Aus dem Leben eines Taugegarnichts

28.10.2004 um 20:56 Uhr

Aus dem Haushalt eines Taugegarnichts. Teil 1: Die Küche

Als ich heute mittag so da saß, bei einer Minsalami, die seit einem Jahr in meinem Kühlschrank lag, und einem Beutel Brokolisuppe, der anlässlich des Oktobercampens im vorigen Jahr gekauft wurde, dachte ich mir, ich könnte doch einmal einen virtüllen Rundgang durch meine Wohnung geben.
Leute mit schwachen Nerven sollten diese Einträge vermutlich besser meiden. Denk' ich mir.

Also die Küche. Natürlich eine Singleküche.
Kennzeichen: Klein, einfach, zweckmäßig und preiswert eingeräumt. Zwei Herdplatten, ein Kühlschrank, eine Spühle und diverse Schränke. Von mir ein Grill und der Vorratsschrank.
Das erste, was man sieht, ist - nach dem Fenster - vermutlich die Gerümpelecke. Leere Flaschen, Altpapier und der Getränkekasten. Das Glas wird etwa alle 2-3 Monate weggeschafft (die Container sind so dammich weit weg), das heißt, da sieht es meist aus, als hätte ich am Vortag eine Party gefeiert. Der Getränkekasten beinhaltet übrigens ausschließlich Wasser, das billigste natürlich, und ist in einem schönen Blau gehalten.
Naja, in der Ecke wollen wir uns mal nicht länger aufhalten...

Auf der anderen Seite, ganz links, der Kühlschrank. Ein Singlekühlschrank, logischerdings. Wenn man den aufmacht sieht man meist eher wenig. Zum einen , weil das Licht seit einem halben Jahr ausgefallen ist und zum anderen, weil es sich hierbei ja um einen Singlekühlschrank handelt.

Inhalt: Babybell von vor einem Jahr. Pudding, dessen Mindesthaltbarkeit bis Ende September ging. Eine Gurke. Stimmt, die hatte ich ja auch noch. Naja, ich tu' sie mal weg...
Milch, Brot, Toastbrot (Wir schmeißen bei beidem den Clip weg und stellen uns vor, das Mindesthaltbarkeitsdatum läge noch weit in der Zukunft...), geriebenen Käse, Vanillesoße für die Beeren im Sommer (ich sollte hier wirklich mal aussortieren, hm?). Marmelade, Pflaumenmus und ein 125g-Stück Irische Butter, für den Fall eines Besuchs, der sich dann meist eh an Nutella hält, weswegen ich die Butter dann immer zum Kochen nehmen muss und weshalb die immer ewig in meinem Kühlschrank bleibt. Dann kauf ich neue und schmeiß die alte weg und das geht dann immer so weiter.
Ketchup und im Tiefkühlfach Buttergemüse.
Und so Sachen eben....

Der Schrank für den Müll, darüber die Spühle. Daneben der "Vorratsraum".
Das ist natürlich weder ein Raum noch ein Schrank, sondern das Loch unter der Arbeitsplatte, wo wohl eigentlich ein Backofen, ein Geschirrspüler oder eine Waschmaschine hingehört. Ich hing mir einen blauen Vorhang hin und nannte es "Vorratsraum" und sah, dass es gut war.
Da sind dann die ganzen quasi-studentischen Vorräte drin, wie H-Milch-Packungen, Nudeln, Zucker, Weichweizengrieß, Reis, Cappuccino, Kakao, Nutella, Gewürze, Erdnussflips, Tomatensauce und diverse Dosen. Und die Weinvorräte.
Rechts daneben der Schrank für die Töpfe, Pfannen, Schüsseln, Orangen und Schokolade. Das eine oben, das andere unten.

Oben darüber die Arbeitsplatte. Der Name ist natürlich reiner Hohn, denn wann arbeite ich schonmal in der Küche. Die Platte ist selbstverständlich nur da, um die Auflaufform zu füllen, die Zutaten für das Mittagessen (Nudeln, Tomatensoße und Oregano) abzustellen... und gaaaanz ganz selten steht da dann auch mal das Geschirr vom Vortag, wenn ich es mal nicht gleich nach Gebrauch abgewaschen habe. Und dem Tag davor. Und so. Und manchmal Sachen, die eigentlich in den Grünen Punkt gehören, der aber wieder überquillt, weil ich den nur mit runternehme, wenn ich ohnehin das Haus verlassen muss und ich zu diesem Zeitpunkt aber meist in Eile bin und esauf "Morgen" verschiebe... jaja... Aber meist ist es da schon halbwegs leer.... ehrlich...
Hinten der kleine Grill aus DDR-Zeiten, der sich bestens für Aufläufe, Pizzas, und Baguette eignet.
Darüber noch ein Schrank, in dem das Geschirr ist und - besonders wichtig - die wirklich unverzichtbaren Dinge in einer Singleküche: Fertiggerichte und Puddingpulver.

27.10.2004 um 16:24 Uhr

Neulich beim Rollenspiel I.

Zunächst die Schlagzeilen, letztes Wochenende:
- Nichte gesehen und für süß befunden. Weil Kasper, aber brav.
- Opas 80. gefeiert, Bauchtanz aufgeführt, Lob eingeheimst.

Das Thema: DSA - Abend:
Wir haben nun einen Al'Anfaner hinzugewonnen, einen adligen Erben, an Arroganz kaum zu überbieten.
Der baggert nun ständig meine Kundschafterin (einzig weibliches Wesen der Gruppe) an. Die Arme.
Am Anfang hat sie sich das ja noch gefallen lassen, aber mittlerweile geht sie ihm dann doch aus dem Weg.
Was macht also unser Al'Anfaner?
Flirtet mit dem Waldelf. Oh well...

Nicht dass mich das entlasten würde, er droht mir mittlerweile per Mail, wenn er erst Meister wäre, würde 'es schon irgendwann klappen'.
Kämpfe gegen die aufkeimende Panik und überlege, das Talent 'Raufen' von 3 auf... 11 oder so zu erhöhen.
Freaks.

Suche Schutz beim derzeitigen Meister. Der beruhigt mich und erzählt mir nebenbei, er sei auf der Suche nach einer Freundin für [meinen Schwarm].
Er habe aber noch nichts passendes gefunden.
D'oh.

Erkenntnisse des Tages:
Nutellagläser nie zu lange mit Wasser gefüllt stehen lassen, da entwickeln sich leicht Zivilisationen.

Das Wetter:
Herbst.
[Oder, wie es in einer Zeitung aus den 50ern neulich hieß:
"Tagsüber: warm.
Nachts: kühl."]

Good night and joy be with you all.

20.10.2004 um 16:49 Uhr

O jerum, jerum, jerum

Allmählich ist bei mir dann doch auch die Luft raus.
Nicht mal, weil ich für die Arbeit nichts kriege, sondern eher weil: laaaaaaaaaaaangweilig.
Ich werde immer unmotivierter. Zur Motivation, dachte ich mir, würde mir vielleicht ein Lied helfen.

"Dann wollen wir schaffen
sieben Tage lang
Dann wollen wir schaffen
komm fass' an..."

Auch das verfehlte irgendwie seine Wirkung. Sieben Tage schaffen.
Aber gut, wenn man danach 7 Tage trinkt und feiert, kann man vorher auch 7 Tage arbeiten (In dieser Reihenfolge; Den will ich sehen, der nach 7 Tagen Zechens noch 7 Tage arbeiten kann.).
Aber hier in der Gegend gäbe es 1. kaum einen, der einem Arbeit gibt (letzte Ablehnung: "Die gegenwärtig und die sich künftig abzeichnende äußerst schwierige haushaltswirtschaftliche Situation..." *seufz*) und es gibt hier auch keinen, der 2. mit mir 7 Tage lang trinken würde.
Mist.

"Wo sind sie, die vom breiten Stein
nicht wankten und nicht wichen?
Die ohne Moos bei Scherz und Wein
den Herrn der Erde glichen?
Sie zogen mit gesenktem Blick
in das Philisterland zurück.
O jerum, jerum, jerum.
O quae mutatio rerum."

19.10.2004 um 18:26 Uhr

Werden Sie Pate!

Patin von einem Kind aus Asien war gestern - ist zwar löblich, aber veraltet.
Ich bin nun stolze Patin eines kleinen, niedlichen, unschuldigen, liebesbedürftigen, putzigen, bezaubernden, entzückenden, hübschen und vor allem blauen W20 geworden [Für nicht-Rollenspieler: Ein zwanzigseitiger Würfel].
Da isser, der Kleine:



Süß, oder?
Er wurde nach mir benannt (Gut, Ocentitherion ist jetzt nicht so ganz direkt mein Name, aber egal...) und ich bin sehr gespannt, wie er seinen Dienst tut. Vielleicht gibt es ja davon bald interessantes zu berichten.

18.10.2004 um 20:02 Uhr

Hurra, wir verblöden!

[Stimme aus dem Off:] Du grinst?
Ich bin glücklich. Ich weiß nur nicht, warum.
Weil du doof bist.
Stimmt, da war was. Glückselig die geistig Armen. Wie kam das eigentlich?
Keine Ahnung, irgendwann zwischen Abitur und Diplom bist du genug verblödet, um die Welt und jeden Tag so zu nehmen, wie er ist. Und glücklich damit zu sein.
Hm... diese Verblödung würde natürlich auch erklären, warum ich beim Diplom zwei Noten schlechter war als im Abi.
Die Verblödung und die exponentiell gewachsene Faulheit.
Touché.
Zur Schulzeit hatte ich irgendwie nichts besseres zu tun als zu lernen. Ich hatte eben kein Leben...
Hast du jetzt auch nicht.
So gesehen... Warum bin ich dann glücklich?
Weil du doof bist.
Das sagtest du bereits. Aber vielleicht stimmt's ja gar nicht, ha! Immerhin habe ich meine Prüfungen bestanden!
Du unterhälst dich mit einer Stimme aus dem Off.
Hmpf.
Und du... und du... und du hast kein eigenes Leben!
Brauch' ich nicht. Und wenn ich mir deines und das einiger deiner Bekannten so ansehe, will ich auch keins.
Was tust du dann die ganze Zeit?
Ich schaue euch zu und kommentiere.
Langsam frage ich mich, wer von uns beiden armseliger ist...
Ich mich nicht.
Pöh!
Wer von uns beiden hat denn noch eine ellenlange To-do-Liste, hm?
Oh, fuck!

17.10.2004 um 15:05 Uhr

Jung, dynamisch, flexibel... Teil II.

Wie erwähnt, war ich ja am Donnerstag in der Agentur für Arbeit. Dort habe ich mich natürlich auch bei den Faltblättern - Flyern, wie man denglisch zu sagen pflegt - umgesehen und wurde sofort fündig.
Nichts, was mir weiterhelfen würde, aber eins, das einen eigenen Eintrag wert ist:

"Jobs für Junge - Junge für Jobs"
Kennt das wer? Das ist nur geil, ich zitiere mal:

"Es gibt sie, die jungen, engagierten Fachkräfte, die Arbeit suchen."
Joa *meld* das glaub' ich.

"Es gibt sie, die Betriebe, die junge, engagierte Fachkräfte benötigen."
Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen...
So wie ich das sehe, schließen sich diese beiden Behauptungen ja schonmal aus. Aber man mag da anderer Meinung sein, ich zitiere weiter:

"Wir bringen beide zusammen. Wollen Sie mitmachen? Rufen Sie die kostenlose Hotline 0800... an."
Aha.
Wir werden neugierig und schlagen das Faltblatt, ich meine den Flyer, auf:

"Wenn Sie jung und mobil sind, sollten Sie das Ihrem Arbeitsamt [Aha, ein etwas älteres Blatt, Verzeihung, ein etwas älterer Flyer?] sofort sagen. Junge Menschen sind Garanten für die Wettbewerbgsfähigkeit und damit den weiteren Erfolg der Wirtschaft. Qualifikation wird nur durch Beschäftigung erhalten und erweitert."

Brüller Nr.1. Ich gehe zu meinem Arbeitsamt und sage denen: "Tach, ich bin jung und mobil und hätte gern einen Job."
Muahaha. Wird eine unglaubliche Neuigkeit sein, weil die natürlich weder mein Alter noch meine Qualifikation noch die Tatsache, dass ich Führerschein und Auto besitze, aus'm PC leiern können.
Der zweite Satz klingt für mich irgendwie, hieß der früher mal anders: Junge deutsche Burschen und Mädel sind Garanten für den Fortbestand..." Woa, ich höre hier besser auf, ich krieg' Gänsehaut.
Der letzte Satz parodiert sich irgendwie selbst. Oder? Ich meine, wir wissen das alle, deswegen mach ich Idiot ja auch gerade ein unbezahltes Praktikum.
Der elende alte Kreislauf: Leute, die frisch von der Uni kommen, werden nicht genommen, weil sie keine Berufserfahrung haben. Ist ja auch logisch. Fragt sich nur, woher sie die kriegen sollen. Aber klar, mir als Arbeitgeber wäre das auch egal, Hauptsache meine Stelle ist ordentlich besetzt.

Wie auch immer, das Beste an diesem Faltblatt, pardon, Flyer, kommt zum Schluss:

"Weil...
-> Junge etwas können [saufen, feiern, ungeschützten Geschlechtsverkehr zelebrieren, ... Sorry, konnte nicht widerstehen...]
-> Junge etwas leisten wollen [Hach, sind die süß...]
-> Junge mobil und flexibel sind [Uuuuh, da sind sie wieder, meine Lieblingsadjektive!]
-> Junge eine Zukunft brauchen [Hier bitte die Melodie von "Vom Winde verweht" einfügen. Oder von Raumschiff Enterprise. Irgendsowas halt.]

Sie sind jung?
Rufen Sie an!"

Das war dann zuviel für mich, ich lag von Lachkrämpfen geschüttelt darnieder und danke hiermit diesem Faltblatt, besser gesagt natürlich Flyer, für dieses köstliche Stück Infotainment.
Mich würde direkt mal interessieren, was tatsächlich passieren würde, wenn ich da anrufen würde. Mag das wer austesten? Ein Blog darüber würde sicher alle Statistiken sprengen.

Der Tragikkomödie erster Teil übrigens hier zu finden.

14.10.2004 um 19:08 Uhr

Es gibt halt Tage, da fällt einem alles runter...

Ich meine natürlich, - wie jeder ander auf der Welt wohl auch - besonders viele dieser Tage zu erleben.
"Der morgen bleischwer und grau, wenn früh der Wecker bellt,
Du greifst nach deiner Brille, die daraufhin zerschellt,..."

Es begann schon wieder damit, dass der Radiowecker losging. Gaah. Löblich, dass ich dieses Praktikum mache, aber wie kam ich auf die Idee, das auch die volle Zeit zu tun?!

"...dann schlägst du dir ein Ei auf und zielst in Richtung Pfanne,
doch triffst du -schade, schade - den Tee in seiner Kanne.
Du hast zwar grad durch Zufall das Tee-Ei neu erfunden,
doch schmeckt das Zeug so scheußlich, da sagst du unumwunden...

Na schön, das Ei in den Tee war es nicht. Aber um ein Haar hätte ich mir den Tee aus dem Topf ins Müsli - statt in die Kanne - gekippt. Erster Schreck des Tages und gleich ein Stück wacher. Hey...
Auf Arbeit ging das so ähnlich dann weiter, ständiges Irgendwo-mit-dem-Pullover-hängen-bleiben, Leuten im Weg stehen, sich ständig vertippen (argh!) und so fort.

Es gibt halt Tage, da fällt einem alles runter,
da kann man gar nichts machen, das muss wohl so mitunter..."
[Liederjan]

Aber heute stand eine Informationsveranstaltung bei der Agentur für Arbeit an, meine Gelegenheit, dem Schussel-Sumpf für eine Weile zu entrinnen.
Ausnahmsweise recht pünktlich hatte ich nun Gelegenheit, meine Leidensgenossen näher zu betrachten. Da war keiner über 25. Na klasse, armes Deutschland...
"Das Mittelreich geht vor die Hunde..." schoss es mir durch den Kopf, "sein Ruin in aller Munde..."
Nach mir betrat Brendon Fraser das Zimmer. Oder jemand, der so aussah wie er, da mag man mich berichtigen.
Pünktlich 5 Minuten nach Beginn betrat dann auch die Tussi-Fraktion den Raum. Bauchfrei. Buäh.
Nummer 13 freut sich wieder...
Mich fröstelte und ich widerstand mit Mühe dem Drang, meinen Schal und meine Winterjacke wieder über meine beiden Pullover zu ziehen. Aber eine der beiden hatte eine tolle Haarfarbe. Überlegte kurz, sie zu fragen, welche, ließ es dann aber doch.
Auf die Frage, wer hier unter 21 sei, gingen etwa 5 von ungefähr 25 Händen nach oben. [Ich konnte mich gerade noch rechtzeitig an mein Alter erinnern und blieb ruhig sitzen.] Alter...
Nummer 13 freut sich wieder...

Während des Vortrages war es erstaunlich ruhig und alle lauschten tatsächlich gespannt. "Den Antag müsst ihr euch natürlich vorher besorgen, ne?" Ja, das weiß ich jetzt auch...
"Und dann kommt ihr her, ne?" Ja... "Das Ganze läuft nämlich so, ne?" Ähm... "Und bringt den und den Nachweis mit, ne?"
Das reichte dann. Was ich jetzt unbedingt brauchte, war eine - Strichliste!
Ergebnis: Mein Vermittler benutzt alle 16,216 Periode 216 Sekunden das Wort "ne" als Satzzeichen. Nicht übel, damit steht er ziemlich weit oben auf der Liste der Phrasenbenutzer. Solche Listen hab ich schon immer in Marburg geführt. Da dachte ich noch, dass mein Dozent mit seinem "Liebe Kolleginnen und Kollegen" Spitze sei. Oder mein anderer Dozent mit "praktisch" (man wundert sich praktisch, wie universell dieses Wort praktisch einsetzbar ist. So praktisch immer und praktisch auch überall.) und "gleichsam" (das benutzte er gleichsam als Füllwort, das muss man sich praktisch so vorstellen, dass er das gleichsam als Komma gebraucht hat.)
Bis ich einige meiner Mitstudenten refferieren hörte. Graus. "Also...", "Und..." und "So..." waren besonders beliebt.
Nummer 13 freut sich wieder...
Wenn ich meine Statistiken wiederfinde, die irgendwo in den 7 Ordnern Skripte liegen, stell' ich's vielleicht nochmal hier rein.

Good night, and joy be with you all.

11.10.2004 um 20:22 Uhr

Meteorologia Centaureae

Heute möchte ich euch die Begriffe der Centaurea'schen Meteorologie [lat. Meteorologia Centaureae] näher bringen.
Denn trotz längerer Bekanntschaft mit mir scheinen noch immer einige Menschen unwissend über diese tiefergreifende Unterart der Meteorologie zu sein. So zeigten sich einige meiner Freunde Mitte September tatsächlich verwirrt, als ich ihnen in einen Schal gehüllt berichtete, es sei nun Winter. Nicht nur, dass sie mich nicht verstanden und mir nicht glaubten, nein sie behaupteten noch immer felsenfest, es wäre doch gerade erst Herbstanfang gewesen. Um dies zu dokumentieren, zogen sie auch noch ihre Pullover aus und saßen nun im T-Shirt da.
[Vielleicht sollte ich dieses Experiment im Sommer nocheinmal wiederholen ].

Aber Unwissenheit ist ja schließlich keine Schande und sie kann ja auch beseitigt werden.

Beginnen wir also mit dem angenehmsten Temperaturbereich, dem Sommer. Der beginnt in der Centaurea'schen Meteorologie - anders als in der klassischen - eben nicht zu einem bestimmten, willkürlich gesetzten Datum, sondern kann theoretisch zu jeder Jahreszeit stattfinden. Einzige Voraussetzung dafür ist die angemessene, unter Centaureae als angenehm empfundene Temperatur, deren Untergrenze gemeinhin bei etwa 23-24°C festgesetzt ist.
Äußere Kennzeichen des Sommers sind T-Shirt, Trägershirt, Kleid, blauer Himmel, offene Autoscheiben [Klimaanlage ist ein Verbrechen am Sommer!] und Sonnenschein, nicht selten auch grüne Bäume, Vogelgezwitscher und Freibad.
Die inneren Auswirkungen des Sommers sind gewöhnlich gute Laune, Gefühle der Geborgenheit und inneren Ruhe sowie auch überschwänglicher Freude, Unternehmungslust und optimistischer Lebenseinstellung.

Als Frühling oder Herbst wird der Temperaturbereich zwischen etwa 17 und 22°C bezeichnet. Ob wir diesen Temperaturbereich nun als Frühling oder Herbst bezeichnen, hängt vor allem von der eigenen Stimmungslage ab, aber auch Luftfeuchtigkeit und hin und wieder auch die klassisch-meteorologische Jahreszeit können eine Rolle spielen.
Äußere Kennzeichen: Pullover und ggf. leichte Jacke, lange Hose, leichte Bewölkung, hin und wieder muss die Autoheizung herhalten, ebenso die Heizung im Wohnzimmer, nicht selten auch kahle oder psychedelisch bunte Bäume, auffrischende Winde und eine geringe Ausprägung der Fauna.
Innere Auswirkungen: Zurückgezogenheit, vermindertes Ausgeh- und Aufstehbedürfnis, Unsicherheiten beim morgigen Ankleiden, schnellerer Gehschritt. Außerdem ein intensiveres Bewusstsein der Realtität, rationalere Denkweise und ein erhöhtes Pflichtbewusstsein gegenüber Haushalt, Arbeit und Internetauftritt.

Dann wäre da noch der Winter der unglücklicher Weise den größten Teil des Jahres einnimmt, zumindest in diesen Breiten. Bei einer Temperatur von unter 17°C kann man getrost oder panisch von Winter sprechen.
Die Äußeren Kennzeichen erstrecken sich von ein bis sehr vielen Lagen von Pullovern, dicken bis sehr dicken Jacken und ebensolchen Hosen, schweren hohen dickbesohlten Schuhen, sowie... ach, eigentlich ist alles, was man auf der Haut trägt, idealerweise ziemlich dick und mehrlagig und idealerweise hat man auch jedes bedeckbare Körperteil bedeckt. Dick und mehrlagig.
Die Heizung in Auto und Wohnung läuft bis kurz vor Überhitzung, Flora und Fauna sind auf ein Minimum begrenzt. Brillenträger stoßen in Bäckerläden gegen den Stehtisch, die Zahl der Katalogbestellungen steigt auf ein Vielfaches (jeder, der im Winter schon einmal den Umziehmarathon mirgemacht hat, weil er eine Hose anprobieren wollte, weiß, wovon ich rede), Reisebüros verzeichnen den Umsatz des Jahres, Winterreifen, rote Nasen, tränende Augen, ...
Wo war ich? Ah ja, erstrecken sich von... bis Kerzen- und Glühweinkauf, veschlossene Türen, pfeifenden Wind und heißlaufende Fernseher und Computer.
Innere Auswirkungen: Depressionen, absolute Zurückgezogenheit, erhöhtes, irrationales (?) Wärmebedürfnis, Affinität zu Kerzenschein und melancholischer Musik, Fotoalben, Büchern; Angst- und Panikattacken, innere Angespanntheit oder auch Lethargie, Reizbarkeit; Leugnen der Realtität (heruntergezogene Rollos, Frühlingslieder,...), permanente Müdigkeit und Asozialisierung.
Liste beliebig erweiterbar.

Für diejenigen, denen das jetzt zu viel Theorie war, hab ich mal was vorbereitet:


Ja, wie man sieht, geht es hiernach noch weiter als nur bis zum Winter. Darüber möchte ich aber nicht reden.
Man kann sich das so in etwa vorstellen wie den oberwähnten Winter, nur sehr viel schlimmer.
Manch einer geht bei dem Wetter dann zelten ... [Kann man machen, muss man aber nicht.]


Schlussbemerkungen:

Selbstverständlich sind die außen gemessenen Temperaturen gemeint, denn in einer wohltemperierten Wohnung sollte das Quecksilber weder im Sommer noch im Winter unter 22°C fallen.
Bei Grenzwert-Temperaturen ist zunächst der Himmel ausschlaggebend [blau => tendenziell ein Temperaturbereich wärmer], aber auch Boden [grün => tendenziell ein Temperaturbereich wärmer; Schnee => tendenziell zwei-drei Temperaturbereiche kälter] und allgemeine Stimmungslage können das Ergebnis bei unklarer Wetterlage beeinflussen.

Übrigens habe ich neulich mal nachgesehen, wann ich in den letzten beiden Jahren in meinen Kalendern den ersten Schneefall verzeichnet habe: 7.11.2002 und 24.(!)10.(!!)2003. Ich mag diese Tendenz überhaupt nicht.
Und heute morgen waren bereits Autos vereist. Unnötig zu sagen, wie ich das finde.

Vielleicht erzähl' ich euch dann nächstes Mal was vom Frierpunkt. Mal sehen.

Good night and joy be with you all.

06.10.2004 um 16:52 Uhr

Telefonfrust

Als junger, engagierter und motivierte Berufseinsteiger dachte ich mir, ich telefoniere mal mit der Stadtverwaltung der von mir angestrebten Stelle, um mich genauer darüber zu informieren.
Gestern schon, aber da war keiner da.
Vielleicht sollte ich vorher erwähnen, dass mir solche Auf-gut-Glück-Anrufe überhaupt nicht behagen, ich habe immer das Gefühl zu stören oder befürchte, ausgefragt zu werden, warum ich nicht zuerst dies und jenes versucht hätte und überhaupt weiß ich, dass ich wieder nur ins Stottern komme. Jedesmal, wenn ich den Hörer abnehme, durchfährt mich also ein Adrenalinschub, wie ihn wohl ein Bungeejumper nachempfinden könnte.

Nachdem ich dann heute zweimal vetröstet wurde, hob plötzlich die gewünschte Person ab, die sich sogleich frisch und enthusiastisch mit Namen und Dienststelle meldete.
So laut, dass wohl nun auch mein Nachbarbüro mitbekommen hatte, mit wem ich da telefonierte.
Fasziniert beobachtete ich eine Weile mein linkes Trommelfell, wie es zuerst durch mein rechtes Ohr hinauskatapuliert wurde, um dann eine Weile fröhliglich im Raum herumzuschweben.
Als dann mein Herz allmählich wieder dazu überging zu schlagen und sich auch abzeichnete, dass dies irgendwann wieder regelmäßig geschehen würde, trug ich nun meinerseits Identität und Anliegen vor.
Natürlich wurde ich auf Cheffe vertröstet, der in der Angelegenheit zu entscheiden hätte, resigniert und den Hörer ein Stück weit weg haltend nahm ich nun dessen Telefonnummer entgegen, bedankte mich und legte auf.
Nachdem das Pfeifen im linken Ohr ein wenig abgeklungen war, tippte ich nun die Telefonnummer von Cheffe ins Telefon und kniff in Erwartung weiterer Begrüßungen im dreistelligen Dezibil-Bereich die Augen zusammen. Cheffes Sekretärin war nun etwas moderater, teilte mir allerdings mit, dass Cheffe heute nicht gestört werden wolle. Hmpf. Ich solle es im Personalamt versuchen.

Aaaaaargh, da war ich doch schon! Die hatten mir damals gesagt, ich sollte bei Frau Nr.1 anrufen.
Beschloss daraufhin desillusioniert, die Telefoniererei für heute sein zu lassen, verfluchte die Tatsache, dass ich auf Arbeit kein Internet habe, mich, das Leben im Allgemeinen und den Tag im Besonderen und bereute es, aufgestanden zu sein und das Haus verlassen zu haben.

04.10.2004 um 16:47 Uhr

Ein weiterer Tag aus dem Leben eines Taugegarnichts


6:00
Radiowecker geht an. Verflucht. Draußen ist es dunkel und kalt und bei dem Gedanken, mich zu diesem Aufstehen für einen Monat kostenfrei verpflichtet zu haben, keimt Panik auf.
Verfluche mich, das Leben im Allgemeinen und den Tag im Besonderen und weiß, dass ich es bereuen werde, aufgestanden zu sein. Tue es aber dennoch.
Kalt. Müde. Dunkel.

6:30 - 6:45
Frühstück. Halte meine Augen leidlich offen, erhalte unmoralisches Angebot von BobRoss. Beschließe, es empört abzuschlagen. Wenn der Preis nicht stimmt.
Packe Disketten ein, nehme mir aber vor, bei der Arbeit keinen Blogeintrag zu schreiben.
Draußen immer noch dunkel, 10°C. Verfluche mich, das Leben im Allgemeinen und den Tag im Besonderen, bereue es, aufgestanden zu sein und weiß, dass ich es bereuen werde, das Haus verlassen zu haben. Tue es aber dennoch.
Kalt. Müde. Immer noch dunkel.

7:02
Komme frierend und mich selbst verfluchend an, bin aber tatsächlich die erste. Vermutlich geht meine Uhr inzwischen nach dem Mond. Schleppe mich die Treppe rauf.
Mist, die Akten sind ja noch unten.
Schleiche die Treppen runter, um die Akten hochzuholen.
Stelle fest, dass ich nicht mehr weiß, welche Akten nun dran sind, schleppe mich die Treppen wieder hoch, um nachzusehen.
Verfluche mich, das Leben im Allgemeinen, den Tag im Besondern und bereue es, aufgestanden zu sein und das Haus verlassen zu haben.
Etwas weniger kalt. Immer noch müde. Weniger dunkel.

7:20
Akten sind geholt. Stelle fest, dass ich einen Fehler bei der Verzeichnung gemacht habe. Verfluche mich, das Leben im Allgemeinen, den Tag im Besonderen und bereue es, heute aufgestanden zu sein und das Haus verlassen zu haben.
Beginne, den Fehler zu beheben.
Widerstehe mühsam dem Drang zu bloggen.

9:00
Muss in die Materialabteilung, brauche Bleistifte. Noch was? Nein.
9:45
Gehe nochmal in die Materialabteilung, hab das Reparaturband vergessen. Noch was? Öh... nein. Halt, doch, Benutzerblätter!

10:30
Beende Fehlerbehebung und fahre fort.
Darf. Nicht. Bloggen. Muss. Arbeiten. Muss. Stark. Sein.

10:45
Hole die Diskette raus und beginne einen Eintrag zu tippen. Stelle fest, dass ich den gestrigen Geburtstag meines De-fakto-Schwagers vergessen habe. Verflucht.
Mache mir Gedanken über mein Leben. So schlecht bin ich gar nicht. In meinem Berufsleben sieht es so böse düster gar nicht aus... *hüstel* Mein Privatleben ist in Ordnung und ich finde es absolut richtig, meinem derzeitigen ODB nicht näher gekommen zu sein, auch wenn er groß und stark und gutaussehend, humorvoll, nett und intelligent ist, die gleichen Filme mag wie ich und ähnliche Musik hört und ein Kettenhemd besitzt...
Wo war ich nochmal? Ah ja, das Verhältnis, das wir derzeit haben, ist bestens, man kann sich wunderbar mit ihm streiten und das würde ich vermissen.
Warm, relativ wach und hell. Scheinbar steht und fällt meine Stimmung mit dem Wetter. Das Leben ist geil.

13:00
Hab den Leim für die Benutzerblätter vergessen. Geh ich nochmal oder lass ich's? Naja, später vielleicht...

15:00
Verliere den halbstündigen Kampf gegen den Koffein-Hunger und mache mir eine Stunde vor Schluss noch einen Cappuccino. Kollegin erzählt mir Horrormärchen von der Arbeitsagentur. Bete zu den Zwölfen für einen Job.

16:05
Gehe heim. Sonne scheint, Blätter bunt, Luft warm. Leben ziemlich geil.

01.10.2004 um 13:14 Uhr

Der Weg ist reitenswert.

Freitag morgen und schon einiges erledigt, yay me!
Zunächst war ich beim Personalamt, um mich offiziell zur Praktikantin ernennen zu lassen. Dann war ich beim Arbeitsamt, um mich offiziell für arbeitslos erklären zu lassen. Dort habe ich natürlich eine halbe Ewigkeit warten dürfen, ziemlich ätzend, weil ich kein Buch dabei hatte, denn eigentlich wollte ich ja nur einen Antrag abholen.
Nach einer halben Stunde war ich dann fast soweit, in die Runde zu fragen, wer Lust auf eine Partie Bingo mit Aufrufnummern hätte. Ein Blick in die Gesichter um mich herum hat mich aber irgendwie davon abgehalten...

Die Zeit hat dann leider nicht mehr gereicht, bei der von mir angestrebten Stelle anzurufen, das erledige ich dann nächste Woche, es ist noch viel Zeit. Hat irgendjemand Tipps, wie ich die Stelle ganz sicher kriege? Oder wie ich herausfinde, wen ich dafür umbringen müsste?

Was die Grübeleien über netRebels Kommentar angeht, so bin ich inzwischen überzeugt, dass er etwas meinte, was ich so eigentlich schon seit einer Weile praktiziere: Nimm das Leben, wie es kommt; Tu, was dir im Moment am besten erscheint, bereue nichts und grüble nicht unnötig.
Ich glaube, das Allerwichtigste im Leben ist, mit sich selbst im Reinen zu sein und sich selbst zu mögen. Der Rest ist dann nur noch Beiwerk.

In diesem sinne: Dance with life!