Musik:
Die Nacht in der JuHe war ruhig, außer uns scheint nur noch ein Amerikaner im Haus übernachtet zu haben. Außerdem steht ein Zelt auf der Wiese und nasse Rucksäcke in der Küche. Das scheinen die Backpacker gewesen zu sein, die gestern wohl sehr spät abends eingetroffen waren, in unserem Trakt geklingelt hatten und dann wohl aus lauter Verzweiflung (es hatte nachts in Strömen geregnet) ihr Zelt aufschlugen. Jetzt liegen sie noch in ihren Schlafsäcken und wir bekommen beim Frühstück nur Besuch von Nick, dem New Yorker, der hier mit seiner Freundin einige Tage Urlaub macht. Die beiden haben keinerlei Nahrungsmittel mitgebracht, darum ist er auch sehr dankbar, dass wir ihm die german speciality - Schwarzbrot!, unseren aufstrich und Belag sowie den Cappucino dalassen. So kommt seine Freundin doch zu einem Frühstück im Bett
Als wir losfahren, versperrt uns strömender Regen weitgehend die Sicht auf das Meer und die Skellig Islands! Über den Cahapass
geht es an der netten Bucht vorbei, die wir gestern bei ruhigerem Wetter bewundern durften, heute schlagen die Wellen hoch an den Strand.
Im nächsten Ort auf dem Ring of Skellig - Portmagee - gehen wir erstmal einkaufen im örtlichen bezaubernden Tante Emma-Laden und im Pub unsere eingekauften Postkarten schreiben und richtigen! Kaffee trinken.
Übrigens haben wir unterwegs einen der vielen Zeugen katholischen Glaubens fotografiert, eine kleine Muttergottesgedenkstätte, die uns noch überall im Land begegnen werden.
Im Pub beschließen wir auch kurzfristig hier morgen noch einmal zu einem echten irischen Frühstück hinzukommen und nun dem schlechten Wetter im Skellig Experience zu trotzen.
Aber kaum kommen wir über die Brücke, die Valencia-Island mit Portmagee verbindet auf dem Parkplatz der Ausstellung an, hört es auf zu regnen.
In den Ausstellungsräumen befindet sich außer uns und dem Mann an der Kasse niemand, so haben wir viel Zeit uns alles genau anzuschauen. Die ausgestellten Fundstücke und Dioramen vermitteln ein sehr eindringliches Bild von der Besiedlung und dem harten Leben von
Skellig Michaels
zuerst durch irische Mönche vom 6. - 11. Jahrhundert, dann durch die Leuchtturmwärter, bis vor einigen Jahren auf Automatikbetrieb umgestellt wurde.
wir waren von den Exponaten, aber auch vom Film sehr begeistert! Allerdings habe ich den Wunsch, der in mir bei der Planung der Reise entstanden war, die Insel mal zu besuchen, schnell wieder begraben!



Nach dem Museumsbesuch versuche ich die Skellig Islands zu fotografieren, aber Dunst und schlechte Sicht verhindern eine gute Aufnahme.
Wir wenden auf den Ring od Kerry in südlicher Richtung ab und stoppen als erstes bei Waterville. Dort präsentiert sich dieser nette Frosch am Straßenrand, der für uns abends noch eine Bedeutung bekommen soll.
Dort zeigt Marion mir auch einen der typisch? irischen Friedhöfe, eigenartig und irgendwie total trostlos! Die Gräber sind nicht bepflanzt, sondern mit verschiedenfarbigem Schotter abgedeckt, auf dem irgendwelche dinge platziert sind, die ich schon hart an die Grenze des Kitschs einordne.
Der Himmel klart nach und nach auf und verspricht schönes Wetter für unser Vorhaben. Wir werden über Kenmare einen Teil der Halbinsel Beara fahren und ich möchte über den Healy-Pass - eine richtige Entscheidung, wie sich später herausstellt.
Zuerst liegt aber der Ring of Kerry entlang des Kenmare Rivers, der aber ein Fjord ist, vor uns. Irgendwo auf der Strecke lockt mich ein Schild zu einer Handweberei, sie ist aber geschlossen und sogar zu verkaufen, würde mir schon sehr gefallen!

Die Straßen sind sehr eng, zum Teil tunnelartig überwachsen von Bäumen und eingegrenzt von Steinmauern, das Fahren ist hier anstrengend!
In Kenmare gibt es daher zuerst einen Aufenthalt zum Einkaufen und natürlich wollen wir den im Reiseführer erwähnten Steinkreis mit 15 Dolmen aus der frühen Bronzezeit sehen. Das Ganze liegt quasi in der Stadt, aber wirkt durch Anpflanzungen eher ländlich. Dort halten wir uns einige Zeit auf und führen tiefschürfende Gespräche über Gott und die Welt.

Von dort geht es zuerst noch weiter in Richtung Süden. Hier sind die Straßen besser ausgebaut, das Fahren ist wesentlich entspannter. In Adrigole biegen wir rechts ab und lassen die zivilisierte Welt hinter uns, grandiose Ausblicke auf die Bergwelt der Beara eröffnen sich und Schafe kreuzen freilaufend unseren Weg; ein wenig erinnert mich dir Szenerie an Island. Ich erschrecke Mariaon des öfternen mit plötzlichen Photostopps, wenn ich unverhofft links ranfahre und versuche, die Sonnenflecken auf den Bergen und Tälern einzufangen.





Der Healy-Pass schlängelt sich in Serpentinen in kühle Höhen, Steine undSchafe säumen rechts und links den Weg, die Straße ist eng, aber überschaubar.
Auf der Passhöhe gibt es nochmal einen Halt, den vier Münchner für eine Zigarettenpause mit uns teilen.
Die Fahrt führt uns wieder runter and en Kenmare River (der in Wirklichkeit ein Fjord ist
) und nocheinmal durch die Stadt. Um die unübersichtliche und kurvige N70 zu meiden, entschließe erneut, eine Nebenstrecke über die Straße nach Sneem und dann über den Pass bei der Ballaghbeama Gap zu nehmen . Irgendwiverpassen wir die Abfahrt zum Pass, so dass wir schließlich doch über Sneem nach Waterville einfliegen und uns nach reiflicher Überlegung (und Begutachtung der finanziellen Situation) für das Menu im Paddyfrog entscheiden, zu diesem Restaurant gehört nämlich die nette Metallskulptur vom Morgen. Der Rest desTages verläuft ruhig und nach der nächtlichen Heimfahrt liegen wir ziemlich erschossen um 11 in unseren Betten.
Marions Bericht:
Nächtens wachte ich dann schon mit laufender Nase, verklebten Augen und heftiger Rüsselseuche auf – verdammt! Ich bin hier um was zu sehen, mich zu amüsieren und nicht um krank zu sein!!! Marled übersetzte Rüsselseuche mit Trunk-Blague. Schließlich sind wir ja im Ausland … I
m Frühstücksraum standen zwei Trekking-Rucksäcke und vor der Jugendherberge ein Zelt. Das waren wohl die beiden Backpacker, die letzte Nacht um Hilfe bei uns klingelten. Wow, die Jungs hatten echt einen Schutzengel, der dafür sorgte, dass wir sie nicht reingelassen haben. Zum Frühstück gab es: Vollkornbrot mit Knoblauchcreme und Parmaschinken, abgepackte Pfannkuchen mit Marmelade und ein Aspirin Complex. Gott, was ging es mir so gut!!! Autofahren, nein danke! Ich werde froh sein, wenn ich die Sehenswürdigkeiten erhaschen kann … grml …
Über uns plötzlich ein gewaltiges Gepolter … ein junger Kerl erscheint: Nick aus New-York, der seine Freundin, die für ein Jahr in England ist, besucht und mit ihr hier das Wochenende verbringt. Er muss am Montag zurück in USA sein, weil er class hat. Redet wie ein Bilderbuch. Will wissen, wo er was zu essen kaufen kann. Marled vermacht ihm unsere Reste. Er ist begeistert, dass er bei dem Regen draußen seiner Liebsten Frühstück an’s Bett bringen kann „she will love me!“ – Na, dann ist der Vormittag für ihn ja gerettet. Während Marlette die Karte etc. aus dem Zimmer holt, wasche ich ab und wundere mich darüber, dass Nick das Vollkornbrot toastet. Er textet mich immer noch zu …
Wegen des anhaltenden Regens beschlossen wir, zunächst nach Portmagee zu fahren. Dort soll es ein Museum geben. Nachdem gestern Marled die große Sprechrolle hatte, übernahm ich diesmal ihren Part: „rechts, bitte fahr etwas weiter rehechts“ – OK, wenn man fährt, dann hört man die Äste nicht so deutlich an der linken Seite vorbeistreifen, ich gebe es zu. Portmagee hat einen kleinen Laden mit POST. Eine gute Gelegenheit ein paar Karten zu kaufen, Briefmarken zu erwerben und das alles dann auch noch los zu werden. Ich stellte mich am Tresen an kaufte ein paar Karten und ordere „Stamps“. Der nette Herr machte mir klar, dass ich Briefmarken nur am Postschalter (also dem Tresen neben dem Krämertisch) bekommen kann und lächelte, als habe er das Pulver erfunden, ließ mich die Karten zahlen und wechselte an den Postschalter. Irgendwie erwartete ich, dass er jetzt auch noch eine Uniform anzieht oder zumindest eine Mütze aufsetzt, bevor er mir die Briefmarken verkauft. Der Briefkasten ist nicht vom Laden aus zugänglich. Unter dem linken Schaufenster befindet sich außen ein Briefschlitz mit grüner Klappe. Dort kann man die Post einwerfen (die dann in einen Kasten im Laden fällt). Die Iren, die haben das schon sehr zweckmäßig organisiert!
Im „Bunkers Pub“ (Live-Musik jeden Freitag und Sonntag) gegenüber habe ich dann endlich 2 Kaffee bekommen und mein Aspirin begann zu wirken. Auch haben wir dort ein Heftchen von der Kerry-Touri-Info entdeckt, mit dem wir den weiteren Verlauf des Tages planten. Zunächst also über die Brücke nach Valentia (ja, auch hierzu fiel einer von uns ein unanständiges Lied ein, welches lautstark gesungen worden ist) und Skellig Exposure geguckt. Die Überfahrt nach Skellig Michael war für den Tag abgesagt (schlechtes Wetter). Als wir den Film gesehen hatten (some sea-sickness-pills?), gelangten wir zu der Einsicht, dass weder die Überfahrt, die Landung, noch das Erklimmen der 649 Stufen etwas für uns gewesen wären … aber das Museum, das war ganz klar war für uns. Wir waren mutterseelenallein dort drin. Skellig Michael erinnerte Marled direkt an den Mont St. Michel – und auf diese Bemerkung hin holte der Museumswärter ein Buch und belegte uns, dass es da durchaus Parallelen gibt. Im Touri-Shop erwarb ich ein T-Shirt („the leprechauns made me do it!“) und Marled in einem unbeobachteten Moment Irish-Fudge. Wenn schon kein Kerry-Gold auf den Brot, dann wenigstens auf den Hüften! Wir ließen uns noch den Weg zu einem Aussichtspunkt beschreiben und starteten. Den Aussichtspunkt haben wir natürlich nicht gefunden, aber geknipst wurde trotzdem. Auf der Kuppe ging es dann nur noch nach links – rechts Einbahnstraße, geradeaus Abhang. Ein vertrauenerweckendes Schild mit Schlangenlinien-Pfeil und vom Dreieck stürzendem Auto wiesen auf die kommende Strecke hin – na denn!!!
Auf nach Waterville! Der Touri-Shop war kalt und enttäuschend. Das Lokal gegenüber, das „Paddyfrogs“, duftete vielversprechend, aber warmes Essen hatten wir erst für den Abend geplant. So ne Tasse Kaffee wäre gut gewesen. Aber das Cafe, das wir ausgeguckt hatten, war geschlossen. Die Post auch … weiter über den Coomakesta-Pass Richtung Kenmare. Der südliche Ring of Kerry kam mir viel schlimmer vor, als das Stück, welches ich am Vortag gefahren war. Beklemmend waren für mich insbesondere die Teilstrecken, die rechts und links zugewachsen sind, so dass man den Eindruck hat, durch einen Urwaldtunnel zu fahren. Die Vegetation mit ihren Palmen, Aloe etc. ist wirklich beeindruckend aber an manchen Engstellen gab es einfach zuviel davon. War froh und glücklich, dass ich mit meinen Kopfschmerzen nicht fahren mußte und dass Marled mich ausreichend liebt, um schön genüsslich um die Kurven zu fahren. Die Strecke am Kenmare-River entlang ist atemberaubend, schafreich und alles andere als langweilig. Hinter Sneem wird der Ring dann wirklich eine Strecke für fortgeschrittene Linksfahrer. Au weia!
Schließlich erreichten wir Kenmare und fanden sogar einen Parkplatz. In einem Supermarkt kaufen wir 2 Baguettes (french rolls – frisch belegt) und einen kleinen Apfelkuchen. Ein Stone-Circle ist beschildert. Da Marled darauf beharrte, dass dieser außerhalb der Siedlung liegen müsse, fuhren wir mit dem Auto hin. 200m weiter suchten wir also einen neuen Parkplatz. Am Eingang zum Steinkreis steht ein Pförtnerhäuschen – unbesetzt. Ein Preisschild mit dem „Eintrittspreis“ ist überklebt, ein Schlitz für Geld vorhanden. Wir waren nette Touris und warfen 2 Euronen ein und suchten den Kreis. Dieser entpuppt sich als klein, von Lebensbäumen umstanden und mit einer Bauschutt-Deponie im Rücken. Das richtige „Prickeln“ wollte bei mir nicht aufkommen. Die Anlage wirkte auf mich nicht authentisch! Ein Teil des Apfelkuchens fällt mir beim Futtern in den Kreis. Als ordentliches Kind hob ich die Reste natürlich auf und steckte sie in unsere Mülltüte. Es war mal wieder an der Zeit, sich künstlerisch wertvoll zu erleichtern, mit Blick auf den Steinkreis, versteht sich …
Solchermaßen inspiriert führte uns der Weg weiter nach Glengariff über den Caha-Pass. Der Pass beeindruckt durch eine Art Mondlandschaft. Die Tunneldurchfahrten (Löcher, die durch Felsen gesprengt wurden) sind beeindruckend. Der Gegenverkehr ließ uns schon mal ein wenig das Atmen stocken … aber Marled ist ja schon Profi (wich sogar nur noch nach links, nicht mehr nach rechts aus!). Hinter dem Pass hatten wir einen wunderschönen Blick auf Bantry-Bay und fuhren weiter Richtung Adrigole zum Healy Pass (Marled sprach schon seit dem Abflug davon, über diesen Pass zu fahren). Der Pass windet sich in Serpentinen den Berg hoch. Immerhin ist er kaum befahren und man sieht den Gegenverkehr schon von weitem. Unter einer Pieta trafen wir 3 Bayern, die uns auch freundlich Vorsprung gaben … Ab Lauragh geht’s es nur noch bergab weiter zurück nach Kenmare. Da mir die Krickelstraße von Templenoe nach Kenmare schon bei der Hinfahrt Beklemmungen verursacht hatte, fuhren wir nach Molls Gap weiter auf dem Ring of Kerry. Der Touri-Laden war schon geschlossen Das Licht wurde langsam rosa. Das Adrenalin in Marleds Adern konnte man förmlich singen hören. Sie wollte – wenn möglich – noch einen Bergpass oder durch eine wilde Schlucht fahren. Die Beifahrerin übersah leider die braunen Schilder in Deerendaragh, so dass wir uns dann doch in Sneem wiederfanden und von dort aus nach Waterville zum Abendessen fuhren. Dieses Paddyfrogs – es roch heute Mittag einfach zu gut dort. Also: schwupps die Marlette zum 3-Gänge-Menue eingeladen – ja, es war klasse: vorab süßes Walnussbrot aus dunklem Mehl mit Rosinen und Butter … dann: meine Tintenfischringe, der Seebarsch und zum Abschluss der Kaffee mit Apfelstreuselkuchen und homemade Vanilleeis … hmmmm … Marled hatte gebackenen Ziegenkäse, Huhn und Mousse au Chocolat … fein, fein, fein. Nur schade, dass wir uns wegen der Fahrerei nicht den passenden Wein gönnen konnten. Ein guinnessfreier Abend!
Weiter zu Tag 3