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13.02.2007 um 12:05 Uhr

Bildung und Markt: Professionellere Erschließung internationaler Bildungsmärkte

von: soclyt

"Wir müssen lernen, die internationalen Bildungsmärkte professioneller zu erschließen. "(Wolfgang Herrmann, Präsident TUM, zit.n. Focus 2/2007, S. 67).

Weltweite Erfassung der in Frage kommenden Schüler, Studenten, Wissenschaftler?

Anlage von Brain-Daten-Banken?

Langzeitbeobachtung individueller Entwicklungsverläufe per Fernaufklärung?

Einsatz von Brain-Hunters mit prozentualer finanzieller Beteiligung in Form von Kopfgeldprämien?

Individuell zugeschnittene An- und Abwerbestrategien?

Absteckung von claims?

Neutralisierungsstrategien gegen die Bildungsmaktkonkurrenten?

Erklärung dieser Ressourcen zu Gegenständen nationalen Interesses (wie Öl, Gas)? 

09.02.2007 um 11:05 Uhr

Grenzen des Staates: Stühle und Teppichböden - Sponsoring als Lösung?

von: soclyt

An einer süddeutschen Uni stößt der Staat an seine Grenzen - sie haben die Form von Klapptischen und Teppichböden.

Die Uni Erlangen-Nürnberg akzeptiert für die Erneuerung von Klappstühlen, Teppichböden und Wandanstrich in zwei Hörsälen Sponsormittel einer Bank und benennt einen Hörsaal nach dem Sponsor, denn:"Der Staat stößt hier an seine finanziellen Grenzen. Ohne die Sponsormittel wären wir dazu nicht in der Lage."(Karl-Dieter Grüske, Rektor, zit. n. MZ 8.2.2007).

Wenn der Staat beim Ersatz alter Stühle, Bodenbeläge, Anstriche in zwei (!) Hörsälen an seine Grenzen stößt und nun "bereits der vierte Uni-Hörsaal den Namen eines Sponsors" trägt (a.a.O.) - wie sieht dann die Entwicklung des staatlichen Hochschulsystems in der nächsten Zeit aus?

Weiterführung des Entwicklungspfades: Durch Absperrgitter jahrelange Unzugänglichkeit gefährlicher Bereiche wegen Baufälligkeit - Gefährdung durch herabstürzende Betonteile - Wassereinbruch in der Bibliothek?

Oder: Public-Private-Partnership: Kauf dir einen Hörsaal - oder wenigstens einen Klappstuhl (und vermiete ihn an die Uni; günstig gelegene haben höheres Vermietungspotential). Leiste einen Beitrag zur Finanzierung von Cafeteria oder Mensa: Es gibt dann Kaffeebecher mit Deinem Namen; bei größeren Beträgen den Titel "Anerkannter Sponsor der Cafeteria der Universität ..." - nützlich bei Bewerbungen zum Nachweis sozialer und ökonomischer Kompetenz. Schließe mit der Uni einen Leasing-Vertrag für Deine alten Bücher - win-win-Situation für Deine Wohnung und die Uni-Bibliothek.

Oder: Die Universität als selbstregulierendes System: Verpflichtung der Studierenden zu Instandhaltungsarbeiten.  

08.02.2007 um 11:22 Uhr

Fremdsprachen im Unterricht: Chinesisch, Arabisch und Urdu für britische Schüler

von: soclyt

"Junge Menschen müssen sich bewusst sein, dass Sprachen einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt bedeuten können" (Alan Johnson, Bildungsminister, zit. n. SZ 6.2.2007, S.9); dabei geht es um "wirtschaftlich nützliche Sprachen" wie Arabisch, Urdu, Hindi, Mandarin-Chinesisch (SZ 6.2.2007 und SZ 7.2.2007).

Dass in den Schulen auch außereuropäische Sprachen gelernt werden sollen, wird kaum jemand bestreiten.

Aber anscheinend muss hier wieder die Beschränkung auf "wirtschaftliche Nützlichkeit" und - potentiellen, wie ausdrücklich hervorgehoben - "Arbeitsmarktvorteil" im Zentrum stehen, anscheinend gibt es nicht ein paar andere Gründe, Sprachen aus Kulturen wie der indischen, der chinesischen und der arabischen zu lernen statt ökonomistischer Verkürzung und Engführung mit entsprechender Ausrichtung der Lernenden.

06.02.2007 um 12:00 Uhr

Lehrprofessur - Entdeckung eines Eigenwerts der Lehre?

von: soclyt

Die Lehrprofessur wird nicht deshalb eingerichtet, weil man plötzlich Wert und Bedeutung der Lehre erkannt hat und sie verbessern will, sondern um größere Studentenzahlen effizienter, kostengünstiger und schneller durchzuschleusen. Zwischen Verbesserung und Effektivierung der Lehre ist zu differenzieren - damit werden unterschiedliche Zwecke verfolgt.

Die Lehrprofessur ist nicht an den "Bedürfnissen der Studenten" orientiert, sondern an den Zwecksetzungen von Politik und Administration.

Die Lehrprofessur hebt sich deshalb positiv ab, weil das Lecturer-Konzept noch schlechter ist.

"Ein Drittel Forschung" hat Alibi-Funktion.

Die Lehrprofessur erhöht nicht den Stellenwert der Lehre, sondern führt zu einem Zwei-Klassen-System.

02.02.2007 um 10:49 Uhr

BMBF: Stilblüten wie "Lebensbiographie" - oder: Weiterbildung für Staatssekretäre erforderlich?

von: soclyt

"Weiterbildung muss für alle Bürgerinnen und Bürger ein fester, aber auch selbstverständlicher Bestandteil der eigenen Lebensbiographie werden." (Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, in BMBF-Pressemitteilung 015/2007 vom 29.1.2007).

"Lebensbiographie": Ein Staatssekretär im BMBF weiß anscheinend nicht, was "Biographie" bedeutet. Ist das auch sonst niemandem im Ministerium aufgefallen? Sind die im BMBF Tätigen so sehr mit ihrer neuen Rolle Innovationsprotagonisten beschäftigt, dass sie so einfache Dinge nicht mehr wahrnehmen? Ist das ein Indikator für Ignoranz oder für mangelnde Qualität der Arbeit? Ist eine Pressemitteilung so unwichtig, dass man auf solche Kleinigkeiten nicht achten zu müssen glaubt?

"Eigene": Gemeint ist: Jeder muss.

"Selbstverständlich": Man soll sich nicht gezwungen fühlen. Es geht nämlich darum, "die Beschäftigungsfähigkeit für ein ganzes Erwerbsleben zu sichern" (a.a.O.) - was trotz des Euphemismus Zwang beinhaltet.

Wie wäre es mit Weiterbildung für BMBF-Staatssekretäre?