Die heiße Trainingsphase ist vorbei, ebenso wie die DM 2009. Das bedeutet, ich kann mich voll auf das Feis am Samstag und den Auftritt am Sonntag konzentrieren. 
Jedenfalls. DM. Die fand ja im Dorf #Alpenblick statt, und da wir da alle keine Böcke hatten hinzufahren, nahmen wir nen Bus, samt Busfahrer. Die erstaunliche Stauarmut bescherte uns eine kurze sieben-Stunden-Fahrt, die wir jeweils relativ kurzweilig gestaltet bekommen haben. Nahrungsmittel wurden herumgereicht, Herzhaftes, Gesundes, Süßes - irgendwer hat Butter mit einem Hauch Zucker gebacken und das ganze Shortbread genannt. Hrrr.
Eine unserer jüngsten Tänzerinnen (6) hat dem Geburtstagskind, das einen guten Teil unserer beeindruckenden Sektvorräte spendiert hatte (der andere kam vom Busunternehmen), ein Bild gemalt, ich erhalte einen selbstgebastelten Weihnachtskranz, weil ich im Vorfeld gejammert hab, dass ich ja den heimischen Weihnachtsmarkt verpasse, man löst Sudoku, isst, schaut Videos, was man halt auf Busfahrten so tut.
Eins der Videos war Celtic Tiger. Fremdschämen. Nicht zuletzt wegen des völlig unmotivierten Striptease der Klischee-Stewardess, die danach in Stars-and-Stripes-Unterwäsche noch irgendwelche Turneinlagen zum Besten gab.
"Also ich find's ja beachtlich, dass man in so einem knappen Höschen noch einen Männer-Spagat... also dass da nix..."
"Sockenkleber."
Wie auch immer. Unsere Ferienwohnung war in einem Bauernhof mit drei hübschen Katzen, einer Bernhardinerin und diversem anderen Getier. Die würzige Landluft konnte man beinahe schneiden.
Aber da blieben wir ja nicht lange, sondern verbrachten den größten Teil des Samstags in der Halle. Wo wir feststellten, dass die Fläche sehr viel kleiner war als versprochen. Bei einer 16-Mann-Formation eher ungünstig.
Zum Tanzen mussten es die alten Softshoes noch mal tun, die neuen waren noch zu knapp. Dafür gaben dann auch die als Schnürsenkel verwendeten Gummis noch beim Eintanzen den Geist auf. Gut, dass ich noch Schnürsenkel dabei hatte und es vor Ort Elastics zu kaufen gab.
Die Zeit bis zu meinem ersten Tanz, meinem einzigen Solo, wurde laaang. Denn erst waren die Kinder dran. Was zwar alles wahnsinnig interessant war, aber ich saß ja wie auf glühenden Kohlen, stundenlang.
Das Solo war ja letztendlich doch nicht gestrichen sondern einfach von den U25ern zu den Ü25ern gepackt worden. Und ich musste feststellen, dass es doch drei statt zwei Gegnern waren. Was in sofern beängstigend war, als dass dritter von dreien zu werden doch irgendwie nicht so schlimm scheint wie vierter von vieren. Da steht man nämlich als einziger neben dem Treppchen. Brrr.
Aber das Problem hatte ich letztendlich dann doch nicht. Denn bei der Nennung zur Siegerehrung, bei der von hinten nach vorn aufgezählt wurde, war mein Name als letzter dran, Anspannung verwandelte sich in Erleichterung und Erleichterung in Euphorie. Siegerin! Deutsche Meisterin im Primary Single Jig! Ü15. Ich hab nur drei Leute besiegt, aber der Titel ist trotzdem meiner. Ha!
Als nächstes kam das Duo mit Trainerin H. Wir hatten nur ein gegnerisches Duo, das zwar langsame Schritte hatte, dafür aber deutlich anspruchsvollere als unsere, denn wir hatten nur Anfängerschritte zu einer ausgefalleneren Choreo zusammengefügt. Das gewichteten dann auch die Richter entsprechend und ernannten uns zu Vizemeistern. Und wir bekamen eine Gratulation der verdienten Meister, es hätte "wahnsinnig Spaß gemacht", uns zuzusehen.
Nach dem Duo das Trio: Der Tanz unserer 3er-Gruppe ist in den letzten anderthalb Jahren immer mal umgemodelt worden, die letzte Version war etwa vier Wochen alt und wir drei relativen Anfänger traten damit gegen vier recht gute Gruppen an. Davon zwei aus unserer eigenen Tanzschule. Bei denen ich auch mitgetanzt habe.
Tanz eins (3er) und zwei (7er) dieses Durchgangs waren echte Klopper und ich hätte danach gut eine Saustoffflasche brauchen können. Stattdessen hab ich mich einfach mal demonstrativ keuchend hingesetzt und wir bekamen einen kleinen Aufschub, indem die fünfte Gruppe einfach vorgezogen wurde.
Unseren dritten Tanz (5er) hab ich letztendlich trotzdem versaut. Mit einem Schritt konsequent und merkbefreit in die falsche Richtung gestürmt und mit dem nächsten Schritt dann die korrekte Position gesucht: Hintergelaufen, vorgelaufen, quergelaufen und plötzlich war der Schritt zu Ende und ich stand mutterseelenallein auf der Tanzfläche, meine Mittänzer in einem abgebrochenen V hinter mir.
Uups. Peinlich. Mit zwei eleganten Schritte beiseitegesprintet und nonchalant weitergetanzt. Allerdings war dies wohl nicht der einzige Patzer und der Tanz landete auf Platz fünf.
Den ersten Platz landete unsere bescheidene, aber dafür korrekt getanzte 3er-Gruppe. Mit der konsequenten Wertung 2-1-1-1-1 und 475 von 500 Punkten. Wir haben uns kaum mehr eingekriegt an diesem Abend, denn damit hatten wir nie gerechnet, eben weil der Tanz simpel gestrickt war und alle anderen Gruppen wirklich gut und teilweise auch anspruchsvoller tanzten. Das Ego war für den Abend jedenfalls ordentlich geboostet.
Die nächsten Tänze waren deutlich konkurrenzärmer, bei den Softshoe-Formationen stellte unsere Tanzschule gar die einzigen beiden Formationen, so dass wir uns nach dem Sieg der fulminanten Ex-16-dann-15-Mann-Formation (ein zwei Wochen alter Muskelfaserriss in der Wade einer Tänzerin legte sie dann an dem Abend doch noch final lahm) dann teilweise gegenseitig zum ersten und zum zweiten Platz beglückwünschen konnte. Weird.
Unsere Gruppe hat letztendlich von den über 80 Meistertiteln 12 eingeheimst, ich hatte immerhin Anteil an drei Meister- und drei Vizemeistertiteln und bin enorm zufrieden.