Gedanken oder Fragen

05.02.2009 um 09:53 Uhr

Ein Nachruf auf Märklin

Stimmung: gut

Märklin nach 150 Jahren Pleite.
Das von Wilhelm Märklin gegründete Unternehmen ist im 150. Jahr seines Bestehens in Konkurs gegangen.
Seit 1859 besteht das Werk von Wilhelm Märklin schon. Vor drei Jahren kam es schon einmal in Schwierigkeiten. Wurde von den Investoren Kingsbridge und Goldmann Sachs übernommen. Aber Ruhe kam in den Modelleisenbahnhersteller nicht herrein.

Die Geschäftsführer wurden seitdem mehrfach ausgewechselt, letztendlich kassierten nur die Unternehmenberater Millionenbeträge für scheinbar sinnlose Massnahmen.
Die Arbeitnehmer nahmen einiges an Einschränkungen, wie niedrigere Löhne, teilweise Entlassungen und soweiter hin, um ihre Arbeitsplätze zu sichern und zu erhalten.
Dieses schien jetzt alles umsonst, denn die Unternehmensführung musste Insolvenz anmelden.
Die Januarlöhne wurden noch nicht gezahlt. Wie es mit den 650 Mitarbeitern an den Standorten Göppingen und Nürnberg weitergeht, kann niemand sagen. Wenn das Unternehmen nicht gerettet wird, werden sie bald auf der Strasse stehen.

Märklin und Spielzeug Rasch in Hamburg.
In Hamburg, nahe der Mönkebergstrasse gab es das damals grösste Spielzeuggeschäft Hamburgs.
Spielzeug Rasch.
Hier gab es auf zwei Etagen alles an Spielzeug, was das Kinderherz begehrt. Im Erdgeschoss, inmitten dieser ganzen Herrlichkeiten, zwischen Teddys, Steiff Teddys mit Knopf im Ohr, Puppen, Puppenhäusern, Stabilmetallbaukästen, Holzeisenbahnen, Miniaturbauernhöfe stand eine riesige Modelleisenbahnanlage von Märklin.
Jedesmal wenn ich, als kleiner Junge dort war, musste ich sie mir anschauen. Zusehen,wie die Züge durch die Landschaft dort fuhren. Die Anlage war zwar nicht so gross, wie die im Museum für Hamburgische Geschichte, aber immerhin, sie konnte ein Jungenherz schon höher schlagen und Wünsche aufkommen lassen.

Märklin war aber damals schon teuer, so bekam ich irgendwann, nach einigen Jahren, eine Trix Anlage zu Weihnachten. Trix mit Mittelleiter im Schienenbett. Ja, ich weiss noch wie sehr ich mich damals darüber freute, denn auch sie war im Grunde zu teuer.
Das schöne war wohl weniger dieses stupide die Bahn über ihre Schienen fahren zu lassen, sondern das drumherum. Denn so eine Bahn braucht Landschaft, Häuser, Bahnhöfe, Tiere und Wälder.
So war ich dann oft dabei aus Pappe, Berge mitsamt Flüssen und Brücken zu gestalten. Häuser, Bahnhöfe, Burgen und Schlösser zu entwickeln, zu skizzieren, aufzuzeichnen, auszuschneiden und zusammenzukleben.
Irgendwie kann so etwas die Kreativität sehr fördern. Selbst Schloss Neuschwanstein bastelte ich mir zusammen.
Nachteil war, dass ich nach dem Spielen, die geamte Platte wieder abbauen musste, aufgrund beengter Verhältnisse. Was macht man doch nicht alles?

Märklin Modelleisenbahnen blieben bis heute recht teuer, waren letztendlich jetzt mehr etwas für Sammler, denn für Kinder.
Vieles an Handarbeit steckt in den Modellen und eine grosse Naturtreue, aber vielleicht spielte diese Preispolitik des Herstellers, auch eine Rolle für den Niedergang und das finanzielle Fiasko bei Märklin.
Viele Sammler würden es sehr bedauern, wenn es diese Marke nicht mehr geben würde.
Auch ich, selbst wenn ich kein Sammler bin und kein Produkt von Märklin besitze, so ist doch der Traditionsname Märklin ein Relikt, welches mit meiner Kindheit und Kinderträumen eng verknüpft ist.
Bye Märklin.
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