bildpolkrit

27.02.2008 um 12:09 Uhr

Bildungspolitik als "Herzstück der Landespolitik" (Schavan)

von: soclyt   Stichwörter: Bildungspolitik

"Bildungspolitik ist das Herzstück der Landespolitik." (Schavan in "Zeit", 7.2.2008, S. 60). Auch Zöllner findet, "dass die Bildungspolitik in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat, ist unterm Strich erfreulich" (a.a.O.).

Nachdem Bildungspolitik lange Zeit ein peripheres Dasein geführt hat, wird sie jetzt zum "Herzstück" deklariert - man hat sie als Mittel entdeckt für Vorteilserreichung in der internationalen Konkurrenz, Standortsicherung, Unterstützung der Propagierung einer "Wissensgesellschaft", Verschiebung auf "Chancengerechtigkeit", Ansprechen und Gewinnung von Eltern als Wähler für die eigene Partei. Man kann Bildungspolitik mal so, mal so instrumentalisieren und das jeweils als positiv verkaufen - Betroffene und Wähler machen das in großem Umfang mit.    

20.02.2008 um 11:02 Uhr

Mangelhafte Ressourcennutzung: Frauen und Alte (MPI für Bildungsforschung)

"Es gibt in unserer Wissensgesellschaft zwei nicht ausgenutzte Ressourcen: Menschen über 65 - und Frauen." (Stammt angeblich vom MPI für Bildungs(!)forschung; zit. n. FR 19.2.2008, S. 15).

So kann man mit "Ressourcen" natürlich nicht umgehen - Ausschöpfen bis zum letzten ist das Gebot der Stunde und der ökonomischen Rationalität. Noch dazu in Zeiten von Globalisierung und internationaler Konkurrenz. In Ländern der Dritten Welt wird die Ressource der "über 65-Jährigen" weit effizienter ausgenutzt - sofern sie nicht vorher tot sind. Auch die Ressourcennutzung der Frauen bereitet keine größeren Probleme. Da kann man sich nicht mit Kinkerlitzchen aufhalten wie denen, dass es vielleicht - außer sich als Ressource benutzen zu lassen - noch ein paar andere sinnvolle Tätigkeiten im Leben geben könnte. Den Frauen kann man das als Emanzipation verkaufen - und sie akzeptieren es auch.

Nur: Als Ressource wofür sind diese Bevölkerungsgruppen nicht ausgenutzt? Um "Wissensgesellschaft" geht es da nicht - eher um eine Integration in Verwertungsverhältnisse. Wobei es vielen der Betroffenen als durchaus erstrebenswertes Ziel erscheint, unter gesellschaftlicher Anerkennung als Ressource definiert und ausgenutzt zu werden.

Vorschlag zur Umbenennung des MPI: Institut für Nutzungs- und Verwertungsforschung.

01.02.2008 um 11:05 Uhr

Bildungsabschlüsse durch Unternehmen (McDonald's, Flybe, Network Rail)

von: soclyt

Eine neue Entwicklung, ein neuer Erfolg: Unternehmen sind berechtigt zur Vergabe von Bildungsabschlüssen (Siehe FR 29.1.2008, S. 15 und SZ 29.1.2008, Titelseite).

Ausbildung in einem Privatunternehmen ist nach anderen Zwecken ausgerichtet als die in Bildungsinstitutionen.

Niemandem sollen, wenn er eine Ausbildung gemacht hat, evtl. auch breiter verwendbare Zertifikate vorenthalten werden. Der Umfang der Qualifikationen, ihre Ausrichtung und ihre Berechtigungsbreite müssen aber eingestuft werden.

Jeder soll Zugang zu Wissen haben; Qualifikationen und Zertifikate können aber auch partialisiert, wenig aussagekräftig, entwertet und zur Farce werden - dann nützen sie ihrem Inhaber auch nicht mehr viel.