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13.03.2008 um 11:22 Uhr

Jurastudium: Begrenzte Zahl der Masterstudienplätze

von: soclyt   Stichwörter: Jura, Master, Bologna

Eine klare Aussage dazu, dass die Zahl der Studienplätze im Masterstudium für Juristen begrenzt ist: "Weil der 'Bachelor' per Definition berufsqualifizierend sein soll, sind Plätze für ein aufbauendes Masterstudium aber nur für 40 Prozent der Rechtsstudenten vorgesehen (...)" (SZ, 12.11.2007). Bisher wurden Restriktionen dieser Art in der Diskussion um die Bologna-Studiengänge eher diskret behandelt. Problem dabei ist:"Nennen Sie mir einen einzigen juristischen Beruf, in dem Studenten nach sechs Semestern ernsthaft Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben" (Beate Merk, bayerische Justizministerin, zit. n. SZ, a.a.O.). Folge wäre letztendlich: "Damit würden künftig 60 Prozent der deutschen Jurastudenten 'von vornherein für die Arbeitslosigkeit' ausgebildet" (a.a.O.).   

12.03.2008 um 11:22 Uhr

Internationaler Bildungsmarkt: Global University - oder: Was soll Verbreitung von Wissen, wenn man nichts dabei verdient

Englischsprachige Universitäten betreiben "in a kind of educational gold rush" Bildungsmarktexpansion "in booming markets like China, India and Singapore", besonders auch "in the oil-rich Middle East" (The New York Times, Monday, February 18, 2008; Beilage zur SZ). Dabei sollen globale Institutionen mit Konkurrenzdurchsetzungsfähigkeit entstehen:"'Where universities are heading now is toward becoming global universities (...) We'll have more and more universities competing internationally for resources, faculty and the best students.'" (Howard Rollins, former director of international programs at Georgia Tech, a.a.O.). Dafür werden erhabene Motive angeführt:"'I believe these programs can actually reduce friction between countries and cultures'" (David J. Skorton, Präsident der Cornell University, Ithaca, New York, a.a.O.). Das ist schön und löblich, besonders wenn es mit Geldmachen einhergehen kann. Damit ist der universale Anspruch von Bildung besonders gut zu erfüllen. "'A lot of these educators are trying to present themselves as benevolent and altruistic, when in reality, their programs are aimed at making money'"(Dana Rohrabacher, "a California Republican who has criticized the rush overseas", a.a.O.). Globale Wissensvermittlung - aber es muss schon etwas dabei herausspringen.

10.03.2008 um 11:13 Uhr

Vorschlag: Einführung eines Wissenschaftsagenten

Es gibt Literaturagenten - warum keine Wissenschaftsagenten? Das Modell könnte bei der Einführung etwas erweitert werden. Der Wissenschaftsagent bietet eine Fülle von Leistungen, übernimmt Routinearbeiten, erfüllt die Anforderungen des Wissenschaftsmarktes, führt Tätigkeiten durch, die er aufgrund seiner Kompetenzen und Erfahrungen besser beherrscht als der Wissenschaftler, und setzt den Wissenschaftler frei für das, was er eigentlich - ja, was bleibt da noch? Auf jeden Fall findet aber so eine Effizienzsteigerung statt.

Der Wissenschaftsagent

sucht Stellen,

eruiert die tatsächlichen Anforderungen,

erstellt Profile (bis zu 400),

bereitet Berufungsverhandlungen vor und begleitet sie,

erzielt positive Images bei den Studierenden,

stellt Material für Vorlesungen und andere Lästigkeiten zur Verfügung,

bietet Professionalität in der Lehre,

kennt die in Frage kommenden Tasten auf dem Notebook,

schreibt Gutachten und Forschungsanträge (bei etwas erhöhter Honorierung auch auf Vorrat),

coacht bei der Gremienarbeit (besonders wichtig: Entspannungstraining),

gräbt Drittmittel aus,

erstellt und platziert öffentliche Vorträge (beschafft auf Wunsch Claqeure, Diskutanten und Journalisten),

steigert Clickraten,

baut Zitierkartelle,

konzipiert Artikel und sorgt für ihre Publikation an renommierter Stelle,

schreibt kritische Rezensionen,

führt Forschungsprojekte durch,

entlässt Mitarbeiter,

pflegt internationale Kontakte (und macht das auch bekannt),

organisiert Kongresse (auf Wunsch drei bis sechs pro Jahr),

dient so als eine Art hilfreicher Wissenschaftsroboter - der Wissenschaftler wird dadurch überflüssig.

09.03.2008 um 18:49 Uhr

Bildung und Menschenbild

von: soclyt   Stichwörter: Bildung, Bildungspolitik, Menschenbild

Bildung hat mit der Frage zu tun, zu welchem Menschen in welcher Gesellschaft man sich machen will. Seit einiger Zeit wird darauf hingewirkt, dass die Frage, wie ein Mensch vorwiegend sein soll, so beantwortet wird:

Sich vermarktend; vermarktungsfähig, -willig und vermarktbar;

flexibel;

die Positionen wechselnd;

sich anpassend;

funktionierend;

das Gegebene akzeptierend;

sich geschickt darin bewegend;

nichts grundsätzlich in Frage stellend.

01.03.2008 um 11:59 Uhr

Elite und Provinz: Zweiteilung des Hochschulbereichs

Vor einer Zweiteilung des Hochschulbereichs in elitäre und mehr oder weniger provinzielle Hochschulen wurde mehrfach gewarnt. Jetzt scheint das Verfahren erste Erfolge zu zeitigen:

"Hier in Sachsen laufen den Universitäten reihenweise die guten Wissenschaftler davon, weil sie dem Ruf einer Elite-Uni folgen. Das ist ein völlig logischer Effekt, aber damit wird eine gut entwickelte Forschungslandschaft ausgehöhlt." (Eva-Maria Stange in SZ, 25.2.2008, S. 18).

Das konnte man vorher aufgrund von Erfahrungen wie in den USA natürlich nicht wissen. 

Möglichkeiten:

- Die bewährte Deklaration als "Übergangsschwierigkeiten"

- Einige kosmetische Korrekturen/Kompensationen

- Einfach so lassen.