
Die ganze Woche muss ich nun schon den Spott meiner Kollegin ertragen.
Da ich diese Woche ja etwas mehr Zeit hatte, gedachte ich, diese mal sinnvoll zu nutzen und mein allmorgendliches Was-zieh-ich-nur-an-Ritual zu erleichtern. Bei diesem stehe ich gewöhnlich nach dem Aufstehen im Halbschlaf einige Minuten vor meinem nicht allzu großen Kleiderschrank und betrachte kritisch dessen Inhalt: "Hatte ich letzte Woche erst an - hatte ich schon in der achten Klasse an - hat mir nie gepasst - ist ausgewaschen - zu groß - zu klein - zu hässlich - nie mein Stil gewesen - hilfe, wo kommt der denn her."
Letztendlich schnapp ich mir dann meist doch wieder den Pullover, den ich gestern Abend auf den Sessel geschmissen habe, und nehme mir wieder einmal vor, demnächst einkaufen zu gehen.
Diese Woche also hab ich beschlossen, das auch wirklich zu tun. So 1-2 neue Pullover wären das Ziel für die Saison. Wie gesagt, meine Kollegin hämt schon die ganze Woche herum. "Na, wann gehst du in die Stadt, um Klamotten zu kaufen, hä, hä, hä? In welche Läden willst du denn so gehen? Freust du dich schon? Na? *Ellenbogen in die Seite pieks*"
Gah. 
Zielgerichtet hab ich also direkt am Montag beschlossen, an einem anderen Tag zu gehen.
Dienstag war eh schlecht, wegen der mittelalterlichen Tanzerey.
Mittwoch... bot es sich plötzlich ganz dringend an, ins Kino zu gehen. Wickie und die starken Männer. Großartig! Vorher noch eben mit zwei Kilo Süßkram bei Hussel eingedeckt, darunter Brausezeugs, das ich bestimmt seit... zehn Jahren? nicht mehr gegessen hab. Instant Karies. Nunja.
Für heute fiel mir dann keine gute Ausrede mehr ein, also machte ich mich schweren Herzens auf den Weg. In die Innenstadt. Von Bonn. Mit den vielen Menschen. Und den *wedel* Klamottengeschäften.
Es war... es war die Hölle. In bunt. In lila, um genau zu sein. Alter. Die Mode in dieser Saison bringt es echt auf neue Höhen ausgesuchter Hässlichkeit. Und unpraktisch ist das Klamottenzeugs in meinen Augen auch noch. Außerdem waren natürlich wieder Menschen unterwegs, deren Hobby ganz klar "anderen Leuten im Weg rumstehen" ist.
Und die Pullover, die irgendwie okay aussahen... die taten das hauptsächlich auf dem Bügel. Weil röhrenförmige Dinge bei mir die Angewohnheit haben, mit dem unteren Bund auf der Hüfte aufzusitzen, während sie geschickt die Vorzüge meiner Figur kaschieren und die Nachteile hervorheben. Ich sehe darin also genau so lange gut aus, wie ich das Becken leicht nach hinten ausstrecke, den Bauch einziehe, aber schon den Brustkorb nach vorne strecke, während die Schultern mit einer leichten 20°-Drehung nach links gewandt sind. Die Nasenspitze muss dabei in Richtung linker Schulter zeigen.
Sobald ich eine normale Position einnehme, eventuell eben was aus einem Regal über meinem Kopf nehme, rutscht der Pullover über die Hüfte in die Taille, die Taschen bauschen schön auf und voilà - ich sehe aus wie eine Zwölfjährige, die im achten Monat schwanger ist.
Gekauft hab ich letztendlich ein Rosinenbrötchen und ein paar interessante Milchprodukte von Alnatura.
Ein paar Monate halten meine alten Pullover schon noch mal.