Na schön, na schön, ehe ich mir einen Verzug von Wochen aufhalse und dann zu Ostern meine Weihnachtsgrüße versende, bringe ich meinen Bericht jetzt endlich zu Ende.
Aufatmen aus dem Off.
Dann kann ich auch endlich mal wieder ein paar eMails schreiben... *hüstel*
Also Donnerstag... hach, das ist schon wieder so lange her... wie die Zeit vergeht... *sinnier* gestern war ich noch in Marburg, morgen geh' ich quasi schon in Rente... hach.... ja... damals...
Ähm, ja, Donnerstag also.
Mein Wecker (also meine Armbanduhr. Casio. Etwa vier Jahre alt. Oder so. Das Armband hab ich voriges Jahr neu gekauft, Leder hält halt nicht so lange, und es gibt so wenige Digitaluhren, die ein Lederarmband haben, aber was erzähle ich hier schon wieder...) klingelte gegen 7:30 und fast motiviert quälte ich mich also aus meinem warmen, weichen, gemütlichen, bequemen, Geborgenheit schenkenden Bett, wie ich das ja bereits gewohnt bin.
(Mann, Centi, bei dem Tempo brauchst du bis morgen früh!)
Schlich mich aus dem Zimmer, damit mein Gastgeber, der das Privileg von Sommerferien genoss (Ich hatte auch mal Sommerferien. Da war ich aber noch jung. Damals.), in Ruhe weiterschlafen konnte.
Wurde dann von seiner Mutter zum Frühstück genötigt, wie am Vorabend zum Abendessen ("Willst du was essen?" "Nein, ich hab keinen Hunger, aber Danke!" *Magenknurr* "Ich räum' das jetzt ohnehin hin..." "Naja, vielleicht eine kleine Scheibe Brot...").
Dann machte ich mich auf den Weg. Ich hatte eine gute Stunde mehr eingeplant, war also relativ entspannt und wartete mein Autobahnkreuz ab. Nein, den Namen hatte ich mir natürlich nicht gemerkt, auch die Nummer nicht, aber ich wusste ja, wo ich hin wollte.
Es kamen tatsächlich 4 (vier!) Autobahnkreuze auf dieser ca. 20km langen Strecke, bei jeder einzelnen habe ich überlegt, ob das die richtige ist ("Nein, das ist nicht die A6..."), die fünfte war es dann.
Und in dieser Zeit wurde der Verker zähflüssiger.
Ich malte mir dann schon alle Alternativen aus für den Fall, dass ich eine Stunde im Stau verbringen musste... laufen, Taxi holen, Hubschrauber, THW, Rotes Kreuz, Katastrophenschutz...
Aber auf der ganzen Strecke entwickelte sich zum Glück kein handfester Stau und so konnte ich dann auch das letzte Stück Bundesstraße vor Mosbach in Ruhe genießen. Hach, was für eine Gegend, toll, einfach wunderschön.
Wald, Hügel, Wiese, Horizont,... da stimmte einfach alles.
In Mosbach selbst suchte ich mir dann einen Parkplatz wo ich checkte, ob ich im richtigen Teil Mosbachs war und wo ich am günstigsten parken konnte, um schnell zur Innenstadt und wieder raus zu kommen (Ich hatte die Größe dieses Ortes gnadenlos überschätzt.) Als ich also so stand, klopfte es bei mir an die Scheibe *schock* und ein Mann stand neben mir *schock*, der mir... sein Parkticket anbot. (Das registrierte ich erst, als ich den Dialekt von seinen Worten subtrahiert hatte.)
"Äh... ich... äh.. nein... Aber Sie können mir doch sicher sagen, wo ich hier am besten parke, wenn ich... blablabla."
(Hatte ich schon erwähnt, wie gnadenlos ich die Größe des Ortes überschätzt hatte?)
Den richtigen Parkplatz (genau den, der in der prallen Sonne lag) fand ich dann auch gleich und lief in die Richtung, die mir der Wegweiser als Richtung "Marktplatz" zeigte, ich hatte noch über eine Stunde Zeit. Nebenbei schrieb ich eine SMS an Nea, die eine halbe Stunde vor mir einen Termin hatte, um zu fragen, ob sie schon da sei.
Erhielt daraufhin einen Anruf, sie wäre bereits auf dem Bahnhof. Wisse nur nicht genau, ob es der richtige sei. Ich überlegte, dass das ja kein Problem wäre, schließlich hätte ich sie mit dem Auto holen könnten. Gut, ich hatte keine Ahnung, wo sie war oder wie ich dahin käme, aber egal.
Erhielt dann auf dem Weg durch die Fußgängerzone zum Bahnhof, wo ich sie abholen wollte, noch einen Anruf, sie wäre auf einem anderen Bahnhof der Stadt, aber in zwei Minuten würde ein zug kommen, der sie in fünf Minuten zum richtigen brachte.
Setzte mich also auf eine Bank auf dem Bahnhof und wartete.
Ein weiterer Anruf. "Ich hab' gerade etwas ganz Blödes gemacht...." Der Zug in die Gegenrichtung. Oh nein. [Es stellte sich später heraus, dass sie den Schaffner, der im Zug stand, fragen wollte, ob dies der richtige Zug wäre, musste dazu aber einsteigen. Und in dem Moment, in dem die alles entscheidende Antwort "Nein" erfolgt war, waren hinter ihr die Türen zu gegangenund der Zug fuhr.]
20 Minuten in die falsche Richtung, dieser vermaledeite Zug, dieser Mistgrübel, der elendige, dieses verf***te Scheißding von einer Müllkarre, der Schrotthaufen, der Ausbund eines erbärmlichen Regionalschleichers, dieses dämliche Teil also hielt gewöhnlich an jedem noch so kleinen Kaffbahnhof. Aber heute hatte er beschlossen, er könne ja zur Abwechslung mal 20 Minuten lang fahren.
Tja, selbst Bilbo hätte da nichts mehr machen könnten, und so machte ich mich auf in Richtung Rathaus zum Termintausch. Nebenbei telefoniert. "Was? Wo bist du??" "Ich *knister* eingestiegen *piiiep* zwanzig Minuten *rausch*..."
Kurz darauf wurde die Verbindung also wegen Sinnlosigkeit unterbrochen und ich schaute auf.
Wo zum Geier war ich hier?!?!
Naja, weit konnte es nicht sein, ich musste nur bergab... und ... rechts... ja...
...
"Entschuldigen Sie, ich suche das Rathaus...?"
"Da sind Sie hier
ganz falsch! *wegbeschreib* Können Sie mir gleich sagen, wie spät es ist? Ich muss meinen Zug noch kriegen..."
*grins*
Dann stand ich also in der Wartehalle. Ja, da waren Stühle, aber ich konnte doch jetzt nicht sitzen, außderm war ich in wenigen Minuten dran. Also lief ich im Kreis. Und im Kreis. Und im Kreis.
Interessante Balken. Stützpfeiler aus Baumstämmen. Schön. Außerdem verleiteten sie dazu, die Hand darauf zu legen und zu sinnieren: "Dieser Baum ist alt!" (Für Herr-der-Ringe-Fans)
"Nein, warte, dieser Baum ist tot! Mein Freund,... der Baum... ist tot... *Baumumarm*"
Mann, ich hoffe wirklich, die hatten da keine Überwachungskameras...
Um hier abzukürzen: Die Stelle stellte sich als eine Ein-Mann-Stelle heraus, ich frage mich, warum sie Berufseinsteiger überhaupt eingeladen haben... ein Zwischending zwischen "Unschaffbar" und "Himmel auf Erden".
Sonst lief alles glatt, der Termintausch machte keine Probleme (zumal sich die Termine mittlerweile um eine Viertelstunde nach hinten verschoben hatten), die nachfolgenden Züge auch nicht mehr und so schaffte Nea ihren Termin und wir konnten danach unser Wiedersehen feiern!
Mittagessen und spazieren durch die wunderschöne Innenstadt. Gut, durch die war man in zehn Minuten komplett durch (wir hatten da die Größe dieses Ortes ein wenig überschätzt...), aber da konnte man ja mehrmals durchgehen, schön genug war sie wirklich.
Die Stunden vergingen wie im Flug und es wurde Abend und wir verabschiedeten uns.
Nea stieg nun in den Zug und ich stieg wieder in mein Auto ein und fuhr nun gen Osten. Das Mittagszazicki hatte böse, böse Spuren hinterlassen und ich hatte durchaus Sorgen, dass der Autolack von diesem umwerfenden Geruch abgebeizt werden könnte, aber Bilbo stand das durch wie ein Mann.
Eine tolle Fahrt, endlich mal wieder unbekannte Autobahnen, eine tolle Gegend und den Sonnenuntergang diesmal im Rücken. Eigentlich schade.
Mit diesem Sonnenuntergangswahn werde ich noch irgendwann einen ganzen Autobahnfluss lahmlegen. Ich höre schon die Radiodurchsagen...
"Achtung auf der A4 Dresden Richtung Eisenach, zwischen Stadtroda und Jena Lobeda steht ein Centi auf der Autobahn. Die Störung wird nach Sonnenuntergang behoben sein, bitte bewahren Sie Ihre Kontenance!"
"Hey, Sie! Können Sie Ihr Auto mal von der Stelle bewegen?! Sie halten den ganzen Verkehr auf!"
"Psssst! Sehen Sie Sich doch den Sonnenuntergang an! Ist das nicht wunderschön?! *schmacht*"
"Machen Sie Sich von der Fahrbahn runter, oder ich hole die Polizei!!"
...
Äh... ja...
Wie gesagt, eine geniale Fahrt, die aber schon nach vier Stunden zu Ende war.
Hallo?! Map24 hatte mir 4 1/2 Stunden versprochen! Ich will mein Geld zurück! Äh.. ich meine, ich will... ich will... hach...
Ich kam also bei meinen Eltern an, die noch immer mit den Nachwehen des Umzugs zu kämpfen hatten und auch noch haben, aber dazu ein anderes Mal.
Damit will ich diese unsägliche Serie von Tagesberichten beenden, die nächsten Einträge wieder in etwas akkumulierterer Form.
Noch ein Aufatmen aus dem Off.
Good night and joy be with you all.