Chiropraktiker oder Osteopath? Wer macht was? Und wo liegt eigentlich der Unterschied? Lesen Sie den folgenden Artikel, damit Sie sich bei der Notwendigkeit einer Behandlung besser entscheiden können.

Beginnen wir mit der Osteopathie

Am Anfang steht die Anamnese um herauszufinden, welche Faktoren zu den aktuellen Einschränkungen/Problemen geführt haben. Dazu gehören Vorerkrankungen, Operationen, Unfälle, gravierende Lebensereignisse und psychische Erkrankungen. Diese Genauigkeit ist wichtig, weil die Osteopathie den Menschen in seiner Gesamtheit als Funktionseinheit betrachtet und auch behandelt.
In der dann folgenden physischen Untersuchung versucht der Osteopath herauszufinden, in welchen Organsystemen oder Körperstellen sich Blockaden, Funktionseinschränkungen oder Spannungsfelder befinden. Es ist durchaus möglich, dass der Osteopath in den Gelenken, den Muskeln oder im Knochensystem fündig wird. Organisch betrachtet können die Bauch- und Sinnesorgane infrage kommen. Darüber werden diesbezüglich auch die Blutgefäße sowie das Binde- und Nervengewebe untersucht.
Wird eine Abweichung von der Normalfunktion gefunden, ist die Rede von einer Dysfunktion.

Sind Anamnese und Diagnose abgeschlossen, wird die Behandlungsthese für den individuellen Behandlungsplan aufgestellt. Ob Umwindungs-, Mobilisations- oder Impulstechniken für die inneren Organe oder Faszien- bzw. kraniosakrale Techniken; alle Techniken basieren auf der Urform der Osteopathie und sind im Laufe der Zeit erweitert und perfektioniert worden.

In Reinform arbeiten Osteopathen komplett ohne Medikamente, Injektionen oder ähnliche Mittel. Behandelt wird ausschließlich mit den Händen, den Sinnen und der Behandlungsbank.

Die Osteopathie orientiert sich an den Leitlinien von Andrew Taylor Still, der 1874 seine osteopathische Behandlungsmethode erstmalig vorstellte. Sie unterteilt sich in drei Teilbereiche.

1. Die Parietale Osteopathie

Diese bezieht sich schwerpunktmäßig auf das menschliche Muskel-Skelett-System; „osteon“ = Knochen und „pathos“ = Leiden. Also den Bereich, mit dem T. Still begonnen hatte.

2. Die Viszerale Osteopathie

Dieser Bereich umfasst das Funktionssystem der inneren Organe. Zum Beispiel den Verdauungstrakt. Jean Pierre Barrel, französischer Forscher und Osteopath, legte diesbezüglich dar, wie Emotionen das Körpergewebe beeinflussen.

3. Die kraniosakrale Osteopathie

„cranium“ = Schädel und „sakrum“ = Kreuzbein. Hier handelt es sich um einen „Puls“, der sich unabhängig von Herzschlag und Atmung über den Liquor cerebrospinalis (das Gehirnwasser) über den gesamten Körper ausbreitet. Nur wenn alle Schädelknochen und das Kreuzbein beweglich sind, kann sich dieser Rhythmus harmonisch ausdehnen.

Wechseln wir jetzt zur Chiropraktik

„cheir = Hand“ und „practos = anwenden“ sind die griechischen Silben, aus denen sich der Name Chiropraktik zusammensetzt. 1895 wurde von Daniel D. Palmer die erste chiropraktische Anwendung in den USA durchgeführt.

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Hier geht es in der Reinform, bezogen auf den gesamten Bewegungsapparat, um die Korrektur von Gelenkfehlstellungen. Einbezogen werden somit die Wirbelsäule, das Becken sowie alle Arm- und Beingelenke.
Die Behandlung beginnt mit einem ausführlichen Befund, um die Ursache zu erkennen. Ein Röntgenbild kann für die Diagnose durchaus hilfreich sein. Liegen Gelenkfehlstellungen vor, ist in der Chiropraktik die Rede von Subluxationen oder Verschiebungen im Gelenkspiel.

Für Chiropraktiker sind Fehlstellungen, vor allem von Wirbeln, für Irritationen des Nervengewebes verantwortlich. Das irritierte Nervengewebe wiederum belastet das angrenzende Muskelgewebe und die ersten Symptome werden nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Dann ist da noch die Fernwirkung. Damit ist gemeint, dass die Ursache nicht dort vorliegen muss, wo sich das Symptom lokalisieren lässt. Andererseits können durch das Lösen der Blockade die Symptome wieder abklingen.

Zur Anwendung kommen ausschließlich sanfte und manuelle Techniken, die nur mit der Hand des Therapeuten ausgeführt werden. Genutzt werden Weichteil- und Reflextechniken sowie das Gleiten und Justieren von Gelenkpartnern.

Gewaltige Manipulationen, die mit beispielsweise einem lauten Knacken einhergehen können, gehören nicht in die Chiropraktik, sondern in die Chirotherapie, die das sensible Nervensystem weniger stark gewichtet.

Fassen wir die Unterschiede kurz als Übersicht zusammen:

  • Die Chiropraktik sieht die Ursache in Wirbelblockaden. Die Osteopathie hingegen sucht die Ursache in allen Geweben.
  • Von Irritationen im Nervengewebe geht die Chiropraktik aus. In der Osteopathie ist die generelle Gewebeversorgung über die Blutgefäße sowie über die Nerven sowie deren Störung eine grundlegende Annahme.
  • Die Arbeit im Bereich des Bewegungsapparates wird von der Chiropraktik bevorzugt. Die Osteopathie hingegen bezieht die inneren Organe direkt mit ein. Dies gilt auch für das kraniosakrale System. Gemeint sind die drei Teilbereiche der Osteopathie. Chiropraktiker sprechen bei bestehender Symptomatik von Subluxationen und Osteopathen von Dysfunktionen bzw. Verschiebungen im Gelenkspiel.

Welche Gemeinsamkeiten bestehen?

Gemeinsam ist beiden Therapieformen, dass der Mensch als Individuum in seiner ganzheitlichen Erscheinungsform im Mittelpunkt steht, dass die Ursache und nicht die Symptomatik behandelt wird und das auf Geräte gleich welcher Art in der Behandlung verzichtet wird.

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Lena Schultis

Als leidenschaftliche Redakteurin arbeite ich seit mittlerweile 8 Jahren im Bereich Content-Kreation. Ein Leben am Puls der Zeit ist die Quelle meiner Inspiration.

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