Wer einen Goldbarren aus dem Tresor und eine geerbte Halskette nebeneinanderlegt, hält zwei sehr unterschiedliche Produkte in der Hand, auch wenn auf beiden derselbe Rohstoff steht. Anlagegold und Schmuckgold folgen getrennten Marktlogiken, sie unterliegen unterschiedlichen Standards, verschiedenen Steuerregeln und sie erzielen beim Wiederverkauf selten den gleichen Preis pro Gramm Feingold.
Inhaltsverzeichnis
Anlagegold, klare Standards und ein marktnaher Preis
Anlagegold ist auf Liquidität und Vergleichbarkeit ausgelegt. Goldbarren müssen nach europäischem Umsatzsteuerrecht einen Feingehalt von mindestens 995/1000 aufweisen, um als Anlagegold zu gelten. Anlagemünzen brauchen einen Feingehalt von mindestens 900/1000, müssen in ihrem Herkunftsland gesetzliches Zahlungsmittel sein oder gewesen sein und dürfen im Verkauf nicht mehr als 80 Prozent über ihrem Materialwert liegen. Welche ausländischen Goldmünzen die Kriterien erfüllen, listet das Bundesfinanzministerium jährlich in einem amtlichen Verzeichnis.
Im professionellen Handel setzt die London Bullion Market Association den Maßstab. Der Good Delivery Standard regelt Gewicht, Reinheit, Kennzeichnung und Herkunft von Großbarren, die zwischen Banken, Zentralbanken und institutionellen Anlegern bewegt werden. Ein Good Delivery Goldbarren wiegt zwischen 350 und 430 Feinunzen, das entspricht ungefähr 10,9 bis 13,4 Kilogramm, bei einem Mindestfeingehalt von 995/1000. Raffinerien müssen mindestens drei Jahre Produktionshistorie und eine jährliche Mindestproduktion von zehn Tonnen Feingold nachweisen, um auf die Good Delivery List aufgenommen zu werden. Für Privatanleger ist diese Liste in erster Linie ein Vertrauenssignal, denn Barren von LBMA-anerkannten Herstellern wie Heraeus, Umicore, Argor-Heraeus, Valcambi, Pamp oder Heimerle und Meule sind weltweit unkompliziert wieder verkäuflich. Wer den Wert seiner Bestände prüfen oder Stücke abgeben möchte, findet bei einem seriösen Goldankauf in München eine tagespreisorientierte Bewertung anhand des aktuellen Spotpreises sowie eine Echtheitsprüfung des Materials.
Bei Anlagemünzen dominieren wenige Klassiker den Markt. Der südafrikanische Krügerrand wurde 1967 als erste moderne Bullionmünze eingeführt und besteht aus 22 Karat Gold mit einem Feingehalt von 916,7/1000, enthält aber dennoch eine volle Feinunze Gold, da das Kupfer als zusätzliches Material beigemischt wird. Der Wiener Philharmoniker, seit 1989 von der Münze Österreich geprägt, kommt ohne Kupferanteil aus und erreicht 999,9/1000 Feingold. Die 1-Unzen-Variante wiegt 31,103 Gramm, hat einen Durchmesser von 37 Millimetern und einen Nennwert von 100 Euro. Der kanadische Maple Leaf liegt ebenfalls bei 999,9/1000 und besitzt seit einigen Jahren Sicherheitsmerkmale wie Mikrogravuren und Radiallinien.
Schmuckgold, warum der Wiederverkauf anders funktioniert
Goldschmuck folgt einer anderen Preislogik. Beim Neukauf zahlen Kundinnen und Kunden nicht nur den Materialwert, sondern auch Designaufwand, Handwerksleistung, Markenname, Handelsmarge und 19 Prozent Mehrwertsteuer. Beim Wiederverkauf zählt davon nur ein Teil. Maßgeblich ist der reine Feingoldgehalt, der sich aus der Karat-Punzierung ablesen lässt. 333er Gold enthält 33,3 Prozent Feingold, 585er Gold 58,5 Prozent, 750er Gold 75 Prozent und 916er beziehungsweise 22-karätiges Gold 91,67 Prozent. Aus dem Gesamtgewicht eines Schmuckstücks lässt sich so der reine Goldanteil errechnen, der mit dem tagesaktuellen Goldpreis multipliziert wird.
Der Designaufschlag verschwindet beim Ankauf in der Regel vollständig, da Schmuckankäufer das Material verarbeiten oder einschmelzen, sofern keine numismatische oder markenbezogene Sonderstellung vorliegt. Hinzu kommen Abschläge für Verarbeitungsverluste beim Scheiden, für Steine, die separat bewertet werden, und für die Marge des Ankäufers. Der Materialwert eines Schmuckstücks ist daher meist eine Untergrenze, kein Verkaufspreis im klassischen Sinne. Punzierungen mit der Karat-Angabe, Herstellerstempel und gegebenenfalls Echtheitszertifikate erleichtern die Bewertung und können den Preis stabilisieren.
Steuerliche Unterschiede zwischen Anlagegold und Schmuck
Anlagegold ist nach Paragraf 25c des Umsatzsteuergesetzes von der Umsatzsteuer befreit. Die Regelung beruht auf Artikel 344 der EU-Mehrwertsteuersystemrichtlinie und wurde mit der Richtlinie 98/80/EG zum 1. Januar 1993 in der Union eingeführt. Goldbarren ab 995/1000 Feingehalt und gängige Anlagemünzen wie Krügerrand, Maple Leaf oder Wiener Philharmoniker können daher in Deutschland ohne Mehrwertsteuer erworben werden. Schmuckgold, Altgold und Sammlermünzen, die nicht in das Verzeichnis des Bundesfinanzministeriums fallen, unterliegen dagegen dem regulären Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent.
Beim Verkauf gilt für physische Edelmetalle einheitlich die Regelung des Paragrafen 23 Einkommensteuergesetz. Gewinne aus einer Veräußerung sind nach einer Haltedauer von mindestens zwölf Monaten steuerfrei. Wird früher verkauft, greift der persönliche Einkommensteuersatz, wobei eine Freigrenze von 600 Euro pro Jahr besteht. Bei Silbermünzen aus Nicht-EU-Staaten war bis Ende 2022 die Differenzbesteuerung weit verbreitet, also die Versteuerung allein der Händlermarge statt des gesamten Verkaufspreises. Mit dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 28. Oktober 2022 wurde diese Praxis zum 1. Januar 2023 stark eingeschränkt, sodass auf den meisten Silbermünzen nun der reguläre Mehrwertsteuersatz anfällt.
Bewertung in der Praxis, worauf beim Verkauf zu achten ist
Wer Anlagegold oder Schmuck abgeben möchte, sollte sich an drei Eckpunkten orientieren. Erstens am Spotpreis, dem internationalen Referenzpreis je Feinunze, der über die LBMA-Auktionen zweimal täglich in London festgestellt wird und in Echtzeit an den großen Edelmetallbörsen quotiert wird. Zweitens am Feingehalt, der bei Barren auf der Prägung, bei Münzen über die offiziellen Spezifikationen und bei Schmuck über die Karat-Punzierung dokumentiert ist. Drittens an der Prüfmethode des Ankäufers. Professionelle Stellen arbeiten mit Röntgenfluoreszenzanalyse, mit Säureproben und mit Präzisionswaagen, die auf Hundertstel Gramm kalibriert sind.

