bildpolkrit

26.11.2006 um 19:51 Uhr

Förderung von nano, bio, info

von: soclyt

Endlich ein griffiges, auch andernorts flächendeckend anwendbares Konzept für Fördero.

Damit die Sprach- und Literaturwissenschaften (Germano, Anglo, Romano, Slawo, Sino, Japano ...) auch noch etwas bekommen, könnte man sie unter info subsumieren.

Die Sozialwissenschaften (Sozio, Polito ...) haben doch irgendwie auch mit bio zu tun.

Die kleinen Fächer (Philo, Archäo, Musiko, Byzanto ...) kann man dann nano zuschlagen.

Wünschenswert ist eine Focussierung der Sprach- und Literaturwissenschaften auf den Mediamarkt, der Sozialwissenschaften auf globale und nationale Märkte sowie auf Arbeits-, Gesundheits- und Bildungsmarkt, der kleinen Disziplinen auf den Floh- und Trödelmarkt.

Natürlich müssen von diesen Disziplinen dann auch Unternehmen gegründet werden; auf längere Sicht steht eine Öffnung des Patentrechts an. 

 

23.11.2006 um 11:22 Uhr

DGB: Fortbildung als Umqualifizierung für ältere Mitarbeiter im öffentlichen Dienst

von: soclyt

"Es geht darum, den zu erreichen, der 20 Jahre lang das Gleiche gemacht hat und der vielleicht gar nicht mehr weiß, dass er auch noch etwas anderes machen kann" (Ingrid Sehrbrock, zit. n. SZ 22.11.2006, S. 7).

Da muß man ihn - vielleicht mit etwas Druck - doch daran erinnern und ihn bei der Ausschöpfung seines brachliegenden Potentials unterstützen.

Fortbildung ist hier Umqualifizierung zur Aufrechterhaltung der Verwend- und Verwertbarkeit: "Wir wollen in Zukunft Beratung anbieten für Menschen über 50, deren bisherige Qualifikation nicht mehr gebraucht wird" (Sehrbrock, a.a.O.).

Längere Verwendung im Arbeitsleben erfordert längere Aufrechterhaltung der Verwendbarkeit. Wenn man die Leute später in den Ruhestand schicken will, muß man sie vorher länger noch gebrauchsfähig erhalten - Mittel dafür ist Fortbildung. 

Dabei kommen das Instrumentarium und die Rhetorik aktuellen Personalmanagements zum Einsatz: Es wird "Beratung angeboten",  man will jemanden "erreichen", den sich selber falsch Einschätzenden bei ihrer Entfaltung behilflich sein, die dann ihre Brauchbarkeit restituiert und evtl. erhöht.

Fortbildung könnte eine sinnvolle Sache sein. Aber hier liegt eine Zwangssituation und ein fremdbestimmt-funktionaler Gebrauch von Fortbildung vor: Erst wird bestimmt, dass die Leute länger arbeiten müssen, dann wird die Konsequenz gezogen, dass sie - als Folgenotwendigkeit - auch länger ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten haben - über Fortbildung.

Und der DGB macht das Spiel mit - natürlich zum "Wohle" der älteren Mitarbeiter.

 

17.11.2006 um 12:52 Uhr

Bibliotheken in der Wissensgesellschaft: Sparen an den Hochschul-Bibliotheken

von: soclyt

Die Hochschul-Bibliotheken haben zu wenig Personal und zu wenig Geld für die Neuanschaffung von Büchern.

Selbstverständlich ist die Situation - wie viele andere auch - nur durch Anwendung der probaten, nach Meinung ihrer Befürworter fast alle Probleme lösenden Mittel der Marktwirtschaft verbesserbar.

Lösungsvorschlag 1: Mehr Wettbewerb unter den HS-Bibliotheken

Ranking nach Ausleihzahlen, Ausleihgeschwindigkeit, Rücklaufzeiten, Schwundquote. Verstärktes Ausleihmarketing. Bibiliotheksbedienstete als fliegende Bücheranbieter in Seminaren, Mensa und Cafeteria.

Lösungsvorschlag 2: Abschaffung der Hochschul-Bibliotheken

Im Zuge gesteigerter Eigenverantwortung wäre es doch logisch, dass Studierende in Zukunft ihre Bücher selbst kaufen - als Teil des Investments in Bildung. Der Staat spart Geld, die Bibliotheksbediensteten werden umgeschult oder Privatbibliotheksunternehmer (siehe dazu unten), die Studierenden werden in ihrer Eigenverantwortung und Autonomie gestärkt: Sie dürfen selbst entscheiden, ob sie die für ihr Studium nötigen Bücher kaufen oder nicht.

Lösungsvorschlag 3: Privatisierung der Bibliotheken

Zur Ausleihe für Studenten, die sich ihre Bücher nicht selbst kaufen. Problem: Kontinuierlicher Anstieg der Entleihpreise. Aber: Die Entleihgebühren sind leicht durch erweiterte Nebentätigkeiten finanzierbar.

Denkbar wäre außerdem noch eine mehr historisch inspirierte Variante: Handgefertigte Vorlesungsmitschriften statt Bücher - der Reiz des Mittelalters. 

15.11.2006 um 11:16 Uhr

Gesellschaftliches Engagement für die Karriere

von: soclyt

Studierende engagieren sich gesellschaftlich, weil das eine gute Möglichkeit zur Weiterqualifizierung bietet (57 %) und es "bessere Chancen im späteren Berufsleben" eröffnet (56 %). (Siehe dazu HISBUS in "Zeit" Nr. 46 vom 9.11.2006, S. 96).

Sie erfüllen damit die Erwartungen der Unternehmen auf adäquates soziales Engagement. Gesellschaftliches Engagement wird zum Nachweis von Schlüsselkompetenzen. 

Der strategische Einsatz des sozialen Engagements macht es zum Mittel für das eigene Vorwärtskommen und wirkt sich bei Entscheidungen auf die Inhalte (die diesem Ziel förderlich sein sollen) und die Formen (Situativität, Diskontinuität) der Aktivitäten aus.

Die Wendung gegen die Zwänge von Organisationsdisziplin führt aber nicht zu einer gegen die Zwänge des Karrierismus und der ökonomischen Abhängigkeit. Dieses eigeninteressiert freigesetzte Individuum ist marktfunktional - und bleibt auch in dieser widersprüchlichen Position sich selbst limitierender Autonomie. Konsequenz ist Reproduktion bestehender Verhältnisse mit unwesentlichen Modifikationen.

Gesellschaftliches Engagement, wenn/damit es der Karriere förderlich ist - ein Beispiel für die Akkomodation an Rahmenbedingungen. 

13.11.2006 um 11:14 Uhr

Numerus Clausus: Funktionen

von: soclyt

Welche Funktionen hat der Numerus Clausus?

Erhaltung der Lehrqualität?

Kostensenkung?

Inhaltliche Steuerung, disziplinäre Umlenkung?

Abwehr unerwünschter Studentenmassen?

Profilierung der Hochschulen über Auswahl der Studierenden?

Schutz des Lehrpersonals?

Flexibilisierungstraining für Studierende?

Hinweis auf weitgehende inhaltliche Bedeutungslosigkeit der Erstausbildung?

Erzeugung erhöhter Wettbewerbsmotivation unter Studierenden?

08.11.2006 um 12:27 Uhr

HRK: Zulassungsbeschränkungen und Bachelor: 81, 86, 92% der Bachelor-Studiengänge in einzelnen Bundesländern zulassungsbeschränkt

von: soclyt

Obwohl die Zahl der Studierenden längerfristig erhöht werden soll, sind die Anteile zulassungsbeschränkter Bachelor-Studiengänge sehr hoch: Baden-Württemberg 81%, Hamburg 86%, Berlin 92% (HRK-Pressemitteilung 6.11.2006 - 59/06 HRK).

Wie sich solche Quoten auf Entscheidungen bei der Wahl von Studienfächern auswirken, wäre interessant zu erfahren.

Zur Begründung wird angeführt:"Die Bologna-Reform steht auch für Lehrqualität und bessere Betreuung der Studierenden. Dieser Anspruch lässt sich nur mit einem vernünftigen Zahlenverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden einlösen" (Wintermantel, a.a.O.). Also bessere Lehrqualität für weniger?

In den Bachelor-Studiengängen wurde der Numerus Clausus eingeführt, "um in kleineren Lerngruppen neue Lehrkonzepte umzusetzen"(HRK, a.a.O.).

Also: Hohe Zulassungsbeschränkungen in Verbindung mit einem Abschluss, der nicht viel wert ist - sind das die neuen Steuerungsinstrumente einer effizienzorientierten Hochschulpolitik?