Lookin' for adventure
Montag, 13:00
Wir hatten den erzgebirgisch-heimatlichen Gefilden mal wieder einen Besuch abgestattet und befanden uns nun wieder auf dem Weg nach Bonn. Irgendwo auf der Landstraße kurz vor Zwickau (i.e. zwischen zwei Autobahnen!) begann das Symbol für die Kühlflüssigkeit vehement darauf zu pochen, dass ich anhalte. War in diesem Fall leicht zu überreden und fuhr an die Seite. Ich öffnete die Motorhaube und starrte eine Weile unschlüssig auf die Kühlflüssigkeit, deren Stand man ja nie erkennen kann. Dann schraubte ich das Dingens vorsichtig auf und stellte anhand der mir entgegensprudelnden Flüssigkeit fest, dass genügend Kühlflüssigkeit drin sein müsste. Planlos in der Gebrauchsanweisung fürs Auto rumgeblättert, ob da irgendwas dazu drin stand. (Auf die Idee wäre ich früher nie gekommen, bis eines Tages das Lämpchen für die Handbremse einen scheinbaren Wackelkontakt hatte, weil es die ganze Zeit brannte. Tatsächlich hatte mich das Lichtlein darauf hinweisen wollen, dass ich auf den letzten fünfhundert Kilometern fröhliglich Bremsflüssigkeit verloren hatte.) Natürlich gabs keine brauchbaren Informationen.
Als ich so in der warmen mittäglichen Märzsonne stand, wanderten meine Gedanken an einen anderen Ort, in eine andere Zeit. Es war eine dunkelblaue Winternacht, als ich auf dem Fensterbrett meiner Wohnung saß, bei Kerzenlicht und leiser Musik im Hintergrund. Spät in der Nacht schien ich die einzige Person in der Stadt zu sein, die wach war, und der helle Vollmond beleuchtete in der klaren Winterluft die Straße vor meinem Haus, die sich als silbernes Band dahinzog. Versonnen blickte ich den Wolkenschleiern nach, die über das Land zogen, als unter der Reihe von Autos, in der auch mein treues Gefährt harrte, eine Katze hervorhuschte. Flink wie ein Wiesel überquerte sie die Straße und die ganze Szenerie wäre sehr viel romantischer geblieben, wenn die Katze auf den zweiten Blick nicht ein gottverdammter Marder gewesen wäre, der meinem Auto da bei weitem zu nahe gekommen war.
Der langen Rede Blah: "Marderschaden" war mein nächster Gedanke.
Den Motor probeweise noch mal gestartet und da das Licht dann aus war nach Zwickau rein und zu ATU gefahren. Die dortigen Autoärzte haben ein bisschen probiert, ein bisschen Flüssiges nachgefüllt, ein bisschen weiterprobiert und irgendwann festgestellt, dass der Kühler kaputt war. Ob ich irgendwo gegengefahren wäre, wollten sie wissen. Iiiich?! Nie! Ich doch nicht! Vielleicht auch doch, aber das spielte ja auch keine Rolle mehr.
Ein neuer Kühler musste her, ATU Zwickau hatte keinen vorrätig und telefonierte die Umgebung nach dem Ersatzteil ab. Zwischendurch mich gefragt, was ich denn täte, wenn sie das Auto heute nicht mehr flott kriegten. Also nach in Panik geraten und dem üblichen Weltverfluchen. Urlaub einreichen, Mietwagen bestellen - eigentlich müsste doch die Versicherung, aber würde die auch?
14:00
Irgendwann fand sich dann ein Kühler, in Gera. Man erklärte mir, den zu holen würde etwa eine Stunde dauern, das Einbauen noch mal ne Stunde - na, wir rufen Sie dann an. Der Preis, den er dann nannte, tat zwar weh, aber nicht ganz so weh wie die Tatsache, dass ich nicht vor 16:30 wegkommen würde. Das wars mit dem Training heute Abend. Und überhaupt. Hnnng.
Meine Frage nach einem Internetcafé in der Nähe (nur aus rein informativem und statistischem Interesse) wurde leider verneint, aber ich hatte mein Blogotizbuch dabei, einen Roman, gleich gegenüber war ein McCafé und die Sonne schien. Kthxbisdann!
17:40
Einen Cappuccino mit Karamelgeschmack, einen Gartensalat, eine kleine Pommes, 75 Seiten Tad Williams und zwei besorgte Anrufe von Muttern später war meine Laune weitestgehend ungetrübt, lediglich Unruhe macht sich breit.
Dann endlich der erlösende Anruf, ich solle gegen 18:00 vorbeischauen. Nur 70-100 Minuten später als erhofft, holdrio.
Ich lauschte halbherzig den Gesprächen am Nebentisch (Der Roman ist spannend, aber weit war es mit meiner Leseausdauer noch nie her), nervige Kiddies, die es im halben Dutzend noch nerviger gab. Geht weg.
Mein Handy-Guthaben war übrigens weit unten im einstelligen Bereich angekommen und der Akku röchelte auch schon. Wehe heute passiert noch was.
17:45
Die seltsamen Kiddies siezten mich. Werdet ja nicht frech, sonst werf ich mit meinem Gebiss nach euch!
Die Sonne ging romantisch im McDonald's-N unter und ich beschloss, rüber zu gehen und die Leute von ATU umzubringen. Und ihnen hinterher einen Altar zu bauen.
18:00
Und sie bräuchten noch ein paar Minuten zum Gegenchecken, erklärten sie mir und setzten mich an einen Tisch mit Zeitungen und boten mir Kaffee an. Jetzt ist zwar eine Werkstatt kein schlechter Ort zum Warten - interessante Ersatzteile, modernes Technikequipment und holla, seht euch diese Augen an - aber argh.
Lehnte nach dem Kaffee auch die Kundenkarte, die neuen Bremsen und den Austausch der Windschutzscheibe ab - gebt mir mein Auto und gut! - und ich packte meine Blogotizen demonstrativ weg. Bilbo und ich, wir gehen jetzt, seht her! Denn es war 18:07, nur fürs Protokoll, und ich wartete bereits seit vier Stunden (die ratlose Zeit davor nicht mitgerechnet).
18:25
Endlich ging es los, mit einem nagelneuen Kühler und einem halben Kanister destilliertem Wasser im Auto. (Danke, Jungs, das hab ich mir schon immer gewünscht.)
Fuhr noch eben an die Tankstelle nebenan und stellte fest, dass das Benzin während meiner Wartezeit einen ganzen Cent billiger geworden war.
Hysterisches Lachen.
Wider Erwarten bin ich noch vor Mitternacht, 23:00, angekommen und auch nicht am Steuer eingeschlafen. Nehmt dies als Happy End und lasst euch auf den Weg geben, dass Bilbos Kühlerproblem fünf Kilometer vor einer Werkstatt an einem Montag aufgetreten ist und nicht sonntags mitten auf der A5. Tollstes Auto von sich Welt.
