Aus dem Leben eines Taugegarnichts

23.06.2004 um 17:42 Uhr

...und aus der Wüste kam eine Blume zu mir...

Irgendwie schießen in der Zeit, in der ich nichts schreibe, die Besucherzahlen in die Höhe.
Wollt ihr mir irgendetwas sagen?

Wie auch immer. Ich wollte die Welt nur eben an etwas teilhaben lassen, denn...

Trommelwirbel

Fanfaren

Meine erste Kornblume dieses Jahres ist erblüht!!!!!

Jauchzet! Frohlocket! Jubiliert! Preiset! Huldigt! Ehrt! Rühmt! Feiert! Bewundert! Jubelt! Stimmt Lobgesänge an! Schreibt Hymnen! Epen! Lasst sie hochleben!

Ist es nicht einfach ganz unglaublich? Das Wunder der Natur, des Lebens, allen Seins und Werdens, und dessen höchste Erfüllung:
Die Kornblume!
Ist sie nicht einfach wunderschön? Voller Anmut, Bescheidenheit, Lebenskraft und Melancholie. Still und erhaben.

Es ist einfach unglaublich, mir fehlen die Wort, ich bin gerührt, überglücklich!
Ich möchte allen danken, ohne die dies nie möglich gewesen wäre:
Das PipDing! Spatz, danke für die Samen! (Hu, wie das klingt! )
Meine Eltern, die mir Erde und Blumenkasten zur Verfügung gestellt haben.
Und danke, Centi. Du bist toll, egal, was ich sage. (Nimiel, beantwortet das deine Umfrage? Mecum mea cuncti sunt!)

Übrigens bedeuten Kornblumen laut Wikipedia in der Blumensprache "Ich gebe die Hoffnung nicht auf."
Klar. 'Ner Pflanze, die nach 5 Monaten eingeht, würde ich auch so eine Bedeutung geben. *kopfschüttel*

Hach, habt ihr schon einmal so eine wunderschöne Blume gesehen? Vielleicht war dies die blaue Blume, nach der die Romantiker so lange Zeit gesucht haben, wer weiß...
Allein schon der Duft ist ein Fest, denn sie hat es nicht nötig, parfümiert und "blumig" zu riechen, nein, sie riecht erdverbunden, natürlich, unverfälscht, ehrlich und hinterlässt die Erinnerung, die Berührung eines Sommertages, das Bild eines wogenden Feldes in der Sommersonne.

Die größte ist jetzt 90 Centi-Meter hoch. Du kannst jetzt aufhören zu wachsen! Gedeihe, blühe, lebe.
Ihr seid toll.

18.06.2004 um 14:52 Uhr

I am the Lord's disciple

Musik: Hand me down my bible

Heute möchte ich über Urteile reden.

Ich weiß, meine Einleitungen sind das Letzte, und ich wünschte, ich könnte daran etwas verändern, aber ich bin so schrecklich unkreativ. Das merke ich gerade auch wieder beim Bewerbungenschreiben. Darüber werde ich wohl demnächst auch noch mal bloggen müssen.

Aber zum Thema.
"Richte nicht, auf dass du nicht gerichtet wirst." Steht irgendwo in einem dicken Wälzer, den ich aber nie gelesen habe. Nur die Ausgabe für Kinder mit vielen lustigen und süßen Bildern. Besonders interessant fand ich da das Kapitel über die Bundeslade, wobei ich mich immer gefragt habe, warum die so hieß. Hab da wohl irgendwo nicht ganz richtig aufgepasst.
Jedenfalls war das Kapitel für mich immer so interessant, weil ich Indiana-Jones-Fan war.
Als ich den Film aber einmal aufnehmen wollte, hab' ich eine halbvolle VHS benutzt und auf die Weise bestimmt ein Jahr lang nicht erfahren, was denn außer dem ollen Sand in der Kiste ist. Stand in dem Buch aber auch nicht. Dumm gelaufen.

Aber zurück zum Thema.
"Du sollst nicht falsch Zeugnis reden über allerlei Leute." Steht da wohl auch irgendwo. Als verkappter Atheist/Antitheist müsste ich mich da eigentlich gar nicht dran halten. Ich versuch's trotzdem. Toll, oder?
Übrigens hätte ich gerade beinahe "Zeuknuss" geschrieben, einfach weil das früher meist so geschrieben wurde und ich gerade 36 Stunden die Woche über den alten Akten sitze. Das ist zwar höchst interessant, aber man muss sich schon arg zusammenreißen, um nicht ständig "Rath", "Nahme" oder "zwey" zu schreiben. Oder "nehmlich", wie es früher üblich war. Da bekommt man doch gleich einen ganz neuen Blick auf die Rechtschreibreform, oder?
Ich meine derlei Reformen gab es schon immer, sonst würden wir ja heute weiterhin "Gewerckschaft" oder auch "stadtt" schreiben und uns einen Dreck scheren, wie Namen geschrieben werden. (Wir hatten mal ein dreiseitiges Schriftstück, auf dem ein und der selbe Name fünf Mal vorkam und jedes Mal anders geschrieben war.) "Dass" schrieb man früher übrigens auch hin und wieder so, genau wie "Riss".
Und da beschweren sich die Leute heute über die neueste Reform. Zum Glück ist sie trotzdem eingeführt worden, genau wie die davor, sonst würden wir heute vielleicht sogar Firmen= und Productnahmen ( ;-) ) ganz kurios verändern: "Dwicks", "Milki Weh", "Lindth" oder "Püschoh".

Ahja, das Thema.
Eigentlich würde es reichen, wenn man sich den Satz aus dem Inkarnationsvertrag, den Chris neulich gebloggt hat, mal hinter die Ohren schreibt:

"Niemand macht in Ihrer Situation eine bessere Figur als Sie."

Denn selbst, wenn ihr der Meinung seid, ihr wart schon einmal selbst in dieser Situation: Ihr habt davon ja wohl keine Ahnung.
Ihr seid ein anderer Typ Mensch, ihr habt andere Erfahrungen gemacht, ihr habt andere Menschen, die euch mit ihren anderen Erfahrungen anders helfen, ihr bewertet das Geschehen für euch und eure Zukunft komplett anders,

Ihr. Habt. Keine. Ahnung.

Also hört auf, so zu tun als ob und hört auf, aus irgendwelchen Wort- und Sazfetzen die komplette Lebensgeschichte eines Menschen zu eruieren, sein Unwissen und seine Einfältigkeit hervorzuheben und es mit einem "Ich an seiner Stelle würde..." zu begründen.
Ihr. Seid. Nicht. An. Seiner. Stelle.
Ihr wart es nie und werdet es nie sein, und hab ich schon erwähnt, dass ihr keine Ahnung habt? Nicht den Funken eines Schimmers von einem Stäubchen des Windhauches der entferntesten Vorstellung von Ahnung.

Hört zu, fragt nach, gebt Ratschläge. Aber rennt zum neinmolguddenTach nicht zum nächstbesten, den es nicht interessiert und erzählt ihm, wie doof XY ist.

16.06.2004 um 22:23 Uhr

Farewell we call to hearth and hall....

Musik: Der Distelbaum

Ich habe gerade eine Mail von einer Bekannten erhalten. Ich hatte nie viel mit ihr gemeinsam, außer einer gesunden Prise Heimatverbundenheit.
Sie zieht nun die Konsequenz, pfeift auf ihr Diplom und will irgendeinen Aushilfsjob annehmen, egal was, aber eben in ihrer Heimat.
Und ich? Die ich den Gedanken, auch nur wenige Tage fort zu sein, nie ertragen konnte?
Ich weiß es nicht, ich war glücklich, in den 18 Monaten, aber wäre ich es auf Dauer?
Man wird sehen. Mantra No.2: Mecum mea cuncti sunt.

We must away! We must away!

Es ist zwar nicht so unwahrscheinlich, dass ich gar keinen Job finde, oder auch durch meine Prüfungen rassel, dann müsste ich hierbleiben, das würde mir dann allerdings auch nicht gefallen...

Vielleicht werd' ich ja sogar dynamischer und flexibler Oberidiot, welch eine Kariere das wäre, vom Taugegarnichts zum Oberidioten...

14.06.2004 um 17:30 Uhr

Jung, dynamisch, flexibel... Teil I.

Musik: Der Idiotenclub


Hier stehen wir also auf der Schwelle zum Erwachsenwerden.

Zwischen Studium und Kariere, zwischen Disko und After-Work-Party, zwischen Sangria und Champagner.
Jung, dynamisch, flexibel, gebildet, intelligent, kreativ und motiviert.
Wir zeigen den alten verstaubten Herren schon, wo’s lang geht. Neue Wege braucht das Land! Mag sein, dass Berufserfahrung etwa 5 Jahre praktische Tätigkeit braucht, aber alles, was darüber hinaus geht, nennen wir veraltet, eingefahren und betriebsblind.

Her mit dem neuen Wind! Ok, wir haben nur 4 Jahre studiert und nie ein Büro von innen gesehen, aber wir wissen genau, was abgeht! Weil:

Wir sind jung, dynamisch und flexibel!

Fester Wohnsitz? Wie uncool! Am Wochenende tut’s das Penthouse in der Stadt, das nach zwei Jahren öde wird, wochentags wird im Büro geschlafen! Urlaub ist unproduktiv, nach 30 Monaten wird der Staat gewechselt.
Wir arbeiten feiertags, sonntags, nachts und in der Pause. Wir sind die Firma und die Firma ist das Licht.

Familie? Freunde? Wie unnütz! Wir haben Computer, Statistiken und Steuerberater!
Heimat? Stoff für Kitschfilme!
Menschlichkeit? Ineffizient!

Wir sind die Zugluft... pardon, Zukunft, der Fortschritt und das Wachstum, wo ihr Vergangenheit, Stillstand und Vergänglichkeit seid!
Wir werden erreichen, wovon ihr kaum zu träumen wagtet, wovon ihr in eurer Unkenntnis nie träumen konntet.

Ihr habt versagt in all den Jahren. Vielleicht tun wir dies auch, aber wenn, dann tun wir das dynamisch, flexibel und mit entscheidend mehr Stil als ihr!

Wir sind das Update auf eurem Windows-PC, wir sind die Kfz-Werkstatt für euren VW Golf, wir sind das Salz, mit dem ihr die Rotweinflecke auf Omas Sofa entfernt. Wir sind die heiße Luft, ich meine der Föhn, der eure grauen Haare trocknet!
Die Fehler der Vergangenheit hätten wir nie begangen, aber wir sind da, um sie auszubügeln, die Falten auf dem Gesicht der alten Konzepte.

Moral? Reichtum ist Moral! Erfolg ist Sittlichkeit! Aufstieg ist höchstes Ziel!
Wir sind politisch korrekt, gleichberechtigt, individuell und weltoffen. Wo wir sind, ist vorn, und wenn wir hinten sind, ist hinten vorn.

Ihr hattet Aufbau, Erfahrung, Routine, Stammkunden?
Wir haben Evolution, Marketing, corporate identity und user-related services!

Wir sind flexibel wie Gummi, dynamisch wie Batman, erfolgreich wie Alexander der Große, intelligent wie unsere Laptops, motiviert wie Berserker, seriös wie die Tagesschau, innovativ wie wiederverschließbare Gefrierbeutel, fleißig wie Mücken, belastbar wie ein Baukran, zielorientiert wie Bismarck, teamfähig wie Termiten, selbstständig wie ein Laufband, führungserfahren wie Hitler, universell wie ein Knopfloch, offen wie ein Regenschirm, effizient wie Unkraut, zuverlässig wie der Sonnenlauf, ungebunden wie Herbstlaub und mobil wie ein ICE.

Wir sind vom Idiotenclub und laden herzlich ein,
bei uns ist jeder gern geseh’n, nur blöde muss er sein.
Bei uns ist die Parole: Getreu bis in den Tod!
Und wer am aller blödsten ist, wird Oberidiot.


Leckt mich doch alle.
Ich geh’ jetzt mal kräftig kotzen – aber natürlich dynamisch und flexibel - , dann schreib ich weiter an meinen Bewerbungen.

13.06.2004 um 15:45 Uhr

Der mörderische Pfeil ist abgeschossen...

Nach einem Wochenende mit meinen Eltern zweifle ich schon wieder an der Anwendbarkeit des unten aufgeführten Vergleiches.
Weil: Wenn meine Glühbirne kaputt ist, würde mir DOS doch nie raten, gleich die ganze Lampe auszuwechseln. Und die Zimmerdecke entsprechend zu streichen. Oder gleich ganz umzuziehen... Mein Vater schon.
Aber gut, kein Vergleich ist perfekt, vielleicht fallen mir irgendwann bessere ein.

Dass meine Kornblumen das Wachstum verweigert haben, lag übrigens nicht am fehlenden Dünger, sondern - darauf hätte ich ja wohl auch eher kommen können - an der fehlenden Sonne. Seit einer Woche scheint sie hin und wieder und schon sind meine Kinderlein auf die stattliche Höhe von bis zu 60 Centi-Meter geschossen und setzen fröhliglich Blüten an. Yeah!

Sonst: Man bewirbt sich halt und schwankt zwischen Hoffen und die Hoffnung Aufgeben.
Und die Leute von diese verfickten Jahresabonement haben natürlich auch noch nicht geantwortet.
Ich möchte einmal mit Profis arbeiten.

10.06.2004 um 17:48 Uhr

*sichbeschwer*

Beschwerde wegen Jahresabonnement
Vertrag vom 5.1.1983


Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem ich nun schon seit sehr langer Zeit Ihr Jahresabonnement beziehe und eigentlich stets zufrieden war, muss ich mich nun doch einmal beschweren.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es schwer ist, jedem einzelnen Menschen eine geeignete Jahresausgabe zusammenzustellen, dennoch ist genau dies Ihre Aufgabe.
Ich als Kundin muss sagen, dass ich mit der Ausgabe 2004 nicht zufrieden bin. Zu anfang bereits dünkte mir, dass ich lieber bei 2003 hätte bleiben sollen. Zwar besserte sich mein Verhältnis zu dieser Jahresausgabe, aber insgesammt war ich doch mit 2003 sehr viel zufriedener gewesen.

Ich möchte Sie nun bitten, entweder 2004 zurückzunehmen und mir 2003 noch einmal zur Verfügung zu stellen, oder - sollte dies nicht möglich sein - zumindest das Update 2005 inhaltlich mit mir abzusprechen, bzw. auf meine Bedürfnisse abzustimmen. Vielleicht wäre es ja auch realisierbar, den Band zwei der Ausgabe 2004 im Vergleich zu Band eins zu optimieren?

Ich möchte Sie noch einmal versichern, dass ich mit Ihren Diensten sonst sehr zufrieden war und von meiner Seite aus keinerlei Interesse besteht, das Abonnement zu kündigen. Gern stelle ich Ihnen ein paar Ideen für zukünftige Verbesserungen zur Verfügung.
In der Hoffnung auf eine gütliche Einigung verbleibe ich

mit bestem Dank und freundlichen Grüßen,

Centaurea

01.06.2004 um 19:45 Uhr

Man kommt zum Stück, ich muss den Narren spielen...

Nein, also das mit der Gleichgültigkeit, das wird so nichts, und wenn, würde es nichts bringen. Zu viel Angst vor der Zukunft, die ich nicht leugnen kann und der ich nicht erlauben darf, mich zu lähmen.
Daher also mein neues Mantra: "Ich tue das und ich finde das gut."
Wenn ich schon keinen Optimismus gebacken kriege, sollte ich wenigstens versuchen, Aktivität herbeizuzaubern. Und wenn es nur aus Trotz ist, um zu beweisen, dass ich nicht beweisen will, dass ich nichts gebacken kriege. Immerhin ist das hier mein Leben.
Angst habe ich natürlich weiterhin und fühle mich wie eine Drittklässlerin, die Abituraufgaben vorgesetzt kriegt, oder wie eine Eingeborene, die zum Aktienkaufen in die Großstadt geschickt wird, oder wie eine Zwergmaus, die ein riesiges, kompliziertes Labyrinth durchqueren muss... oder........
Ja, so ist das eben, wenn man vom Leben verwöhnt ist und sich nie allein durchschlagen musste, aber das lern ich schon noch... und ganz allein bin ich ja nicht. Danke, Mel, Danke, Emily!

Das Wochenende war genial, ich habe zu viel gegessen, zu viel Geld ausgegeben und wie mir mein Bauchmuskelkater weis machen will, zu viel gelacht und spektakulär triviale Erkenntnisse gewonnen.

Meinen Kornblumen habe ich inzwischen ein wenig Humuserde untergemischt, ich denke, dass das ganz gut war. Trotzdem sind sie zwar schon größer geworden, aber noch nicht so groß wie letztes Jahr um die Zeit (sollten sie nicht schon blühen??). Vielleicht sollte ich doch ein wenig Düngen...