.6, S.4).
Wenn das die Folge von lebenslangem Lernen ist - sofort abschaffen.
Oder meint er mit "lebenslang" nicht lebenslang? Überhaupt sowieso natürlich irgendwie anders gemeint? Ein Sprachproblem? Ein Übersetzungsfehler? Falsch zitiert? Neues Arbeitsethos? Missverständnis von "Leben"? Überangepasstheit? Overachievement? Profilbildung? Neuausrichtung der EU-Politik? Maßnahme gegen die japanische Konkurrenz?
Auf jeden Fall: Sofortiger Stop lebenslangen Lernens!
Es war einem ja bisher gar nicht klar, in welche Situationen man sich da bringt. Es wäre sträflich, so etwas durch Lernen mutwillig herbeizuführen.
Also: Boykottierung "lebenslangen Lernens"!

22.02.2006 um 11:41 Uhr

"Differenzierung des Lehrkörpers" an Universtäten (Wissenschaftsrat)

von: soclyt

"Gleichzeitig müssen Überlegungen zu einer Differenzierung des Lehrkörpers insbesondere an Universitäten vorangetrieben werden. Zukünftig könnte es Hochschullehrer geben, die einen deutlichen Aufgabenschwerpunkt in der Lehre haben. Hierzu könnte auch eine neue Personalkategorie unterhalb der Professur gehören."
(Wissenschaftsrat: Empfehlungen zum arbeitsmarkt- und demographiegerechten Ausbau des Hochschulsystems, S.84).
Intention ist die Erzielung von Einsparungen; eine Personalkategorie "unterhalb der Professur" ist billiger; sie dürfte gekennzeichnet sein durch geringere Bezahlung, höheres Stundendeputat, wenig eigene Forschung.
Effekt wird eine Statusdifferenz mit entsprechend unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten sein.
Ob damit eine "größere Vielfalt des Lehrangebots" (a.a.O., S. 72) erreicht wird, ist fraglich.
Die Einheit von Forschung und Lehre ist so in einem weiteren Schritt erledigt.

10.02.2006 um 11:38 Uhr

"Neue Gerechtigkeit" und Bildung

von: soclyt

"Noch immer entscheidet die Herkunft eines Menschen erheblich über seine Bildungschancen und damit über seine späteren Aussichten am Arbeitsmarkt. Deshalb ist es gerecht, dass die CDU in einer Kommission 'Bildungschancen und Erziehung' nach Wegen sucht, diesen Missstand zu beenden." (CDU: Mainzer Erklärung 7.1.2006, S. 3).
Gerecht wäre es, den Missstand zu beheben (weil dadurch dem einzelnen von ihm nicht verschuldete Nachteile entstehen). Die Suche nach Wegen durch eine Kommission ist keine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine Verfahrensweise (die evtl. Teil eines Vorgehens sein kann, das zu Gerechtigkeit führen kann).
Was ist neu an dieser "Neuen Gerechtigkeit"? Den zugrundeliegenden Sachverhalt, Diskussionen darüber, Beteuerungen und einige Maßnahmen dazu gibt es seit Jahrzehnten.
"Gerechtigkeit" in der Bildung wird dann  zum Thema gemacht, wenn mehr Qualifizierte nötig sind. Aus der Sicht der Bildungspolitik geht es bei Qualifizierung nicht vordringlich um das Wohl des einzelnen - auch wenn dies vorgegeben, dieser Anschein erweckt wird -, sondern um die Position des Staates in der internationalen Konkurrenz. Bildung des Individuums ist Mittel für die Durchsetzung dieses Zwecks -  ebenso die Effekte von "(Neuer) Gerechtigkeit" im Bildungswesen.
Die Relation zwischen "bildungsferner" sozialer Herkunft und schlechten Bildungschancen soll kompensatorisch verändert werden. Eine einschränkende soziale Situation ist eine umfangreichere Benachteiligung als schlechter Zugang zu Bildung. Es geht nicht um die Veränderung der sozialen Grundsituation, sondern um die Beseitigung einer Dysfunktionalität. Man mag einwenden, dass das nicht Gegenstand der Bildungspolitik sei - Gegenstand von Bildung ist es schon. Bildbar sind nicht nur Individuen, sondern auch Verhältnisse: Formbar, vernünftig zu machen und damit vernünftig machend, fördernd und freisetzend statt restringierend.