Aus dem Leben eines Taugegarnichts

27.01.2006 um 17:24 Uhr

Biff

Völlig unerwartet hat mich Mittwoch und Donnerstag die Arbeitswut gepackt und ich habe mein Arbeitspensum nicht nur erreicht sondern auch weit überschritten. "Schnitt versauen" nennt man das wohl auch. Nun, all die Motivation ist dann in der Nacht zum Freitag hin verpufft. Mein mich regelmäßig aus dem Bett schmeißendes Handy versagt mysteriöser Weise freitags immer den Dienst. Zum Glück werde ich vorher vom Radio geweckt, aber ohne ein "Piep. Piep! Piiieeehiiieeeep! PIIIIIIEEEEEPPPP!!!!!!" vom Handy am anderen Ende des Zimmers fehlt der Anreiz zum finalen Aufstehen. Und je länger man liegen bleibt, desto schläfriger ist man tagsüber meiner Erfahrung nach.

Heute jedenfalls geht mal wieder nichts. Obwohl die Arbeit eigentlich heute nett zu mir ist. Aber ich bin müde und deppert, als wäre ich eben erst aufgestanden, hätte einen Kater UND eine nahende Erkältung (zumindest zweites kann ich ausschließen, mein Alkoholkonsum ist auf ein erbärmliches Maß geschrumpft) und zusätzlich die letzten vier Nächte zusammen nur 4 Stunden geschlafen. Das stimmt natürlich nicht.
Und was passiert? Der Mensch vom Kunden-Abfang-und-Empfang-sowie-Telefon-Entgegennahme plus seine Vertretung werden krank und wer steht auf der Nachrückliste? Das Centi mit dem stylischen Stück Echtholz vor der Birne.
Glücklicherdings ist Freitag Nachmittag eh kaum was los und so bleibt der überwiegende Teil der Menschheit von meiner himmelstrebenden Blödheit verschont.

Bis auf:
"Landtag Niedersachsen, können Sie mich bitte mit XY verbinden?"
"Aber gern! *Nummer raussuch* Das ist die 948, ich versuche zu verbinden."
Beim Versuch bliebs auch. In meiner geistigen Umnachtung tipp ich auf die falsche Taste und schmeiße den niedersächsischen Landtag aus der Leitung. Tschuldigung. Für eine eventuelle Kriegserklärung unserer plattdeutschen Nachbarn an NRW bin ich nicht verantwortlich weil nicht zurechnungsfähig.

Ich unterhalte mich ein Weilchen mit einem Kollegen. Zum Beispiel über die Alkoholikerin von letzter Woche, die dann nach einer dreiviertel Stunde wieder kam und um weitere Kerzen bat. Ich hab ihr dann widerwillig noch ein paar Teelichter in die Hand gedrückt, woraufhin sie mir offenbarte, dass sie hier eigentlich Hausverbot hätte.
Schluck.
"Ähm. Sie wohnen doch aber hier...?"
Nein, erklärte sie mir, ihr Vater hätte sie aufgenommen. Sonst säße sie auf der Straße. Ah ja. Das tut mir natürlich leid, aber ich traue mich nicht zu fragen, woher denn das Hausverbot rührte. Außerdem hieß das: Entweder ich rufe die Polizei, weil sie hier trotz Hausverbot ist, und bin dann die Böse, weil ich sie bei den Minusgraden auf die Straße werfe, oder ich lass es und riskiere, dass sie mit *meinen* Kerzen im Vollsuff das Haus abfackelt.
Ob ich nicht noch einen Euro für sie hätte. Sicher, damit sie sich Schnaps kauft. Wie ich weiß, würde ich mich damit nur zur Co-Alkoholikerin machen.
"Nein, tut mir leid, für heute Abend reichts. Guten Abend."
Sie wandte sich daraufhin zum Gehen, nicht ohne mir ein "Darüber reden wir morgen noch!" entgegen zu schmeißen.
"Guten! Abend!"
Der Abend war gelaufen, aber seitdem hab ich sie zumindest nicht mehr gesehen.

Nächster Anruf. Hausintern.
"Ah, hallo." Man hört die Irritation über den unerwarteten Anrufempfänger förmlich heraus. Ja, ich bin nur Biff, der Ersatzmann, ich sitze nicht regulär hier. "Ah, der S., der ist dann wohl nicht da...?"
"Nein." Denn sonst wäre er ja hier, nicht ich, nech? "Der ist krank."
"Ah ja, kommen Sie denn an den Schrank mit den Plänen ran?"
...
Hä? "Welcher Schrank? Was für Pläne?" Und immer schön ans Lächeln denken.
"Der neben M.s Zimmer."
"Ah, der. Ähm. Nee. M. hat dazu aber den Schlüssel."
"Wenn ich da anrufe, werde ich aber an H. weiterverbunden." Automatische Weiterleitung, weil M. heute auch nicht da ist. Klasse.
"Öhm. Hat die den Schlüssel denn nicht?"
"Ich dachte, die ist nur halbtags da? Ist den G.[Ständige Vertretung für den nun von mir besetzen Posten] nicht da?"
"Die ist auch krank. Etwas chaotisch, hier." Sonst wär ich nicht hier. Verzeihungheischendes befangenes  Lachen.
"Dann... tja... ich versuchs einfach... mal..."
"Ja... ähm, viel Erfolg."


Weiterer Anruf, halbe Stunde nach Kernzeitende. Für mich noch 90 Minuten.
"M. Wir haben hier schon viel rumtelefoniert, aber [Referent], [Chefsekretär] und [Chef] sind ja alle nicht da!"
"Ja, kann sein, die sind entweder gegangen oder krank." Schau mal auf die Uhr, Kerl. "Worum gehts denn?"
"Thema XY" Japp. Da ist nur einer für zuständig und den hab ich vor einer Stunde samt Familie heimgehen sehen.
"Ich glaube, da kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen, da kenn ich mich nicht mit aus..." Ich bin ja nur Biff, der Ersatzmann. [Luftholen und kurz überlegen, wer noch da ist und wer da Ahnung haben könnte.]
"Ja, was sind Sie dann da, wenn sie keine Ahnung haben?!"
"Vielen Dank", Du hast mir heute noch gefehlt, du Arsch.
Tja, er war pissed, weil er ein ganz dringendes Projekt aufgebrummt bekommen hat, bei dem ihm sonst halt keiner helfen kann. Hab ihn auf irgendeinen Vorgesetzten abgewälzt (Ja, bei uns läuft das so rum!) und werde heute Abend ein paar Nadeln zu seinen Ehren in meine Universal-Voodoo-Puppe stecken.

20.01.2006 um 18:00 Uhr

Freutag



Gestern.
Morgens um sieben im Büro. Ich sehe meine Arbeit an, die Arbeit sieht mich an. Und wir wissen: Wir mögen uns nicht. Nicht heute Morgen. Nicht, wo uns so viel einfällt, was wir viel lieber täten. Einfach liegenbleiben, zum Beispiel. Aber man muss sich eben arrangieren. Die Arbeit versucht, nett zu mir zu sein, und ich versuche, sie in Ruhe zu lassen schnell und präzise zu erledigen.

"Sag mal, Mobilfunk und Unicom Direct, ist das jetzt das gleiche oder war da Mobilfunk ein anderes Wort für Handy?"
"Ähm..."
"Oder haben die sich einfach umbenannt?"
"Also... ich...."
"Ah, nein, das ist ein anderes Wort für Handy."
"... Ja, frag mich doch."

Gerade so bis zum Mittagessen gequält, den doofen Teil der Arbeit heb ich mir für den nächsten Arbeitstag auf. Ansonsten werd ich ja ständig abgelenkt. Zum Beispiel von Kollegin G.

"Was machst du denn da?"
"Ach, blablablablubb *erzähl*"
"Ah, sowas hatte ich auch schon mal. Tiefes Beileid."
Danke.
Ich brauch nen Cappuccino.

Nachmittags Aufkeimen des Bedürfnisses, mir was zu gönnen. Mir irgendwas luxuriöses zu kaufen. Was ich eigentlich nicht unbedingt brauche, aber was das Leben ein bisschen schöner macht.
Ging am Abend in die dm-Drogerie und kaufte mir einen WC-Stein und ein WC-Raum-Deo. [Nein, diese Wahl lässt keine Rückschlüsse auf mein Leben zu!] In Blau und mit Ozeanduft.
Yay, Luxus!

Ja, ich weiß. Jede andere Die meisten anderen Frauen würden sich neue Schuhe oder Handtaschen kaufen und ich geh in die Drogerie und kaufe naihrwisstschon. Aber ich hasse Schuhekaufen. Wenn ich feststelle, dass eines der Schuhpaare, von denen ich pro Jahreszeit zwei besitze, auseinanderfällt, dann kaufe ich mir etwa ein Jahr später ein Neues. (Naja, diesmal werden's wohl zwei Jahre werden.) Und WC-Steine kaufen geht viel schneller. Man muss sie nicht anprobieren und hinterher feststellen, dass sie weder passen noch schön aussehen. Kaufen, aufhängen, riechen. Fertig.
Damit jedenfalls wird mein Luxusbedürfnis für die nächsten zwei Monate befriedigt sein. Und dann könnt ich mir ja mal ne neue Klobürste kaufen.

Heute.
Gerade war hier eine Hausbewohnerin, die ich noch nicht kannte. Wirkte ein wenig benommen. Und alkoholikerhaft. Hat mich gefragt, ob ich Kerzen hätte. Sischer, ich hab immer Kerzen da. Pyramidenkerzen? Ja, Pyramidenkerzen wären ok.
Zeigte ihr die Schachte, die noch zu zwei Dritteln voll war, und sie grabschte danach und wollte sie komplett haben. Ey! Ein paar, machte ich ihr freundlich verständlich, bräuchte ich auch noch. Ich nahm ein paar heraus, woraufhin sie wieder versuchte, die ganze Packung zu nehmen.
Tauschte freundlich aber bestimmt Packung gegen Kerzen.
Wofür sie die denn bräuchte, wollte ich wissen. "Die ham uns den Strom abgeklemmt." Aha.
"Ah, verstehe. Dumm gelaufen. Dann zahlen sie mal nächstes Mal besser die Rechnung, hm?" Nein, was Blöderes war mir wirklich nicht eingefallen.
Hätten sie ja, aber sie hätten die Adresse verwechselt.
Ja, klar.
"Ah, blöd, dann rufen sie die mal fix an und machen denen Dampf, dass die das wieder rückgängig machen, hm?"
"Ja. Können sie mir mal 30 Cent geben? Fürs Telefon? Oder besser 50, besser 50."

Ich. Will. Hier. Weg.
Nachher lässt sie noch eine der Kerzen (eine von *meinen* Kerzen!) im Vollsuff auf ihr Bett fallen und fackelt das Haus ab. Ich geh mal besser noch mal die Anleitung für den Feuerlöscher studieren.

14.01.2006 um 01:07 Uhr

Es lebt!

Und ich hatte gedacht, dass das vor einem ausgefüllten Wochenende ein geruhsamer Freitag werden würde. Ich hatte die Rechnung ohne mich gemacht.

Szene: Spät abends, daueronline, Blogigo-Chat und BG2. Hatte gerade den Tempel des Amaunator befreit, im Chat geschäftiges Schweigen, Zeit für einen Blick in die Weiten des Internets. Das ging aber langsam.
*Fingertrommel*
*Liedpfeif*
Das ging wirklich langsam.

Es sind Momente wie diese, die einen auf die dümmsten Ideen kommen lassen. Diese klicken-wir-doch-mal-hier-Momente.
Windows-User werfen an dieser Stelle mal einen Blick rechts unten in die Statusleiste. Da, wo die Uhrzeit steht. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Da sind doch Symbole, deren Bedeutung ihr eventül gar nicht kennt? Sachen, die vielleicht euer Vorgänger installiert hat, oder ihr selbst, vor ypsilon Jahren? Die ihr seit Monaten nicht gebraucht habt, aber nie deinstalliert habt, weil ihr keinen Bock hattet oder keine Ahnung?
In meinem Fall war das das Quicktime-Symbol. Quicktime hab ich im Jahre 2002 mal gebraucht, als die ersten Trailer zu "Die zwei Türme" rauskamen. Nun hat zwischendurch zwar mein PC zwei Mal gewechselt, aber ich habs auch hier wieder drauf, allerdings nie gebraucht. Jetzt kann ich da natürlich auf "exit" gehen, dann ist das Teil weg. Bis zum nächsten Hochfahren. Für den umständlichen Weg durch die Was-weiß-ich-Configurations-Programme war ich nicht nur zu faul, sondern auch zu... faul.
Also dieses Icon war unverwüstlich, das hatte ich mir gemerkt.
[Übrigens versucht mich Bob inzwischen seit einer halben Stunde chatterisch anzuleiten, das Teil zu entfernen. Ziemlich amüsant.]

Nun war diesmal aber mein Internet langsam, und dann war da dieses Icon mit dem süßen kleinen Bildschirm drauf. Und von dem Bildschirm ging eine stilisierte Leitung weg, die in einem roten X endete. Nun wissen wir ja spätestens seit Indy 3, dass ein X sowieso nie irgendwohin führt, und seit Quicktime, dass man die Icons da unten getrost wegklicken kann. Und es war ja eigentlich auch nicht mein relevantes Interneticon.
Rechter Mausklick auf das lustige Bildschirm-Icon. Deaktivieren? Klar, deaktiviere doch mal.
Pling!
Pling!
Pling!
Chat und Firefox erklärten mir daraufhin, dass ich nicht mehr mit dem Internet verbunden sei. Das Icon, das mir anzeigt, ob ich mit dem Internet verbunden bin oder nicht, das behauptete steif und fest, ich sei noch immer online.
Leidgeprüfter DSL-Kunde, der wir sind, startete ich das Erste-Hilfe-Programm:

Level 1:
Modem aus, Verbindungen überprüfen, Modem an, Verbindungsassistent.
Nichts.
Modem aus, Verbindungen überprüfen, Modem an, Verbindungsassistent?!
Nichts.
Oh...

Level 2:
PC neu starten.
Nichts.
Modem aus, noch mal neu starten, Verbindungen überprüfen, Modem an, Verbindungsassistent...
Nichts...
Oh oh....

Level 3:
Aufkeimende Panik.
Und die Erkenntnis, dass der lustige Bildschirm wieder da hin muss, wo er war. Es folgte eine unschön anzusehende Klickorgie an der Taskleiste, in deren Verlauf ich zwar festgestellt habe, dass ich mein Antivirenprogramm mal wieder erneuern sollte, aber - wir erraten es - der Lösung meines eigentlichen Problems kein Stück näher gekommen bin.

Level 4:
Wahlloses Treiber-CDs-Dings-Gedöns-Teile Suchen und der ebenso wahllose Ansatz, Treiber zu installieren. In meinem Fall den USB-Anschluss. Ich finde die CD nicht. Gut, beginnen wir mit was Leichterem, installieren wir die Internetzugangssoftware neu und suchen wir dafür die DSL-CD.
Schublade mit Computer-CDs - nichts.
Laptop-Tasche - nichts.
Ich durchsuche jetzt aber doch nicht meine ganze Wohnung!
Ok, der Plan war Müll, wir gehen über zu

Level 5:
Nach Hilfe umsehen.
Nun war es nachts halb zwölf und da gibt es nicht SO viele Leute, von denen ich weiß, dass sie mir jetzt gerade dabei helfen möchten, einen Bildschirm auf meinen Bildschirm zu kriegen, oder die wenigstens noch wach waren. Bob war einer von ihnen, aber seine Telefonnummer war irgendwo, nur ausnahmsweise mal nicht in meinem Adressbuch. Aber im Handy war sie doch sicher gespeichert? Möglich. Das Handy hatte sich aber vor drei Stunden ausgeschaltet, weil der Akku leer war.
Er hätte mir ohnehin nicht helfen können, beschloss ich, und kam noch mal zurück auf

Level 4:
Die DSL-CD.
Schublade mit Computer-CDs - nichts.
Obendrauf - nichts.
Laptop-Tasche - nichts.
Auf dem Schreibtisch - nichts.
In der Kramecke unter dem Tisch - nichts.
Im Netzwerkkram auf dem Schrank - nichts.
Abstellkammer - nichts.
Letztendlich sah meine Wohnung nun aus, als wäre gerade eine Herde Wildschweine, von einem Zaubertrank-gedopten Obelix verfolgt, hindurch gejagt, aber die CD war immer noch nicht da.

Fortschreitende Panik.
Überlegte einen Augenblick, in Tränen auszubrechen. Plan verworfen wegen bringt ja nix. Eventuell ein kleines Besäufnis zwischendurch? Bringt genausowenig und ich hab ja morgen was vor. Schlafen konnte ich jetzt nicht, unmöglich!

Da wir uns nun langsam Mitternacht näherten, dann auch noch mal probeweise im Uhrzeigersinn auf dem linken Bein um den Laptop gehüpft, was wider Erwarten auch nichts gebracht hat.
Dann noch mal zur Ruhe gekommen und systematischer vorgegangen.

Bei der Fehlermeldung, die ich bei dem Verbindungsversuch gekriegt habe, ging doch noch ein Details-Link ab. Viel kann ich ja nicht mehr kaputt machen. *klick*
Und schwups war ich im Netcologne-Support-Tool angelangt, vollkommen offline. Tolle Sache, das. So übersichtlich und blondinensicher.
Ich hatte nun die Wahl zwischen 11 Optionen, entschied mich für eine, klickte das Bildschirmchen an, an dem was mit "USB" stand, wurde freundlich darüber aufgeklärt, dass das deaktivert wird, wenn es nicht geht und man es sonst ruhig aktiviert lassen kann. "Weiter" für aktivieren, "Abbrechen" für deaktiviert lassen. "Weiter" und "Fertig stellen", eine Erfolgsmeldung und euphorische Interneteinwahl - TaDA! Ich war wieder mit dem Rest der Welt verbunden und schwöre nun, nie wieder ein Symbol rechts unten zu deaktivieren, von dem ich mir nicht ganz, ganz sicher bin, dass ich es nicht mehr brauche.

[Und Bob konnte mir mit dem Quicktime-Icon auch nicht mehr weiterhelfen. Gnihi.]

11.01.2006 um 18:07 Uhr

Wann wirds mal wieder richtig Sommer...

Büro, morgens gegen 8:00

Der Urlaub ist vorbei - seit Montag übrigens - und das Büro hat mich wieder. Das kalte Büro. Der vermaledeite scheißkalte Eisbüro. Kollegin hat heute ein Thermometer mitgebracht und das zeigt knapp 19°C an. Wer sich in -> Meteorologia Centaureae auskennt, kann sich in etwa ausrechnen, wie ich mich fühle. Ich habe mir jetzt über mein T-Shirt und die beiden Pullover noch meine Winterjacke gezogen, klammere mich an meinen Cappuccino und wetteifere mit meiner Büromitinsassin, wer sich am besten selbst bemitleiden kann. (hartes Kopf-an-Kopf-Rennen!) Außerdem weigere ich mich seit einer Stunde, aufs Klo zu gehen, weil das der wohl einzige Ort hier ist, an dem es noch kälter ist. [Nachtrag, gegen 9:00: Vollkommene Fehleinschätzung. War gerade im Keller, dagegen ist das hier die Sahara...]
Der körperliche Faktor unserer Arbeit tendiert eben auch etwas gegen Null, wie das bei Bürotätigkeit eben so ist und wenn es nicht verboten wäre, hätten wir uns wohl schon längst einen Schuss Rum in den Cappu getan. Wir haben inzwischen die Verblendungen von den Heizungen entfernt, auch wenn diese ohnehin eher handwarm sind, und warten darauf, dass die Sonne hinter den Häusern gegenüber auftaucht. Das alles hat so ein wenig den Reiseflair und fremde-Welten-Charme der Schlacht bei Stalingrad.
Zwei von zwölf Leuten auf diesem Gang sind nebenbei erwähnt schon krank. Zeit, dass Frühling wird.
Das ja sowieso. Weihnachten ist vorbei, Silvester ist vorbei - alles, was jetzt noch an Winter folgt, ist doch blanke Schikane! Wenn ich erst mal Bundeskanzlerin bin, schaff ich so einen Unsinn ab. (Über das Wie mach ich mir später Gedanken)

9:30
Zusammen mit dem sich inzwischen ganz, ganz allmählich ein klitzekleinwenig durch die Sonne erwärmenden Büro hat mich ja nun auch NRW wieder. So ein Urlaub daheim ist nebenbei bemerkt ein ziemlicher Jungbrunnen. Man fühlt sich glatt zehn Jahre jünger! Wirklich!
"Centi, willst du nicht endlich ins Bett gehen / aufstehen / den PC ausmachen / was essen / ...?"
Ja, noch genau so wie früher. Nun konnte ich meinen Eltern ja dann irgendwann ganz schonend beibringen, dass zwischen damals und heute ein Abitur, ein Diplom und vier Umzüge lagen.

Bei meinem Arzt war das nicht ganz so einfach. Dabei wollte ich nur eine einfache Grippeschutzimpfung...

"Die letzte Impfung haben Sie gut vertragen?"
"Japp." (Wäre ich sonst hier?)
"Sind Sie dagegen auch nicht allergisch?"
"Nein." (Wenn ich wüsste, dass ich dagegen allergisch bin, wäre ich dann hier?!)
"Vielleicht gegen einen der Inhaltsstoffe?"
"Ähm. Nein." (...)
"Haben Sie eine Allergie auf Hühnereiweiß? Ist da nämlich drin..."
"Sicher nicht, ganz sicher nicht." (Aber vielleicht sollte ich das besser ihrer Wand erklären...)
"Schon mal Ei oder Hühnerfleisch gegessen und danach einen geschwollenen Hals oder..."
"Nein, wirklich, ich vertrage Huhn. Ganz, ganz sicher." (Willst mich loswerden, hm?)
Er holte dann endlich die Spritze und ich dachte schon, es wäre geschafft. Aber er hatte noch ein As im Ärmel...
"Normalerweise passiert da ja nichts oder ganz, ganz selten, aber...."
(Oh je.)
"wenn es anschwillt und wehtut, dann dürfen Sie ruhig ein wenig kühlen. In den nächsten 2-3 Tagen sollten Sie kein Vollbad nehmen - also duschen ist ok, aber kein stundenlanges Baden -"
"Okay..." (Bin mir gerade nicht mehr sicher, ob ich nach einer Grippeschutzimpfung oder einer Blinddarmoperation gefragt habe...)
"und wenn Sie leichtes Fieber kriegen, aber nur, wenn es so ist, dass es Sie stört, dann können Sie auch ruhig mal eine Paracetamol nehmen. Also Sie müssen nicht, aber wenn es Sie stört..."
"Äh, ja, is ok, das würde ich dann schon tun...." (Soll ich vielleicht morgen wiederkommen...?)
"Na, ich sags nur, nicht, dass es danach heißt..."
"Okay..."
Sinnlos zu erwähnen, dass diese Impfung genauso verträglich und nebenwirkungsfrei war wie die letzte.

03.01.2006 um 22:23 Uhr

Prost Neujahr

Um es mal wieder mit den Worten von Bernd dem Brot zu sagen:
"Hinter uns liegt ein schlimmes Jahr. Und vor uns liegt vielleicht noch ein Schlimmeres. Also macht euch keine Illusionen, alles bleibt wie immer, nur schlimmer, bleibt in Deckung und haltet immer nach dem nächsten Amboss Aussschau, der euren Namen trägt."

In diesem Sinne: Wir sind so doomed.
Eigentlich war mein Silvester ja ganz toll. Aber meine erste Amtshandlung in diesem Jahr bestand darin, ein Sektglas im Fenster einzuklemmen (hat es nicht überlebt, sinnlos zu erwähnen. Kurz nach Mitternacht ein Bett von sektklebenden Glasscherben absaugen zu müssen, ist irgendwie nicht so der Partyhit), die meiner Freundin darin, eine (lose auf dem Balkon liegende) Fliese kaputt zu treten und das erste, was ich in diesem Jahr von Bilbo gesehen habe, war der abgefahrene Außenspiegel. Immerhin der Spiegel selbst war noch intakt, also könnte ich zumindest ab 2007 wieder Oberwasser schnüffeln. Perfekter Ausblick auf das Feuerwerk über dem Elbtal Dresdens entschädigt aber schon ein bisschen.

Vielleicht sollte ich diesen feierlichen Moment dazu nutzen, meinen treuen Lesern, Kommentatoren, Chatplauderern und besonders den Gästebucheintragern [ergänze weibliche Formen] doch endlich mal zu danken. Vielfach saß ich eine Stunde vor Freude quietschend vor dem PC, habe mit den Händen gefuchtelt, blöd gekichert und überlegt, was ich nur antworten kann. Ein Anblick, den ich euch vorenthalten zu können sehr froh bin. Eine angemessene Antwort ist mir natürlich nie eingefallen, was ich immer bedauert habe.
Also: Vielen, vielen lieben Dank!

Aber zurück zum betrüblichen Thema, dem Jahr 2006. Vorsätze hab ich dieses wie jedes Jahr keine. Was ich tun will, tu ich, dafür muss ich mir keinen 1.1. vornehmen. Aber relativ termingerecht ist mir aufgefallen, dass ich mich weniger persönlich nehmen und von mir viel öfter in der dritten Person denken sollte. Werde versuchen, dies demnächst zu versuchen.
Ein Novum: Im Freundeskreis werden dieses Jahr die Geburtstagsgeschenke abgeschafft. Werde keine mehr entgegennehmen und keine vergeben. Nicht, weil meine Freunde es nicht wert wären, sondern weil ich nichts brauche, nie etwas Brauchbares verschenkt habe und meinen Freunden dümmlich rumstehende Staubfänger und mir den Kaufstress ersparen möchte. Und mit diesem beruhigenden Gedanken hab ich sie alle gleich viel lieber.
Mit der Bitte um Beachtung. Danke.

Erfreuliche Erkenntnis: Es gibt Herbal Essences mit Kornblumenextrakten. Riecht leider nicht nach Kornblume, sieht aber sehr schön aus. Bin außerdem nun stolze Besitzerin eines Kaffeeservices mit Kornblümchen drauf, das ich nicht brauche und für das ich keinen Platz habe, aber es war ja so preiswert.
To be entdeckt: Kornblumenmet, Kornblumenschnaps, Kornblumenparfüm und Kornblumenbiberbettwäsche.

Persönliches Hassobjekt dieses Winters: Schnee.
Besonders 20 Centimeter hoch und festgefroren auf einem gleich zu benutzenden Auto. Habe eine Abdeckplane und einen Eiskratzer verkaputtisiert.

Lieblingsnachrichtenversprecher des letzten und des jungen neuen Jahres:
- "Der Bundes-rieds-schieds... Der Bundesschiedsrichter..."
- "Das [etwa 35-jährige] Paar ließ sich das erste Mal seit 60 Jahren in der Dresdener Frauenkirche trauen..." Ja, so eine Scheidung ist ein wahrer Jungbrunnen...
- Und dann waren da noch die vier Häftlinge, die sich eine Gefängniszelle von 20 Centimetern teilen mussten. Böse Welt.

Doch noch ein Neujahrsvorsatz:
Weniger Listen schreiben. Und zusammenhängender. (Und zumindest einen Teil der Klammern abschaffen.)