Stimmung: gut
Es ist schon lange her. Ein milder Sommerabend war es, schon dunkel, aber noch warm. Ich wollte noch mit dem Rad irgendwohin. Der Weg führte mich über die Brücke, die die ganzen Bahngleise überquerte.
Da stand sie..eine junge Frau, oben am Geländer, vornübergebeugt. So schaute sie auf die Gleise. Im fünf Minutentakt donnerten die Züge unten hindurch. Sie wischte sich Tränen aus den Augen, starrte unentwegt, dabei schluckend nach unten.
Ich war schon vorbei, dachte bei mir, will sie springen? Es war hier schon öfter so etwas geschehen.
Umdrehen oder nicht? Ich drehte um, nur was sagt oder fragt man in dem Moment? So fuhr ich zu ihr hin, aber mir fiel wirklich nichts rechtes ein. Ausser die Frage: " Gehts Dir nicht gut? Brauchst Du jemanden zum reden, oder kann ich sonst irgendetwas für dich tun" Sie drehte sich zu mir, sagte: " Nein, es geht schon, bin nur traurig, mir kann keiner helfen." Wischte sich dabei die Tränen aus dem Gesicht..Um noch zu sagen: "Ich werde noch in die Stadt fahren"..sie merkte dass ich sie fragend anschaute.
Und so ging sie dann Richtung Bahnhof. Verliess die Brüecke..und ich sah sie noch am Bahnsteig stehen. Als die S- Bahn einfuhr....da...ja, da stieg sie ein und entschwand.
Ich weiss nicht was sie vorhatte, ich jedenfalls fuhr weiter, verfolgt von den Gedanken an diese unendlich traurigen Augen. aber alles andere hätte mich weit mehr verfolgt..so mischte sich auch etwas Zufriedenheit in dieses Gefühl mit hinein.