Aus dem Leben eines Taugegarnichts

26.08.2008 um 11:33 Uhr

...und wende mich wer weiß wohin.

Realitaet
Mein Duscharmatur-Problem ist übrigens immer noch nicht endgültig gelöst. Eine Weile schien das ja so gut zu gehen, aber das Gewinde am Griff ist einfach zu verschlissen, und ich brauche jetzt immer einen Schraubenzieher, wenn ich duschen will. Also hab ich entschieden, dass ich wohl eine neue Duscharmatur brauche. Zwecksdessen müsste ich in den Baumarkt. Nicht montags, da steppe ich. Dienstags auch nicht, da sind die historischen Tänze, und das wird zu knapp. Nach Badminton am Mittwoch hab ich auch wirklich keine Lust mehr und donnerstags ist eh ganz schlecht, wegen Volleyball. Wochenendes bin ich entweder nicht da oder lethargisch. (Sie haben meinen Freitags-Stepkurs verlegt!)

Dann hab ich beschlossen "Ach, ich zieh einfach um". Wollte ich ja schon ne Weile tun, weil mein Wohnklo ist einfach zu klein und zu heruntergekommen und die Lüftung ist furchtlich und für all das total überteuert. Also umziehen.
Ich hab mich also wieder mal in die Immobilienanzeigen eingelesen. Es war viel Schrott dabei, aber auch viele hübsche Wohnungen. Dann hab ich mal auf die Miete geschielt, die Nebenkosten dazugerechnet, das mit meiner jetzigen Miete verglichen und beschlossen, dass meine Wohnung eigentlich doch ziemlich toll ist.

Aber irgendwie mal wieder raus müsste ich schon, dacht ich mir, und hab mich für das Veldenz-Wochenende angemeldet. Das Forum hat Schloss Veldenz für ein paar Tage gemietet, das Event, das eigentlich hätte stattfinden müssen, findet nicht statt, aber die Burg ist halt gemietet. Also hängen wir da jetzt ein paar Tage ab.
Und dann kam Órin an und meinte, Frankfurt/Hahn sei da ja recht in der Nähe und RyanAir flöge von da ja ganz günstig nach Schweden und ob nicht jemand im Anschluss mitkommen wollte.
Und, haja, meine Duscharmatur ist eh kaputt. Kann ich auch nach Schweden fliegen. Hatte ich nie geplant, und ich kenn mich überhaupt nicht aus und war auch recht überrascht, dass die da gar nicht in Euro zahlen. Aber Órin hat jetzt Flug und Zimmer gebucht, und Beri kommt auch mit und es wird großartig. Auch wenn wir völlig planlos sind.
Wahrscheinlich kommen wir nachts halb eins (Ja, der Flug geht so spät...) aus dem Flughafen raus, der letzte Bedienstete schließt hinter uns ab und macht das Licht aus. Und wir stehen dann da mit vollem Gepäck dumm in der Gegend rum und starren in die schwarze Leere vor uns. Der letzte Bus fuhr vor einem halben Monat, Taxis gibt's nur in Stockholm, und schon gar nicht um die Zeit. Anrufen können wir niemanden, weil kein Handy hier Netz hat und irgendwo in der Nähe heult ein Wolf. Ich wette, wir haben Spaß dabei. Ich nehm auf jeden Fall Wodka mit.

Und dann, fiel mir ein, steht ja noch einmal Irland aus dieses Jahr, also gleich mal Nimiel und Gamina zusammengetrommelt und Irland gebucht. Oder besser buchen lassen, weil ich noch immer keine Kreditkarte besitze. Sollte ich nächstes Jahr vielleicht doch mal ändern. Naja, jedenfalls delegieren geübt. Unser Cottage hat übrigens vier Schlafzimmer. Und mich grinst der Linksverkehr ja jetzt schon an. Brrr.

Immerhin ein Buch gegen Flugangst von meiner Kollegin ausgeliehen, und selbiger heute erklärt, warum bei der sogenannten Notlandung der RyanAir-Maschine heute die Passagiere in keinster Gefahr geschwebt haben. Und mir das auch noch selbst abgekauft. Großartig!

24.08.2008 um 20:20 Uhr

Segeltörn 2008 - Im Hafen von Lelystad

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Donnerstag, 26. Juli 2008 (2/2); Freitag, 27. Juli 2008

 

Dagegen

"Blööd!" - Wir sind dagegen.

Der Schmach nicht genug, soll jetzt auch noch das Deck geschrubbt werden. Angeblich müssten Schulklassen das jeden Tag machen, wir nur einmal in dieser Woche, und wir wären doch sehr privilegiert. Aber das erzählen sie doch jeder. Crew.

 

Deck schrubben

Deck schrubben.


Als man sich im Boden an Deck spiegeln kann, wird der Grill angeworfen und Salate aufgetragen. Ein Teil der Crew macht sich die paar Meter bis zur Arche oder zur Batavia auf und geht sozusagen fremd. Danach und davor widmen wir uns einem unserer Lieblingshobbys und posen auf der Plattform am Bug.

Centi und Milad am Bug

 

Auch ein großes Gruppenbild folgt, und das Gästebuch wird verziert.

 

Gruppenfoto

 

Beim Abwasch sind wir zu viert und intonieren erneut "Hoist the colours high" in einer schätzungsweise zwanzig minütigen Dauerschleife. Wahrscheinlich konnten sich die Fußballfans nebenan nur schwer zurückhalten, uns über Bord gehen zu lassen, und wir haben auch ein wenig ein schlechtes Gewissen, aber es war so schön meditativ. Ich trage währenddessen eine Klamotte, die am ehesten an Fräulein Rottenmeier erinnern mag und lebe mich in dieser Rolle schon viel zu bald ein. "Da hinten ist noch was dreckig. Das da ist noch nicht blankpoliert genug. Ist das etwa Alkohol?! Alkohol ist der Weg in die Hölle! ... Oh Gott, ich muss aus dieser Klamotte raus."
Werfe mich dann auch direkt nach dem Abwaschen wieder in die Schlampe, es folgen weitere Fotosessions. Jeder mit jedem, sozusagen. Im Sonnenuntergang. An dieser Stelle einfach mal wieder ein paar Bilder, es war stärker als ich:

 

Beri und Fox

"Siehst du die Wolke da hinten?" - Beri und Fox.


Vier Herren

Geballte Männlichkeit.


Fox und Sabine

In den Sonnenuntergang! Fox und Sabine.

Danach folgt das übliche gemütliche abendliche Abhängen. (Nicht zu vergleichen mit dem ganztägigen Abhängen. Weil ohne Sonne, dafür mit Alk. Also ich nicht.) Das Fußballspiel scheint relativ öde zu sein und die Mehrheit der Crew bleibt an Deck um die Raucherkiste herum. Die hatten wir "Dead Man's Chest" getauft und wollten eigentlich fünfzehn Leute draufstellen ("15 men on a dead man's chest - yohoho and a bottle of rum."), haben das letztendlich aber doch nicht umgesetzt. Jedenfalls raucht man in trauter Runde, die meisten Zigaretten, Gurthang Pfeife. Als Liebelein einen Zug aus selbiger nimmt, windet er sich kurz aber herzlich in einem halben Asthmaanfall und trägt ein charmantes "Godverdomme!" vor. Kihi!

Zum Schluss huldigen wir noch der Monsterpackung Kartoffelpüree, die uns am Leben erhalten hat: 119 Portionen! 

Milad - Kartoffelbrei

Milad wirbt im endlich fertig genähten Kleid für Kartoffelbrei.


Kartoffelbrei

Praise the Kartoffelbrei!

Wir hängen noch bis spät nachts beieinander, und ich habe etwa eine reichliche Stunde Schlaf abbekommen, als mein Wecker klingelt und ich wieder aufstehe. Draußen herrscht richtiges trübes Abschiedswetter Wir packen alle Sachen zusammen, verteilen die restlichen Lebensmittel und lassen das Frühstück ansonsten ausfallen. Der Bootsmann steht sogar noch zu dieser unpiratigen Zeit auf, um uns zu verabschieden, dann kommt auch schon der Bus, in den wir unsere Siebensachen verfrachten. Traurig winken wir im Nieselregen den Masten der schönen Soeverein zu, Metatron stößt seinen Kopf noch mal wehmütig an einer Kante im Bus, dann fahren wir los. Einige Crewmitglieder fahren dann später in Eigenregie zurück, die Wege der Busfahrer trennen sich dann so nach und nach in Willich. Milad bringe ich noch zum Bahnhof in Bonn, dann folgt ein langes, eintöniges Wochenende ohne Wellen - allerdings mit Wellengang, denn mein Wohnzimmer schwankt doch noch zwei Tage ziemlich nach - ohne Segel, ohne Vla, ohne Piratenklamotte, ohne Tanz, ohne todbringende Cocktails, ohne Sonnenuntergänge über dem Meer, ohne lurkende Urker, ohne Mastklettern, ohne Fox' Kaffee, ohne "hoist the colors", ohne Beamer und 18 Toiletten, ohne Reiher, ohne Sonnendeck, ohne Entenkücken, ohne das Sofa im Aufenthaltsraum, ohne Waschmaschinen nachahmende Bullaugen, ohne Piratenkinder, ohne Schoten, ohne Órin, ohne Nimiel, ohne Milad, ohne Beri, ohne Hoppi, ohne Alca, ohne Fox, ohne Udo, ohne Niniel, ohne Treofan, ohne Falathar, ohne Metatron, ohne Gurthang, ohne Eesti, ohne Caitlin, ohne Sabine, ohne Lixa, ohne Liebelein und ohne Schätzekin.

Centi im Sonnenuntergang



Und wenn sie nicht gestorben sind, so wollen sie auch heute noch zurück. Ich danke allen Beteiligten für sechs ausnahmslos geniale Tage, und allen Fotografen für ihre Fotos und Videos.

Zum Abschluss noch mal ein Rundgang durch das Schiff: Video.

 

Soeverein in Lelystad

 

24.08.2008 um 19:53 Uhr

Segeltörn 2008 - Von Hoorn nach Lelystad

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Donnerstag, 26. Juli 2008 (1/2)

Am nächsten Morgen verschwinden die anderen beiden Schiffe kurz nach dem Frühstück und auch wir legen bald darauf ab. Heute steht die letzte Fahrt für uns an, zurück in den Hafen von Lelystad, wo wir noch einmal übernachten werden, ehe es morgen Früh um sieben wieder mit dem Bus in Richtung Osten gehen wird. Wir sind dagegen, wollen lieber ewig weitersegeln bei Sonne, Wind und Vla. Dennoch beschließen wir, uns davon den Tag nicht verderben zu lassen und genießen ihn noch einmal in vollen Zügen.

Kapitaen Orin

Segel setzen! Kapitän Órin vor der niederländischen Flagge.


Das Segelsetzen geht uns immer leichter von der Hand, allmählich haben wir die Technik raus, mit der wir uns in die Seile stemmen müssen, um die widerspenstigen Segel zu bewegen. Dennoch muss der Bootsmann hier und da noch mit anpacken, was uns regelmäßig schlimmste Gewissensbisse beibringt. Liebelein hatte sich nämlich nur etwa zwei Wochen zuvor zwei Rippen gebrochen und eine dritte angebrochen. Wenn wir mitansehen müssen, wie er sich mit ungebrochener Motivation anstrengt, tut uns solidarisch auch alles weh. Dass wir übrigens besser an den Seilen ziehen können als noch zu Beginn unserer Reise, heißt noch lange nicht, dass wir auch auf Anhieb Bescheid wissen, wenn er einen von uns anweist, die Schoten nachzulassen. Wir verteilen uns inzwischen einfach strategisch auf die drei verschiedenen Möglichkeiten und warten, bis er dann einem von uns zunickt. 100-prozentige Trefferwahrscheinlichkeit. [Video. Sorry für den Rosa-Stich...]

Seile

Beri erscheint heute Morgen sehr verzögert an Deck, eine Weile hatte sie unter der sorgenden Aufsicht von Treofan mit einem Kater Kreislaufproblemen zu kämpfen.


Dieweilen tun unsere Näherinnen die letzten Stiche und flicken so die neue Piratenflagge zu Ende. Udo klettert bei voller Fahrt auf die oberste Plattform, und holt die alte Flagge ein. Unten wird in der Zwischenzeit die neue Flagge zum Hissen vorbereitet. Das Hissen selbst wird von einem kleinen Chor begleitet, der "Hoist the colours high" mehrstimmig zum Besten gibt. Hach. [Video ]

Hoist the colours high!

Yoho, haul together, hoist the colours high!


Die alte Flagge, die wir ja im Gegenzug erhalten, ist zwar schon ein bisschen ausgeblichen und daher eher lila, und auch nur noch zur Hälfte vorhanden, aber dennoch ein schönes Erinnerungsstück, auf dem wir alle unterschreiben, angefangen beim Bootsmann. Der laut eigenen Angaben gut mit uns "klaar" kam. Ich werde die Doppeldeutigkeit jetzt nicht erklären.

Flagge unterschreiben

Kam gut mit uns klaar: Liebelein beim Unterschreiben der Flagge.


Nimiel wird wiederholt von den Kindern des Skippers eingenommen und durch die Gegend gescheucht, sie hatte zuvor schon mehrmals Babysitter gespielt.

Rettungsring


Der Rest geht weiter zum größtenteils dem Nichtstun nach. Das Wetter ist heute aber auch wieder mal großartig, und wir haben uns noch mal alle in Klamotte geworfen. Das ist einfach ein ganz anderes Gefühl. Wobei ich dazu sagen muss, dass die Kopftücher nicht mal vordergründig aus ästethischen Gründen so beliebt waren, sondern einfach deswegen, weil es die ganze Zeit verdammt windig war, und das eigentlich die einzige Möglichkeit war, sich die Haare wirklich dauerhaft aus dem Gesicht zu halten.
Auf Órins Initiative hin erbetteln wir Beris Laptop, um uns einen Ausschnitt aus 'Fluch der Karibik 3' anzusehen. Den spielen wir dann daraufhin nach. [Video.] Sport an Bord.
Danach gehen wir wieder intensivem Entspannen und Nichtstun nach. Ich versuche noch einmal, ein paar Eindrücke vom generellen Flair an Bord einzufangen. [Video . Wir sind so. verdammt. relaxed.]

Sonnendeck Bug

Abhängen auf dem Sonnendeck am Bug.

Dennoch kommt allmählich der Hafen von Lelystad näher, ob wir wollen oder nicht. Das lässt sich spätestens dann nicht mehr ignorieren, als die Arche Noah, die ebenfalls an dieser kahlen Betonwand liegt, in Sicht kommt. Wir findens doof und wiederholen fortan unser Blöd-Zeremoniel von gestern. Zwischendurch überlegen wir auch, einfach auf die nächsten Anweisungen nicht zu hören, oder wahlweise das Schiff zu kapern. Wir würden einfach die Seile dingsen und den Motor anwerfen, und losfahren, sobald wir rausgefunden hätten, wo das Gas ist, und irgendwie würden wir auch schon noch herausfinden, was Schoten sind und was genau man damit macht. So schwer kann das doch nicht sein.
Aber wir sind zu nett für Meuterei und so legen wir allzu bald an.

Milad - Centi

Wir könnten einfach "Nö!" sagen...

23.08.2008 um 21:48 Uhr

Segeltörn 2008 - Hafen von Hoorn

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Mittwoch, 25. Juli 2008 (2/2)

 

Flagge

Nimiel, in die zu flickende Flagge gehüllt.

Nach einer Weile kommt ein weiteres größeres Segelschiff an, fährt direkt neben uns und macht an uns fest.
Mooooment! Dieser Hafen ist nicht groß genug für uns beide, Fremder, nimm deine Leinen von unserem Schiff und such dir einen eigenen Hafen! Wir sind angemessen empört. Noch mehr, als ein zweites Schiff am Ersten festmacht. Wer von diesen beiden - mit Schulklassen beladenen! - Schiffen an Land gehen will, muss unser Schiff - unsere schöne Soeverein! - einmal komplett überqueren. Unerhört! Wir weisen den Bootsmann echauffiert, später bettelnd, an wegzufahren, aber er ist der Meinung, das wäre normal so und er könne da jetzt auch nichts mehr machen.
Aber!
Fremde Menschen! Auf *unserem* Schiff! Schüler noch dazu! Ey! Menno!
Böse funkeln wir die fremden Nebenbuhler an. Órin sucht sich Sklaven aus.
"Blöd!", sagen wir, "blöööd!" Das sagen wir sehr oft in den kommenden Stunden. So ziemlich bei jeder Begegnung. Andere hätten "Hallo!" benutzt. Wir sagen "blöd!"
"Blöd!" (= "Hallo, wie geht's dir so?")
"Blöd." (= "Ganz gut, und selbst?")
"Blööhööd!" (= "Ich kann eigentlich nicht klagen, aber ich hatte doch gehofft, wir würden heute Abend diesen Platz für uns haben, und jetzt sind da diese beiden fremden Schiffe, mit Schülern, deutschen Schülern, an Bord, und die müssen wir jetzt noch bis morgen Früh ertragen.")
"Blöööööhöhööhöööd!" (= "Ja, da bin ich auch nich' so für.")

 

Sabine oben

Die Soeverein mit den beiden benachbarten Schiffen. Auf der obersten Plattform sitzt gerade Sabine.

Wider Erwarten benehmen sich die jungen Menschen allerdings wirklich zivilisiert. Sie kleckern nicht einzeln über unser Schiff, sondern sammeln sich und überqueren unser Deck dann in zügigem EntenGänsemarsch, leise und ohne sich übermäßig umzusehen. Wir lassen sie dabei aber auch nicht aus den Augen. "Fass bloß nicht mein Schiff an, wehe du fasst mein Schiff an - ey, hast du grad mein Schiff angefasst?! DEI MUDDA! zeter " denken wir allerdings nur.

Unbeeindruck von den neuen Zuschauern werfen wir uns wieder in Klamotte und gehen in vollem Umfang dem Tanzen und dem Posen nach. Dies ist schließlich der vorletzte Abend, an dem wir das tun können, auch wenn wir daran gar nicht denken wollen. Ob wir denn einen Film drehen würden, werden wir gefragt, wegen der Klamotten und dem Tanzen. Deeeh.

 

Tanzkreis

Unerschrockenes Tanzen.


Sabine erklimmt erneut einen Mast, diesmal sogar bis ganz oben. Respekt! Das ist wirklich, wirklich hoch.

Sabine

Unerschrockenes Mastklettern und -sitzen.

Später zieht sich dann eine Hälfte der Crew in den Aufenthaltsraum zurück. Fußball gucken. Halbfinale, hat man mir gesagt. Ich weiß nicht mal mehr, wer gespielt hat. Deutschland vermutlich. Wasauchimmer. Udo hat sich erneut Anerkennung verdient, indem er auf wundersame Weise ein weiteres Fass Bier besorgt hat. Das Bier aus Urk war nämlich schon wieder alle. Bei so wenigen Biertrinkern. Ich bin schon ein bisschen beeindruckt.

ie andere Hälfte belagert heute das Sonnendeck. Erstens ist es da etwas ruhiger und zweitens haben wir da mehr Sonne und mehr Überblick über den Hafen. Gemütlich sitzen wir bei Schokolade und Baileys beisammen. Ich lasse den Alkohol links liegen und halte mich heute Abend an Wasser.

 

Milad-Hoppi

  Drohendes Posieren: Milad und Hoppi.

Irgendwer schafft es, die M&Ms-Tüte umzuwerfen, woraufhin die bunten Schokodrops übers Deck kullern. Irgendwer fragt, ob die Dinger eigentlich auch im Wasser schwimmen. Ich sage, dass das einfach herauszufinden sei, und werfe ein Blaues in mein Wasserglas. Es sinkt. Tadaa. Außerdem greift die Kohlensäure irgendwie den bunten Zuckermantel an und bald darauf ist mein Mineralwasser blau. Cooool.

 

Nimiel-Centi

Einladendes Posieren: Nimiel und ich.

Ein weiteres Crewmitglied wirft trotzig ein M&M an Deck eines unserer Nachbarn. Ts, ts! Ich weise daraufhin, dass das gefährlich ist. Wenn jetzt jemand ankommt und auf diesem runden Ding ausrutscht! Dann muss er sich womöglich am Segel festhalten! Und dieses Segel würde unweigerlich herumschwenken, mit dem Unglücksraben, der sich mit strampelnden Beinen daran festhalten muss. Am Schluss des Halbkreises, den das Segel dann beschreiben würde, würde der Mensch dann gegen das Steuer prallen, wo er womöglich aus Versehen den Motor anlassen würde, wodurch das Schiff in Fahrt geraten würde. Da es aber auf einer Seite festgemacht ist, könnte es nicht normal geradeaus fahren und müsste stattdessen einen großen Halbkreis beschreiben, an dessen Ende das Rathaus stehen würde, das dadurch arg beschädigt werden würde. Und das wäre wirklich schade, denn das ist ein hübsches Gebäude.

Diese Erklärung leuchtet allgemein ein. Wir beschließen also, die gesamte Tüte M&Ms besser aufzuessen, um niederländische Rathäuser nicht weiter unnütz zu gefährden.
Ich bin derweilen ganz angetan von meinem blauen Mineralwasser und gehe an die Bar, leise schleichend, um die Fußballgucker nicht zu stören, und hole mir einen ganzen Turm Wassergläser. Wieder oben angekommen, fülle ich alle mit Mineralwasser und werfe in jedes Glas ein andersfarbiges M&M. Meine Gefährten begutachten meine Experimente etwas skeptisch. Pfah!
Ich bin jedenfalls total begeistert von den Farben und von dem Bodensatz, das sich dabei bildet, und über den der Rest der schokoladenummantelten Erdnuss rollt und den er dabei in Zeitlupentempo aufwirbelt. Es erinnert mich an alte DOS-Spiele und ich ahme entsprechende Geräusche nach.
Hoppi bittet mich inständig, doch endlich etwas zu trinken.



M-M

Initiative zur Rettung niederländischer Rathäuser.


Aber nein, Órins Cocktail hat meinen Alkoholbedarf für mindestens einen Monat gedeckt.
Zwischendurch erhalten wir wieder Besuch von den Fußballschauern. Beri hat erfolgreiche Angriffe auf das Bierfass gestartet. Bei dem Tempo schaffen sie das bis morgen ohne Probleme. Sie jammert, dass sie nicht weg will - wie wir alle - und freut sich - wie wir alle - dass Órin sich bereits hat breitschlagen lassen, diesen Törn für nächstes Jahr erneut zu organisieren.
An diesem Abend halten wir insgesamt länger aus. Die verbliebene Zeit an Bord muss vollständig ausgekostet werden.

23.08.2008 um 21:19 Uhr

Segeltörn 2008 - Von Volendam nach Hoorn

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Mittwoch, 25. Juli 2008 (1/2)

Als ich an diesem Morgen wach werde, glaube ich im ersten Moment, dass ich gar keinen so schlimmen Kater habe. Bis ich meinen Kopf ein Stück vom Kopfkissen hebe. Wir sind doch sicher nicht auf hoher See, oder? Ich bleibe eine Weile liegen, da geht's mir gut. Dem Magen gehts gut, eigentlich ist mir nur etwas komisch und ich habe diese leichten Kopfschmerzen, die sich auch nur dann melden, wenn ich mich bewege. Beschließe, einfach liegen zu bleiben.
Der Wecker klingelt. Ich lasse ihn kurz seinen Dienst tun, damit Nimiel wach wird, dann stelle ich das lärmende Teil schweigend aus. Nein, ich gedenke nicht, aufzustehen. Und wehe Nimiel sagt was. Oder fragt gar! Mir gehts gut. Ich will nur liegen bleiben, klar?!
Ich darf das, denn wir legen heute, wie ich weiß, später ab, das gibt mir noch mindestens zwei Stunden Zeit. Humaner Weise schweigt Nimiel tatsächlich und verlässt bald kommentarlos das Zimmer. Dankbar nehme ich mir eine Paracetamol und kippe einen halben Liter Wasser dazu, dann leg ich mich wieder hin. Eine Stunde später trinke ich einen weiteren halben Liter.

 

Hafen von Volendam

 

Halb elf beschließe ich, dass ich wieder aufstehen kann. Mir gehts besser, hier unten isses langweilig und ich vermisse meine Gefährten. Ich betrete das Deck - kann mal jemand die Sonne dimmen? - und stelle fest, dass ich bei weitem nicht die letzte bin, die aufsteht. Zum Frühstück nehme ich mir eine Schüssel Cornflakes. Die schmecken mir zwar sehr gut, aber ich verzichte trotzdem auf eine zweite Schüssel. Cornflakes sind einfach zu laut.
Nach dem Frühstück huldige ich noch einmal St. Paracetamol, dem Schutzheiligen der Órin-Cocktail-Trinker, danach bin ich für den Rest des Tages katerfrei und kann die Fahrt wie gehabt genießen, yay! Fröhlich
 

Schraeglage

Das ist nicht der Alkohol. Die Schräglage ist echt.

Das Wetter bleibt zunächst trüb und die gesamte Crew zunächst ungewandet. Wir hängen wieder irgendwo an Deck rum, drehen dabei den Soundtrack voll auf. Begleitet werden wir gelegentlich von kleineren Seegelbooten, die es fast zu genießen scheinen, neben uns herzusegeln. Hin und wieder schießen wir auf sie, aber das beeindruckt sie wohl nicht sonderlich.
Einer wirft uns gar vor, wir wären kein richtiges Segelschiff. Wir sind angemessen entrüstet. Órin: "Kein richtiges Segelschiff?! Wir haben 18 Toiletten! Dei Mudda!" Aber echt mal. Wir sind sowas von Segelschiff, mehr Segelschiff geht fast nicht. Und das müssen wir uns von einem Jogurtbecher wie dir nicht sagen lassen! Aufs Maul! Den waren wir aber auch bald los, und die restlichen Yachten waren um einiges respektvoller.

Angriff!


Milad und ich ergehen uns in gegenseitigem Stepunterricht, der Rest geht seinem gewohnten Zeitvertreib nach. Lesen, Sonnen, Abhängen.


Wir - die Crew - handeln mit dem Skipper einen Deal aus: Die haben da diese alte abgewetzte Piratenflagge auf dem Mast wehen und eine neue, aber zerrissene Piratenflagge auf Lager. Wenn wir die Neue flicken, bekommen wir die Alte geschenkt. Der Deal wird angenommen und Órin und Milad machen sich ans Nähen. Milad war ohnehin schon die meiste Zeit am Nähen, jetzt ist der Stoff eben nicht mehr geblümt sondern schwarz. Auch die niederländische Flagge, die am Heck so stimmungsvoll den Hintergrund für besonders heroische Poser-Fotos gab, braucht dringend eine Überholung, auch die wird also eingeholt und in die fleißigen Näherhände gelegt.

 

Naehkreis

Nähkreis.


Udo übernimmt immer mehr Aufgaben. Die Leinen hat er in professioneller Manier ohnehin schon die ganze Zeit mit fest- und losgemacht, jetzt kann er auch mal eben am Steuer übernehmen. Im Zuge dessen geraten wir - ob das jetzt die Schuld von Udo oder dem Wind ist, bleibt fraglich - windtechnisch in die falsche Richtung, was wir korrigieren müssen. Nur widerwillig erhebt sich die herumlungernde Crew mit einem vorwurfsvollen "Danke, Udo!" und sorgt dafür, dass die Segel wieder richtig ausgerichtet sind.

Udo

Danke, Udo!


Relativ früh kommen wir in Hoorn an. Ein sehr hübscher Hafen ist das, und wir werden von einer Meute Mini-Flausche-Entenkücken begrüßt, das Entzücken kennt keine Grenzen. Wir füttern sie mit Brotkrümeln, und beobachten hingerissen, wie die Kleinen versuchen, danach zu tauchen. Was ihnen nicht immer gelingt, denn da ist der Babyspeck im Weg, und wenn sie dann vergessen, Schwung zu holen, um unterzutauchen, kommt es schon mal vor, dass die kleinen Watschelfüßchen über Wasser sinnlos herumstrampeln, während das kleine Schnäbelchen eben keine Chance mehr hat, das Brot zu erreichen. Junge Frauen sind übrigens sehr ausdauernd, wenn es darum geht, Entenkücken anzusqueen. Später kommen noch Kücken von Bläßhühnern hinzu, die zwar, so die einhellige Meinung, hässlich sind, aber dennoch recht niedlich. Auch wenn sie irgendwann mit ihrem Gefiepe genervt haben.

Kuecken1

Kuecken2


Ein Teil der Crew macht sich auf in die Stadt, um zu fotografieren, zu shoppen oder sich einfach nur umzusehen. Hoppi kauft einen Flicken in Herzform, damit die Hose des Bootsmannes geflickt werden kann. Das Flicken übernimmt dann erneut Milad.
Forumsuser hinterlassen die meisten Orte aufgeräumter, sauberer und reparierter als sie sie aufgefunden haben. Is Tatsache.

Entspannt genießen wir die Sonne und die Aussicht auf den hübschen Hafen. Gegenüber ist eine ehemalige Haftanstalt (?). Fasziniert beobachte ich einen der entspanntesten Autofahrer, die ich wohl je gesehen habe: Er will auf das Gelände fahren und muss dafür ein Gatter öffnen. Er fährt durch das geöffnete Gatter durch und steigt dann aus, während sein Wagen im Schritttempo weiterfährt, auf dem Schotterweg, der zwei Meter neben dem Ufer verläuft. Der Fahrer trottet also gemächlich zum Gatter, schließt gründlich ab, trottet dann zurück zu seinem schon ein gutes Stück weitergefahrenen Auto, und steigt dann ohne jede Eile wieder ein. Ich bin begeistert.

10.08.2008 um 17:52 Uhr

Segeltörn 2008 - Im Hafen von Volendam

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Dienstag, 24. Juni 2008 (3/3)

Graureiher begrüßen uns, als wir in Volendam anlegen. Zwischen uns und Volendam liegen diverse Jogurtbecher, und wir fahren sicherheitshalber die Kanonen raus. Bereit sein ist alles. (Ich frage mich gerade, warum wir die Kanonen in Urk nicht draußen hatten. Wahrscheinlich, um nicht unnötigzu provozieren. Im Zweifelsfall wären wir ganz schnell gefechtsbereit gewesen, jawohl!) Nach dem Essen gibt es einen kurzen Stadtrundgang. Aber wirklich nur kurz, denn die Stadt der Ort ist nicht besonders groß. Und nicht schön genug, um mich länger von der Soeverein fern zu halten. Fox und Sabine machen wieder Poser-Fotos auf der Soeverein, und Fox legt sich nun so richtig ins Zeug. Hätte er ein freischwingendes Seil gefunden, hätte er da bestimmt noch eine Tarzan-Nummer abgezogen. Nicht, dass das nicht auch gut ausgesehen hätte.



Sabine und Fox

Sabine und Fox am Bug. Von oben sah es gar nicht so hoch aus...


Es gibt an diesem Abend ausnahmsweise mal kein Europameisterschaftsspiel. Diese haben viele Abende die Hälfte der Besatzung im Aufenthaltsraum verschwinden und den Beamer anbeten lassen. Der Rest hat währenddessen an Deck gefeiert und von den ab und an zur Raucherpause erscheinenden Fußballfans erfahren, welche Mannschaften beispielsweise überhaupt grad spielten und wie es stand.
Jedenfalls ist an diesem Abend nicht besonders viel los, und die Hälfte der Besatzung scheint sich eine geheimnisvolle Schlafkrankheit zugezogen zu haben und hat schon bis 22:00 das Deck verlassen. Ich nicht, denn ich habe ja den ganzen Tag über gedöst. Selbst der Bootsmann, der sonst immer bis zum Schluss mit ausgehalten hat, ist schon früh mit einem "Slaap lekker!" ins Bett gegangen. Ich beschließe, den Kummer über diesen schweren Schicksalsschlag in Alkohol zu ertränken. An der Bar sehe ich einen großen Kanister Rotwein stehen und schenke mir ein volles (Limo-)Glas ein. Erst dann koste ich, was eindeutig die falsche Reihenfolge ist. Denn das Zeug scheint eher dafür gedacht zu sein, es mit Salz, Zucker und Öl über den Salat zu kippen, statt dazu zu trinken. Ich schüttle mich herzlich und überlege, wie ich den Essig doch noch runterkriege. Im Kühlschrank steht eine Flasche süßesten Beerenlikörs und ich fülle das Glas damit gut auf. Noch ein bisschen Rohrzucker dazu und das Gesöff ist fast trinkbar. Als das leer ist, taucht Órin auf, die bis dahin wohl unter Deck gewesen ist, und sich nun meinem edlen Vorhaben aus den gleichen Gründen anschließt. Zusammen leeren wir eine Flasche Met. Ein harter Kern ist noch um uns versammelt und wir haben Spaß. Órin beschließt, Cocktails zu machen, was ich für eine großartige Idee halte. Nach meinen Wünschen gefragt, antworte ich: "Kein Eis, das verdünnt nur unnötig!"
Hätt' ich mal die Klappe gehalten. Das Gebräu, das sie mir gibt, schmeckt ausgezeichnet. Sie hat sogar einen Smoothie mit reingemixt. Nach zwei Schluck bin ich blau.

Centi: "Sagt mal, schaukelt das Schiff wirklich mehr als sonst oder bin ich das?"
Alca: "Schiff? Wir sind doch auf Radtour in Skandinavien!"

 

 

Fox am Zapfhahn

Fox am Zapfhahn auf dem Champagnerdeck. Wenn auch kein Fass angeschlossen war...

Órin und ich haben Spaß. Wir lachen über jeden dummen Witz und wir lachen über das Schwanken des Schiffes. Eigentlich, stellen wir dann fest, lachen wir über alles. Nach dieser Erkenntnis lachen wir darüber, dass wir über alles lachen.
In diese Heiterkeit platzt der Feueralarm.
Órin und ich halten kurz inne und prusten dann kichernd los. Kihi, Feueralarm.
Oivey.
Nun ja, aber unser Urteilsvermögen ist noch anwesend. Wir stellen beispielsweise fest, dass das Schiff nicht lichterloh brennt. Und wir erinnern uns, dass vor jeder Kabine an der Decke ein Lämpchen befestigt ist, das Auskunft darüber gibt, in welcher Kabine der Alarm ausgelöst worden ist. Ich begebe mich also mit nüchterneren Menschen unter Deck und schaue nach, ob der Alarm von einer der Kabinen ausgelöst worden ist. Fehlanzeige, immerhin. Der Skipper ist inzwischen hinzugekommen, nimmt unsere hilfreiche Information, dass bei den Kabinen alles in Ordnung ist, und hat schon mal den Maschinenraum in Verdacht.

 

Volendam abends

Am Abend in Volendam.

 

Dieweilen ist Nimiel in unserer Kabine vom Alarm geweckt worden und setzt sich vor Schreck auf. Was eine sehr schlechte Idee ist, wenn das Bett, das sehr niedrig über dem eigenen Kopfende angebracht ist, eine böse eckige Kante hat. Ich glaub, sie hat sich eine ziemliche Beule geholt. Sie erzählt uns dann später, dass sie in dem Moment unser Gelächter von draußen gehört und beschlossen hat, es könne ja so schlimm nicht sein, und deswegen könne sie ja liegen bleiben. Welch unvorsichtige Fehleinschätzung. Ich denke, Órin und ich hätten uns auch gepflegt weggeschmissen, wenn die Segel gebrannt hätten.

 

Soeverein mit Maria


Der Skipper hat jedenfalls kurz darauf den Alarm abgestellt und bestätigt einen halbwegs irrelevanten Defekt im Maschinenraum, raucht bei der Gelegenheit noch eine und geht dann wieder ins Bett. Órin und ich lachen.
Weitere Gefährten verabschieden sich ins Bett und endlich geht auch Órin schwankend nach unten. Ich habe nach über einer Stunde immer noch einiges von ihrem Giftcocktail im Glas und bleibe so mit Gurthang als harter Rest noch eine Weile an Deck, ehe ich das endlich leere Glas zur Bar bringe und mich in mein schwankendes Bett krieche.

 

06.08.2008 um 21:10 Uhr

Segeltörn 2008 - Von Urk nach Volendam

von: Centaurea   Kategorie: Forumssegeltörn 2008

Dienstag, 24. Juni 2008 (2/3)

Kreatives, einfach völlig entspanntes Abhängen. So lässt es sich leben. Blauer Himmel, plätschernde Wellen, geblähte Segel, gute Gesellschaft, beruhigendes Schaukeln. Großartig! Ab und an steht irgendwer auf und holt sich einen Kaffee oder Vla, oder man wechselt von den Bänken an den Bug. Oder auf die Tische. Oder aufs Champagnerdeck. Und dort hängt man dann weiter rum. Bei Wind und Sonne und Plätschern und Schwanken.

 

Panorama

 

Wer Klamotte dabei hat, ist inzwischen gewandet und posiert. Das bedingt sich einfach, völlig unwillkürlich. Auch einfach nur an der Reeling stehen hat dann einfach Stil, so isses.
Niniel und Fox haben sich ebenfalls in Klamotte geworfen und posieren jetzt besonders professionell. Da kann man als Normalsterblicher einfach nicht mithalten, daher lehnen wir uns zurück, genießen und fotografieren:

 

Fox und Niniel


Und in Klamotte werden die Segel eingeholt, denn wir passieren die Schleuse von Lelystad, und das geht mit Motorkraft deutlich besser. Außerdem wird extra für uns eine Brücke hochgeklappt, das ist schon ziemlich cool - soll aber noch überboten werden, bei weitem.


Fox



Denn nach der Schleuse sollen die Segel ja doch wieder runter. Bisher haben wir das Segel für Segel gemacht, und bei jedem Segel Meter für Meter. Das dauerte eine Weile und war nur mäßig beeindruckend. Jetzt, in Sichtweite von Hafenpersonal, diverser Touristen am Hafen von Lelystad, der dort nachgebauten Arche Noah und der völlig überbewerteten Batavia - immerhin hat die Soeverein nicht nur deutlich mehr Toiletten, sondern auch einen Beamer! - machen wir das anders, größer.

 

Hoppi-Niniel

Mit der wehenden Flagge posiert es sich noch mal so gut.


Ich zitiere Órin, die das Ganze liebevoll die Sackaufblasaktion nennt:
"Liebelein lotste uns in seiner anbetungswürdig autoritären Art an 2 Masten nebst Schoten und ließ uns unmittelbar nachdem die Schleusenbrücke geöffnet wurde 6 Segel gleichzeitg setzen. Fast jeder von uns hatte 3-4 Seile gleichzeitg zu bedienen." Ja, so war das.
Leider gibt es davon weder Bilder noch Videos, denn es mussten halt einfach alle anpacken. Damit hatten wir dann, erzählte uns der Bootsmann, die Zeit der Bundeswehrsoldaten, die diese Aktion vor uns auch schon mal gebracht haben (Aber nicht an einer derart coolen Stelle. Und in weniger coolen Klamotten. Wirke ich irgendwie besonders von uns eingenommen?), unterboten: 48 Sekunden statt einer Minute. Anschließend haben wir direkt die Kanonen wieder rausgefahren und auf der Höhe der Batavia abgefeuert.
Es gibt kein Harrrrr!, das groß genug wäre, das Harrrrr-Feeling dieses Moments auszudrücken. *aufdenBodenrotz* DEI MUDDA!

 

Hoppi - Entern

DEI MUDDA!


Der Skipper erzählte später stolz, dass der Hafenmeister ihn danach angerufen hätte, um zu erzählen, wie geil das ausgesehen hat.
Nachdem wir eine Weile über Bord gerotzt, uns im Schritt gekratzt und auf die Brust geschlagen haben und außerdem heiser vom herum-Harrrr!-en sind, gehen wir wieder zum kreativen Abhängen über. Diesmal deutlich grooviger.

 

abhaengen!

Ich mache es mir zunächst auf der großen Kiste ("...dead man's chest - yohoho and a bottle of Rum...") bequem, jedenfalls bis da das große vordere Segel (Dafür gibt es einen unglaublich tollen seemännischen Begriff. Den ich nicht kenne und zu faul nachzuschlagen bin.) die Sonne nimmt. Als ich den Bootsmann bitte, doch das Ding wieder einholen zu lassen, weil ich mich sonnen will, schüttelt der verständnislos den Kopf und geht einfach. Wasn?! Nachdem auch Nimiel mein Anliegen nicht nachvollziehen kann, verlasse ich empört die schattige Kiste. Auch die Besatzung des sonst so sonnigen Champagnerdecks ist Opfer der Schatten bringenden Segel geworden und verzieht sich mehrheitlich auf die Treppe, wo noch die Sonne scheint. Ich gehe auf das Sonnendeck vorn am Bug und mach es mir zwischen den aufgerollt herumliegenden Seilen bequem. Schaukelndes Schiff, plätschernde Wellen (Man kann das alles nicht oft genug erwähnen.), Wind und Sonne. Ultimative Entspannung.



Sonnentreppe

Sonnenanbeter in Not.

 

Zwischen den Kanonen und Bänken hat der Bootsmann in der Zwischenzeit einen Knotenworkshop ins Leben gerufen und die günstige Gelegenheit ergriffen, die Mädels zu fesseln. Hat man mir erzählt, ich hab ja selig vor mich hingedöst.

Die Zeit vergeht wie im Flug und schon bald holen wir die Segel wieder ein, um in Volendam anzulegen.