Biff
Völlig unerwartet hat mich Mittwoch und Donnerstag die Arbeitswut
gepackt und ich habe mein Arbeitspensum nicht nur erreicht sondern auch
weit überschritten. "Schnitt versauen" nennt man das wohl auch. Nun,
all die Motivation ist dann in der Nacht zum Freitag hin verpufft. Mein
mich regelmäßig aus dem Bett schmeißendes Handy versagt mysteriöser
Weise freitags immer den Dienst. Zum Glück werde ich vorher vom Radio
geweckt, aber ohne ein "Piep. Piep! Piiieeehiiieeeep!
PIIIIIIEEEEEPPPP!!!!!!" vom Handy am anderen Ende des Zimmers fehlt der
Anreiz zum finalen Aufstehen. Und je länger man liegen bleibt, desto
schläfriger ist man tagsüber meiner Erfahrung nach.
Heute jedenfalls geht mal wieder nichts. Obwohl die Arbeit eigentlich heute nett zu mir ist. Aber ich bin müde und deppert, als wäre ich eben erst aufgestanden, hätte einen Kater UND eine nahende Erkältung (zumindest zweites kann ich ausschließen, mein Alkoholkonsum ist auf ein erbärmliches Maß geschrumpft) und zusätzlich die letzten vier Nächte zusammen nur 4 Stunden geschlafen. Das stimmt natürlich nicht.
Und was passiert? Der Mensch vom Kunden-Abfang-und-Empfang-sowie-Telefon-Entgegennahme plus seine Vertretung werden krank und wer steht auf der Nachrückliste? Das Centi mit dem stylischen Stück Echtholz vor der Birne.
Glücklicherdings ist Freitag Nachmittag eh kaum was los und so bleibt der überwiegende Teil der Menschheit von meiner himmelstrebenden Blödheit verschont.
Bis auf:
"Landtag Niedersachsen, können Sie mich bitte mit XY verbinden?"
"Aber gern! *Nummer raussuch* Das ist die 948, ich versuche zu verbinden."
Beim Versuch bliebs auch. In meiner geistigen Umnachtung tipp ich auf die falsche Taste und schmeiße den niedersächsischen Landtag aus der Leitung. Tschuldigung. Für eine eventuelle Kriegserklärung unserer plattdeutschen Nachbarn an NRW bin ich nicht verantwortlich weil nicht zurechnungsfähig.
Ich unterhalte mich ein Weilchen mit einem Kollegen. Zum Beispiel über die Alkoholikerin von letzter Woche, die dann nach einer dreiviertel Stunde wieder kam und um weitere Kerzen bat. Ich hab ihr dann widerwillig noch ein paar Teelichter in die Hand gedrückt, woraufhin sie mir offenbarte, dass sie hier eigentlich Hausverbot hätte.
Schluck.
"Ähm. Sie wohnen doch aber hier...?"
Nein, erklärte sie mir, ihr Vater hätte sie aufgenommen. Sonst säße sie auf der Straße. Ah ja. Das tut mir natürlich leid, aber ich traue mich nicht zu fragen, woher denn das Hausverbot rührte. Außerdem hieß das: Entweder ich rufe die Polizei, weil sie hier trotz Hausverbot ist, und bin dann die Böse, weil ich sie bei den Minusgraden auf die Straße werfe, oder ich lass es und riskiere, dass sie mit *meinen* Kerzen im Vollsuff das Haus abfackelt.
Ob ich nicht noch einen Euro für sie hätte. Sicher, damit sie sich Schnaps kauft. Wie ich weiß, würde ich mich damit nur zur Co-Alkoholikerin machen.
"Nein, tut mir leid, für heute Abend reichts. Guten Abend."
Sie wandte sich daraufhin zum Gehen, nicht ohne mir ein "Darüber reden wir morgen noch!" entgegen zu schmeißen.
"Guten! Abend!"
Der Abend war gelaufen, aber seitdem hab ich sie zumindest nicht mehr gesehen.
Nächster Anruf. Hausintern.
"Ah, hallo." Man hört die Irritation über den unerwarteten Anrufempfänger förmlich heraus. Ja, ich bin nur Biff, der Ersatzmann, ich sitze nicht regulär hier. "Ah, der S., der ist dann wohl nicht da...?"
"Nein." Denn sonst wäre er ja hier, nicht ich, nech? "Der ist krank."
"Ah ja, kommen Sie denn an den Schrank mit den Plänen ran?"
...
Hä? "Welcher Schrank? Was für Pläne?" Und immer schön ans Lächeln denken.
"Der neben M.s Zimmer."
"Ah, der. Ähm. Nee. M. hat dazu aber den Schlüssel."
"Wenn ich da anrufe, werde ich aber an H. weiterverbunden." Automatische Weiterleitung, weil M. heute auch nicht da ist. Klasse.
"Öhm. Hat die den Schlüssel denn nicht?"
"Ich dachte, die ist nur halbtags da? Ist den G.[Ständige Vertretung für den nun von mir besetzen Posten] nicht da?"
"Die ist auch krank. Etwas chaotisch, hier." Sonst wär ich nicht hier. Verzeihungheischendes befangenes Lachen.
"Dann... tja... ich versuchs einfach... mal..."
"Ja... ähm, viel Erfolg."
Weiterer Anruf, halbe Stunde nach Kernzeitende. Für mich noch 90 Minuten.
"M. Wir haben hier schon viel rumtelefoniert, aber [Referent], [Chefsekretär] und [Chef] sind ja alle nicht da!"
"Ja, kann sein, die sind entweder gegangen oder krank." Schau mal auf die Uhr, Kerl. "Worum gehts denn?"
"Thema XY" Japp. Da ist nur einer für zuständig und den hab ich vor einer Stunde samt Familie heimgehen sehen.
"Ich glaube, da kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen, da kenn ich mich nicht mit aus..." Ich bin ja nur Biff, der Ersatzmann. [Luftholen und kurz überlegen, wer noch da ist und wer da Ahnung haben könnte.]
"Ja, was sind Sie dann da, wenn sie keine Ahnung haben?!"
"Vielen Dank", Du hast mir heute noch gefehlt, du Arsch.
Tja, er war pissed, weil er ein ganz dringendes Projekt aufgebrummt bekommen hat, bei dem ihm sonst halt keiner helfen kann. Hab ihn auf irgendeinen Vorgesetzten abgewälzt (Ja, bei uns läuft das so rum!) und werde heute Abend ein paar Nadeln zu seinen Ehren in meine Universal-Voodoo-Puppe stecken.
Heute jedenfalls geht mal wieder nichts. Obwohl die Arbeit eigentlich heute nett zu mir ist. Aber ich bin müde und deppert, als wäre ich eben erst aufgestanden, hätte einen Kater UND eine nahende Erkältung (zumindest zweites kann ich ausschließen, mein Alkoholkonsum ist auf ein erbärmliches Maß geschrumpft) und zusätzlich die letzten vier Nächte zusammen nur 4 Stunden geschlafen. Das stimmt natürlich nicht.
Und was passiert? Der Mensch vom Kunden-Abfang-und-Empfang-sowie-Telefon-Entgegennahme plus seine Vertretung werden krank und wer steht auf der Nachrückliste? Das Centi mit dem stylischen Stück Echtholz vor der Birne.
Glücklicherdings ist Freitag Nachmittag eh kaum was los und so bleibt der überwiegende Teil der Menschheit von meiner himmelstrebenden Blödheit verschont.
Bis auf:
"Landtag Niedersachsen, können Sie mich bitte mit XY verbinden?"
"Aber gern! *Nummer raussuch* Das ist die 948, ich versuche zu verbinden."
Beim Versuch bliebs auch. In meiner geistigen Umnachtung tipp ich auf die falsche Taste und schmeiße den niedersächsischen Landtag aus der Leitung. Tschuldigung. Für eine eventuelle Kriegserklärung unserer plattdeutschen Nachbarn an NRW bin ich nicht verantwortlich weil nicht zurechnungsfähig.
Ich unterhalte mich ein Weilchen mit einem Kollegen. Zum Beispiel über die Alkoholikerin von letzter Woche, die dann nach einer dreiviertel Stunde wieder kam und um weitere Kerzen bat. Ich hab ihr dann widerwillig noch ein paar Teelichter in die Hand gedrückt, woraufhin sie mir offenbarte, dass sie hier eigentlich Hausverbot hätte.
Schluck.
"Ähm. Sie wohnen doch aber hier...?"
Nein, erklärte sie mir, ihr Vater hätte sie aufgenommen. Sonst säße sie auf der Straße. Ah ja. Das tut mir natürlich leid, aber ich traue mich nicht zu fragen, woher denn das Hausverbot rührte. Außerdem hieß das: Entweder ich rufe die Polizei, weil sie hier trotz Hausverbot ist, und bin dann die Böse, weil ich sie bei den Minusgraden auf die Straße werfe, oder ich lass es und riskiere, dass sie mit *meinen* Kerzen im Vollsuff das Haus abfackelt.
Ob ich nicht noch einen Euro für sie hätte. Sicher, damit sie sich Schnaps kauft. Wie ich weiß, würde ich mich damit nur zur Co-Alkoholikerin machen.
"Nein, tut mir leid, für heute Abend reichts. Guten Abend."
Sie wandte sich daraufhin zum Gehen, nicht ohne mir ein "Darüber reden wir morgen noch!" entgegen zu schmeißen.
"Guten! Abend!"
Der Abend war gelaufen, aber seitdem hab ich sie zumindest nicht mehr gesehen.
Nächster Anruf. Hausintern.
"Ah, hallo." Man hört die Irritation über den unerwarteten Anrufempfänger förmlich heraus. Ja, ich bin nur Biff, der Ersatzmann, ich sitze nicht regulär hier. "Ah, der S., der ist dann wohl nicht da...?"
"Nein." Denn sonst wäre er ja hier, nicht ich, nech? "Der ist krank."
"Ah ja, kommen Sie denn an den Schrank mit den Plänen ran?"
...
Hä? "Welcher Schrank? Was für Pläne?" Und immer schön ans Lächeln denken.
"Der neben M.s Zimmer."
"Ah, der. Ähm. Nee. M. hat dazu aber den Schlüssel."
"Wenn ich da anrufe, werde ich aber an H. weiterverbunden." Automatische Weiterleitung, weil M. heute auch nicht da ist. Klasse.
"Öhm. Hat die den Schlüssel denn nicht?"
"Ich dachte, die ist nur halbtags da? Ist den G.[Ständige Vertretung für den nun von mir besetzen Posten] nicht da?"
"Die ist auch krank. Etwas chaotisch, hier." Sonst wär ich nicht hier. Verzeihungheischendes befangenes Lachen.
"Dann... tja... ich versuchs einfach... mal..."
"Ja... ähm, viel Erfolg."
Weiterer Anruf, halbe Stunde nach Kernzeitende. Für mich noch 90 Minuten.
"M. Wir haben hier schon viel rumtelefoniert, aber [Referent], [Chefsekretär] und [Chef] sind ja alle nicht da!"
"Ja, kann sein, die sind entweder gegangen oder krank." Schau mal auf die Uhr, Kerl. "Worum gehts denn?"
"Thema XY" Japp. Da ist nur einer für zuständig und den hab ich vor einer Stunde samt Familie heimgehen sehen.
"Ich glaube, da kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen, da kenn ich mich nicht mit aus..." Ich bin ja nur Biff, der Ersatzmann. [Luftholen und kurz überlegen, wer noch da ist und wer da Ahnung haben könnte.]
"Ja, was sind Sie dann da, wenn sie keine Ahnung haben?!"
"Vielen Dank", Du hast mir heute noch gefehlt, du Arsch.
Tja, er war pissed, weil er ein ganz dringendes Projekt aufgebrummt bekommen hat, bei dem ihm sonst halt keiner helfen kann. Hab ihn auf irgendeinen Vorgesetzten abgewälzt (Ja, bei uns läuft das so rum!) und werde heute Abend ein paar Nadeln zu seinen Ehren in meine Universal-Voodoo-Puppe stecken.
